SC Einheit Dresden 90px Der Sportclub Einheit Dresden war der drittgrößte Sportclub in der DDR. Er bestand von 1954 bis 1990 und brachte zahlreiche Olympiasieger, Weltmeister, Europameister und DDR-Meister hervor. Nachfolger ist der Dresdner SC 1898.

Geschichte Am 21. November 1954 wurde der SC Einheit Dresden in Moritzburg in Adams Gasthof gegründet. Er sollte zum Leistungszentrum für Dresdner Sportler werden. So wurde an ihn auch die neue Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Dresden angeschlossen, jeder dieser Sportler startete bei Wettkämpfen automatisch für den SC Einheit Dresden (außer die Fußballer). Die Fußballmannschaften wurden von der BSG Rotation Dresden übernommen. Bereits am 21. November 1954 spielten diese mit dem neuen Namen.

Der SC Einheit Dresden war zunächst an die Stadtverwaltung Dresden angeschlossen, wie andere Vereine der Sportvereinigung Einheit auch. Seit 1963 war er der zentrale Sportclub des Bezirkes Dresden. 1966 wurde der Fußballclub als FSV Lokomotive Dresden ausgegliedert.

1986 gehörten zum SC Einheit Dresden 713 Leistungssportler.SC Einheit Dresden DSC-Chronik, Abschnitt Chronik Er war damit das viertgrößte Sportzentrum in der DDR nach dem SC Dynamo Berlin, dem TSC Berlin und der DHfK Leipzig. 1989 wurde der Eissportclub Einheit (ESC Einheit) als eigenständiger Verein ausgelagert.

1990 wurde der SC Einheit aufgelöst. Stattdessen wurde der Dresdner SC 1898 neu gegründet, der viele Sportler und Sektionen übernahm.

Sportarten

Am erfolgreichsten bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen waren die Ruderer, die Eisschnellläuferinnen und die Schwimmerinnen. 1989 waren 142 Trainer angestellt, 26 für die Leichtathletik, 24 für Eiskunstlauf, 17 für Rudern, 17 für Schwimmen, 13 für Turnen, 12 für Eisschnelllauf, 9 für Fechten, 9 für Wasserspringen, 8 für Kanu, 7 für Gewichtheben.SC Einheit Dresden DSC-Archiv, Abschnitt DDR-Staatsbetrieb

Außerdem gab es Mannschaften im Fußball (1954–1966), Eishockey (1960–1970), Handball, Tischtennis, Schach und weiteren Sportarten.

Tischtennis Die Tischtennis-Damen kamen 1964 bis in das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister. Vorher hatten sie von 1959 bis 1963 fünfmal in Folge die DDR-Meisterschaft gewonnen und waren 1957, 1958, 1964 und 1965 Vizemeister.

Die Meistermannschaften 1958/59: Ute Mittelstädt, Ingrid Hollmann, Liane Knappe, Helga Peters, Brigitte Lantzsch, Carla Gutschmidt 1959/60: Sigrun Kunz, Ute Losert, Ingrid Hollmann, Liane Knappe, Brigitte Lantzsch, Annerose Schmidt 1960/61: Sigrun Kunz, Ingrid Hollmann, Liane Knappe, Brigitte Lantzsch, Carla Stiebner, Ute Losert 1961/62: Sigrun Kunz, Ingrid Hollmann, Brigitte Lantzsch, Carla Stiebner, Annerose Schmidt, Kühne 1962/63: Sigrun Kunz, Carla Stiebner, Brigitte Lantzsch, Roswitha Löhlein, Helga Peters, Annerose Schmidt

Weitere DDR-Mannschaftsmeistertitel

Kunstschwimmen

DDR-Mannschaftsmeister 1958, 1962, 1963, 1964, 1965 DDR-Achter-Meister 1962, 1963, 1964 DDR-Zwölfer-Meister 1955, 1956, 1957, 1958, 1961, 1962, 1963, 1964, 1965 DDR-Vizemeister 1959, 1961; Achter 1965, Zwölfer 1959

Fechten

Florett 1973, 1974, 1975, 1976, 1977, 1979 Degen 1973. Vizemeister Florett 1958, 1959, Degen 1975, Frauen Florett 1973, 1974

