mini|Jupitergigantensäule in Sumelocenna (Rottenburg am Neckar) Sumelocenna war eine römische Siedlung, die im heutigen Stadtgebiet der baden-württembergischen Stadt Rottenburg am Neckar lag. Sie gehörte damals zu den wichtigsten rechtsrheinischen Siedlungen der römischen Provinz Obergermanien. Sie wurde ungefähr 110 n. Chr. gegründet und um 260 n. Chr., nach dem Fall des Limes, verlassen, worauf sie verfiel. Sie hatte eine Gesamtfläche von etwa 50 ha und mehrere Tausend Einwohner. Ein großer Teil der römischen Stadt ist heute überbaut. Das römische Stadtmuseum in Rottenburg zeigt die wichtigsten Funde.
Name der Stadt Für den antiken Namen Sumelocenna gab und gibt es verschiedene Deutungen. Unter anderem wird er von dem keltischen, möglicherweise helvetischen Namen Sumelogenos abgeleitet, was „Sohn des Gottes Sumelo“ bedeutet.Lutz Reichardt: Sumelocenna, Sülchen, Ehingen und Rottenburg. Vier Ortsnamen im Bereich der Stadt Rottenburg am Neckar. In: Beiträge zur Namensforschung, Nummer 17, 1982, S. 374–381.
Sumelocenna ist auf mehreren Inschriften nachgewiesen, = HD036782 =HD036781 die in Rottenburg und anderen römischen Siedlungen gefunden wurden, wie zum Beispiel im benachbarten Kastell Köngen, dem antiken Grinario.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier: S. 282.
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] } Sumelocenna lag links des Neckars im heutigen Stadtgebiet von Rottenburg am Neckar. Rottenburg liegt rund neun Kilometer südwestlich von Tübingen am Übergang des Neckars aus dem engen Tal des Oberen Gäus in ein weites Tal zwischen den Höhen des Schönbuchs im Norden und dem Rammert im Süden. Geologisch gesehen lag Sumelocenna am Übergang von Muschelkalk zum Keuper. Diese besondere Lage bietet einerseits einen natürlichen Schutz im Westen und Norden durch die vom Neckar aufsteigenden Hänge, die in einer Hochfläche enden, welche sich bis zum Schwarzwald hinzieht. Andererseits floss im Süden der Stadt der Neckar, während sich die Landschaft im Osten zu einem breiten Tal öffnete.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier: S. 283.
Die Stadt war an das römische Straßennetz angebunden. In Süd-Nord-Richtung lag Sumelocenna an der Römerstraße Neckar–Alb–Aare, die von der Schweiz kommend über Rottweil (Arae Flaviae) über Köngen (Grinario) an den Obergermanisch-Raetischen Limes führte. Ab Grinario bestand auch eine Verbindung nach Osten nach Augsburg (Augusta Vindelicum). Nach Westen führte eine Straße erst nach Norden nach Portus (Pforzheim), wo sie auf die Fernstraße Mainz (Mogontiacum) – Bad Cannstatt – Augsburg stieß.
Die Lage am Neckar als wichtigem Transportweg sowie die Lage zwischen Limes und Schwarzwald als Grenzhinterland begünstigten die Stadtentwicklung.
Geschichte Vorrömische Zeit Rottenburg am Neckar beziehungsweise Sumelocenna zählen zu den ältesten Siedlungsplätzen in Baden-Württemberg. Hier existierten bedeutende Siedlungen in der Jungsteinzeit und zahlreiche Funde belegen die Anwesenheit von Jägern zu der Zeit des Neandertalers in der Altsteinzeit. Obwohl bis 2024 noch keine Siedlungskontinuität belegt wurde, konnten keltische Spuren aus Oberflächenfunden nachgewiesen werden. Hierbei handelt es sich um Scherben, die östlich des Stadtgebietes gefunden worden waren und der Mittel- bis Spätlatènezeit zugeordnet wurden.
