Der Sechstagekrieg oder Junikrieg (, hebräisch מלחמת ששת הימים milchémet schéschet haJamim) zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien dauerte vom 5. bis zum 10. Juni 1967. Als Teilaspekt des Nahostkonfliktes war er nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg (1948) und der Suezkrise (1956) der dritte arabisch-israelische Krieg.
Unmittelbare Auslöser des Krieges waren die ägyptische Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt am 22. Mai, der vom ägyptischen Präsidenten Nasser erzwungene Abzug der UNEF-Truppen vom Sinai und ein ägyptischer Aufmarsch von 1.000 Panzern und fast 100.000 Soldaten an den Grenzen Israels.
Die Kampfhandlungen begannen am 5. Juni mit der Operation Focus (hebräisch: מבצע מוקד, Mivtza Moked), einem Präventivschlag der israelischen Luftstreitkräfte gegen ägyptische Luftwaffenbasen, der einem befürchteten Angriff der arabischen Staaten zuvorkommen sollte. Jordanien, das am 30. Mai 1967 einen Verteidigungspakt mit Ägypten geschlossen hatte, griff daraufhin Westjerusalem, Ramat Rachel und Netanja an. Im Verlauf des Krieges erlangte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem. Der Ausgang des Krieges beeinflusst die Geopolitik der Region bis zum heutigen Tag.
Ausgangssituation Schon vor dem Sechstagekrieg gab es militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten. Die letzten Kriege lagen 1967 allerdings schon elf (Suezkrise) beziehungsweise 19 Jahre (Unabhängigkeitskrieg) zurück. Die territorialen Verhältnisse unterschieden sich von den heutigen, da der Gaza-Streifen noch zu Ägypten, die Golanhöhen zu Syrien und das Westjordanland einschließlich der Altstadt Jerusalems zu Jordanien gehörten. Von Israels Nachbarstaaten aus operierten arabische Fedajin und griffen bis in die 1960er Jahre hinein wiederholt Ziele in Israel an. Syrien etwa, das ein Verbündeter der Sowjetunion war, unterstützte die Einfälle der Fedajin als Teil des Volksbefreiungskriegs der syrischen Baath-Partei, auch, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. 1967 hatte noch kein arabischer Staat Israel und damit die Existenzberechtigung des jüdischen Staats anerkannt; ein Friedensvertrag zwischen einem der Staaten und Israel war noch nicht denkbar.
Die Krise um den Suezkanal endete 1956 zwar mit einer militärischen Niederlage, aber dem politischen Sieg Ägyptens. Deshalb gelang es Gamal Abdel Nasser, eine quasi unanfechtbare Position als Führer der arabischen Welt aufzubauen. Auf Drängen der USA und Frankreichs hatten sich die israelischen Truppen wieder vom Sinai zurückgezogen, wofür im Gegenzug Ägypten dazu gebracht werden sollte, keine Partisanen mehr in das israelische Staatsgebiet zu schicken und die Grenzregion zu demilitarisieren, welche fortan von UN-Truppen überwacht wurde. Die Stationierung von Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Gaza und im Sinai (UNEF) trug dann auch zeitweise zu einer Beruhigung des Konflikts bei. Ägypten erklärte sich auch dazu bereit, die Straße von Tiran wieder für die israelische Schifffahrt zu öffnen, deren Schließung im Vorfeld der Suezkrise eskalierend gewirkt hatte.
1964 begann Israel, Wasser aus dem Jordan für seinen National Water Carrier abzuleiten. Im Jahr darauf begannen die arabischen Staaten mit der Umsetzung des Headwater Diversion Plans, dem zufolge der Banyas und der Hasbani hätten umgeleitet werden sollen, mit der Folge, dass Israel von diesen zwei Quellflüssen des Jordans abgeschnitten worden wäre und somit elf Prozent seines gesamten Wasserhaushaltes verloren hätte. Die israelische Armee griff das Kanalprojekt im März, Mai und August 1965 an und setzte damit gegenseitige gewaltsame Grenzkonflikte in Gang, welche direkt mit den Ereignissen in Zusammenhang stehen, die zum Sechstagekrieg führten.
