Walter Angerer-Niketa (* 23. März 1940 in Wels; † 24. September 2021 in Laa an der Thaya) war ein österreichischer Künstler und Bildhauer.
Leben Walter Angerer erkrankte mit sieben Jahren an Knochentuberkulose. Die existentielle Erfahrung der jahrelangen, oft einsamen, Krankenhausaufenthalte, die vielen Operationen sowie seine bleibende Behinderung prägten ihn und sein Werk grundlegend. „Ohne diese Erfahrung wäre ich niemals dieser Künstler geworden.“ sagt Walter Angerer.
„Durch das lange Liegen in den Krankenhausbetten und das Starren auf den Kasten, die Fenster, die Tür, beginnen die geraden Linien zu schweben, die Form löst sich auf.“ In dieser Zeit nehmen die schwebenden Formen, wie sie u .a. in späteren Ausstellungen „Im Augenblick der Ewigkeit“ zu sehen sind, ihre ersten Anfänge.
Als Jugendlicher verbrachte Walter Angerer einige Jahre in der Waldschule bei Wiener Neustadt, einer Schule für körperbehinderte Kinder. Aus dieser Erfahrung heraus war es ihm ein Anliegen, den Kreativkurs für Behinderte im damaligen Dramatisches Zentrum, in Anbindung an die Volkshochschule Schwendergasse, viele Jahre lang zu leiten. Durch die Arbeit mit Behinderung befasste er sich mit der Frage des Spannungsfelds von Schicksal und Freiheit.
Von 1958 bis 1963 studierte Angerer Werbegrafik an der Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt (Wien). Durch den Besuch einer Ausstellung von Josef Pillhofer reifte der Wunsch Bildhauer zu werden, vollends. Er studierte von 1963 bis 1967 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste (Wien), zuerst als Schüler von Hans Andre, dessen Assistent Pillhofer war, später bei Fritz Wotruba. 1979–80 erhielt er sein Diplom unter der Lehre von Bruno Gironcoli.
Ab 1983 unterrichtete er Grafikdesign an der Höherer Grafische Lehr- und Versuchsanstalt, Wien.
Neben seiner Lehrtätigkeit setzte sich Walter Angerer mit spirituellen Praktiken und Astrologie auseinander. Sein Beiname/Künstlername „Niketa“ wurde ihm von seinem spirituellen Lehrer gegeben. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Tempel“.
Walter Angerer lebte und arbeitete in Wien und Neuruppersdorf im Weinviertel.
Werk mini|Steinplastik Anubis in Wien-Brigittenau Reduktion, klare, geometrische, abstrakte Formen und eine ihm eigene reduziert-losgelöste Formensprache zeichnen sein Œuvre aus. Durch minimale Veränderungen und dem Spiel mit Linien- und Formenkombinationen erforscht er die Relationen von Symmetrie – Asymmetrie, Ruhe – Bewegung, Schwere – Leichtigkeit, Geschlossenheit – Offenheit, Stabilität – Instabilität.
