mini|Blick auf das Kloster vom Buchberg mini|Kirche und Klausurgebäude des ehemaligen Benediktinerklosters
Das Kloster Ilsenburg (St. Petrus und Paulus) ist eine ehemalige Benediktinerabtei in der Stadt Ilsenburg im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Die Klosteranlage stammt aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Eigentümerin der Klosterkirche ist seit 1974 die Stadt Ilsenburg, die den sakralen Bau aufwendig restaurieren ließ. Die Reste der Klausurgebäude sind seit 2000 im Besitz der Stiftung Kloster Ilsenburg.
Geschichte mini|Klosterkirche mit Glockenturm mini|Nordansicht der Klosterkirche mini|Innenraum der Klosterkirche mini|Refektorium mini|Brüdersaal
Stiftung und Ausbau Am Ort einer vermuteten Jagdpfalz entstand nicht vor dem zweiten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts das mehr als 600 Jahre von Benediktinern bewohnte Kloster Ilsenburg.Dieter Pötschke: Kloster Ilsenburg. 2004, S. 26–31. Der frühere Cappellanus Kaiser Otto III. hatte sich lebhaft an der Politik im östlichen Sachsen beteiligt, wie der Chronist Thietmar von Merseburg überliefert.Thietmar von Merseburg: Chronik. Neu übertragen und erläutert von Werner Trillmich. Darmstadt 1957. König Heinrich II. schenkte einen Teil seines Gutes, beurkundet am 15. April 1003UB Ilsenburg I., 1875 Nr. 1., darunter die Elysynaburg, dem Bistum Halberstadt. Bischof Arnulf von Halberstadt gründete ein Eigenkloster. Zu diesem Zweck übertrug er die königliche Schenkung an das neue Kloster. Ferner überließ Arnulf dem neuen Kloster aus seinem Besitz umfangreiche Güter in der Region zwischen Ilsenburg und Osterwieck. Gemäß einer umstrittenen Urkunde vom 6. April 1018UB Ilsenburg I., 1875 Nr. 2.Dieter Pötschke: Kloster Ilsenburg – Geschichte, Architektur, Bibliothek, 2004, S. 32 berief er Mönche aus dem Kloster Fulda nach Ilsenburg. Der Ausbau der kaiserlichen Jagdpfalz zu einem Kloster zog sich vermutlich bis 1018 hin. Die Blütezeit des über 500 Jahre bestehenden Klosters lag zwischen dem ausgehenden 11. und dem 13. Jahrhundert. Zahlreiche durch Kauf und Schenkungen erworbene Besitzungen ließen es zu einem der reichsten Benediktinerklöster zwischen Weser und Elbe aufsteigen. Geistlich folgte das Ilsenburger Benediktinerkloster in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens zunächst den Consuetudines von Fulda. Nachdem der dritte Nachfolger im Bischofsamt während der Klosterzeit Burchard II. seinen Neffen, den Mönch Herrand, als Abt eingesetzt hatte, gewann Ilsenburg seit etwa 1070 auch auf geistlichem Gebiet zunehmend an Bedeutung. Herrand, ein Vertreter der Gorzer Reform, führte die von Burchard angestrebten Reformen aus, indem er Mönche aus der lothringischen Abtei Gorze nach Ilsenburg rief. Die Abtei Ilsenburg selbst bildete in der Folgezeit im Ordo Ilseneburgensis eigene Gebräuche aus, die auf eine Gruppe anderer Klöster ausstrahlten. So wurden unter anderem folgende Benediktinerabteien von Ilsenburg aus neu eingerichtet oder reformiert: Huysburg, Harsefeld bei Stade, Hillersleben bei Magdeburg und Wimmelburg bei Eisleben. Das 1120 abgebrannte Kloster wurde 1129 durch Abt Martin wiederhergestellt. Abt Sigibodo († 1161) und Abt Tiother († 1176) erweiterten die Klosteranlage. Schon im ausgehenden 11. Jahrhundert besaß Ilsenburg eine bedeutende Klosterschule; im 12. Jahrhundert existierte nachweislich eine rege Schreib- und Kunsttätigkeit.
Die Reformierung des Klosterlebens in Ilsenburg fand ihren baulichen Ausdruck in der Errichtung einer größeren Abteikirche nach Gorzer Schema, die am 5. Juni 1087 von Bischof Burchard II. den heiligen Aposteln Petrus und Paulus geweiht wurde. Ihr dreischiffiger Chor, der wiederum in drei Apsiden endete, ist in der Kirchenbaukunst des Benediktinerordens im damaligen deutschen Reich erstmals nachweisbar. Der reich verzierte Fußboden aus Gipsestrich als Sichtestrich stammt aus der Zeit um 1200 und gehört heute zu den Kostbarkeiten romanischer Kunst im deutschen Raum. Die zum Teil noch erhaltenen Gebäude der Klausur wurden zwischen 1120 und 1176 errichtet, nachdem Feuer die Vorgängerbauten zerstört hatte. Zum Konvent gehörten zeitweise 25 Mönche. Seit 1464/65 war die Abtei Mitglied der Bursfelder Kongregation des Benediktinerordens.