Israel und der Angriff auf Jordanien Das Verhältnis zwischen Israel und Jordanien war ebenfalls sehr angespannt. Am 13. November 1966 rückten israelische Fallschirmjäger als Antwort auf die Tötung von drei israelischen Grenzpolizisten und die Verwundung von sechs Soldaten zwei Tage vorher durch die Fatah in das Dorf Samua im heutigen Westjordanland ein und sprengten etwa 40 Häuser,Mutawi, Samir A: Jordan in the 1967 war, Cambridge 1987, S. 77. die zuvor evakuiert worden waren.Terrence Prittie: Eshkol. The Man and the Nation, New York 1969, S. 245 ff. Im Laufe des Zwischenfalls kam es zu Zusammenstößen mit der jordanischen Armee und zu Luftkämpfen zwischen beiden Luftstreitkräften. Über die Opfer auf Seiten der Jordanier gibt es unterschiedliche Angaben; auf israelischer Seite kam ein Soldat ums Leben.Laut Prittie (S. 245) wurden die genauen Zahlen nicht veröffentlicht, um die Moral in Jordanien nicht weiter zu untergraben. Prittie spricht von mindestens 50 toten Jordaniern, König Hussein schreibt in My „War“ with Israel (1969), S. 26, von 21 Toten, Mutawi, S. 77, von mindestens 18 Toten. Der Angriff im November 1966 setzte einen Schlusspunkt unter dreijährige Geheimverhandlungen zwischen König Hussein und Israel. Hussein sah seinen Thron in direkter Gefahr, da die Palästinenser und Teile des Militärs begannen, ihm die Gefolgschaft zu verweigern. Zudem hatte ihm Israel wenige Tage vorher versichert, keinen Angriff auf Jordanien zu planen. Das Vertrauen Husseins in die Politik Israels war damit zerstört. Der israelische Angriff wurde folgenlos vom UN-Sicherheitsrat verurteilt, ebenso von den Vereinigten Staaten, die mittels einer militärischen Lieferung versuchten, König Husseins Position zu stützen. Einige arabische Alliierte wiederum kritisierten König Hussein, weil dieser Samua nicht geschützt habe und auch wegen seiner teilweise ablehnenden Haltung gegenüber der Fatah.Hussein von Jordanien: My „War“ with Israel, New York 1969, S. 26 f. Daraufhin befahl Hussein am 20. November die landesweite Mobilmachung.'King Husain orders nation-wide military service', The Times, Monday, 21. November 1966; S. 8; Nr. 56794.
Eine interne Arbeitsgruppe der israelischen Regierung formulierte vor dem Krieg die Ziele der israelischen Regierung bezüglich Jordanien. Demnach war Israel bestrebt, Hussein an der Macht zu halten, da er die Existenz Israels anerkenne und durch seine Ermutigung an die Palästinenser, sich im Königreich niederzulassen, den israelisch-palästinensischen Konflikt entschärfe. Die Arbeitsgruppe kam aber zu dem Schluss, dass Israel eingreifen müsse, sobald Jordanien fremde arabische Truppen auf seinem Territorium zulasse oder mit anderen Staaten ein gegen Israel gerichtetes Bündnis eingehe.Tom Segev: 1967 – Israels zweite Geburt, München, 2007 S. 188 ff., S. 288 ff.
Israel und Ägypten Die ägyptischen Streitkräfte waren seit fünf Jahren auf den Bürgerkrieg im Nordjemen konzentriert, der nicht nur Teile der besten Einheiten band, sondern auch einen hohen Verschleiß an Material zur Folge hatte und sich nachteilig auf die Moral auswirkte. Teile der Armeeführung waren davon überzeugt, dass die ägyptische Armee keinerlei Kriegshandlungen gegen die israelische Armee durchführen könne, solange noch eigene Verbände im Jemen seien. Ein entsprechender Bericht wurde allerdings vom damaligen Generalstabschef Amer in den Wind geschlagen, der seinen Posten vor allem wegen seiner Loyalität gegenüber Nasser erhalten hatte.
Nasser unterschätzte die Auswirkungen eines israelischen Präventivschlags. Vermutungen zufolge ging er zudem von einem Stellungskrieg aus, den die seiner Ansicht nach starke ägyptische Armee gewinnen müsse. Er zeigte sich überzeugt, Israel habe den Krieg von 1956 nur wegen der Mithilfe Großbritanniens und Frankreichs gewonnen.
Von der Sowjetunion wurde 1966 der „Schild-und-Schwert-Plan“ für einen Krieg Ägyptens gegen Israel entworfen, der die Weiten der Sinaiwüste ausnutzen sollte. Die Israelis wussten von diesem Plan. Obwohl die Landstreitkräfte Israels entlang der Linie von Anvil stationiert waren, ging der israelische Verteidigungsplan von einer Vorwarnzeit von 48 Stunden aus, von der man nicht sicher sein konnte, ob sie ausreichend sein würde, um einen möglichen Angriff durch Gegenmaßnahmen zu stoppen. Die israelische Bevölkerung fürchtete den Kriegseintritt Ägyptens, dessen Armee der israelischen zahlenmäßig weit überlegen war. Die israelischen Militärs waren jedoch zuversichtlich, dass ihre Streitkräfte es mit denen der Ägypter aufnehmen konnten.
