mini|hochkant|Édouard Manet, Foto von Félix Nadar (etwa 1867–1870) Édouard Manet (* 23. Januar 1832 in Paris; † 30. April 1883 ebenda) war ein französischer Maler. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Malerei.

Leben Kindheit mini|hochkant|Bildnis der Eltern, 1860Musée d’Orsay, Paris Édouard Manet kam 1832 im Haus Nummer 5 in der Rue des Petits-Augustins (heute Rue Bonaparte) im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés zur Welt. Das Geburtshaus befindet sich direkt gegenüber der Académie des Beaux-Arts unweit des Louvre. Er entstammte einer bürgerlichen Familie mit republikanischer Gesinnung. Sein Vater, Auguste Manet, war Richter und arbeitete als Leiter der Personalabteilung im Justizministerium. Die Mutter Eugénie-Désirée Manet, geborene Fournier, war die Tochter eines französischen Diplomaten, der als Konsul in Göteborg arbeitete. Der schwedische König Karl XIII. war einer der Paten der Mutter. Eugénie-Désirée Manet tat sich bei Hauskonzerten als Sängerin hervor. Die Eltern verfügten über ererbten Grundbesitz in Gennevilliers, wo Manets Großvater Bürgermeister war. Das dortige Haus diente der Familie als Sommerwohnsitz und die verpachteten Ländereien ermöglichten einen gehobenen Lebensstil. Édouard Manets jüngere Brüder waren der 1833 geborene Eugène und der 1835 geborene Gustave. Der Onkel Edmond-Édouard Fournier begleite Édouard Manet und seinen Bruder Eugène wiederholt in den Louvre, um die dortigen Kunstwerke zu besichtigen.

Von 1838 bis 1844 besuchte Manet die von Abbé Poiloup geleitete Institutsschule in Vaugirard. Anschließend wechselte er ans angesehene Collège Rollin (das heutige Lycée Jacques Decour), wo er 1848 seine schulische Ausbildung beendete. Dort lernte er den späteren Journalisten und Politiker Antonin Proust kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Manet fiel während der Schulzeit durch schlechtes Betragen und ungenügende Leistungen auf. Bei seinen Mitschülern war Manet beliebt, da er von ihnen und den Lehrern Karikaturen zeichnete. Manets Onkel Fournier erkannte das Zeichentalent des Schülers und bezahlte ihm fakultativen Zeichenunterricht am Collège Rollin. Manet fertigte in diesen Jahren im Louvre erste Zeichnungen nach Alten Meistern an und zeichnete bei Ausflügen nach Vincennes auch in der freien Natur.

Die Reise nach Brasilien mini|hochkant|Schiffsdeck, um 1868National Gallery of Victoria, Melbourne Nach Beendigung des Collège Rollin strebte Manet eine Laufbahn als Marineoffizier an. Seine Eltern stimmten dieser Idee zu, da der Wunsch des Vaters, sein ältester Sohn möge ebenfalls eine juristische Laufbahn einschlagen, durch die schlechten schulischen Leistungen ausschied. Bei der Aufnahmeprüfung zur Marineschule (École Navale) bei Brest Ende Juli 1848 fiel Manet jedoch durch. Zur Vorbereitung auf eine Wiederholungsprüfung im Folgejahr schiffte sich Manet am 9. Dezember 1848 auf dem Schulschiff Le Havre et Guadeloupe ein, mit dem er zu einer sechsmonatigen Reise nach Brasilien aufbrach. Von dieser Reise sind zahlreiche Briefe Manets an Verwandte erhalten, in denen er von den Erlebnissen der Seereise, vom Karneval in Rio de Janeiro und der Schönheit sowie dem exotischen Reiz der brasilianischen Frauen berichtete. Andererseits warf der sechzehnjährige Manet einen kritischen Blick auf die Sklaverei und äußerte sich besorgt über eine mögliche Wiedereinführung der Monarchie in Frankreich. Während seiner Zeit an Bord des Schiffes zeichnete Manet wiederum Karikaturen, die aber, ebenso wie jene aus der Schulzeit, nicht erhalten sind. Zurück in Paris fiel Manet im Juli 1849 erneut bei der Aufnahmeprüfung zur Marineschule durch.Juliet Wilson-Bareau, David Degener: Manet and the Sea, S. 255. Daraufhin stimmte seine Familie einer Künstlerkarriere zu. Trotzdem besteht sein späteres malerisches Werk zu etwa einem Zehntel aus Meeresansichten, wobei die Reise nach Brasilien sicher eine inspirierende Rolle spielte.

