mini|Modelleisenbahn-Anlage in einer Wohnung in Triest, 1956 mini|Opdracht Gemeenschappelijk Administratie Kantoor (GAK), Modelleisenbahn-Anlage in den Niederlanden, 1964

Entscheidende Jahre in der Geschichte der Modelleisenbahn waren die 1890er und 1900er Jahre. Durch die Übernahme des deutschen Spielwarenherstellers Lutz durch den deutschen Spielwarenhersteller Märklin erweiterte letzterer sein Portfolio durch Produkte aus lithografiertem Blech. In den 1890er Jahren gelang Märklin damit der Durchbruch mit Modelleisenbahnen, die auf dem Programm der Firma Lutz basierten.

In den 1900er Jahren etablierte das britische Handelsunternehmen Bassett-Lowke, das eine eigene Fertigung, eigene Fachgeschäfte und einen Versandhandel hatte, die Modelleisenbahn in Europa. Dies erfolgte mit eigenen Produkten sowie dem Vertrieb der Hersteller Bing, Carette und Märklin. Bassett-Lowke entwickelte zusammen mit Henry Greenly, einem britischen Konstrukteur von Miniatur-Echtdampf-Lokomotiven, und aus Leserbriefen in der gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift Model Railways and Locomotives Magazin die ersten Normen für Spielzeug- und Modelleisenbahnen, die auch bereits die in diesem Jahrzehnt entstandenen personenbefördernden Gartenbahnen umfasste.

Anfänglich waren Spielzeug- und Modelleisenbahnen mit Uhrwerk, Echtdampf-Lokomotiven sowie Bodenläufer prägend. Die elektrische Modelleisenbahn spielte anfänglich noch keine wirkliche Rolle, da die Elektrizität in den Haushalten noch nicht oder nur wenig verbreitet war. Erst in den 1920er Jahren gelang der Durchbruch der elektrischen Modelleisenbahn. Ob es sich bei der Nachbildung der Eisenbahn im Modell eher um eine Spielzeug- oder eine Modelleisenbahn handelt, ist primär eine persönliche Ansicht, die sich im Verlauf der Geschichte, auch abhängig vom Alter des Nutzers, verändert hat.

Spielzeug- und Modelleisenbahnen existieren seit es das Vorbild Eisenbahn gibt. Anfänglich waren dies beispielsweise hochwertige Werbemodelle von Lokomotivherstellern und Bodenläufer. Beides gibt es noch heute. Später folgten Modelleisenbahnen, die heute aus dem Blickwinkel von Erwachsenen als Spielzeugeisenbahnen betrachtet werden könnten, wenn sie einfacherer Bauart waren. Zudem gab es schon früh hochwertige Nachbildungen von Eisenbahnfahrzeugen von Modelleisenbahn-Herstellern aber auch von Modellbauern gemäß heutigen Anforderungen, beispielsweise im Umfeld von Echtdampf-Lokomotiven.

Von Beginn an waren die Modelleisenbahn-Hersteller bestrebt, den Anforderungen an die Vorbildtreue zu entsprechen, meist zu Lasten der Robustheit und des Spielwertes. Dies warf für die Hersteller und Händler immer wieder die Frage auf, wie neue künftige Kunden unter Kindern und Jugendlichen gewonnen werden können respektive wie man die ersten Schienen ins Kinderzimmer werfen kann, für welche die heutigen filigranen Fahrzeugmodelle nicht geeignet sind.

Anfänge

mini|Modell der Rocket, Geschenk an Goethe mini|links|Anzeige von C. Carogatti's Mechanisches Institut, Inhaber Otto Moewig, Königsberg i. Pr. u. a. für „Locomotiven im Zimmer fahrend“ (1872) mini|Anzeige für „Maschin-Eisenbahnen mit Uhrwerk“ sowie „Selbstlaufende Dampf-Locomotive mit Doppel-Cylinder, mit Spiritus heizbar“ (1873) Im Mutterland der Eisenbahn, in England, werden seit Beginn des 19. Jahrhunderts Modelleisenbahnen gefertigt. Anfangs waren sie auch Werbemodelle für die Originale, was an die Automodelle der Nachkriegszeit erinnert. So erhielt Johann Wolfgang von Goethe 1829 von englischen Verehrern ein Modell der Rocket „für seine Enkel“ (siehe Abb.). Dieses Modell ist heute in der Dauerausstellung des Goethe-Nationalmuseums ausgestellt.Katalog Weimarer Klassik. Karl Hanser Verlag, München, Band 2, S. 852.

Ebenfalls im Jahr 1829 baute Diez Imbrechts eine betriebsfähige Modellbahn als Geschenk für den spanischen Königshof.

