Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition ist eine posthum veröffentlichte, überarbeitete Neuauflage von Prince’ 13. Studioalbum Diamonds and Pearls, erschienen am 27. Oktober 2023 bei Legacy Recordings / NPG Records / Warner Bros. Records. Die Neuauflage erschien als Siebenfach-CD mit 75 Songs, die Prince alle arrangierte, komponierte und produzierte. 33 Titel sind zuvor unveröffentlichte Studioversionen aus den Jahren 1990 bis 1992.

Außerdem ist ein Livekonzert aus dem Januar 1992 im Musikklub Glam Slam North in Minneapolis enthalten, bei dem Jevetta Steele und ihre Gospelband The Steeles als musikalische Gäste auftreten. Die Super-Deluxe-Edition enthält zudem eine Blu-ray Disc mit diesem Konzert, Prince’ Auftritt bei den Special Olympics World Summer Games 1991 im Metrodome in Minneapolis sowie die Diamonds and Pearls Video Collection, die im Oktober 1992 auf VHS und 2006 auf DVD veröffentlicht wurde.

Die Musik der zuvor unveröffentlichten Songs ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Hip-Hop, Pop, Rock und Soul zuzuordnen; die Liedtexte behandeln Liebe, zwischenmenschliche Beziehungen sowie sexuelle Anspielungen. Musikkritiker bewerteten die Neuauflage positiver als das 1991 erschienene Originalalbum.

Das mehrfach mit Platinstatus ausgezeichnete Originalalbum veröffentlichte Prince mit seiner Begleitband The New Power Generation im September 1991; alle Songs wurden 2023 digital nachbearbeitet und sind in der Neuauflage enthalten. In den internationalen Hitparaden wurde Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition nicht separat gelistet; die Verkaufszahlen wurden dem Originalalbum zugerechnet, das dadurch als „Wiedereinstieg“ geführt wurde.

Entstehung

Das kommerziell erfolgreiche Originalalbum veröffentlichte Prince im September 1991 bei Warner Bros. Records. Es erreichte in mehreren Ländern Gold- oder Platinstatus und zählt neben 1999 und Purple Rain zu den drei kommerziell erfolgreichsten Studioalben seiner Karriere.

Am 24. August 2023 kündigte The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) an, im Oktober 2023 eine „Super Deluxe Edition“ des Albums mit zuvor unveröffentlichten Songs zu veröffentlichen. Dabei arbeitete NPG Records erstmals mit den beiden Musiklabels Legacy Recordings und Warner Bros. Records zusammen. Seit Prince’ Tod im Jahr 2016 waren seine Tonträger entweder in Zusammenarbeit von NPG Records mit Warner Bros. Records oder mit Legacy Recordings erschienen, das zu Sony Music Entertainment gehört.

Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition ist nach Purple Rain Deluxe (2017), 1999 Super Deluxe (2019) und Sign o’ the Times Super Deluxe (2020) die vierte posthum von The Prince Estate veröffentlichte Neuauflage eines Prince-Albums.

Aufnahmen Vault I mini|links|Prince während der Nude Tour im Jahr 1990 Schoolyard Den Opener nahm Prince am 2. Juli 1990 in den Olympic Studios in London auf, als er mit der Nude Tour in England gastierte. Am 18. Oktober 1990 erwähnte er den Song in einem Interview des US-Musikmagazins Rolling Stone; die auf der Neuauflage veröffentlichte Version wurde am 25. November 1990 fertiggestellt. Im Dezember platzierte Prince das Stück zunächst auf dem Album Diamonds and Pearls, strich es jedoch wieder, nachdem er Titel wie Cream, Push und Thunder aufgenommen hatte.Uptown (2004), S. 545.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 62. My Tender Heart Das Stück komponierte Prince gemeinsam mit Rosie Gaines, die er Anfang 1990 für die Nude Tour in seine Begleitband aufgenommen hatte. Sie schrieb den Song für ihren damaligen Ehemann Francis Jules, den sie im Sommer 1990 während der Nude Tour kennengelernt hatte. Prince spielte My Tender Heart ebenfalls während der Nude Tour in London ein, diesmal am 6. Juli 1990 in den Metropolis Studios. Er wollte Gaines’ Solokarriere fördern und ihr Album Concrete Jungle produzieren, für das sie zwei Jahre später eine Version mit ihrem Hauptgesang aufnahm; diese war 1993 als Vorab-Single geplant, das Projekt wurde jedoch abgebrochen. Concrete Jungle wurde in Closer Than Close umbenannt und erschien schließlich im März 1995; darauf ist Gaines’ Version von My Tender Heart enthalten.Uptown (2004), S. 477.Uptown (2004), S. 114. Pain Der Produzent und Regisseur D. Channsin Berry (* 1959) komponierte für Gaines den Song Joy and Pain, der ursprünglich für ein kommendes Album von ihr vorgesehen war. Gaines stellte das Stück Prince vor; dieser überarbeitete es, ergänzte den Liedtext und benannte es in Pain um. Wie bei My Tender Heart nahm Prince Pain am 6. Juli 1990 mit Gaines’ Hauptgesang in den Metropolis Studios auf und plante, die Version auf Concrete Jungle zu veröffentlichen; zudem sollte der Song als B-Seite der geplanten Vorab-Single My Tender Heart erscheinen. Da Concrete Jungle nicht fertiggestellt wurde, nahm Prince am 7. Januar 1992 eine eigene Version mit seinem Gesang im Record Plant in Los Angeles auf und übergab den Song später an Chaka Khan, die ihn erneut überarbeitete. Ihre Version erschien im September 1997 auf dem Soundtrack der gleichnamigen US-Sitcom Living Single (1993–1998).Uptown (2004), S. 479. Am 22. April 2016, einen Tag nach Prince’ Tod, wurde seine Version auf Gaines’ Facebook-Benutzerkonto von ihrer Tochter Latoya (* 1978) gestreamt. Streetwalker Ursprünglich war der 1989 von Rosie Gaines geschriebene Song für Concrete Jungle geplant; Prince nahm ihn wie My Tender Heart und Pain am 6. Juli 1990 in den Metropolis Studios in London auf, diesmal jedoch ohne Gaines. Das Stück blieb unveröffentlicht; erst zweieinhalb Jahre später mischte er Streetwalker am 13. Januar 1993 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen ab.Uptown (2004), S. 546. Lauriann Prince nahm den Track am 3. September 1990 in den Warner Pioneer Studios in Tokio auf, während er mit der Nude Tour in Japan gastierte. Die für die Neuauflage verwendete Version mischte er zwei Wochen später, am 18. September, im Paisley Park Studio ab. Ob der Song ursprünglich für Diamonds and Pearls geplant war, ist nicht bekannt. Am 30. Dezember 1992 überarbeitete Prince das Stück, benannte es in Lauriann‘‘‘e‘‘‘ um und veröffentlichte diese Version zu Lebzeiten ebenfalls nicht.Uptown (2004), S. 548. Darkside Prince nahm diesen Song am 4. September 1990 in den Warner Pioneer Studios auf. Erst durch die Ankündigung der Neuauflage im August 2023 durch The Prince Estate wurde der Song öffentlich bekannt. Zuvor wurde der Song in keiner Prince-Literatur erwähnt; auch online waren keine Informationen verfügbar. Insatiable (Early Mix – Full Version) Von Ende September bis zum 24. Oktober 1990 arbeitete Prince in Los Angeles an der Fertigstellung seines Films Graffiti Bridge. Währenddessen nahm er im Stadtteil North Hollywood Songs in den Larrabee Sound Studios auf, darunter am 8. Oktober Insatiable (Early Mix – Full Version). Von Anfang an plante er, das Stück auf Diamonds and Pearls zu veröffentlichen; Prince spielte sämtliche Instrumente selbst ein.Uptown (2004), S. 351.Clerc (2023), S. 211. Glam Slam ’91 Prince nahm den Song am 29. Oktober 1990 im Paisley Park Studio auf. Um für seinen am 16. Oktober neu eröffneten Musikklub Glam Slam North in Minneapolis zu werben, sandte er den Song an den Radiosender WLOL (heute KSJN), der das Gebiet der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul versorgt. Am 6. Januar 1991 wurde Glam Slam ’91 erstmals im Radio gespielt; der Song war jedoch nicht käuflich erhältlich.Uptown (2004), S. 543.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 63. Live 4 Love (Early Version) Prince nahm das Stück am 19. November 1990 im Paisley Park Studio mit Schlagzeuger Michael Bland, Bassist Sonny Thompson und Keyboarder Tommy Barbarella auf, nicht wie zuvor angenommen, Ende Dezember 1989. Tony Mosley wirkte an dieser Version nicht mit, fügte jedoch am 5. Dezember Rap-Parts hinzu, weshalb er als Autor der Albumversion von 1991 genannt wird. Ursprünglich platzierte Prince Live 4 Love an zehnter Stelle des Albums Diamonds and Pearls, verschob den Song jedoch am 1. März 1991 auf die 13. und letzte Position, wo er auf dem Originalalbum erschien.Uptown (2004), S. 670.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 64. Cream (Take 2) Prince nahm sowohl Cream als auch Cream (Take 2) am 3. Dezember 1990 im Paisley Park Studio auf. Ein im „The Vault“ fotografiertes Tonband listet mit „Cut 1, 2, 3“ sogar drei Versionen mit Tagesangabe auf, was das genaue Aufnahmedatum bestätigt. Über die dritte Version liegen jedoch keine weiteren Informationen vor. Skip to My You My Darling Prince nahm den Track am 10. Dezember 1990 unter dem Titel Skip 2 My U im Paisley Park Studio auf. Er schrieb den Song gemeinsam mit Levi Seacer Jr. und Jevetta Steele; Steele, Mitglied der aus Minneapolis stammenden Gospel-Gruppe Steele-Familie, veröffentlichte im Mai 1991 eine Version mit ihrem Hauptgesang unter dem Titel Skip 2 My U My Darling auf ihrem Debütalbum Here It Is.Uptown (2004), S. 467. Diamonds and Pearls (Long Version) Prince nahm das Stück, wie bereits Live 4 Love, am 19. November 1990 mit Michael Bland, Sonny Thompson und Tommy Barbarella im Paisley Park Studio auf. Es ist der erste Song, bei dem Prince mit Keyboarder Barbarella zusammenarbeitete; Barbarella und Thompson probten zuvor im Paisley Park Studio mit der Band Flash sowie Mitgliedern der aus Minneapolis stammenden Band Dr. Mambo’s Combo, in der Bland Schlagzeug spielte. Am Ende der Proben holte Prince die drei Musiker zusammen, um mit ihnen Diamonds and Pearls fertigzustellen. Die für die Neuauflage verwendete Version stammt vom 16. Dezember 1990 und wurde von Toningenieur Michael Koppelman abgemischt.Begleitbuch vom Album Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition von Prince and The New Power Generation, NPG Records, LCC, Sony Music Entertainment, Warner Records Inc., 2023, S. 66.

