mini|Kloster auf dem Vogelschauplan von Peter Hamman (vor 1689), Blick von Osten mini|Römerstraße, Blick von Süden: Heute steht hier die Ladengalerie Kaiserpassage. Der Chor der Dominikanerkirche befand sich etwa im Bereich der rechten Baumgruppe

Das Dominikanerkloster in Worms bestand von 1226 bis 1802.

Geografische Lage Die Gründung des Klosters erfolgte „in der Sattlergasse“ – die Lage der Gasse ist heute nicht mehr bekannt –, wo die Dominikaner von einem Ritter Werner einen Hof kauften.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 735. Nach 1233 wurde die Klosteranlage in dem Bereich, der von „Korngasse“, „Römerstraße“,Ehemals: „Quergasse“. „Am Römischen Kaiser“Ehemals: „Schlossergasse“. und „Spiegelgasse“Das Kloster lag also im Bereich der heutigen „Kaiserpassage“. umgrenzt wird, neu errichtet. Die Kirche war mit dem Chor nach Südosten ausgerichtet, der an der Römerstraße stand. Die Klausur befand sich nördlich davon, südlich lag der – nicht sehr große – „Dominikanerplatz“.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 778.

Geschichte Konfliktreiche Gründung mini|Namhafter Sponsor: Gregor IX. (Manuskript aus der Zeit um 1270)

Nach einer frühneuzeitlichen ChronikJohannes Heydekyn von Sonsbeck verfasste um 1500 die Kirschgartener Chronik (Bibliographische Angaben zur Chronica civitatis Wormatiensis (Kirschgartener Chronik) auf Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hg.): Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters). gründeten Dominikaner 1226 ein Kloster in Worms. Woher sie kamen, ist nicht bekannt.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 735 f. Nach dem Kauf des Geländes in der Sattlergasse begannen sie sofort, noch 1226, eine Kirche und eine Klausur zu bauen.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 735, 737. Da die Neuankömmlinge zur antistaufischen, päpstlichen Partei gehörten, der Bischof, Heinrich II., aber das Königshaus unterstützte, und da die Dominikaner in manchen Bereichen eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Konkurrenz zum örtlichen, weltlichen Klerus darstellten, lehnten beide die Niederlassung der Dominikaner in Worms ab. Dies eskalierte, als sich der hochadelige Dominikaner Eberhard von Leiningen – ein Neffe des Bischofs [!]Bönnen / Kemper, S. 707. – auf dem Friedhof der Dominikaner beisetzen ließ. Heinrich II. ließ die Leiche exhumieren und auf den Domfriedhof überführen. Außerdem ließ er die Handwerker von der Klosterbaustelle vertreiben. Der Papst wies den Bischof am 3. September 1229 allerdings an, die Dominikaner in Ruhe wirken zu lassen, und bestellte Schlichter. Neben der Rückgabe der sterblichen Überreste des Eberhard von Leiningen war Teil der Vergleichsverhandlungen, die sich über das ganze Jahr 1231 hinzogen, dass der Bischof die am südlichen Stadtrand gelegeneDie St. Andreaskirche lag nicht außerhalb der Stadtmauern (so: Keddigkei und Untermann, S. 735), sondern in der Stadt, an einem – im 10. Jahrhundert errichteten – Stadtmauerabschnitt (Mathilde Grünewald: Worms von der vorgeschichtlichen Epoche bis in die Karolingerzeit. In: Gerold Bönnen (Hg.): Geschichte der Stadt Worms. Theiss, Stuttgart 2005. ISBN 3-8062-1679-7, S. 44–101). , Stiftskirche St. Andreas aus dem Stift herauslösen und die Kirche zusammen mit dem Bergkloster an die Dominikaner übertragen sollte, die Dominikaner dem Bischof im Gegenzug ihre Liegenschaften in der Stadt überlassen sollten.Peter Schmidt und Stefanie Fuchs: Worms, St. Andreas, später St. Maria Magdalena. Kollegiatstift, geplantes Dominikanerkloster, dann Reuerinnenkloster, zeitweise Doninikanerinnenkloster. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden Band 5 = Beiträge zur pfälzischen Geschichte Band 26.5. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2019. ISBN 978-3-927754-86-7, S. 505–531 (507) Das scheiterte aber, weil die Stiftsherren von St. Andreas nicht bereit waren, auf die Kirche zu verzichten. So dauerte es bis in den Sommer 1232, bevor ein neuer Kompromiss ausgehandelt war, der dann 1233 von Papst und Bischof bestätigt wurde: Die Dominikaner versprachen dem Bischof Gehorsam und die ihm zustehenden Grundabgaben zu leisten. Dafür durften sie in der Innenstadt Grundstücke für den Bau ihrer Kirche und eines Klosters kaufen. Sie wählten das Areal, das von Korngasse, Römerstraße und Spiegelgasse begrenzt wurde.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 736. Papst Gregor IX. stellte dafür 100 Mark Silber zur VerfügungDas entsprach etwa 2,3 kg., das durch Ersatzzahlungen gelobter, aber verhinderter Kreuzfahrten und Pilgerreisen ins Heilige Land aus der Diözese Speyer aufgebracht werden sollte.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 779. Über die Nachnutzung des baulich sicher noch nicht fertiggestellten ersten Klosters ist nichts bekannt.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 736.

Ausbau Aus der Anfangszeit sind Namen von Konventualen – abgesehen von dem erwähnten Eberhard von Leiningen – nicht bekannt. 1239 fand erstmals ein Provinzialkapitel der Dominikaner in Worms statt. Eine Weihe der Altäre in der neuen Predigerkirche nahm Bischof Richard von Daun (1247–1257) nach 1252Erst 1252 konnte Richard von Daun seine Bischofsstadt betreten, was ihm zuvor der Stadtrat verweigert hatte (Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 767). vor – die Situation zwischen Bischof und Orden hatte sich entspannt, weil Richard von Daun päpstlich gesinnt war und Verbündete gegen Domherren und Stadtrat brauchte, die beide auf staufischer Seite standen. Das Kloster nahm einen guten Aufschwung und wurde auch weiter mit Privilegien und politisch durch die Päpste unterstützt. 1313 weihte der Weihbischof Wolfram von Fleckenstein – selbst Dominikaner – einen vergrößerten Chor der Dominikanerkirche. 1319 konnten Nachbargrundstücke angekauft und das Kloster erweitert werden.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 767.

Aktiv waren die Dominikaner in der geistlichen Betreuung der in der Stadt zahlreichen Beginen-Konvente.Bönnen / Kemper, S. 713.

Am Ende des 14. Jahrhunderts erreichte der Kampf zwischen Bischof und Geistlichkeit auf der einen Seite und dem Rat der Stadt einen Höhepunkt. Die Dominikaner (ebenso wie die Franziskaner) standen der Bürgerschaft nahe, spielten eine große Rolle in deren religiösem Leben und schlugen sich auf deren Seite.Frank Konersmann: Kirchenregiment, reformatorische Bewegung und Konfessionsbildung in der Bischofs- und Reichsstadt Worms (1480–1619). In: Gerold Bönnen (Hg.): Geschichte der Stadt Worms. Theiss, Stuttgart 2005. ISBN 3-8062-1679-7, S. 262 – 290 (266). Sie schlossen einen Schutz- und Freundschaftsvertrag mit der Stadt, erhielten gegen ein „Schirmgeld“ in der eher symbolischen Höhe von 2 Gulden im Jahr 1385 das Wormser Bürgerrecht und übernahmen Gebetsgedenken für Ratsmitglieder und deren Vorfahren.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 767.

Anfang des 15. Jahrhunderts geriet das Kloster nach einem Brand und wohl auch dem Ausfall von Einkünften in eine wirtschaftliche Schräglage. Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz half in dieser Situation mit 200 Gulden aus und das Kloster verpflichtete sich im Gegenzug zu Reformen. Diese schienen auch dringend angebracht, denn die Dominikaner kamen ihren seelsorgerischen Verpflichtungen nur noch ungenügend nach: Über viele Jahre erstreckten sich Auseinandersetzungen mit dem Dominikanerinnenkloster in Hochheim wegen nicht gelesener Messen. Die Lage besserte sich erst, als sich im Wormser Kloster ab 1447 im zweiten Anlauf die Observanz unter Führung Baseler Brüder durchsetzte, die anschließend auch drei aufeinander folgende Prioren stellten.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 768; Bönnen / Kemper, S. 717 f. Das Wormser Kloster war anschließend an weiteren Reformen selbst aktiv beteiligt, so erfolgreich in Frankfurt, gescheitert letztendlich in Weißenburg.Bönnen / Kemper, S. 718. Ende des 15. Jahrhunderts sind 24 Brüder verzeichnet.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 772. Beim Reichstag von 1495 diente das Kloster als Herberge für den Erzbischof von Mainz, Berthold von Henneberg, Markgraf Friedrich von Brandenburg, Herzog Friedrich III. und Graf Eberhard I. 1521 wurden in der Dominikanerkirche zwei Bischöfe aus Mailand, einer aus AlmeríaDas war vermutlich Juan González Meneses. und ein spanischer Grande beigesetzt, die zum Reichstag von Worms 1521 angereist und hier verstorben waren.Kranzbühler, S. 87. Die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert stellte jedenfalls einen Höhepunkt in der Entwicklung des Klosters dar.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 769.