1131 ließ Abt Heinrich in der Nähe der Abtei eine der Gottesmutter geweihte Hospitalkirche errichten, die der Seelsorge der Laien und Pilger diente. Sie wurde im Zuge der Reformation 1567 zu einer evangelischen Pfarrkirche, siehe Marienkirche (Ilsenburg).
Demolierung des Klosters im Bauernkrieg und Einführung der Reformation Teile des an der Südseite der Kirche gelegenen Klosters mit Kreuzgang und Marienkapelle wurden in der Zeit der Bauernkriege 1525 demoliert. Große Teile der Bibliothek gingen verloren. Als Graf Wolfgang zu Stolberg 1538 die Regierung übernahm, bekannte er sich zur Lehre Martin Luthers. Unter dem Abbatiat von Abt Henning Brandis († 1546) vollzog sich die Hinwendung des Konventes zur Reformation, die 1547 durch die Einrichtung einer evangelischen Klosterschule, die bis 1627 existierte, abgeschlossen wurde. Die Grafen zu Stolberg hielten sich hier mehrfach zur Jagd auf, so Graf Albrecht Georg. Bereits 1550 wurde das gräfliche Gemach auf dem Kloster erwähnt.
Der letzte evangelische Abt Henning Dittmar starb 1572. Nach 1573 wurde durch den als Administrator eingesetzten Graf Christoph zu Stolberg der nördliche Teil der Klosterkirche niedergelegt, Mittelschiff, Vierung und Chor neu gewölbt und im südlichen Arm des Querschiffs eine Patronatsloge eingebaut. Zwischenzeitlich befand sich das Kloster Ilsenburg im Pfandbesitz des Statius von Münchhausen und fiel 1609 wieder an die Grafen zu Stolberg zurück. Graf Heinrich baute es für seine Gemahlin Adriane, geb. Gräfin von Mansfeld, als Witwensitz aus. Unter Graf Heinrich Ernst wurde Haus Ilsenburg 1672 der Sitz des gräflichen Haushalts. Nachdem der Sitz nach Wernigerode verlegt wurde, dienten die Räume als Beamtenwohnungen und zu wirtschaftlichen Zwecken.
Es folgten im 17. und 18. Jahrhundert der Abriss des Westflügels der Klausur und des Kreuzgangs. Die verbliebenen Gebäudeteile erfuhren in den folgenden Jahrhunderten eine sehr unterschiedliche Nutzung. In Verbindung mit den Klostergebäuden wurde von Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode für dessen Oheim Graf Botho nach dem Plan des Eisenbahnbaumeisters Ebeling aus Braunschweig und unter Leitung des Baurats Carl Frühling (1839–1912)glass-portal ein neues Schloss im neuromanischen Baustil errichtet und 1861 im Rohbau fertiggestellt. Größere Erhaltungsmaßnahmen an der Bausubstanz des Klosters sind mit der Errichtung des Schlossflügels an der Westseite des ehemaligen Klostergeländes belegt.Dieter Pöschke: Kloster Ilsenburg. 2004 S. 48–49.
Baulichkeiten Die Ilsenburger Klosterbauten sind zu erheblichen Teilen erhalten. Dazu zählen die Klosterkirche, ohne nördliches Seitenschiff, Teile des Sanktuariums, Teile der Westpartie sowie die Klausur ohne Westflügel und Kreuzgänge. Auch das früher nachweislich höhere Gewölbe ist nicht mehr vorhanden.
Die Klosterkirche wurde Ende des 11. Jahrhunderts als romanische Basilika erbaut. Sie besaß ein Querschiff und einen dreischiffigen Chor. Sie wurde im Westen durch ein großes Säulenportal eröffnet. Die Umrisse sind heute noch erkennbar.
Im 14. und 15. Jahrhundert wurden nur wenige bauliche Veränderungen an der Kirche und der Klausur vorgenommen. Reichhaltiger war aber die Ausstattung und der Bauschmuck im gotischen Stil. Während der Erstürmung und Plünderung des Klosters 1525 gab es neben Verlusten bei der Ausstattung auch Schäden an der Bausubstanz.
Ihre heutige Gestalt erhielt die Klosterkirche zwischen 1573 und 1581.
