(885) Ulrike ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 23. September 1917 vom russischen Astronomen Sergei Iwanowitsch Beljawski am Krim-Observatorium in Simejis bei einer Helligkeit von 13,0 mag entdeckt wurde. Am 26. September erfolgte noch eine unabhängige Entdeckung durch Max Wolf an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass das Objekt bereits am 24. August 1906 am Lowell-Observatorium in Arizona und dann im Zeitraum vom 24. September bis 13. Oktober 1906 mehrfach in Heidelberg und an der Universitätssternwarte Wien fotografiert worden war.
Der Asteroid ist vermutlich benannt zu Ehren von Ulrike von Levetzow (1804–1899). Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) lernte Ulrike im Sommer 1821–1823 in Marienbad, Böhmen, kennen. Goethe hielt um ihre Hand an, doch sie wies seinen Antrag zurück. Seine Trauer fand Ausdruck in der berühmten Marienbader Elegie (1823). Diese Erklärung ist sehr wahrscheinlich, da der Entdecker in Göttingen studiert hatte und ein Experte für deutsche Literatur war.
Aufgrund ihrer Bahneigenschaften wird (885) Ulrike zur Themis-Familie gezählt.
Wissenschaftliche Auswertung Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (885) Ulrike, für die damals Werte von 33,4 km bzw. 0,08 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB). Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2012 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 30,5 km bzw. 0,11.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, C. Nugent, M. S. Cabrera: Preliminary Analysis of WISE/NEOWISE 3-Band Cryogenic and Post-cryogenic Observations of Main Belt Asteroids. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 759, Nr. 1, L8, 2012, S. 1–8, doi:10.1088/2041-8205/759/1/L8 (PDF; 3,27 MB). Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 mit 42,2 km bzw. 0,08 angegeben, diese Angaben beinhalten aber hohe Unsicherheiten.C. R. Nugent, A. Mainzer, J. Masiero, J. Bauer, R. M. Cutri, T. Grav, E. Kramer, S. Sonnett, R. Stevenson, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year One: Preliminary Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astrophysical Journal. Band 814, Nr. 2, 2015, S. 1–13, doi:10.1088/0004-637X/814/2/117 (PDF; 1,07 MB).
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 20. September 2004 am Menke Observatory in Maryland. Aus der aufgezeichneten Lichtkurve wurde eine Rotationsperiode von 4,90 h abgeleitet.J. Menke: Asteroid lightcurve results from Menke Observatory. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 32, Nr. 4, 2005, S. 85–88, (PDF; 573 kB).
Im Jahr 2016 führte die Auswertung von archivierten Lichtkurven des United States Naval Observatory (USNO) in Arizona und der Catalina Sky Survey erstmals zur Erstellung eines dreidimensionalen Gestaltmodells des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 4,90616 h.J. Ďurech, J. Hanuš, D. Oszkiewicz, R. Vančo: Asteroid models from the Lowell photometric database. In: Astronomy & Astrophysics. Band 587, A48, 2016, S. 1–6, doi:10.1051/0004-6361/201527573 (PDF; 262 kB).
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 4,90617 h bestimmt werden.J. Ďurech, M. Vávra, R. Vančo, N. Erasmus: Rotation Periods of Asteroids Determined With Bootstrap Convex Inversion From ATLAS Photometry. In: Frontiers in Astronomy and Space Sciences. Band 9, 2022, S. 1–7, doi:10.3389/fspas.2022.809771 (PDF; 1,01 MB).
Siehe auch Liste der Asteroiden
Weblinks
(885) Ulrike in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).
Einzelnachweise