End of chapter (deutsch Schluss des Kapitels oder Ende des Kapitels) ist ein 1957 erschienener Kriminalroman von Nicholas Blake (Pseudonym von Cecil Day-Lewis). Die erste deutsche Übersetzung von Margret Schmitz erschien 1962 im Rowohlt Verlag. Kurzbeschreibung Bei End of chapter handelt es sich um einen Whodunit-Krimi, in dem zwei Kriminalfälle miteinander verknüpft sind: „Auf einen Verleumdungsfall folgt die Ermordung der Roman-Schriftstellerin Millicent Miles und die anschließende Untersuchung“ durch den Detektiv Nigel Strangeways, „der den Täter unter einer Gruppe extravaganter Verdächtiger ausfindig machen muss.“„A case of libel is followed by the murder of romantic novelist Millicent Miles and the subsequent investigation by Nigel [Strangeways], who has to dicover the culprit from among a flamboyant cast of suspects.“ – David Clark: „A deceptive air of docility“. The Golden Age II: Nicholas Blake and Mrs Victor Rickard. In: David Clark: Dark green. Irish crime fiction 1665–2000. (=Reimagining Ireland, Band 114.) Lang, Oxford 2022. ISBN 978-1-80079-826-7. S. 155–170. Hier S. 164. Inhalt Der Verleumdungsfall Das angesehene Verlagshaus Wenham & Geraldine ist in einen Skandal verwickelt: Es hat die Autobiografie eines pensionierten Generals auf den Markt gebracht, in der entgegen vorheriger Verabredung zwei Textstellen den Ex-Generalgouverneur einer britischen Kolonie diskreditieren: „Eine der Stellen war nur ein paar Zeilen lang, und die andere stand am Ende eines Kapitels“ und handelt davon, dass der Ex-Generalgouverneur durch seine Unfähigkeit schuld wäre an einem 1947 verübten Massaker an britischen Soldaten in einer Kaserne der Kolonialstadt Ulombo.Nicholas Blake: Ende des Kapitels. Roman. Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Diogenes, Zürich 1998. ISBN 3-257-06163-3. S. 16. Ursache dafür, dass das Buch mitsamt dieser zwei verleumderischen Textstellen auf den Markt kam, war, dass in den Korrekturfahnen die Streichung der verleumderischen Textstellen durch das in Druckbuchstaben geschriebene Wort „stet“ (lat.: stehen lassen) rückgängig gemacht wurde.Blake, Ende des Kapitels, S. 17. Die Verlagsleitung beauftragt den Privatermittler Nigel Strangeways herauszufinden, wer mit welchem Motiv das Ungemach über den Verlag heraufbeschwor: „Es gibt vier denkbare Motive. Um dem Verlag zu schaden. Um den Autor schlechtzumachen. Um diesem [Ex-Generalgouverneur] Blair-Chatterley eins auszuwischen. Oder, natürlich, reine Bosheit.“Blake, Ende des Kapitels, S. 19. Nigel Strangeways erfährt, dass die Korrekturfahnen zum fraglichen Zeitpunkt im Büro des Cheflektors Stephen Protheroe lagen,Blake, Ende des Kapitels, S. 20. dessen Gedicht Feuer und Asche 1927 Furore machte, aber eine Eintagsfliege blieb.Blake, Ende des Kapitels, S. 22. Als vermeintlicher neuer Fachlektor wird Nigel Strangeways bei Stephen Protheroe einquartiert,Blake, Ende des Kapitels, S. 22–23. der der Bestseller-Autorin Millicent Miles im Nachbarbüro in herzlicher Abneigung verbunden ist:Blake, Ende des Kapitels, S. 26. Schon im ersten, durch ein Schiebefenster geführten bissigen Wortwechsel zwischen Millicent Miles und Stephen Protheroe entdeckt Strangeways Züge der „Kabbelei eines alten Ehepaars, dessen Waffen von langem Gebrauch stumpf geworden sind.