Nachteilig für den Kriegseintritt Ägyptens wirkte sich die Tatsache aus, dass seine Vorbereitungen für den Schild-und-Schwert-Plan im Jahre 1967 noch nicht abgeschlossen waren und einige Offiziere, die mit dem Plan vertraut waren, durch Männer Amers ersetzt wurden.
Israel und Syrien In den 1960er Jahren war die syrisch-israelische Grenze ein Ort andauernder Konflikte. Innerhalb Israels wurden 1966 Rufe nach einem harten Vorgehen gegen Syrien immer lauter. Nach dem Abschluss des Verteidigungspakts zwischen Ägypten und Syrien wurde allerdings das wesentlich schwächere Jordanien als Ziel ausgewählt, obwohl die syrischen Streitkräfte durch wiederholte Putschversuche ihrer Führung, die mehr an der Erlangung politischer Macht interessiert waren als an ihren eigentlichen Aufgaben, in jenen Tagen alles andere als kriegsfähig eingeschätzt wurden.
Einer der israelisch-syrischen Konflikte beinhaltete die strategische Wasserversorgung. Israel hatte 1964 den National Water Carrier fertiggestellt, ein Wasserverteilsystem, das gemäß dem Johnston-Plan von 1955 Wasser aus dem See Genezareth pumpte und damit den Weiterfluss in den Jordan verminderte. Als Antwort auf diesen Bau arbeitete Syrien daran, die Jordanzuflüsse Dan und Banyas umzuleiten, so dass deren Wasser Israel und den See Genezareth nicht mehr erreichen konnte. Diese Anlagen wurden von Israel zerstört.
Ein weiterer Konfliktherd waren die seit dem Waffenstillstand von 1949 zwischen Israel und Syrien umstrittenen und demilitarisierten Gebiete. Diese lagen zwischen der Waffenstillstandslinie und der Grenze Palästinas, wie sie während des Völkerbundsmandats für Palästina seit 1922 bestanden (der UN-Teilungsplan von 1947 schlug die Gebiete dem jüdischen Staat zu). Es war vorgesehen, bei Abschluss des endgültigen Friedensvertrages eine Einigung über diese Gebiete zu erreichen. Allerdings versuchten beide Seiten, mit intensivierten Kultivierungsmaßnahmen vollendete Tatsachen zu schaffen, wobei Israel erfolgreicher war als Syrien.
Syrien unterstützte gemeinsam mit der Sowjetunion die palästinensischen Freischärler in ihrem Kampf gegen Israel. Diese Angriffe gingen oft von libanesischem und jordanischem Gebiet aus, was nicht dem Willen König Husseins entsprach. Außerdem beschoss Syrien Zivilisten in den israelischen Ortschaften im nordöstlichen Galiläa von seinen Grenzposten auf dem Golan aus. Im Frühjahr 1966 war deutlich geworden, dass Israels Nachbarstaaten ihre anti-israelischen Aktivitäten verstärkten. Zwischen Juni 1965 und dem Ausbruch des Krieges wurden 16 Israelis an der Grenze getötet und 67 verwundet.
Diese Konflikte führten zu einer Zunahme der Grenzzwischenfälle. Manchmal eskalierten diese zu Artillerieduellen oder Luftkämpfen, so etwa am 7. April 1967, als die israelische Luftwaffe mit ihren Dassault Mirage III vier syrische MiG-21 über Jordanien und zwei weitere über den Vororten von Damaskus abschoss und demonstrativ die Stadt überflog.
Sowjetischer Einfluss Die Sowjetunion unterstützte die arabische Position und war wegen falscher Geheimdienstinformationen für eine weitere Eskalation verantwortlich. Sie behauptete nämlich, Israel ziehe Truppen an der syrischen Grenze zusammen. Israel lud den sowjetischen Botschafter ein, selbst die Gebiete zu bereisen, um sich ein Bild zu machen. Die Behauptungen von israelischen Truppenkonzentrationen an der syrischen Grenze wurden auch von dem eigens entsandten ägyptischen General Muhammad Fawzi dementiert, der am 14. Mai Syrien bereist hatte. Er berichtete Nasser: