mini|Papiergeld, modernes Symbol für den „materiellen Reichtum“ mini|Bücher als Sinnbild für den „geistigen Reichtum“

Reichtum bezeichnet den Überfluss an gegenständlichen oder geistigen Werten. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Festlegung, da die Vorstellung von Reichtum von kulturell geprägten, subjektiven und zum Teil höchst emotionalen bzw. normativen Wertvorstellungen abhängt. In den modernen Industriestaaten wird Reichtum häufig ausschließlich quantitativ auf Wohlstand und Lebensstandard bezogen, obwohl er sich tatsächlich nicht auf materielle Güter reduzieren lässt. Die Bedeutung geistigen Reichtums wird häufig unterschätzt. Gesellschaftlich gesehen erfordert die Entstehung von Reichtum die allgemein akzeptierte Übereinkunft, dass Dinge, Land oder Geld jemandem gehören und dass dieses Eigentum geschützt wird. So ist (bzw. war) Reichtum in egalitären Gesellschaften unbekannt. Die kulturelle Unterschiedlichkeit des Begriffes ist zum Teil Gegenstand heftiger Debatten.

Das Gegenteil von materiellem Reichtum bzw. wirtschaftlichem Vermögen – sprich: der Mangel an Gütern bzw. ein überdurchschnittlich niedriger quantitativer Wohlstand – wird als Armut bezeichnet; auch hier gibt es die Unterscheidung zwischen materieller und geistiger Armut.

Etymologie Das entsprechende Adjektiv zu „Reichtum“ lautet reich. Es lässt sich auch in anderen germanischen Sprachen wiederfinden, so z. B. im englischen rich oder im schwedischen rik. In seiner historisch ältesten Form got. reiks bedeutet das Adjektiv „mächtig“ und das Substantiv „Herrscher, Obrigkeit“. Sprachwissenschaftler gehen letztlich von einem keltischen Ursprung aus.Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen: Lemma reichDWB: reich

Materieller und monetärer Reichtum mini|hochkant|Das Privatvermögen von Bill Gates entsprach 2013 etwa dem Bruttoinlandsprodukt des Staates Aserbaidschan.

Nach Berechnungen von Oxfam aus dem Jahr 2014 verfügen die reichsten 85 Menschen über denselben Reichtum wie die ärmere Hälfte der Erdbevölkerung zusammen. Nach dem Bericht verfügen diese 85 reichsten Menschen über ein Vermögen von einer Billion Britischer Pfund, was dem Vermögen der 3,5 Milliarden ärmsten Menschen entspricht. Das Vermögen des reichsten Prozentes der Weltbevölkerung belaufe sich weiterhin auf insgesamt 60,88 Billionen Pfund.The Guardian, Oxfam: 85 richest people as wealthy as poorest half of the world, 20. Januar 2014The Independent, World's 85 richest people have as much as poorest 3.5 billion: Oxfam warns Davos of ‘pernicious impact’ of the widening wealth gap, 20. Januar 2014

Psychologische Effekte

Unmoralisches Verhalten Der Wohlstand eines Menschen beeinflusst dessen Denken, Handeln und Fühlen. Laut psychologischer Forschung tendieren wohlhabende Menschen dazu, etwa anderen in Not oft nur dann zu helfen, wenn dies öffentlich geschieht oder sie sich als Wohltäter inszenieren können. Außerdem lügen und betrügen Reiche häufiger als Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Rang. Reichtum verringert außerdem die Empathie. Entsprechendes Verhalten zeigt sich nicht nur in Feldstudien, sondern kann in experimentellen Laborstudien auch erzeugt werden, indem man bei den Studienteilnehmern das Gefühl eines höheren sozioökonomischen Status induziert.

