Jarkowo () ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Er ist Teil der Stadt Bartoszyce (Bartenstein) im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein).

Erwienen, eigentlich Erwinen, war ein Gutsbetrieb mittlerer Größe und bis Januar 1945 im Besitz des Erwin Engelbrecht (* 8. März 1891 in Bartenstein; † 9. April 1945 in Königsberg). Zum Gut Erwienen selbst gehörte das Vorwerk Wilhelmsruh (polnisch Stoczki). Die Zahl der Einwohner Erwienens belief sich im Jahr 1905 auf 53.

Bis 1945 war der Gutsort der Gemeinde Damerau (polnisch Dąbrowa) im ostpreußischen Kreis Friedland (ab 1927: „Kreis Bartenstein“) zugeordnet. Nach 1945 hieß das Gut noch einige Zeit Jerwiny, später Jarkowo. Im Jahr 2014 wurde ein großer Teil von Jarkowo mit dem Gutshaus nach Bartoszyce eingemeindet und heißt jetzt Jarkowo (Bartoszyce).

Geographische Lage Jarkowo liegt im Nordwesten der Stadt Bartoszyce in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Bis zur einstigen und heute auf russischem Hoheitsgebiet gelegenen Kreisstadt Friedland () sind es 24 Kilometer in nordöstlicher Richtung, während das Zentrum der heutigen Kreismetropole Bartoszyce lediglich zwei Kilometer in südöstlicher Richtung entfernt liegt. mini|Lage und Gemarkungsgrenzen von Erwienen vor 1945 mini|Ortsplan von Erwienen Geschichte 1884 erwarb Otto Engelbrecht (1843–1916), Brauereibesitzer, Magistratsherr und „Stadtältester“ (Ehrenbürger) in Bartenstein einen gegenüber dem Grundstück der Damerauer Mühle gelegenen Bauernhof, nordwestlich der Stadt. Kurze Zeit später kaufte er einen weiteren Bauernhof dazu, von dem zuletzt zwei Wohnhäuser und ein Stallgebäude erhalten waren.

Die 1884 und 1885 erworbenen Besitzungen bildeten die Grundlage für den späteren Gutsbetrieb „Erwinen“ (in den Karten als „Erwienen“ bezeichnet). 1889 vergrößerte sich dieser Besitz durch das angrenzende Gut Wilhelmsruh, im Volksmund „Mill's Vorwerk“ genannt. Der bisherige Besitzer bot es zum Ankauf an. So rundete sich dieser Landbesitz auf etwa 250 ha ab, abgerechnet das eingeschlossen liegende und in Dauerpachtung stehende Pfarrland der Pfarrei Bartenstein von etwa 39 ha. Als Ackerbürger von Bartenstein hatte Otto Engelbrecht schon vorher das Kirchenland in Pacht.

1880/90 wurden die alten Fachwerkbauten der Stallungen durch Ziegelbauten ersetzt, der Kuhstall und die Häuser (nördlich des Wohnhauses) für Kutscher und Kämmerer errichtet, desgleichen eine große Scheune aus Holz, die westlich den Hof begrenzte. Die Hoffläche bildete ein geschlossenes Viereck und betrug ca. 1,5 ha. mini|1890: Links das alte, erste Wohnhaus in Erwinen von der Parkseite. Rechts der Giebel des neu errichteten Kuhstalls mit Wohnungen für den Kutscher, „Hofmann“ und die Viehbetreuer

Ein schlichtes, erdgeschossiges Wohnhaus schloss im Osten das Viereck des Hofes ab. Nach der hierorts üblichen Bauart der Bauernhäuser diente der im unteren Teil pyramidenförmige Schornstein dem ganzen Haus als Stütze. Die Instandsetzung ging hier nur so weit, wie es die Familie Engelbrecht (die zunächst nur in den Sommermonaten Juli/Oktober hier wohnte, während der anderen Zeit in dem großen eigenen Stadthaus in Bartenstein, 1945 zerstört) für eine heizbare Sommerwohnung brauchte. Es gab einige wenige bauliche Veränderungen, wie der Anbau einer Veranda nach der Gartenseite.

Seit 1891 nahm der östlich vom Hof gelegene Erwiner Garten im Stil eines „Englischen Gartens“ Gestalt an, im familiären Sprachgebrauch zum „Park“ aufgewertet. Entworfen und realisiert wurde die Anlage durch den Landvermesser Nestriepke, der auch den Bartensteiner Schützenpark und Stadtwald auf Anregung und Kosten von Otto Engelbrecht gestaltet hat. Durch den Garten führte ein Bach von Norden nach Süden, der im Süden zu einem Teich gestaut und zunächst über einen durch Steine künstlich angelegten Wasserfall geleitet wurde. Um 1928/30 baute Erwin Engelbrecht hier eine Bretterschleuse. Zwei Holzbrücken führten über den Teich, im Norden und im Süden. Der Zufahrtsweg von der Straße Bartoszyce/Bezledy (heute Armi Kraowej) wurde durch Kiesaufschüttung befestigt und mit Linden beidseitig bepflanzt, der letzte Teil des mit Kopfsteinpflaster befestigten Weges mit Kastanien.