Ausbildung im Atelier von Thomas Couture mini|hochkant|links|Selbstbildnis des Tintoretto, Manets Kopie von 1854Musée des Beaux Arts, Dijon Nach seiner Rückkehr aus Brasilien konnte Manet seinen Vater davon überzeugen, einer Ausbildung zum Maler zuzustimmen. Schwieriger gestaltete sich die Wahl des Ausbildungsortes, da Manets Vater die klassische Ausbildung an der Académie des Beaux-Arts, Manet selbst eine Atelierklasse bei einem Künstler bevorzugte. Die beiden einigten sich schließlich auf das Atelier von Thomas Couture, der mit seinem Gemälde Die Römer der Verfallszeit im Pariser Salon von 1847 einen triumphalen Erfolg gefeiert hatte. Couture galt seinerzeit als fortschrittlicher Künstler, den zahlreiche junge Maler bewunderten. 1850 begann Édouard Manet hier seine Ausbildung, die vor allem in der Arbeit vor lebenden Modellen bestand. In der Malklasse befanden sich meist 25 bis 30 Schüler, die nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus Deutschland und den USA stammten. Die deutschen Maler Anselm Feuerbach und Victor MüllerArlette Camion/Simona Hurst (Hrsg.): Les lettres parisiennes du peintre Victor Müller, PU Paris-Sorbonne, Paris 2015, S. 25 waren zeitgleich mit Manet im Atelier Coutures, und auch Manets Schulfreund Antonin Proust besuchte den Unterricht. Manet bewunderte zunächst die Fähigkeiten Coutures, der zweimal wöchentlich seine Schüler besuchte, um die Fortschritte zu begutachten. Nach etwa einem halben Jahr begann Manet jedoch die unnatürliche Haltung der Modelle und die Lehrmethoden Coutures zu kritisieren, was zu erheblichen und dauerhaften Konflikten führte. Manet besuchte daher zusätzlich nachmittags die Académie Suisse, um frei von Konventionen zu arbeiten. Darüber hinaus kopierte er Gemälde im Louvre. Hiervon sind Die Madonna mit dem Kaninchen und Jupiter und Antiope von Tizian und das Selbstbildnis von Jacopo Tintoretto erhalten. In der Zeit der Ausbildung unternahm Manet einige Studienreisen. So reiste er mit Couture und seinen Schülern 1853 an die Küste der Normandie, um in der freien Natur zu malen. Manets Vater finanzierte zudem einige Auslandsreisen. 1852 besuchte Manet das Rijksmuseum in Amsterdam, und 1853 folgen die Museen von Kassel, Dresden, Prag, Wien und München. Im Herbst 1853 bereiste Manet zusammen mit seinem Bruder Eugène Venedig, Rom und Florenz, wo er Tizians Venus von Urbino und das Bildnis eines jungen Mannes von Filippino Lippi kopierte. 1854 ging er zusammen mit Antonin Proust zu Eugène Delacroix, um von ihm die Erlaubnis zu erhalten, dessen Dantebarke kopieren zu dürfen. Nach diesem Vorbild entstanden zwei Ölbilder Manets. Trotz des schwierigen Verhältnisses zwischen Couture und Manet blieb dieser sechs Jahre in der Atelierklasse, bevor er sich 1856 von ihm trennte und zusammen mit dem befreundeten Tiermaler Albert de Balleroy ein erstes eigenes Atelier bezog.

Erste Jahre in der Rue Lavoisier mini|hochkant|Knabe mit Kirschen, 1859Museu Calouste Gulbenkian, Lissabon Über Manets Schaffen bis 1859, der Zeit, in der die Ateliergemeinschaft mit Balleroy in der Rue Lavoisier bestand, ist nur wenig bekannt. Ein Grund hierfür ist, dass es kaum Aufzeichnungen von Manet oder seinen Zeitgenossen zur Entstehung der frühen Arbeiten gibt. Erschwert wird die zeitliche Zuordnung der frühen Gemälde zudem durch Manets Arbeitsweise, bei der er seine Werke über Jahre hinweg immer wieder überarbeitete. Darüber hinaus hat Manet später einen Teil seiner frühen Bilder vernichtet.