“Blake, Ende des Kapitels, S. 37. Millicent versucht den vermeintlichen neuen Lektor Strangeways in einem Vieraugengespräch auf ihre Seite zu ziehen: Mündlich sei vereinbart worden, dass nicht nur ihre in Arbeit befindliche Autobiografie bei Wenham & Geraldine erscheine, sondern auch einige vergriffene Romane von ihr bei Wenham & Geraldine neu aufgelegt würden, doch Protheroe stelle sich dagegen.Blake, Ende des Kapitels, S. 41. Während Millicent Miles und Stephen Protheroe dementieren, schon länger miteinander bekannt zu sein, gibt der General, der das Buch mit den verleumderischen Textstellen auf den Markt bringen wollte, offen zu, Millicent Miles schon länger zu kennen: Sie sei 1940 im Rahmen der Truppenbetreuung aufgetreten, habe sich herablassend verhalten. „Und die Truppe mag es nicht, wenn man sie von oben herab behandelt […]. Also haben wir eine Gegendemonstration veranstaltet, so ein richtig hochgeistiges Geplänkel. Die Luft schwirrte von Henry James, Proust, Dostojewskij, Finnegan’s Wake – die ganze Leier. Diese Miles konnte da einfach nicht mithalten. […] Hat ihr überhaupt nicht gefallen. Empörendes Verhalten der brutalen, zügellosen Soldateska. Kultivierte Frau in ihrer ganzen geistigen Nacktheit bloßgestellt.“Blake, Ende des Kapitels, S. 54–55. Strangeways entdeckt in der Kombination aus abgelehntem Roman-Nachdruck durch den Verlag und der einstigen Demütigung durch den General und seine literarisch versierten Soldaten ein potentielles Motiv für „eine selbstsüchtige und rachsüchtige Frau“;Blake, Ende des Kapitels, S. 71. hinzu kommt Strangeways Mutmaßung, „daß sie einen tieferen Groll gegen Stephen hegt. […] Sie hassen sich wie die Pest. Sie reden miteinander […] mit einer Art Vertraulichkeit, wie nur Verachtung oder Haß sie hervorbringt – als wären sie damit alt geworden.“Blake, Ende des Kapitels, S. 101–102. Neben Millicent sind ihm noch ihr dekadenter Sohn Cyprian Gleed, Protheroe sowie der Verlags-Mitgesellschafter Basil Ryle verdächtig.Blake, Ende des Kapitels, S. 104 und 111. Die eine Tatverdächtige verliert Nigel Strangeways allerdings: Millicent Miles wird abends in ihrem Büro die Kehle durchgeschnitten.Blake, Ende des Kapitels, S. 113.
Der Mordfall Als man die Leiche der Millicent Miles findet, fällt auf, dass sie gerade am Typoskript ihrer Autobiografie arbeitete.Blake, Ende des Kapitels, S. 135. Allerdings ist das von Millicent Miles zuletzt getippte Blatt nicht mehr korrekt ausgerichtet, also offenbar zwischendurch aus der Schreibmaschine entfernt worden. „Deswegen hat die Polizei sofort vermutet, daß der Mörder etwas getippt hat.“Blake, Ende des Kapitels, S. 296. Tatsächlich ist die letzte Seite von Kapitel 4 ihrer Autobiografie „kaum wahrnehmbar weißer als die Seiten davor und danach“.Blake, Ende des Kapitels, S. 163. Auf der weißeren, offenbar gefälschten Seite wird klargestellt, dass eine zuvor geschilderte Liebesbeziehung der jungen Millicent Miles kinderlos blieb.
Als Nigel Strangeways, der in dem Miles-Typoskript die Verwendung von Pseudonymen wie Rockingham (eine Porzellanart)Blake, Ende des Kapitels, S. 175. feststellte, zu einer kleinen Gesellschaft beim Ko-Verleger Arthur Geraldine eingeladen wird, nimmt er wahr, dass Geraldine „eine hinreißende Sammlung von Porzellan“ sein Eigen nennt.Blake, Ende des Kapitels, S. 178. Aufgrund der demonstrativen Verneinung eines unehelichen Kindes auf der offenbar nach dem Mord gefälschten Seite der Miles-Autobiografie fragt Strangeways sich mit Blick auf den Miles-Verleger Arthur Geraldine: „Wenn er ein uneheliches Kind gehabt und dessen Mutter sitzengelassen hat? Würde eines solche Enthüllung nicht auch heute noch eine achtbare Säule des Verlagswesens ins Wanken bringen?