1895 erfolgte die Umbenennung der Ländereien in „Erwinen“ nach dem jüngsten Sohn des Otto Engelbrecht und seiner Frau Berta, geb. Janowski. mini|Um 1896 kam ein zweistöckiger, quergestellter Anbau hinzu, Ansicht von der Parkseite 1896 wurde ein zweistöckiger, quergestellter Anbau angefügt, mit zwei großen, parkettierten Gesellschaftsräumen, bis 1945 als „Saal“ und anschließendem Büro/Kontor genutzt. Im ersten Stock gab es drei Schlafzimmer, im zweiten Stock ein Giebelzimmer, daneben ein sogenannter „Boden“, der als Abstellraum diente. mini|Umbau des Wohnhauses in Erwienen, 1913 1913/14 wurde das alte, kleine Langhaus durch einen Neubau in ungefähr den gleichen Maßen, aber etwas geräumiger (mit Mansardendach) ersetzt. 1914 zog die Familie von Bartenstein nach Erwienen. mini|14. Juli 1915: Wiederaufbau der in Folge des Einfalls der Russen in Ostpreußen im Jahr 1914 zerstörten Gebäude, links das neue Wohnhaus, rechts der Pferdestall an der Hofsüdseite. 1914 wurden sämtliche Hofgebäude mit Ausnahme des Wohnhauses durch die russische Armee zerstört und niedergebrannt, aber nach einem Jahr wieder aufgebaut.

1916 starb Otto Engelbrecht. Sein Sohn Erwin Engelbrecht übernahm das Gut und bewirtschaftete es bis 1945. 1923 wurde Erwienen an das elektrische Stromnetz angeschlossen. Die Wasserversorgung erfolgte einige Jahre früher durch Pferde-Göpel, nunmehr elektrisch. Weitere Veränderungen des Gutshauses fanden nicht statt. In den dreißiger Jahren wurde das brüchige Fachwerk des Rundbogens des Langhauses zur Hofseite hin erneuert.

Am 26. Januar 1945 verließ als letzte die Ehefrau des Erwin Engelbrecht, Mathilde Engelbrecht, geb. Hölzer (* 8. September 1886 in Königsberg; † 12. März 1945 in Swinemünde) mit der Hauswirtschafterin vor der heranrückenden Roten Armee den Hof. Die Angestellten begaben sich eigenständig auf die Flucht. Von der Übernahme durch die sowjetische Armee und später durch die polnischen Behörden ist nichts überliefert. Auch das Schicksal eventuell noch verbliebener Angestellter, Flüchtlingen oder befreiter Kriegsgefangener ist unbekannt, genauso wie die Besitzverhältnisse und Nutzung der Ländereien in den Jahren 1945/46.

Das Gut Erwienen umfasste 1945 eine Fläche von 135,5 Hektar. Davon waren 85,5 Hektar Ackerland, 48,5 Hektar Weiden, 1,5 Hektar Wiesen, 1,5 Hektar Hausgärten sowie 1,5 Hektar Wege und Hof. Wilhelmsruh umfasste 114,0 Hektar.

Geschichte ab 1945

Der Betrieb wurde im Jahr 1946 vom Arbeiterverein der Kinderfreunde für den Bedarf eines Schulzentrums in Bartoszyce übernommen. mini|Sommer 1966: Erwinen, Blick Richtung Südwesten von der Straße nach Königsberg. Der Kuhstall, rechts, ist noch im Originalzustand. 1983 gab es im Dorf 5 Häuser mit 18 Wohnungen. Zu dieser Zeit lebten in Jarkowo 63 Menschen und es gab einen staatlichen Bauernhof.

Die Holzscheune mit der sogenannten Unterfahrt brannte in den späten 1980er Jahren ab und wurde nicht mehr erneuert. Der Hof und die Gebäude blieben bis in die 1990er Jahre weitgehend intakt und wurden weiterhin genutzt. mini|Juli 1974: Das sogenannte „Dorf“, Wohnungen der Erwiner Hofarbeiter (Inst-Häuser), am Weg Richtung Loyden, Blick von der Straße nach Königsberg, Richtung Westen 1994 befand sich noch ein Verwalter auf dem Hof. Ob Erwinen zu diesem Zeitpunkt noch als eigenständiger Betrieb wirtschaftete, ist unbekannt, ebenso wie die Besitzverhältnisse der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das Gutshaus und der Park gingen in Privatbesitz über und wurden nach einem Brand im Jahr 1996 aufwändig nach alten Vorlagen wieder aufgebaut und bilden heute ein umzäuntes, repräsentatives Ensemble.mini|Das Gutshaus Erwienen in Jarkowo

Als 1945 in Kriegsfolge das gesamte südliche Ostpreußen an Polen fiel, erhielt Erwienen die polnische Namensform „Jarkowo“. Der Ort verblieb in der Stadtgemeinde Bartoszyce, die von 1975 bis 1998 zur Woiwodschaft Olsztyn, seither zur Woiwodschaft Ermland-Masuren gehört, und gilt als „część miasta“ (=„Teil der Stadt“), d. h. in der Stadt aufgegangen. Der Ort Wilhelmsruh (polnisch Stodzki) gilt als untergegangen.

Religion Christentum

Bis 1945 war Erwienen in das Kirchspiel der evangelischen Johanniskirche BartensteinWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 455 in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union, außerdem in die Pfarrei St. Bruno Bartenstein im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt.

Heute gehört Jarkowo katholischerseits weiterhin zur Pfarrei in Bartoszyce, das jetzt im Erzbistum Ermland liegt, evangelischerseits zur Kirchengemeinde der Stadt, die nun eine Filialgemeinde der Johanneskirche in Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ist.

Verkehr Die nicht mehr ausdrücklich genannte Ortsstelle Jarkowos im Nordwesten der Stadt wird von der Straße Armii Krajowej durchzogen. Ein Bahnanschluss besteht nicht mehr, seit der Bahnhof Bartoszyce an der Bahnstrecke Głomno–Białystok (ehemals Königsberg (Preußen)–Prostken) nicht mehr angefahren wird.

Weblinks

Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Erwienen

Einzelnachweise

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