Von 1891 bis 1933 wurden auf der Rennbahn im Hamburger Stadtteil Groß Borstel von dem „Hamburger Sport-Club“ Galopp- und Hindernisrennen veranstaltet. Große Teile des ehemaligen Geländes liegen im südwestlichen Bereich des Helmut-Schmidt-Flughafens.

Der Hamburger Sport-Club Vorgeschichte Betreiber der Pferderennbahn in Groß Borstel war der Hamburger Sport-Club. Er war im Jahr 1880 von jungen Männer gegründet worden, die den „Laufsport“ als Wettkampf betreiben wollten. Zu diesen Männern gehörte u. a. Franz Ferdinand Eiffe. Wie viele andere Sportarten so hatten auch die ersten Wettkämpfe im Laufen in England stattgefunden. Da weder Laufen als Disziplin noch LeichtathletikDer Begriff „Leichtathletik“ war zu dieser Zeit unbekannt, bzw. ungebräuchlich. Die ersten Berichte in den Tageszeitungen waren unter der Überschrift „Athletik“ veröffentlicht. im Deutschen Reich zu dieser Zeit bekannt waren, gab es keine entsprechenden Wettkampfstätten. Der erste Wettbewerb wurde daher im Juni 1880 auf der Horner Galopprennbahn ausgetragen. Da auch ein Regelwerk für Laufwettbewerbe fehlte, wurden in Anlehnung an den Pferderennsport u. a. der Lauf über 100 m/Yards als Flachrennen, über 150 m/Yards als Hürdenrennen und über 1610 m/YardsDie Distanz von 1610 m entspricht einer englischen Meile. als Hindernisrennen durchgeführt. Bei einigen Veranstaltungen wurden auch Wettkämpfe im Hochsprung, Tauziehen oder Zweiradfahren veranstaltet. Zu den erfolgreichen Teilnehmern des „Meetings“ im September 1881 gehörten u. a.: E. Purgold, Friedrich Loesener-Sloman, Johann Burchard, Ami Kaemmerer, Alfred Arning.Hamburger Sport-Club. In: Hamburger Nachrichten. 26. September 1881, Abend-Ausgabe, S. (1. Sp.), Digitalisat Alle Teilnehmer waren Mitglieder wohlhabender Hamburger Familien.

Im Laufe der folgenden Jahre veranstaltete der Hamburger Sport-Club zahlreiche Wettkämpfe auch auf der seit 1880 existierenden Trabrennbahn in Bahrenfeld. 1887 war um die Tennisplätze des „Eisbahn-Vereins vor dem Dammthor“ eine Bahn von 4 × 100 m für Läufer (und Zweiräder) angelegt worden.Diese 400 m–Bahn gehört zu den ersten Laufbahnen, aus denen später „Aschenbahnen“ mit zwei Geraden und zwei Radien hervorgingen. Hier fanden nun die Wettkämpfe statt. Im selben Jahr beendete der Hamburger Sport-Club seine Tätigkeit als Veranstalter von Leichtathletik-Wettkämpfe. Diese Funktion übernahm der Sport-Club „Germania“ für einige Jahre.

Ab 1882 fanden im Anschluss an die „athletischen“ Wettkämpfe vereinzelt Pferderennen statt. 1884 veranstaltete der Hamburger Sport-Club auf der Horner Rennbahn ein Hindernisrennen.Der Hamburger Sport-Club … In: Hamburger Nachrichten. 27. Oktober 1884, S. 3 (4. Sp.), Digitalisat Ab 1888 wurden ausschließlich Pferderennen veranstaltet. Im Jahr 1889 wurden auf der Bahn des „Norddeutschen Renn- und Traber-Clubs“ in Bahrenfeld zwei Renntage durchgeführt, am 30. Mai mit 7 Rennen für HerrenreitenSport–Nachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 31. Mai 1889, Morgen-Ausgabe, S. 3 (5. Sp.), (Digitalisat) und am 7. Juli ein Sommer-Meeting ebenfalls mit 7 Rennen. Die Rennleitung an diesem Renntag lag in den Händen des Vorstandes: F.F. Eiffe, G.[Gustav] Beit, F. [Francis Julius] Heise (1858–1899), A.[Ami] Kaemmerer (1861–1926), H. Ahrens, Herm.[Hermann] Goverts (1858–1932) und H.[Heinrich] Amsinck.Sport–Nachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 9. Juli 1889, Morgen-Ausgabe, S. 3 (6. Sp.), (Digitalisat) 1890 wurden an den PfingsttagenSport–Nachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 27. Mai 1890, Abend-Ausgabe, S. 6 (2. Sp.), (Digitalisat) und am 27. und 28. Juli Galopprennen gelaufen.Sport–Nachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 28. Juli 1890, Abend-Ausgabe, S. (1. Sp.), (Digitalisat) Es waren die letzten Renntage auf der Bahrenfelder Bahn.Sport–Nachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 29. Juli 1889, Morgen-Ausgabe, S. (1. Sp.), (Digitalisat)

Unter der Führung von Gustav Beit wurden über 30 Jahre erfolgreich Galopp- und Hindernisrennen veranstaltet. Das 50-jährige Bestehen des Hamburger Sport–Clubs wurde am 21. September 1930 mit der Durchführung einer Modenschau während des Renntages begangen.Frau Mode in Groß–Borstel. In: Hamburger Nachrichten. 22. September 1930, Abend-Ausgabe, Erste Beilage, S. 5, Digitalisat

In einer Generalversammlung vom 27. März 1934 wurden Curt Lange als Vorstand und der Hamburger Rechtsanwalt Heinrich Günther als dessen Stellvertreter bestätigt. Günther berichtete über „schwebende Verhandlungen zwecks Verwertung des Borsteler Terrains und den in Aussicht genommenen Zusammenschluß mit dem Hamburger Renn-Club.“Der Hamburger Sport-Club hielt am 27. März … In: Hamburgischer Correspondent. 29. März 1934, S. , (Digitalisat) Nach über fünfzig Jahren des Bestehens wurde der Hamburger Sport-Club im Dezember 1934 mit dem Hamburger Renn-Club zwangsvereinigt.Neuerungen im Hamburger Galopprennsport. In: Hamburger Fremdenblatt. 3. Dezember 1934, Abend-Ausgabe, S. 10, , (Digitalisat)

Mitglieder des Vorstandes mini|Hamburger Sport-Club (Logo) Franz Ferdinand Eiffe Alfred Kayser (1852–1905)Verstarb am 17. Februar 1905 (Trauer-Anzeige. In: Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle. 18. Februar 1905, S. 12) Heinrich Amsinck (1863–1892)Locales. Herr Heinrich Amsinck jr. In: Hamburgischer Correspondent. 25. Januar 1892, S. 1, Digitalisat Hermann Brauß folgte im März 1892 anstelle des verstorbenen Heinrich Amsinck 1892 in den Vorstand.Lokales. Der Hamburger Sport-Club … In: General–Anzeiger für Hamburg–Altona. 31. März 1892, S. 2 (3. Sp.), Digitalisat Eduard Ludwig Behrens jr. (1852–1925). Nachfolger von Alfred Kayser als Präsident.Eduard Behrens †. In: Hamburger Nachrichten. 10. Februar 1925, Abend-Ausgabe, S. (3. Sp.), DigitalisatTodesfall. In: Der Hamburger Sport-Club … In: General-Anzeiger für Hamburg–Altona. 31. März 1892, S. 2 (3. Sp.), DigitalisatHamburgische Correspondent. 10. Februar 1925, Morgenausgabe, 2. Beilage, S. 2, Digitalisat Heinrich Antoine-Feill (1855–1922). Er war langjähriger stellvertretender Vorsitzender und beriet den Club in Rechtsfragen.Spiel und Sport. Hamburger Sport-Club. In: Hamburgischer Correspondent. 13. Februar 1923, Abend-Ausgabe, S. 4 (3. Sp.), Digitalisat Siegmund del Banco (1846–1938).Abweichenden Schreibweise: Delbanco Ende der 80er Jahre trat del Banco dem Vorstand bei.Siegmund del Banco. In: Hamburger Anzeiger. 20. Oktober 1926, 1. Beilage, S. , Digitalisat Edmund Nordheim (1874–1940). Er wurde Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Gustav Beit. Er verließ das Deutsche Reich 1933. Gustav Beit (1854–1927) führte den Club als Vorstand bis zu seinem Tod im Dezember 1927.Gustav Beit †. In: Hamburger Nachrichten. 14. Dezember 1927, Abendausgabe, Seite 17, DigitalisatGustav Beit und sein Wirken. In: Hamburgischer Correspondent. 15. Dezember 1927, Morgen-Ausgabe, S. 14, Digitalisat Axel de Chapeaurouge (1861–1941)

Vereinszeichen Die Eintragung des ovalen Vereinszeichen wurde 1906 beantragt.Antrag zur Eintragung eines Vereinszeichens; Staatsarchiv Hamburg: 111-1 Verbot oder Genehmigung der Führung des Wappens, 1901–1927; 56045 Hamburger Sport-Club. Das hamburgische Stadtwappen ist umrahmt vom Schriftzug „Hamburger Sport-Club“. Die Farbgestaltung ist z. Zt. unbekannt.

Die Rennbahn mini|Grundriss Rennbahn Gross Borstel

Das Gelände mit einer gesamte Fläche von 40 haTagesberichte. Die neue Rennbahn. In: Hamburger Nachrichten. 15. Juli 1891, S. (1–2. Sp.), Digitalisat wurde für 500.000 ℳ käuflich erworben.Vermischte Nachrichten aus dem Reiche. In: Berliner Tageblatt. 18. Juli 1891 S. (2. Sp.), Digitalisat Die Rennbahn für Flachrennen hatte eine Länge von 1870 m, die Hindernisbahn in Form einer liegenden 8 von 5000 m. Bei den beliebten Hindernisrennen, auch Steeplechase genannt, mussten 11 Hindernisse von Pferd und Reiter überwunden werden. Zwischen der Bahn für Flach- und der für Hindernisrennen lag die Bahn für Hürdenrennen. Flachrennen wurden von Jockeys und Hürdenrennen von Amateuren geritten, von denen viele Offiziere in Kavallerieregimenter waren.