Reformation und folgende Zeit mini|Kloster nach der Zerstörung 1689 (Vogelschauplan von Peter Hamman). Deutlich zu erkennen ist der gegenüber dem Langhaus erhöhte Chor. Die Zahl der Fensterachsen ist aus Platzgründen zu gering dargestellt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts geriet der städtischen Interessen zuneigende Konvent wieder in einen schweren Konflikt mit dem Bischof, was Teil einer umfassenderen Auseinandersetzung zwischen Stadt und Bischof war. In der Reformation wurde die Stadt – vor allem deren politische Führungsschicht – lutherisch. Der Konvent verlor in großem Umfang Mitglieder. 1525 waren es noch 14 Brüder, davon zwei Laien. Auch wurde das „Hauptgeschäft“ eines römisch-katholischen Bettelordens, das „Terminieren“ (Spenden sammeln), in einer nun überwiegend lutherischen Stadt weitgehend unmöglich. Der Bauernkrieg, der im Umfeld von Worms umfangreiche Auswirkungen hatte, bedeutete weitere große wirtschaftliche Verluste für das Kloster. In der nun größtenteils lutherischen Stadt blieben aber alle vier Pfarrkirchen in römisch-katholischer Hand. Die Dominikaner mussten ab 1526 ihr Kirchenschiff für lutherische Gottesdienste öffnen – ihnen verblieb nur der Chorbereich. Bis 1689 blieb dieses Simultaneum erhalten und die Dominikanerkirche war die Hauptkirche der Lutheraner in der Stadt.Kranzbühler, S. 88. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wirkten die Dominikaner in den vier städtischen Pfarreien in der Seelsorge mit.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 776.

Im Dreißigjährigen Krieg blieb Worms zwar unzerstört, blutete aber aufgrund zahlreicher Einquartierungen wechselnder Kriegsparteien und der Zerstörung im Umland wirtschaftlich aus. Das traf auch die Dominikaner, deren Hoffnungen auf Restitution verlorener Rechte in den Phasen römisch-katholischer Besatzung sich letztendlich nicht erfüllten.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 770. Am Ende des Krieges, 1644, gehörten noch sechs Mönche dem Konvent an. Nach dem Krieg setzte allerdings eine wirtschaftliche Erholung ein.

Eine komplette Zerstörung des Klosters erfolgte 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch Truppen König Ludwig XIV. Der Schaden wurde auf 38.000 Gulden geschätzt. Von den Gebäuden blieben nur die Außenmauern stehen. Noch 1713 suchte der Konvent nach Mitteln, um den Wiederaufbau durchführen zu können. 1718 konnte der Chor wieder geweiht werden. Auf den Aufbau des Langhauses der Kirche wurde verzichtet, weil eine Nutzung durch die Lutheraner nach Errichtung der Dreifaltigkeitskirche (1709–1725)Gunter Mahlerwein: Die Reichsstadt Worms im 17. Und 18. Jahrhundert. In. Gerold Bönnen (Hg.): Geschichte der Stadt Worms. Theiss, Stuttgart 2005. ISBN 3-8062-1679-7, S. 291–352 (342). nicht mehr erforderlich war. Es blieb Ruine.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 770 f. Das Verhältnis zur lutherischen städtischen Obrigkeit blieb das ganze 18. Jahrhundert lang gespannt.Keddigkeit u. a. Pfälzisches Klosterlexikon, S. 771.

Ende und Nachnutzung