Weitere Nutzung Am 28. Mai 1929 verpachtete Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode neben dem Schloss Ilsenburg auch die alten Klostergebäude und den Marienhof für 30 Jahre an die Altpreußische Union der Evangelischen Kirchen Berlin, die verschiedene Fortbildungsstätten in den Räumlichkeiten etablierte. 1930 wurde das Kirchliche Auslandsseminar von Stettin-Kückenmühle nach Ilsenburg verlegt. Im Sommer 1936 wurde ein Teil des Schlosses als Erholungsheim für kirchliche Mitarbeiter eingerichtet. Während der Kriegsjahre richtete die SS auf dem Schloss ein Umsiedlungslager der Volksdeutschen Mittelstelle ein.Gottfried Maron: Tausend Jahre Ilsenburg. 1995 S. 23. Am 10. April 1945 verließ die SS das Schloss und am 11. April 1945 fuhren die Amerikaner in den Schlosshof ein. Nach Plünderungen erfolgte ab Sommer 1945 eine zeitweise Unterbringung bis zu 500 Flüchtlingen und Vertriebener im Schloss. Im Zuge der Bodenreform ging das Schloss dann am 15. Dezember 1945 in den Besitz der Gemeinde Ilsenburg über. Schon am 3. Oktober 1946 wurde das Schloss nebst dem eingezäunten Park der Evangelischen Kirche übereignet, die es als Evangelisches Stift, Pastorenkolleg und Forschungsakademie nutzte. Mit den verschärften Maßnahmen der Grenzpolitik der DDR in der Sperrzone übernahm ab 1961 die Staatssicherheit das Gelände. Die Klosterkirche wurde nach Weihnachten 1967 geschlossen, Kunstwerke und Teile der Ausstattung verschwanden danach.
Nach Ablauf des Vertrages blieben die inzwischen enteigneten Reste der Klausur ungenutzt. Erst mit dem Verkauf der Klosterkirche an die Gemeinde Ilsenburg 1974 und der Eröffnung eines Erholungsheimes für Mitarbeiter des Ministeriums für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft im Schlossflügel wurden die Gebäude zumindest für angemeldete Besucher wieder begehbar und erste Sicherungsarbeiten und kleinere Reparaturarbeiten veranlasst. Im Jahre 2000 übernahm die Stiftung Kloster Ilsenburg unter dem Vorsitz von Maria Fürstin zu Stolberg-Wernigerode den Ost- und den Südflügel der Klausur des einstigen Benediktinerklosters.
Sie gehören inzwischen zu den Schwerpunktobjekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.; ; Hans Werner Dannowski, Vergessene Klöster: Reise in die Klosterlandschaft am Nordrand des Harzes, Hannover 2006, ISBN 3-89993-657-4, Monumente 2008/1 und Harzlife Es soll ein Kunst- und Kulturzentrum entstehen, in das auch das Schloss Ilsenburg einbezogen wird.
Das ehemalige Benediktinerkloster St. Peter und Paul ist heute eine Station an der Straße der Romanik in Sachsen-AnhaltRose-Marie Knape: Strasse der Romanik Kulturreisen in Sachsen-Anhalt, Halle an der Saale, 2005 S. 98–99. und des Harzer Klosterwanderwegs. Kloster, Schloss und Schlosspark Ilsenburg gehören zu den Parkanlagen der Gartenträume Sachsen-Anhalt.
Äbte Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Abt.Christof Römer: Ilsenburg, Äbte. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 766.UB Ilsenburg 2, 1877, 535–546. 1018–1023 Ezilo 1023–1065 Ulrich (im Kloster begraben) 1065–1090 Herrand 1090–1100 Otto 1100–1105 Vakanz 1105–1129 Martin 1129–1135 Heinrich (abgesetzt durch Lothar III.) 1135–1138 Lambert (Lamprecht) 1138–1161 Sigebodo (Sigibodo) 1161–1176 Thioter (Thieter, Tether) 1176–1192 Dietrich (Thideric) –1195 Bertold 1196–1207 Hermann 1201– Conrad (Abbas de Hilsineburch) 1207–1211 Ludolf von Schladen 1212–1219 Heinrich (abgesetzt) 1220–1239 Johann I. 1240–1243 Elias von Gröningen 1243–1253 Bernhard I. von Oldenrode 1254–1256 Gebhard (zugleich Abt von Hillersleben) 1256–1258 Bernhard II. 1259–1277 Hugold 1277–1305 Heinrich Paschdag (Paschalis) 1305–1308 Burchard von Cramm 1308–1316 Heinrich Graf von Klettenberg 1316–1325 Albrecht von Burgdorf 1326–1358 Ditmar von Hardenberg –1358 Lippold von Cramm 1358–1366 Wiprecht Nobilis 1366–1393 Anno von Oberg 1393–1397 Nikolaus Tribut 1397–1407 Ludwig Bogelsack 1408–1448 Heinrich von Braunschweig 1448–1467 Heinrich Overbeck (unter ihm wurde ab 1452 das Kloster reformiert) 1467–1469 Johann Duderstadt 1469–1481 Heinrich Grube (von Hagen) 1481–1516 Hermann Polde (Poelde) von Hannover 1517–1531 Johannes Henne 1531–1546 Henning Brandis
Evangelische Äbte 1546–1560 Dietrich Meppis 1560–1572 Henning Dittmar aus Hildesheim Administrator 1572–1581 Christoph Graf zu Stollberg (Dompropst zu Halberstadt)