Über seine künstlerische Arbeit schreibt die Kunsthistorikerin Maria Christine Holter:
Ausstellungen Einzelausstellungen 1963 Expressiv, Klubraum der VSStÖ, Wien 1972 Skulpturen und Bilder, Kleine Galerie in der Neudeggergasse, Wien 1973 Skulpturen und Bilder, Guldengalerie, Wels 1974 Skulpturen und Bilder, Galerie in der Goldgasse, Salzburg 1974 Skulpturen und Bilder, Kleine Galerie in der Neudeggergasse, Wien 1979 Geometrie und Abstraktion, Galerie des OÖ Kunstverein 1851, Linz 1981 Das Quadrat und der Würfel – eine phänomenologische Analyse, Secession, Wien 1983 Form und Farbe; (mit Hans Plobner), Galerie des OÖ Kunstverein 1851, Linz 1990 Skulpturen und Bilder zur Meditation und Transformation, Galerie des Oberösterreichischen Kunstverein 1851, Linz 1991 Reduktionen (mit Karl Kriebel); Blau-Gelbe-Viertelsgalerie, Zwettl, NÖ 1992 Im Augenblick der Ewigkeit, Skulpturen, Bilder, Grafiken, Secession, Wien 1999 Spurensuche, Kunst am Bau, Region 20. Bezirk Wien, Aktionsradius Augarten, Wien 2004 Stein und Sein, Skulpturen von Walter Angerer-Niketa, Bilder von Guido Zehetbauer-Salzer, Künstlerhaus, Wien 2009 Poesie der Logik, Skulpturen, Bilder und Grafiken von Walter Angerer-Niketa, Bilder von Harald Plochberger, ZS art Galerie, Wien 2012 Rückblick/Querschnitt, Österreichische Beamtenversicherung, Wien 2013 Raum außerhalb der Zeit; (mit Alex Klein), zs art galerie, Wien 2015 Gegen den Zeitgeist mit den Stilmitteln der Klassischen Moderne, Schüttkasten, Laa/Thaya, NÖ 2019 Walter Angerer-Niketa. Galerie OÖ Kunstverein, Linz, OÖ 2020 Choreografie der Stille; (mit Ray Malone), zs art galerie, Wien
Aus dem Nachlass 2023 Im Augenblick der Ewigkeit, Walter Angerer-Niketa, aus dem Nachlass (1940–2021), zs art galerie, Wien 2023 Tage der offenen Ateliers NÖ, Soloausstellung, Atelier Neuruppersdorf, NÖ
Ausstellungsbeteiligungen und Kunstmessen 1963 Künstler aus Oberösterreich; Galerie Junge Generation; Wien, Kapfenberg / A, Kopenhagen / DK 1964 Herbstausstellung; Wiener Künstlerhaus, Wien 1971 Mitglieder; Kammerhofgalerie, Gmunden 1972 Symposion Lindabrunn; Kommunikationszentrum; NÖ 1974 Kellergalerie Goldgasse, Salzburg 1975 15 Bildhauer; Park des Max-Reinhardt-Seminars, Wien 1975 15 Bildhauer; Rosarium, Baden, NÖ 1975 Figurale Struktur, 3 Bildhauer: Walter Angerer, Hannes Turba, Werner Würtinger; Wiener Secession, Wien 1976 Wiener Künstler nördlich der Donau; Kulturamt der Stadt Wien, Wien 1977 GEOMETRICA 77; Messegelände Tulln, Tulln, NÖ 1977 Steine; Modern Art Galerie, Wien 1977 Logische Kunst? 8 Beispiele; NÖ-Gesellschaft Kunst und Kultur; Kirchberg am Wechsel, NÖ 1978 Logische Kunst; Wiener Secession, Wien 1978 50 Jahre Künstlergilde Salzkammergut; Kammerhofgalerie, Gmunden 1978 Kunst aus Oberösterreich; Modern Art Galerie, Wien 1978 Kunst aus Oberösterreich; Galerie des OÖ Kunstverein 1851, Linz 1978 Tendenzen und Wege; Wiener Secession, Wien Kulturamt der Stadt Wien< 1979 OÖ Kunstverein 1851 1979 Brucknerhaus, Linz 1979 Künstlerhaus Klagenfurt, Klagenfurt 1979 Künstlerhaus Wien 1980 OÖ Kunstverein 1851 1980 Brucknerhaus, Linz 1980 3 junge Künstler; Kammerhofgalerie, Gmunden 1981 OÖ Kunstverein 1851 1981 Museum der Stadt Graz 1981 13. Internationale Kleinplastik Biennale; Padua 1983 FREIPLATZ KUNST ´83 – Künstler arbeiten in der Wiener Secession; Secession Wien 1986 OÖ Kunstverein 1851, Linz 1986 Museum Folkwang der Stadt Essen / D 1987 Österreichische Grafik II; Sammlung der Wiener Secession, Wien 1988 Natur-Stein-Park; Liezen 1989 null-dimension 1 – kunst international – konstruktive strömungen; Hipp-Halle; Künstlergilde Salzkammergut & Galerie „new space“; Gmunden 1990 Neue oberösterreichische Steinbildhauerei; Künstlergilde Salzkammergut; Kammerhofgalerie Gmunden 1990 Konstruktiv-Konkret-Konzeptuell; 12 Künstler aus Österreich, Fulda / D 1990 Osiris und Anubis; BAWAG-Foundation, Wien 1991 Gleich-Zeitig, 140 Jahre OÖ Kunstverein 1851 1991 OÖ Landesmuseum, Museum Francisco Carolinum, Linz 1991 Neue oberösterreichische Steinbildhauerei; Galerie des OÖ Kunstverein 1851, Linz 1991 Neue oberösterreichische Steinbildhauerei; NÖ Dokumentationszentrum, St. Pölten 2000 Internationalen Grafik III – INNOVATION, 10. Gmundner Symposium; Kongresshaus Gmunden/Villa Toscana; Gmunden; OÖ 2001 FAHNEN; an der Traunbrücke; 11. Gmundner Symposion für Konkrete Kunst; Gmunden; OÖ 2004 Kunstschaffende im Land; Barockschlössl Mistelbach, NÖ 2005 MOTIVA, International-Konstruktiv-Konkret-Intelligibel; Austria Center Vienna, Wien 2005 Spurensuche; Kunst am Bau – Region 20. Bezirk, Wien 2005 99x21x21; Mitglieder und Freunde der Künstlergilde Salzkammergut, Gmunden 2006 Horror Vacui-Schrecken der Leere, Galerie des OÖ Kunstverein 1851, Linz 2006 10 Jahres Werkschau; Galerie am Kapellenberg, Dörfles, NÖ 2006 „Ein Jahr, 34 Positionen, 34 Räume“, Museum Modern Art, Hünfeld, 2006–2007 / D 2007 Lignum in Arte; Galerie am Kapellenberg, Dörfles 2008 Geometrie und Konzept; Salzkammergut, Kammerhofgalerie, Gmunden, OÖ 2008 Weinviertler Impressionen; Galerie am Kapellenberg, Dörfles, NÖ 2008 Wir, Mitglieder der Künstlergilde, Salzkammergut; Kammerhofgalerie, Gmunden 2009 zs artenvielfalt; zs art galerie, Wien 2011 Jahr des Waldes; Stift Klosterneuburg, NÖ 2011 Art Austria 2011; (zs art galerie), Wien 2011 Jahr des Waldes; Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2013 Zeichnung Wien die 4te; zs art galerie, Wien 2013 Landauf 2013; Barockschlössl und Museumszentrum, Mistelbach, NÖ 2013 Art Austria 2013 (zs art galerie), Wien 2013 Emil Toman – Maler, Mentor, Wegbereiter; zs art galerie, Wien 2014 5 Jahre zs art galerie; zs art galerie, Wien 2015 Reduktion; zs art galerie, Wien 2015 Atrium Art; 20 Jahre Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit der ÖBV, Wien 2016 30x30x30; zs art galerie, Wien 2016 art KARLSRUHE (zs art galerie), Karlsruhe 2017 art KARLSRUHE (zs art galerie), Karlsruhe / D 2018 man stelle sich vor: Stille; Galerie OÖ Kunstverein, Linz, OÖ 2018 art KARLSRUHE (zs art galerie), Karlsruhe / D 2019 Prinzip Landschaft; zs art galerie, Wien 2019 Kopf-Variationen; zs art galerie, Wien 2020 zselection; zs art galerie, Wien 2020 Kleinformat; zs art galerie, Wien