Aufnahmen Vault II Daddy Pop (12″ Version) Prince nahm die Originalversion, wie bereits Schoolyard, am 2. Juli 1990 in den Olympic Studios in London auf und spielte sämtliche Instrumente selbst ein. Sechs Tage später fügte er Vocal-Overdubs sowohl von Rosie Gaines als auch von Elisa Fiorillo (* 1969) hinzu, die er eigens aus den USA nach London hatte einfliegen lassen. Mit Fiorillo arbeitete Prince bereits im September 1989 zusammen und komponierte fünf Songs für ihr im September 1990 erschienenes Album I Am. Daddy Pop (12″ Version) entstand Mitte Januar 1991 und wurde von Toningenieur Keith “KC” Cohen abgemischt, der zwischen 1990 und 1992 mit Prince zusammenarbeitete. In einer ersten Konfiguration von Diamonds and Pearls im Dezember 1990 platzierte Prince Daddy Pop als Opener; am 1. März 1991 verschob er den Track auf die zweite Position, wie auch im Originalalbum. Martika’s Kitchen Im November 1990 sah die Sängerin Martika den Prince-Film Graffiti Bridge mehrfach im Kino und zeigte sich beeindruckt, da einige Themen des Films denen ihres entstehenden Albums entsprachen. Prince bot an, einige Songs zu ihrem neuen Album beizusteuern, und nahm am 11. Januar 1991 in seinem Paisley Park Studio Martika’s Kitchen für sie auf.Uptown (2004), S. 119. Spirit