Freienohl ist nach der Kernstadt der zweitgrößte Stadtteil von Meschede im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis.

Gelegen im oberen Ruhrtal am Südrand des Arnsberger Waldes, führte Freienohl bis zur Eingliederung nach Meschede den Titel Freiheit.

Geschichte Vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg Erste urkundliche Erwähnung fand Freienohl („Friggenaul“) im Jahre 1272 in einem Copiar der Grafen von Arnsberg, das im 14. Jahrhundert angelegt wurde. Der Ort wurde hier als Vrygenole bezeichnet. In dieser Urkunde wurde der Johann gen. Blessen von Graf Gottfried III. als Dienstmann angenommen.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 15

Bereits zuvor – etwa ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. – war die spätere Fläche des Ortes besiedelt und von einer Wallburg, der Schiedliken Borg gesichert. Später gehörte Freienohl zur Gemeinde Calle. Im Ort selbst bestand nur eine Kuratkapelle. Politisch war der Ort Teil der Grafschaft Arnsberg. Graf Gottfried IV. von Arnsberg erhob Freienohl 1364, aus Dankbarkeit für die Unterstützung der Freienohler im Kampf gegen Winterberg, zu einer Freiheit nach Lippstädter Recht.Das sich hieraus ergebende eigene Freigericht überlebte alle Herrschaftswechsel und bestand bis Anfang 1839; erst seither unterstand Freienohl dem königlichen Land- und Stadtgericht zu Arnsberg.(Justiz-Ministerialblatt 1839, S. 118) Im 15. Jahrhundert wurde die Freiheit Freienohl zur Hansestadt dritten Ranges erhoben. Im 16. Jahrhundert wuchs der Ort auf eine Größe von 45 Wohnhäusern an, die jedoch in den folgenden Jahrzehnten durch Pest und einen Großbrand (1699) wieder auf 38 absank. Am 29. Mai 1702 wurde die St.-Nikolaus-Schützenbruderschaft Freienohl gegründet, fünf bzw. 29 Jahre darauf entstanden mit der Friedhofs- und Plastenbergkapelle die ersten Gotteshäuser. Am 24. Juni 1753 wurde schließlich die neu errichtete St.-Nikolaus-Pfarrkirche geweiht.

Im Jahr 1843 wurde das neue Amt Freienohl aus dem älteren Amt Freienohl und Teilen des aufgelösten Amtes Hellefeld gebildet. Es bestand bis zu seiner Auflösung im Jahr 1975.

Am 31. Juli 1888 fand die Einweihung des Kriegerdenkmales für die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 statt. Das Denkmal stand an der Ecke Alter Weg/Düringerstraße. Später wurde es in den Vorgarten des alten Amtshauses versetzt.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 213

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das bis heute äußerst intakte Freienohler Vereinsleben. Da Freienohl im Jahre 1893 erneut von einem Großbrand heimgesucht wurde, formierte sich daraufhin eine Freiwillige Feuerwehr.