Begrenzter Einfluss auf Wohlbefinden Generell ist Geld zwar relevant für das Wohlbefinden, aber der Effekt wird meist überschätzt. Speziell Einkommensreichtum hat zusätzlich nur einen (im wörtlichen Sinne) begrenzten Einfluss auf das Lebensglück, da ab einer gewissen Höhe des Einkommens die betreffenden Indikatoren für Glück eine Grenze oder „Sättigung” erreichen, d. h. ein Plateau, ab dem sie nicht mehr ansteigen. So wird für Westeuropa und Skandinavien dieses Plateau ab einem gewichteten Äquivalenzjahreseinkommen von 50.000 bis 100.000 US-Dollar erreicht (je nach Indikator). Letzterer Wert entsprach (im Jahr der Studienveröffentlichung) etwa einem Einkommen von 7.062 Euro im Monat. Im Jahr 2023 lag dieses sog. „Glückseinkommen“ in Deutschland bei rund 78.000 Euro pro Jahr, in Österreich bei ca. 82.000 Euro pro Jahr und in der Schweiz bei ca. 110.000 Euro pro Jahr. Aus Sicht der Studienautoren können die Studienergebnisse für Regierungen dazu beitragen, Maßnahmen zur Umverteilung des Reichtums zu motivieren. Zum Vergleich: In Deutschland griff im Jahr der Studienveröffentlichung der Höchststeuersatz ab einem zu versteuernden Einkommen von 22.111 Euro im Monat bei Einzelveranlagung, in Österreich ab einem zu versteuernden Einkommen von 1 Million Euro im Jahr, das sind ca. 71.000 Euro im Monat.

Nicht auf der Ebene einzelner Personen, sondern auf der Ebene ganzer Länder wird der geringe Zusammenhang zwischen (volkswirtschaftlichem) Einkommen und Wohlbefinden als Easterlin-Paradox bezeichnet.

Solidarisierungseffekt mit den Reichen Der „Solidarisierungseffekt mit den Reichen“ beschreibt das Phänomen, dass sich auch Bevölkerungsgruppen, die sich weit unterhalb der wohlhabenden Mittelschichten mit großem Vermögen befinden, mit diesen identifizieren. Sie befürchten, dass ihr eigenes Gespartes von einer Umverteilungspolitik selbst betroffen sein könnte. Die Identifikation mit den Reichen gibt es nicht zuletzt auch deshalb, da Reichtum ein eigenes Lebensziel bzw. Ideal ist und sich mehr Menschen der Mittelschicht zugehörig fühlen, als es der Definitionen entspricht.

Volkswirtschaftliche Effekte Wenn massive Anteile des Einkommens einer Nation in den Händen einiger weniger konzentriert sind, leidet das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Eine Studie des Internationalen Währungsfonds aus dem Jahr 2015 ergab, dass „wenn der Einkommensanteil der obersten 20 % (der Reichen) steigt, nimmt das BIP-Wachstum mittelfristig tatsächlich ab, was darauf hindeutet, dass Gewinne nicht nach unten durchsickern“, während „eine Zunahme des Einkommensanteils der unteren 20 % (der Armen) mit einem höheren BIP-Wachstum verbunden ist.“

Reichtum von Staaten Der Reichtum von Ländern lässt sich anhand verschiedener Indikatoren vergleichen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner waren 2019 die reichsten Länder der Welt Irland (80.504 Dollar pro Kopf), Schweiz (82.483 Dollar pro Kopf) und Luxemburg (115.838 Dollar pro Kopf). Deutschland belegte mit 46.472 Dollar den 18. Platz.

Interessenvertretung auf EU-Ebene Laut dem Transparenzregister für die europäische Interessenvertretung kommen in Brüssel auf zwei Arbeitnehmervertreter 100 Interessensvertreter von Unternehmen und ihren Verbänden. Die Neue Zeit zog daraus die Schlussfolgerung, dass Menschen mit viel Geld eine 50 Mal stärkere Stimme haben als Menschen mit wenig Geld. Dies hebele die europäische Demokratie aus.

Reichtum in Deutschland mini|Summe des absoluten Vermögens deutscher Haushalte nach Vermögensgruppen im Jahr 2018

Deutschland ist – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – im weltweiten Vergleich ein sehr reiches Land. Zwischen 1960 und 2003 hat sich das inflationsbereinigte BIP verdreifacht. Zwischen 1991 und 2001 wuchs es um knapp 16 % von 1.710 Milliarden Euro auf 1.980 Milliarden Euro. Das Geldvermögen, das Privatleute besitzen, stieg in diesen zehn Jahren um rund 80 %, von 2,0 Billionen Euro 1991 auf 3,6 Billionen Euro 2001.

Je mehr Geld ein Mensch hat, desto höher setzt er subjektiv die Grenze an, ab der er jemanden für reich hält. Wegen der niedrigen vermögensbezogenen Besteuerung wurde Deutschland 2013 als „Reichenparadies“ bezeichnet.

Es wird unterschieden zwischen Reichtum bezogen auf das Einkommen (sogenannter Einkommensreichtum) und bezogen auf das Vermögen (Vermögensreichtum).