Im Jahr 1835, als der Adler erstmals auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth verkehrte, erscheinen auch ein farbiger Ausschneidebogen des Adlerzugs und passende Zinnfiguren. Fünf Jahre später, 1840, tauchen dann in Deutschland die ersten aus Blech hergestellten Eisenbahnnachbildungen auf.

Das erste Kind, das nachweisbar eine Modelleisenbahn besaß, war 1859 der kaiserliche Prinz Napoléon Eugène Louis Bonaparte.

1862 offeriert die Firma Myers in London dampfbetriebene Lokomotiven in ihrem Katalog, und 1869 findet sich die erste nachweisbare Anzeige auch in Deutschland. Die Firma Carogatti in Königsberg preist dort „… im Zimmer fahrende Lokomotiven mit oszillierendem Zylinder“ an.

Die erste elektrisch betriebene Eisenbahn existierte 1882 (Planck), bereits ein Jahr später wurde erstmals das Zweischienen-Zweileiter-System bei elektrischen Eisenbahnen angewendet. Modelle davor wurden ohne Schienen betrieben und werden daher als Bodenläufer bezeichnet. Daneben existiert die Bezeichnung Tröpfler, die sich auf frühe Echtdampf-Modelle bezieht, die eine Tropfenspur auf dem Boden hinterließen.

Deutschland und Österreich-Ungarn mini|Märklin Spur 1 Uhrwerklokomotive Storchenbein aus dem Jahr 1895 im Zürcher Spielzeugmuseum 2023 mini|Blechmodell einer Dampflok um 1935 mit Uhrwerkantrieb der Fa. Kraus Fandor

Anfänge

Spielwaren mit Uhrwerkantrieb sind seit 1855 nachgewiesen. Der erste Nachweis einer Modelllokomotive mit Uhrwerksantrieb stammt aus dem Jahr 1886.

1886 bot der Spielwarenhersteller Bing aus Nürnberg die erste komplette Zuggarnitur mit geraden und gebogenen Gleisen, aber noch ohne Weichen und Kreuzungen an.

1887 präsentierte Schoenner aus Nürnberg dampfbetriebene Modelllokomotiven, sowie Wagen und Gleise in den Spurweiten 65 mm (ca. 1:22), 72 mm, 80 mm und 115 mm (ca. 1:12).SWR-Serie Eisenbahn-Romantik, Folge 223: Wunderwelt aus Weißblech, Schönner

Ende des 19. Jahrhunderts war die Modelleisenbahn zu einem beliebten Weihnachtsgeschenk avanciert. Auch zahlreiches Zubehör war bereits verfügbar:

Spur 0 und Spur 1 von Märklin und Lutz Ungefähr 1865 bot die Firma Engler & Lutz aus Ellwangen Modelleisenbahnen noch ohne Gleise an. Gleise in den Spuren 0, I, II und III brachte Lutz erst 1884 auf den Markt.Chronologie der Ereignisse, zur Geschichte der ersten Märklin-Eisenbahn im Tinplate-Forum, März 2009, abgerufen am 4. November 2023

Ungefähr 1889 waren Modelleisenbahn-Artikel von Engler & Lutz in einem Katalog der Firma Bing enthalten.

1891 übernahm Märklin die Firma Engler & LutzÜber Märklin auf der Internetseite der Firma Märklin, abgerufen am 4. November 2023. und verkaufte in der Vorweihnachtszeit 1891 deren Spielzeugeisenbahnen.

1892 präsentierte Märklin auf der Ostermesse in Leipzig erstmals eine ausbaufähige Modelleisenbahn mit einer Uhrwerks-Lokomotive der Spur 1.Zur Geschichte der ersten Märklin-Eisenbahn vom Tinplate Forum datiert mit Mai 2008, abgerufen am 3. November 2023

Typisch für die ersten Lokomotivmodelle von Märklin war die Storchenbein genannte Form: hierbei fanden sich die großen Antriebsräder auf der ersten Achse, die deutlich kleineren Laufräder auf der zweiten Achse entsprechend der Achsfolge A1. Die häufigere Achsfolge 1A mit einem kleinen Radpaar auf der ersten Achse und den größeren Antriebsrädern auf der zweiten Achse wird heute verschiedentlich auch Storchenbein genannt.

Im selben Jahr erschienen im Märklin-Katalog auch Spielzeugeisenbahnen der Spuren 1, 2 und 3 mit Lokomotiven, Wagen, gebogenen und geraden Gleisen, sowie Weichen und Kreuzungen. 1893 folgte dann zusätzlich die Spur 0.

Alle frühen Modelleisenbahnen von Märklin beruhen auf denen, die die übernommene Firma Lutz hergestellt hatte. Märklin begann damit, Modelleisenbahn-Systeme durch das Hinzufügen von Weichen und Kreuzungen zu schaffen.