Schwimmen Mannschaftsmeister 1968, 1968 Mannschaftsmeister Frauen 1968, 1976 Vizemeister 1978

Schach DDR-Meister: 1957, 1958 und 1962

Kegeln Asphalt-Meister 1958, 1966 Vizemeister Asphalt 1960, 1961, 1965, Frauen 1959, 1965

Kanu Kajak-Vierer 1000 Meter 1964, 1990

Gewichtheben Mannschaftsmeister 1970 Vizemannschaftsmeister 1959, 1960, 1961, 1971

Wasserball Junioren U 18 1958 Junioren U 18 Pokalfinalist 1959

Fußball

Der Sportclub Einheit übernahm die erste und zweite Mannschaft und die Nachwuchsabteilung der BSG Rotation Dresden. In der ersten Oberligasaison 1954/55 wurde der vierte Tabellenplatz erreicht. Größter Erfolg war der Gewinn des FDGB-Pokal 1958.

Danach begann der sportliche Niedergang. 1961/62 stieg die Mannschaft in die DDR-Liga ab. Im Januar 1966 erfolgte die Ausgliederung als neuer eigenständiger Verein FSV Lokomotive Dresden.

Eishockey 1960 wurde die Eishockeymannschaft von der HSG Wissenschaft TH zum SC Einheit „delegiert“ und das Kunsteisstadion an der Magdeburger Straße eingeweiht. Der SC Einheit Dresden spielte ab 1964 wieder in der Oberliga und betrieb erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Mitten in diese hoffnungsvolle Entwicklung platzte im Herbst 1970 der Leistungssportbeschluss der Sportführung. Die neue Eissporthalle wurde gerade fertig gestellt, Eishockey wurde darin aber zunächst nicht mehr gespielt. Die verbliebenen Eishockeyspieler schlossen sich der BSG Kraftverkehr Dresden an und nahmen an der „DDR-Bestenermittlung“ teil. Zu den bekanntesten Spielern gehörten Horst Meinhardt, Klaus Knauer, Reiner Leitko und Peter Sommerschuh.

Erfolgreiche Athleten mini|Ingrid Krämer, zweifache Olympiasiegerin in Rom 1960 Sportler des SC Einheit Dresden gewannen zahlreiche Medaillen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, DDR-Meisterschaften und weiteren Wettkämpfen.

Olympische Medaillen Bei Olympischen Spielen wurden 27 Gold-, 18 Silber- und 8 Bronzemedaillen gewonnen.Olympische Medaillengewinner DSC-Archiv Die erfolgreichsten Athleten waren Ingrid Krämer (Wasserspringen), Ulrike Richter (Schwimmen), Rica Reinisch (Schwimmen) und Karin Enke (Eisschnelllauf) mit jeweils drei Goldmedaillen.

Olympiasieger 1960 Ingrid Krämer, Turmspringen Ingrid Krämer, Kunstspringen

1964 Ingrid Krämer, Kunstspringen

1968 Frank Forberger, Dieter Grahn, Frank Rühle, Dieter Schubert, Rudern, Vierer ohne Steuermann

1972 Frank Vorberger, Dieter Grahn, Frank Rühle, Dieter Schubert, Rudern, Vierer ohne Steuermann

1976 Ulrike Richter, Schwimmen, 100 Meter Rücken Ulrike Richter, Schwimmen, 200 Meter Rücken Ulrike Richter, 4 × 100 Meter Lagen Christine Scheiblich, Rudern, Einer Gottfried Döhn, Dieter Wendisch, Rudern, Achter

Andrea Kurth, Gabriele Lohs, Karin Metze, Bianka Schwede; Sabine Heß, Rudern, Vierer mit Steuerfrau Gottfried Döhn, Dieter Wendisch, Achter

1980 Karin Enke, Eisschnelllauf, 500 Meter Rica Reinisch, Schwimmen, 100 Meter Rücken Rica Reinisch, Schwimmen, 200 Meter Rücken Rica Reinisch, 4 × 100 Meter Lagen Carsta Genäuß, Kanu, 500 Meter Kajak-Zweier

Ullrich Dießner, Walter Dießner, Gottfried Döhn, Andreas Gregor, Dieter Wendisch, Rudern, Vierer mit Steuermann Sybille Reinhardt, Rudern, Doppelvierer Gabriele Kühn, Karin Metze, Achter