Römische Zeit Die Forschung gab lange den Zeitraum um 85 – 90 n. Chr. als Gründungsdatum der römischen Siedlung Sumelocenna an, das in die Regierungszeit des Kaisers Domitian (81 – 96 n. Chr.) fallen würde. Neuere Erkenntnisse datieren die Gründung eher auf 110 – 115 n. Chr., das heißt auf die Zeitspanne, in der der Odenwald-Neckar-Alb-Limes angelegt wurde.Klaus Kortüm: Zur Datierung römischer Militäranlagen im obergermanisch-raetischen Limesgebiet. In: Saalburg-Jahrbuch, Band 49, Zabern, Mainz 1998; S. 5–65. Sumelocennas Gründung fiel also mit der Grenzsicherung zusammen und erfolgte unter der Regentschaft von Kaiser Trajan (98 – 117 n. Chr.). Inwieweit zu der Stadt ein Kastell gehörte (ORL 61), ist nicht sicher nachgewiesen. Ein im Nordwestteil der Siedlung gefundener Jupiter-Altar trug die Aufschrift einer 500 bis 1000 Mann starken Reitereinheit, der Ala Vallensium. = HD036784 Diese Einheit wurde bislang an keinem anderen Ort nachgewiesen, aber die bloße Nennung des Namens ist kein Beweis für die Existenz eines Kastells.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier S. 282–283. Konrad Miller mutmaßte die Existenz eines Kastells südwestlich von Sumelocenna auf der Gemarkung Bei der Altstadt.
Am Ende der Regentzeit von Kaiser Trajan (98 – 117 n. Chr.) war Sumelocenna Sitz eines Prokurators der kaiserlichen Domäne saltus Sumelocennensis. Etwa Mitte des zweiten Jahrhunderts wurde Sumelocenna Hauptort der civitas Sumelocennensis, das heißt der Verwaltungssitz eines größeren Gebietes, welches das mittlere Neckarland umfasste. Dieses reichte etwa vom Gebiet der Rottweiler Siedlung (municipium Arae Flaviae) im Süden, dem Schwarzwald im Westen, der rätischen Provinzgrenze im Osten bis jenseits von Köngen (Grinario) im Norden.
Die Blütezeit von Sumelocenna war von 150 n. Chr. bis zum Beginn des dritten Jahrhunderts. In dieser Zeit entwickelte sich die Siedlung zu einem bedeutenden Gemeinwesen in der römischen Provinz Obergermanien. Die durch eine Mauer geschützte Siedlung hatte intra muros eine Fläche von rund 28 ha und etwa die gleiche Siedlungsfläche extra muros.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier S. 283–284. Die Anzahl der Einwohner von Sumelocenna wird auf mehrere Tausend Personen geschätzt. Die Einwohner waren wahrscheinlich hauptsächlich Kelten, unter denen sich nach überlieferten Inschriften auch Angehörige des Stammes der Helvetier befanden. Innerhalb der Stadtmauer überwog eine städtische Architektur mit mehrgeschossigen, ziegelgedeckten Häusern, was die neueren Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes zeigten. Daneben gab es auch kleinere, stroh- und schindelgedeckte Holzbauten. Während der Blütezeit wurden die wichtigsten urbanen Bauwerke errichtet wie die Stadtmauer, eine Frischwasserversorgung durch einen Aquädukt, mehrere repräsentative Bauten, Tempelbauten und Bäder sowie ein Abwassersystem mit öffentlichen Latrinen.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier: S. 283–287.
Extra muros lagen Handwerksbetriebe wie Töpfereien und Steinmetzateliers sowie die Begräbnisstätten. Auf der rechten Neckarseite sind ebenfalls römische Siedlungsspuren nachgewiesen, die bei der römischen Straße am Neckarübergang als Brückenkopfsiedlung gedeutet wird. Nachdem um das Jahr 260 die Alamannen den Limes überrannten und das Neckargebiet besetzten, verfiel die von ihren römischen Bewohnern verlassene Stadt.