1895 wurde von Märklin erstmals Eisenbahnzubehör wie Gebäude, Signale und Tunnel anboten.

Übersicht der Modellspurweiten von Märklin in der Tinplate-Ära

Modell-Spurweiten Märklin Tinplate Ära Spur 1893 1892 1892 1892 0 I (1) II (2) III (3) von Schienenkopf-Mittezu Schienenkopf-Mitte 35 mm 48 mm 54 mm 75 mm von Schienenkopf-Mittezu Schienenkopf-Mitte  in  in  in 3 in von Schienenkopf-Innenkante zu Schienenkopf-Innenkante 32 mm 45 mm 51 mm 72 mm von Schienenkopf-Innenkante zu Schienenkopf-Innenkante  in  in Bemerkung heuteSpur 0 heuteSpur 1 – –

Schon 1902 gab es im Märklin-Katalog eine Rollbahn mit Gleisen in ähnlicher Größe wie für die 1903 angebotene Spur V (5). mini|Seltene Märklin Spur V Echtdampf-Lokomotive in etwa aus dem Jahr 1900 im Technorama Winterthur, 2024

Märklin ordnete als erster Hersteller die Spurweiten seines Programms: Spur 0 mit einer Modell-Spurweite von 35 mm, Spur I mit einer Modell-Spurweite von 48 mm, Spur II mit einer Modell-Spurweite von 54 mm und Spur III mit einer Modell-Spurweite von 75 mm. Eine genaue Modell-Spurweite für die Spur V ist nicht überliefert, wird aber an einem Modell im Technorama Winterthur mit 120 mm angegeben. Heute ist für Spur 0 das Maß von 32 mm, für die Spur I das Maße von 45 mm, für die Spur II das Maße von 51 mm und für die Spur III Maße von 72 mm angegeben. Die betreffenden Gleise sind identisch, denn damals wurde das Maß zwischen den Schienen-Kompfmitten gemessen und angegeben. Heute aber wird die lichte Weite zwischen den Schienen gemessen und angegeben. Da Märklin in der Tin-Plate Ära bei allen Spurweiten dasselbe Schienenprofil mit 3 mm Kopfbreite (Kopfdurchmesser des Rundkopfprofiles) verwendete, gilt die Differenz von 3 mm für alle damaligen Spurweiten. Außerdem wird die Spur heute in der Regel nicht mehr mit Römischen, sondern mit Arabischen Zahlen bezeichnet. Die damaligen Spuren II, III und V von Märklin sind nicht gleichzusetzen mit den heutigen Spuren 2, 3 und 5.Normen Europäischer Modellbahnen, NEM 010, Ausgabe 2011, Maßstäbe, Nenngrößen, Spurweiten, abgerufen am 12. November 2013. Sie sind zwischenzeitlich entfallen.

Von der Spielzeugeisenbahn zur Modelleisenbahn Das erste vorbildliche Modell einer deutschen Lokomotive, das heißt nicht nur ein selbstfahrendes Spielzeug, sondern ein genaues, maßstäblich verkleinertes, Abbild des Vorbilds, stellte Schoenner im Jahr 1900 her.

Im selben Jahr gab es auch erstmals das umgangssprachlich als Dreischienengleis bezeichnete Gleis von Märklin mit zusätzlicher Mittelschiene zur Stromversorgung und 1901, ebenfalls von Märklin, eine mechanische sowie eine elektrische Fernbedienung für Weichen.

Spur S, die Hälfte der Spur 1 mini|Modelleisenbahnanlage in der Spur S im Spielzeugmuseum Nürnberg, 2022

Die Spur S mit einer Modell-Spurweite von 22,5 mm lässt sich bis in das Jahr 1896 zurückverfolgen.S scale: History and Developments in s-scale.org.uk abgerufen am 15. Mai 2021.S Scale Model Railroad in Model Railroad Ballast, abgerufen am 5. Dezember 2021 Dabei wurde die Spur 1 mit einer Modell-Spurweite von 45 mm halbiert und gehörte damit, zusammen mit der Spur 1 und der Spur 0, zu den ersten standardisierten Modell-Spurweiten. Für die Spur S wurde in der Vergangenheit verschiedentlich auch der Begriff der Spur H1 für halb 1 verwendet worden.

Die Spur S erreichte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg einen kurzzeitigen aber nicht nachhaltigen Erfolg.

Frühe Normung Bassett-Lowke entwickelte zusammen mit Henry Greenly, einem Britischen Konstrukteur von Miniatur-Echtdampf-Lokomotiven, und aus den aus der gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift Model Railways and Locomotives Magazin eingehenden Leserbriefschreiben die ersten Normen für Spielzeug- und Modelleisenbahnen, die auch bereits die in diesem Jahrzehnt entstandenen personenbefördernden Gartenbahnen beinhaltete.