1984 Karin Enke, Eisschnelllauf, 1000 Meter Karin Enke, Eisschnelllauf, 1500 Meter Christa Rothenburger, Eisschnelllauf, 500 Meter Andrea Mitscherlich, Eisschnelllauf, 3000 Meter

1988 Christa Rothenburger, Eisschnelllauf, 1000 Meter Olaf Förster, Thomas Greiner, Rudern, Vierer ohne Steuermann Kerstin Förster, Rudern, Doppelvierer Beatrix Schröer, Annegret Strauch, Rudern, Achter

Weitere Sportler

Erfolgreiche Leichtathleten beim SC Einheit Dresden waren unter anderen die Weltmeisterin im Siebenkampf 1983 Ramona Neubert, sowie die Läufer Ellen Kießling, Andreas Busse, Hagen Melzer und Jörg Peter.

Im Wasserspringen wurde Jan Hempel 1987 EM-Zweiter und gewann dann noch mehrere Medaillen für die deutsche Mannschaft.

Strukturen

Der SC Einheit Dresden war der drittgrößte Sportclub in der DDR.

Anfang 1989 hatte er 256,5 Vollzeitplanstellen.SC Einheit Dresden DSC-Archiv, Abschnitt DDR-Staatsbetrieb, mit diesen Angaben Diese waren 6 Vorstandsmitglieder: Vorsitzender, stellvertretender Vorsitzender, Vorsitzender Eissport, sowie stellvertretende Vorsitzende für Eissport, Ökonomie und Organisation 31 Funktionäre: Einsatzleiter, Internatsleiter, Technischer Leiter, 11 Mitarbeiter Organisation, 6 Mitarbeiter Internat, 5 Mitarbeiter Messtechnik, 3 Mitarbeiter Sport, Mitarbeiter Foto/Film, Mitarbeiter Kader, Mitarbeiter Ökonomie 142 Trainer: 26 Leichtathletik, 24 Eiskunstlauf, 17 Rudern, 17 Schwimmen, 13 Turnen, 12 Eisschnelllauf, 9 Fechten, 9 Wasserspringen, 8 Kanu, 7 Gewichtheben 43,5 Mitarbeiter: Bilanzbuchhalter, 2 Sachbearbeiter Rechnungswesen, Sachbearbeiter Kader, Sachbearbeiter Organisation, Sachbearbeiter Sport, Sachbearbeiter Wirtschaft, 7 Sekretärinnen, 2 Telefonistinnen, 12 Kraftfahrer Pkw/Lkw/KOM, 12 Physiotherapeuten, 3,5 Wachmänner 12 Produktionsarbeiter: 10 Handwerker, 2 Raumpfleger 22 Küchenkräfte: Küchenleiter, stellvertretender Küchenleiter, Chefkoch, 15 Köche, 3 Küchenarbeiter, Büfettier

Er kostete etwa 6,5 Millionen Mark jährlich.

Doping Auch beim SC Einheit Dresden wurde systematisch unterstützende Mittel an die Sportler gegeben. Viele litten danach jahrzehntelang unter den Folgen.

Der Hammerwerfer Thomas Götze erinnerte sich

Auch die dreifache Schwimm-Olympiasiegerin Rica Reinisch klagte über massive Beeinträchtigungen, wie zwei Fehlgeburten, und sagte deshalb vor Gericht gegen ihren Schwimmtrainer Uwe Neumann, den DTSB-Präsidenten Manfred Ewald und weitere Hauptverantwortliche aus.

Literatur 30 Jahre SC Einheit Dresden, 1984

Weblinks

SC Einheit Dresden DSC-Archiv, mit vielen Angaben Fußballspiel SC Einheit Dresden vs. Motor Steinach Deutscher Fernsehfunk, 12. Dezember 1965 (Video im ARD-Retro-Angebot der ARD Mediathek).

Einzelnachweise

Sc Einheit Dresden Einheit Kategorie:Leichtathletikverein aus Sachsen Kategorie:Schachverein (Deutschland) Dresden, SC Kategorie:Tischtennisverein aus Sachsen Sc Einheit Dresden Kategorie:Ehemaliger deutscher Tischtennisverein