Die Rennbahn wurde von dem Hamburger Gartenbauingenieur Rudolph Jürgens angelegt.Mitteilungen aus den Vereinen. Vortrag über Anlagen und Bauten für Pferde-Wettrennen. In: Deutsche Bauzeitung, Bd. 37, 1903, S. 79

Die von den regierenden Nationalsozialisten 1933 etablierte „Hamburger Landesleistung für Pferdesport und -zucht“ unter Senator Alfred Richter legte im Oktober 1933 fest, dass es nur noch eine (Galopp–)Rennbahn gäbe.Unter der Überschrift „Die Neugestaltung des Hamburger Rennsports.“ erschienen gleichlautende Artikel in: Hamburgischer Correspondent. 31. Oktober 1933, S. 16, (Digitalisat), Hamburger Nachrichten. 31. Oktober 1933, S. 17, (Digitalisat) und Hamburger Anzeiger. 1. November 1933, S. 5, (Digitalisat) Im April 1934 wurde auf der Rennbahn vor der Haupttribüne ein Springparcour gebaut.SA. und SS. Reiterkämpfe bei den Hamburger Pferdesporttagen. In Borstel wird gebaut. In: Hamburger Nachrichten. 9. April 1934, S. 9, Digitalisat Das Gelände wurde auf politischen Druck hin verkauft.

Tribünen und Gebäude Die Tribüne mit 3000 Sitzplätzen, zwei breiten Treppen, 20 Logen, Umkleideräume für Jockeys und Amateurrennreiter, Zimmer für die Direktion, Polizei, Post und Telefon wurden nach Entwürfen der Hamburger Architektengemeinschaft Puttfarken & Janda.Die neue Rennbahn des hamburger Sport-Clubs … In: Altonaer Nachrichten. 15. Juli 1891, S. 6 (1./2.Sp.), DigitalisatLokales. Zur Besichtigung der … In: General-Anzeiger für Hamburg-Altona. 16. Juli 1891, S. 2 (3.Sp.), Digitalisat

Zusätzlich wurden ein Totalisator mit 18 Einzahlungs- und 8 Auszahlungsstellen, ein Bierpavillon und ein Restaurant gebaut.

Pferderennen Am Sonnabend, den 18. Juli 1891 wurden bei herrlichstem Sommerwetter die ersten Rennen auf der Bahn veranstaltet.Die Rennen des Hamburger Sport-Club … In: Altonaer Nachrichten. Morgen-Ausgabe 20. Juli 1891, S. 1–2 (5. Sp./ 1., 2. Sp.), Digitalisat Das „Einweihungs-Rennen“ über 1800 m für dreijährige und ältere Pferde gewann Heinrich Amsinck (1863–1892) auf seinem dreijährigen Hengst „Avignon“. Das zweite Rennen war ein Flachrennen für Jockeys über 1000 m für zwei- und dreijährige inländische, österreich-ungarische und dänische Pferde. Das dritte Rennen war ein Steeplechase über 3200 m, das vierte ein Hürdenrennen über 2400 m, das fünfte ein Flachrennen über 1600 m und das sechste und letzte Rennen ein Jagdrennen über 4000 m. Während diese ersten Rennen der Überprüfung eines reibungslosen Ablauf dienten, waren die für den folgenden Sonntag vorgesehenen Rennen als erster offizieller Renntag angekündigt worden. Er konnte allerdings wegen heftiger Regenfälle nicht durchgeführt werden. Die Rennen wurden am 22. Juli und den Folgetagen nachgeholt.

Großer Preis von Hamburg Am Sonntag, 5. Juli 1896, wurde zum ersten Mal der „Große Preis von Hamburg“ auf der Bahn in Gross Borstel gelaufen. Die Summe aller Preise betrug 100.000 ℳ. Es war zu diesem Zeitpunkt das höchstdotierte Galopprennen im Deutschen Reich. Hiervon entfielen auf den Sieger 90.000 ℳ. Es war damit das höchstdotierte Rennen, das der Hamburger Sport-Club über viele Jahre hinweg veranstaltete. In den Folgejahren verringerte sich dieser Preis zunächst auf 80.000 ℳ, später auf 75.000 ℳ. Die Distanz betrug zu Beginn 2000 m, später wurde sie auf 2200 m verlängert. Das Rennen war offen für 3-jährige und ältere Pferde. Das Mindestgewicht betrug für die 3-Jährigen 54 kg, für die 4-Jährigen 62 und für ältere 63,5 kg. Die Pferde mussten bis zum 1. November des Vorjahres gemeldet werden. Sieger des ersten Rennens um den Großen Preis von Hamburg wurde der dreijährige, braune Hengst „Genache“ mit drei Längen, Besitzer des Pferdes war Edmund Graf Batthyány.Sportnachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 6. Juli 1896, Abend-Ausgabe, zweite Beilage, S. (5.–6. Sp.), Digitalisat