Die erhaltenen Bilder der ersten Jahre lassen noch keinen eigenen Stil des Künstlers erkennen. So kopierte er, wie zur Lehrzeit bei Couture, Gemälde Alter Meister. Hierunter befinden sich Arbeiten nach holländischen Vorbildern wie Die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt van Rijn oder Der Raucher von Joos van Craesbeeck ebenso wie Motive italienischer Künstler. Bei einer erneuten Reise nach Florenz 1857 zeichnete Manet Skizzen der Madonna del Sacco nach Fresken von Andrea del Sarto in der Basilica della Santissima Annunziata. Andere religiöse Themen der ersten Jahre sind verschiedene Ölskizzen mit Darstellungen Christi und ein nicht fertiggestelltes Gemälde Die Auffindung des Moses, von dem heute nur eine Studie existiert. Der ursprüngliche Gemäldeentwurf wurde von Manet später zerschnitten und die Partie mit der weiblichen Figur zum Gemälde Die überraschte Nymphe überarbeitet.

Zu den Freunden, die Manet in den späten 1850ern kennenlernte, gehörten die Maler Edgar Degas und Henri Fantin-Latour, der Manet später mehrere Male porträtierte. Auch mit dem Dichter Charles Baudelaire freundete sich Manet in dieser Zeit an. Dessen Lyrikzyklus Les Fleurs du Mal regte Manet zu seinem ersten eigenständigen Gemälde Der Absinthtrinker an. Baudelaire wiederum verfasste sein Gedicht La Corde, nachdem sich Manets Gehilfe im Atelier erhängt hatte. Dieser Junge war zuvor von Manet im Bild Knabe mit Kirschen porträtiert worden. Nach diesem Vorfall zog Manet in ein eigenes Atelier in der Rue de la Victoire.

Premiere im Salon mini|hochkant|links|Der Absinthtrinker, 1858–72Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen Der 1859 zunächst noch zweijährlich stattfindende Salon de Paris stellte für bildende Künstler die wichtigste Möglichkeit dar, offizielle Anerkennung, Beachtung in der Presse und potentielle Käufer zu finden. Manet wählte für seine Premiere im Salon das 1858 begonnene Gemälde Der Absinthtrinker aus. Diese lebensgroße Darstellung eines Pariser Lumpensammlers hatte eine reale Person als Vorbild.Nitsche, Diana: Absinth – Medizin- und Kulturgeschichte einer Genussdroge, Dissertation Institut Geschichte der Medizin, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Betreuer Wolfgang U. Eckart, 2005, S. 99+100. Malerisch orientierte sich Manet am Werk des von ihm bewunderten Spaniers Diego Velázquez. Die Salonjury lehnte das Gemälde jedoch ab. Lediglich das Jurymitglied Eugène Delacroix sprach sich für Manets Werk aus. Manet vermutete hinter der Ablehnung der Jury eine Intrige seines ehemaligen Lehrers Thomas Couture, mit dem er sich daraufhin endgültig entzweite. alt=|mini|hochkant|Der spanische Sänger, 1860Metropolitan Museum of Art, New York Zum nachfolgenden Salon 1861 reichte Manet zwei Gemälde ein, die beide von der Jury angenommen wurden. Das Bildnis der Eltern, in der Tradition eines Realismus von Louis Le Nain stehend, hatte vermutlich niederländische Porträts des 17. Jahrhunderts – etwa von Rembrandt oder Frans Hals – zum Vorbild. Obschon sich die porträtierten Eltern mit dem Gemälde zufrieden zeigten, erhielt das Gemälde im Salon keine positiven Kritiken.

Beim zweiten Gemälde Manets für den Salon von 1861 handelte es sich um das Werk Guitarrero (oder Der spanische Sänger). Nach dem Misserfolg mit dem Pariser Sujet des Absinthtrinkers hoffte Manet mit einem der damaligen Spanienmode entsprechenden Motiv auf Anerkennung im Salon. Die ebenfalls von Diego Velázquez beeinflusste Darstellung eines singenden Gitarrenspielers galt zwar einigen Kritikern als übertriebener Realismus, wurde aber von anerkannten Malern wie Delacroix und Jean-Auguste-Dominique Ingres bewundert. Der Kunstkritiker Théophile Gautier hob sowohl den kühnen Pinselstrich als auch die naturgetreuen Farben des Bildes hervor. Zum Ende des Salon erhielt Manet zudem von der Salonjury als Anerkennung eine ehrenvolle Erwähnung. Durch den Erfolg dieses Gemäldes bedingt, sammelte sich um Manet rasch eine Gruppe junger Maler, zu denen Henri Fantin-Latour, Felix Bracquemond, Emile Auguste Carolus-Duran und Alphonse Legros gehörten und die Manet bald als ihren Anführer betrachteten. Zu diesem Umfeld gehörten zudem die Schriftsteller Charles Baudelaire, Jules Champfleury und Édmond Duranty.

Suzanne und Léon Leenhoff