“Blake, Ende des Kapitels, S. 183. Könnte Millicent Miles also ihren Verleger erpresst und dafür mit dem Leben bezahlt haben? Eine Schulkameradin von Millicent berichtet Nigel Strangeways, dass in ihrem letzten gemeinsamen Schuljahr, im Sommerhalbjahr 1924, ein Tageszeitungs-Vertriebler Annäherungsversuche bei Millicent gestartet habe,Blake, Ende des Kapitels, S. 198–199. dessen Identität Strangeways in den Räumlichkeiten der Tageszeitung als die des Arthur Geraldine aufklärt.Blake, Ende des Kapitels, S. 203. Tatsächlich gibt Geraldine zu, dass er im Hause Miles verkehrt habe, um das dort herumstehende Rockingham-Porzellan zu erstehen.Blake, Ende des Kapitels, S. 254. Strangeways konfrontiert Geraldine mit der Aussage der ehemaligen Miles-Schulkameradin. „Für eine Erpressung wäre versuchte Notzucht an einem Schulmädchen, falls von anderer Seite bestätigt, auch noch nach dreißig Jahren eine sehr gute Karte.“Blake, Ende des Kapitels, S. 258. Geraldine stellt die Angelegenheit allerdings so dar, „daß es eine abgekartete Sache zwischen dem Mädchen [Millicent Miles] und ihrem Vater war, obwohl er [=Arthur Geraldine] das damals nicht bemerkt hatte. Das Mädchen hat ihn […] in eine kompromittierende Situation manövriert, worauf der Vater ins Zimmer gekommen ist und die beiden überrascht hat. […] Arthur war jung und unerfahren. […] Jedenfalls hat man ihn dazu gebracht, ein Geständnis zu unterschreiben, und er hat dem Vater bis zu dessen Tod mehrere Jahre lang ein regelmäßiges Schweigegeld gezahlt“, danach allerdings nichts mehr. Geraldines Mutmaßung ist, dass das Geständnis „nach Mr. Miles‘ Tod vernichtet worden war.“Blake, Ende des Kapitels, S. 279–280.
Während der Nachforschungen über eine Affäre zwischen der Ermordeten und Geraldine spekuliert Strangeways auf einen Zusammenhang zwischen Verleumdungs- und Mordfall: Zum Zeitpunkt des Massakers von Ulombo wäre das gemutmaßte Kind der Millicent Miles 21 Jahre alt und somit im wehrpflichtigen Alter gewesen. Strangeways lässt in den Akten nach den Namen Miles und Geraldine forschen, stößt allerdings auf den Namen „Paul Protheroe“,Blake, Ende des Kapitels, S. 215. geboren am 29. November 1926 als Kind von „Stephen Protheroe und Millicent Protheroe“.Blake, Ende des Kapitels, S. 223. Damit kommt der Cheflektor Stephen Protheroe als Tatverdächtiger in Frage, der allerdings behauptet, Paul Protheroe sei das Kind seines Bruders gewesen: Jener, ein zwischenzeitlich verstorbener Theologie-Student, habe über Stephen Protheroe Millicent Miles kennengelernt und sie geschwängert.Blake, Ende des Kapitels, S. 243–244. Vorübergehend konzentriert Nigel Strangeways sich daher wieder auf den Verdächtigen Arthur Geraldine. Das ändert sich erst, als der Verlags-Mitgesellschafter Basil Ryle fürchtet, Millicent „in einem Anfall geistiger Umnachtung umgebracht“ zu habenBlake, Ende des Kapitels, S. 283. und darin durch ein perfides Manöver der Ko-Verlegerin und Protheroe-Freundin Liz Wenham vorübergehend bestärkt wird. Eine Woche nach dem LeichenfundBlake, Ende des Kapitels, S. 291. stellt Nigel Strangeways mit Hilfe einer Freundin, die Millicent Miles spielt, vor den Augen von Basil Ryle und Stephen Protheroe die Tat nach, ein Versuch, „der von Basil voll Grauen, von Stephen mit so etwas wie Verdutztheit“ verfolgt wird.Blake, Ende des Kapitels, S. 295. Nachgestellt wird außer dem eigentlichen Mord auch das Beseitigen der Verkleidung des Mörders. Als Strangeways, Protheroe und Ryle nahe der Gepäckaufbewahrung am Bahnhof anlangen, wo sich bereits Polizisten aufhalten, konfrontiert Nigel Strangeways Stephen Protheroe überraschend und fundiert mit dem Vorwurf, Protheroe sei der Mörder. „Stephen stieß ein leises, wie von einem Alptraum hervorgerufenes Wimmern aus, flitzte plötzlich los und rannte schräg nach links auf das offene Tor eines Abfahrtsbahnsteigs zu“, wo er sich vor einen Zug wirft und umkommt.Blake, Ende des Kapitels, S. 300–301. Verknüpfung der beiden Fälle