Nachrömische Zeit Die frühmittelalterlichen Siedlungsräume befanden sich nicht auf dem Gelände der römischen Stadt, sondern nordöstlich im Bereich von Sülchen und jenseits des Neckars im Rottenburger Stadtteil Ehingen. Sülchen war der namensgebende Mittelpunkt eines frühmittelalterlichen Bezirks, des Sülchgaus, dessen Existenz beispielsweise die Lebensgeschichte des von hier stammenden Heiligen Meinrad (um 800 – 861) belegt.
Römische Bauten in Sumelocenna Ein Überblick über das Leben in Sumelocenna bietet das Rottenburger Sumelocenna-Museum.
Stadtmauer mini|Reste der römischen Stadtmauer Sumelocenna war im 3. Jahrhundert von einer etwa 2000 Meter langen Stadtmauer umgeben, wobei das ummauerte Siedlungsgebiet rund 28 ha groß war. Ein genaues Baudatum lässt sich noch nicht angeben. Die Vicusmauer hatte eine Fundamentbreite von etwa 2,2 m und eine Höhe von mindestens 5 m. Die 1,75 m breite Mauer wurde in Zweischalentechnik gebaut. Das Mauerinnere setzt sich aus einer regellosen Mischung von Kalkbruchsteinen und Kalkmörtel mit Kiesmagerung zusammen. Das Maueräußere bestand aus gleichmäßig behauenen Steinquadern aus Muschelkalk. Auf der Mauer befand sich ein Wehrgang mit Gesimssteinen aus Stubensandstein mit sauber gearbeiteter Hohlkehle sowie Zinnen mit halbrunden, bis 2,5 m langen Zinnendeckelsteinen. Feindseitig vor der Mauer lag eine 2 – 2,6 m breite Berme sowie ein Spitzgraben von 7 m Breite. Ein kurzes Stück der originalen nördlichen Stadtmauer befindet sich an der Wittenberger Straße.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier: S. 284.
Im Norden, an der Seebronner Straße, stand ein fast quadratischer Wehrturm von 5,8 m × 5,5 m Seitenlänge. Ein weiter Wehrturm befand sich in der Mechthildstraße. An der heutigen Jahnstraße stand das Stadttor mit einem Torturm von 6,6 m × 5,3 m, durch das die Straße nach Köngen verlief.
Bäder mini|Hypokaust des römischen Bades in Rottenburg. Aquarell von General Eduard von Kallee im Herbst 1884. Drei Badanlagen sind in Sumelocenna nachgewiesen, zwei am östlichen Stadtrand und eine im Stadtzentrum. Das Bad I liegt an der Mechthildstraße, ungefähr dort, wo die Stadtmauer einen Knick nach Nordwesten macht. Das Bad war ein öffentliches Gebäude vom Reihentypus mit einer Größe von mindestens 39 m × 7,7 m. Ein Kaltbad (frigidarium), zwei Laubäder (tepidaria), ein Warmbad (caldarium), möglicherweise ein Schwitzbad (sudatorium) sowie ein weiterer beheizbarer Raum konnten nachgewiesen werden. Drei Heizräume vervollständigen das Bild des Bades.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier: S. 285–286.
Bad II liegt unter dem Eugen-Bolz-Gymnasium und ist als Museumsraum zugänglich. Da es von drei Mauern umgeben war, wird es als Privatbad angesehen. Ein Umkleideraum (apodyterion), ein Kaltbad mit Becken (piscina) und ein Laubad sowie ein Warmbad mit weißem Tonnengewölbe befanden sich in dem 18 m × 11 m großen Gebäude. Die Wände der Räume waren mit farbenprächtigen Malereien verziert, das heißt mit geometrischen Dekors und Fischdarstellungen.Anita Gaubatz-Sattler: Römische Stadt Sumelocenna. In: Dieter Planck (Hrsg.:) Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 281–289, hier: S. 286.