Nach dem Ersten Weltkrieg 1932 wurde der Freiheit Freienohl der Titel eines Luftkurorts zugesprochen (nicht mehr gegeben). Anfang der 1930er Jahre waren in der Gemeinde etwa 500 Arbeitslose verzeichnet, das waren um die 90 % der erwerbsfähigen Arbeitnehmer. Im November 1932 fanden die letzten freien Wahlen statt von 1277 gültigen Stimmen fielen 220 auf die KPD und 192 auf die NSDAP. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde eine Notverordnung erlassen, die Beschränkungen der persönlichen Freiheit, wie zum Beispiel das Vereins- und Versammlungsrecht, zuließen. Nach etlichen weiteren Erlassen kam das Gemeindeverfassungsgesetz vom 15. Dezember 1933, nach dem die neuen Gemeindevertreter nicht mehr gewählt, sondern von der NSDAP bestimmt wurden. Die Gemeindevertretung hatte keine beschließende Funktion mehr, sondern nur noch eine beratende. Der Amtsbürgermeister Hermann Horn wurde wegen Unzuverlässigkeit des Amtes enthoben, er wurde von dem Amts- und Gemeindebürgermeister Michels abgelöst, der 1940 in Orléans an den Folgen einer Schussverletzung starb. Michels hatte 1939 geplant, das Amt Freienohl aufzulösen und mit den Teilen des Restamtes Hüsten in ein Amt Arnsberg-Land zu integrieren. Die Pläne wurden später aufgegeben.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 207 Der verstorbene Michels wurde durch einen von Warstein abgeordneten Beamten ersetzt, der im März 1945 abgelöst wurde, weil er an einer Vereidigung des Volkssturmes nicht teilgenommen hatte und weil er seinen Dienstwagen für private Zwecke nutzte. Der neue Amtsbürgermeister mit Namen Hahne wurde am 16. März 1945 eingesetzt. Er wurde von den Amerikanern bestätigt und blieb bis 1953, später mit dem Titel Gemeindedirektor, im Amt.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 208 Der nationalsozialistische Terror zeigte sich im Ort in einer Verhaftungswelle am 28. Februar 1933. Infolge der Reichstagsbrandverordnung wurden sechs örtliche KPD-Mitglieder und Regimegegner inhaftiert. Organisierter Widerstand aus den Reihen der Bevölkerung ist nicht bekannt. Nach einem Führererlass vom 25. September 1944 wurde am 28. Januar das zuvor gegründete Volkssturm-Bataillon Freienohl-Oeventrop vereidigt, Bataillonsführer war der Lehrer Demmel. Diese Einheit war Mitglied im Freikorps Sauerland.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 222 Am 11. April 1945 wurde Freienohl, nach kleineren Gefechten mit deutschen Soldaten, von amerikanischen Truppen eingenommen, sie rückten gegen elf Uhr in den Ort ein. Viele Einwohner hatten weiße Laken in die Fenster gehängt. Nach der sofort anberaumten Durchsuchungsaktion wurden Waffen gefunden und die deutschen Soldaten in Gefangenschaft verbracht. Die Amerikaner zogen im Juni 1945 wieder ab, sie wurden von der 56. britischen Division ersetzt.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 208 und 209 Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Versorgungslage deutlich schlechter, wegen der erstmals 1939 ausgegebenen Lebensmittelkarten wurde die Lage allerdings nicht so dramatisch wie im Ersten Weltkrieg Steckrübenwinter. Von Kriegsschäden durch Bombardierungen oder Beschuss blieb der Ort weitgehend verschont.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 212 Ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde 1933 in der Nähe der Brunnenstraße errichtet und später in eine Grünanlage versetzt.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 213

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Versorgungslage schwierig, die Zuteilungen waren knapp. Einwohner des Ortes wurden zu Aufräumarbeiten in die zerstörten Städte des Ruhrgebietes kommandiert. Ab 21. Juni 1945 wurde das britische Detachement 919 eingerichtet, Kommandant war Oberstleutnant John Swayne. 1947 übernahmen zivile britische Stellen die Aufgaben der Militärverwaltung, Ziviladministrator war John Swayne.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seiten 224 und 225 Im Juli 1945 nahmen etwa 80 russische Bürger im Ort Quartier, sie hatten die Aufgabe, russische Zwangsarbeiter und Gefangene zu repatriieren. Die großzügige Versorgung mit Naturalien oblag der Gemeinde. Diese Aktion endete am 23. Oktober 1945.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 225 Von den in anderen Ortschaften vorgekommenen Plünderungen, Überfälle und Tötungsdelikte durch ehemalige Zwangsarbeiter blieb der Ort weitgehend verschont.

Die ersten Transporte mit Vertriebenen trafen im April 1946 im Ort ein. Sie stammten überwiegend aus Schlesien, Waldenburgerland, Oberschlesien und Grafschaft Glatz. In den Jahren darauf kamen noch Transporte aus dem Sudetenland und Pommern sowie aus Ost- und Westpreußen an. Die Verwaltung übernahm die Amtsverwaltung Freienohl. Die Vertriebenenverbände gründeten in den 1950er Jahren einen Amtsbeirat um der Verwaltung beratend beizustehen. Im Ort wurden nach überlieferten Unterlagen über 400 Vertriebene ansässig. Hieraus entstand gravierende Wohnungsnot, in Notunterkünften waren teilweise in einem Raum bis zu sechs Menschen untergebracht. Unterhalb des Friedhofes begann 1952 der Bau von Siedlungshäusern. Etliche Landwirte stellten im Austauschverfahren Bauland gegen Ackerland zur Verfügung. Zusätzlich entstanden Vier Doppelwohnhäuser mit insgesamt 24 Wohneinheiten. Die Siedlungsgesellschaft Rote Erde errichtete 12 Häuser mit Ackerland für die Nutzung im Nebenerwerb, um vertriebene Landwirte nicht völlig ihrem ehemaligen Beruf zu entfremden. Einige Bauernhöfe wurden aus dem Ortskern umgesiedelt, deren Bewirtschaftung im Ortskern und die stark befahrene Bundesstraße erschwerte die Verbindung zu den Feldern.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seite 230 Da der Ort im Krieg weitgehend erhalten blieb, verstärkte sich danach der Zustrom Gewerbetreibender. In der ehemaligen Schützenhalle wurde die Tuchfabrik Goblet und Sohn eingerichtet und etliche andere Betriebe übersiedelten aus den zerstörten Städten des Ruhrgebietes hier niederließen. Dabei spielte auch das Motiv der Versorgung der Belegschaft mit Lebensmitteln eine Rolle. Etlichen Firmen, überwiegend aus der Baubranche, musste wegen Platzmangel die Ansiedlung verweigert werden außerdem musste wegen einer Verfügung des Regierungspräsidenten in Arnsberg, der Charakter des Luftkurortes als Erholungsstätte erhalten bleiben. Ein wichtiger Gewerbezweig war die Holzindustrie mit drei Sägewerken.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seiten 226 bis 228

Am 1. Januar 1975 wurde im Rahmen der kommunalen Neugliederung aus der selbstständigen Gemeinde Freienohl zusammen mit Calle, Eversberg, Grevenstein, Meschede, Meschede-Land, Remblinghausen und Visbeck die neue Stadt Meschede gebildet.

Religionen Jüdische Bevölkerung Einige jüdische Familien nahmen am Anfang des 19. Jahrhunderts die verkehrsgünstige Lage des Ortes zum Anlass, sich hier niederzulassen. Nach den Angaben im Geburtenregister von 1837 bis 1875 waren jüdische Metzger, Krämer, Handelsmänner und andere gemeldet. Die jüdischen Einwohner wurden 1854 dem Synagogenbezirk Arnsberg zugeteilt. Zur Zeit des Nationalsozialismus lebten fünf jüdische Familien im Ort, deren Mitglieder zum Teil verhaftet und in Lager verbracht wurden. Ein großer Teil emigrierte.Wolf, Manfred: Freiheit Freienohl 1272–1975, Meschede 1985 Seiten 211 und 212

Kirchen Pfarrkirche St. Nikolaus mini|Pfarrkirche St. Nikolaus

Vermutlich reichen die Ursprünge der Pfarrei in die Gründung der Freiheit im 14. Jahrhundert zurück, eine Erwähnung der Pfarrei erfolgte 1375 in einer Urkunde. Oberhalb der Hauptstraße lag der Langenhof, auf dessen Grund war früher eine Frühmeßvikarie unserer lieben Frau, eine Klostergemeinschaft für Frauen ansässig, die von dem hiesigen Pfarrer unabhängig war. Das Bethaus dieser Gemeinschaft stand vermutlich dort, wo sich heute die Pfarrkirche befindet. Die Nikolaus-Gemeinde wurde im 14. Jahrhundert zur Pfarre erhoben, die Klostergemeinschaft unserer lieben Frau bestand nach 1545 nicht mehr und so gingen deren Rechte und Besitzungen an die Pfarre über. Die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche umfunktioniert, neben dem Kirchenschiff war ein sogenannter Betchor vorhanden, der von den Schwestern genutzt wurde. Das Vorhandensein dreier Altäre ist urkundlich belegt, des Nikolausaltars (Hauptaltar) und zweier Nebenaltäre, die den Heiligen Maria und Antonius geweiht waren. Die heutige Pfarrkirche wurde von 1751 bis 1752 als einschiffiges Gebäude errichtet. Da schon nach einiger Zeit die Bevölkerung stark zunahm, wurde die Kirche zu klein. Der Chor und die östliche Hälfte des Langhauses wurden abgebrochen und kreuzförmig erweitert. So entstanden die Seitenschiffe. Von 1956 bis 1957 wurde die Sakristei an der Südseite erweitert.

Der Hochaltar war dem Nikolaus geweiht, Konpatrone waren Franz Xaver und Johannes Evangelist. Der Marienaltar stand zusätzlich unter dem Patrozinium der Heiligen Agatha und Lucia, der Josefsaltar hatte die Konpatrone Antonous von Padaua, sowie Sebastian und Fabian.

Evangelische Kapelle am Plastenberg