Vermögensreichtum

Merkmale Als objektiver Indikator für Wohlstand und Reichtum ist Vermögen eher noch wichtiger als das Einkommen. Vermögen kann als Sicherheit dienen und zeitlich begrenzte Einkommensausfälle ausgleichen.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Vermögensreichtum und Aktienbesitz auf zwei Ebenen. Zum einen kann nur bei ausreichendem Vermögen überhaupt in Aktien oder Fonds investiert werden. So ist beispielsweise im bundesweiten Vergleich im reichen Landkreis Starnberg der Anteil der Einwohner am höchsten, die Aktien (41 %) oder Fondsanteile (66 %) besitzen. Da zum anderen Aktien sich langfristig besser rentieren als Zinsprodukte, werden Vermögende zudem noch vermögender als Nicht-Aktienbesitzer.

Einzelpersonen Im Jahr 2019 lag laut des weltweiten Vermögensberichts der Credit Suisse in Deutschland das mittlere Vermögen eines Erwachsenen bei 35.313 US-Dollar, was ca. 31.500 Euro entsprach. Wird die von Ernst-Ulrich Huster vorgeschlagene Grenze von 200 % des Medians angewendet, ergibt sich für Deutschland der Vermögensreichtum ab einem Vermögen von 63.000 Euro. Laut offizieller Statistik lag 2013 diese sogenannte „Reichtumsschwelle“ dagegen bei 77.378 Euro.

Banken benutzen nicht diese auf Statistik basierende Schwelle. Sie teilen ihre Kundschaft in vier Kategorien ein:

Bankkontostand unter 100.000 Euro = normale Person, liquides Nettovermögen von mehr als 100.000 Euro = wohlhabende Person (Englisch: „affluent“), ab einer Million Euro = reiche Person („High-Net-Worth-Individual“), ab 30 Millionen Euro = superreiche Person („Ultra-High-Net-Worth-Individual“).

Hierbei ist das persönliche Gesamtvermögen nicht entscheidend, sondern es wird nur darauf abgestellt, wie viel Geld eine Person flüssig zur Verfügung hat (liquides Nettovermögen). Denn nur diese Summe kann angelegt werden und nur über die Vermittlung von Geldanlagen verdienen die Banken Provisionen und Entgelte.

Haushalte Das iwd definierte 2019 Haushalte in Deutschland als vermögensreich, wenn sie über ein Nettovermögen von 477.200 Euro verfügen. Diese Grenze lag in der Altersgruppe unter 30 deutlich niedriger und in der Altersgruppe von 55 und 59 Jahren deutlich höher.

Laut Daten der Bundesbank ist Immobilienbesitz ein guter Indikator für die Höhe des Vermögens von Haushalten. Haushalte, die in einer eigenen Immobilie leben, haben deutlich höhere Nettovermögen als Mieterhaushalte.

Vermögensverteilung mini|Das Größenverhältnis des Haushaltsvermögens an bestimmten Punkten der Vermögensverteilung im Jahr 2017, hier dargestellt als Fläche. Hinweis zur Interpretation: Ein Haushalt z. B. des 90. Perzentils liegt exakt auf dem 90. Prozent der Vermögensverteilung. Das 50. Perzentil entspricht damit zugleich dem mittleren Vermögen deutscher Haushalte.

Die Vermögen, besonders die Geldvermögen, sind sehr ungleich verteilt (siehe Vermögensverteilung in Deutschland). Während im Jahr 2003 die „unteren“ 50 % aller Haushalte zusammen 3,8 % des Gesamtvermögens besaßen, verfügten die „oberen“ 10 % der Haushalte über 46,8 % des privaten Vermögens in Deutschland. 1998 lag dieses Verhältnis noch bei 3,9 % zu 44,4 %. (PDF) Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. S. 24. Entwurf (Fassung für Ressortabstimmung und Beteiligung von Verbänden und Wissenschaft). 14. Dezember 2004. Abgerufen am 5. April 2024. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort. So verfügte 2017 die ärmere Hälfte der Bevölkerung über 1,3 % des Gesamtvermögens, die reichsten 10 % über 56 %. Schätzungen des DIW, die fehlende Daten des Statistischen Bundesamtes ergänzten (siehe Abschnitt Einkommensreichtum), kamen zu einer noch stärkeren Konzentration des Vermögensreichtums. Demnach besaßen die reichsten 10 % der Deutschen mindestens 63 % des Volksvermögens.