Aus dem Nachlass 2022 Collage II; Gruppenausstellung, zs art galerie, Wien 2023 Parallel; Gruppenausstellung, Skulpturenpark Gmunden 2023 Parallel Vienna; Gruppenausstellung; Sculpture Special Show; Otto-Wagner-Areal, Wien 2023 Luxembourg ArtWeek / The Fair 2023 (zs art galerie); Luxembourg / LUX 2024 Reduktion + Emotion, Gruppe, zs art galerie, Wien 2024 Parallel; Gruppenausstellung, Skulpturenpark, Toskanapark Gmunden 2024 STAGE Bregenz (zs art galerie); Bregenz / A 2024 Dialoge I – 15 Jahre zs art galerie; Gruppenausstellung, zs art galerie, Wien
Kunst im Öffentlichen Raum 1986 Raumgestaltung für die Höhere Technische Bundeslehranstalt, Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule für Körperbehinderte in 1030 Wien 1991 Skulptur für eine Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, 1200 Wien, Pappenheimstraße Ecke Hartlgasse, Liste der Kunstwerke im öffentlichen Raum in Wien/Brigittenau
Arbeiten im Besitz öffentlicher und privater Sammlungen Bundesministerium für Unterricht und Kunst Kulturamt der Stadt Wien Sammlung des Landes Oberösterreich Oberösterreichisches Landesmuseum, Francisco Carolinum Sammlung des Landes Niederösterreich Sammlung ÖBV Museum Liaunig
Auszeichnungen 1976 Förderungspreis der Zentralsparkasse 1977 Förderungspreis des Kulturamtes der Stadt Wien 1978 Förderungspreis der Stadt Wien 1979 Theodor-Körner-Preis 1980 Meisterschulpreis für Bildhauerei der Akademie der Bildenden Künste 1982 1. Preis bei „Künstler arbeiten in Betrieben“
Mitgliedschaften Mitglied bei:Wiener SecessionOberösterreichischer Kunstverein 1851Künstlergilde SalzkammergutVerein Europäischer Bildhauer – St. Margarethen
Literatur Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Ausstellung in der Wiener Secession, Weltveränderungskünstlermasche, in: Wiener Zeitung, 10. April 1992, S. 3. Claudia Aigner, Walter Angerer-Niketa: Die innere Schönheit der Steine, in: Wiener Zeitung Online, 11. Mai 2023 (abgerufen am 23. September 2023). Galerie Grita Insam (Hg), Raum Annehmen. Aspekte der Österreichischen Skulpturen (Ausstellungskatalog, Galerie Grita Insam, Wien 1985) Wien 1985. Harald Koisser, Walter Angerer-Niketa. Die Gewalt der Stille, in: ZS Art Galerie (Hg.), Poesie der Logik, (Ausstellungskatalog, ZS Art Galerie, Wien 2009), Wien 2009, S. 8–14. Karla Starecek, Walter Angerer-Niketa & Ray Malone. ZS Art Galerie, in: Parnass, 01/2020, S. 136–137. Kristian Schotriffer, Die Heiligen im Ver-Sacrum-Tempel. Gibert George, Angerer und Bohatsch/Zechner in der Secession, in: Die Presse, 10. April 1992, S. 21. Künstlergilde Salzkammergut (Hg.), Kunst im Salzkammergut III. Geometrie und Konzepte (Ausstellungskatalog, OÖ Landesausstellung Salzkammergut, Kammerhofgalerie, Gmunden 2009), Linz 2009. Künstlergilde Salzkammergut (Hg.), Neue Österreichische Steinbildhauer (Ausstellungskatalog, OÖ Landesausstellung Salzkammergut, Kammerhofgalerie, Gmunden 1990, Galerie des OÖ Kunstvereins, Landeskulturzentrum Ursulinenhof, Linz 1991, NÖ Dokumentationszentrum für Moderne Kunst, St. Pölten, 1991), Linz 1990.