Annibale Fontana (* 1540 in Mailand; † 1587 ebenda) war ein italienischer Bildhauer, Medailleur und Ziseleur des Manierismus.

Leben Fontana entstammte in einer Tessiner Familie und arbeitete zunächst als Gemmenschneider und Ziseleur. Dabei verzierte er Gefäße aus Bergkristall mit Landschaftsbildern und biblischen oder mythologischen Szenen. In den Jahren 1556 und 1557 schuf er drei Medaillen mit dem Bildnis von Cristoforo Madruzzo, der zu dieser Zeit Gouverneur von Mailand war. Auf der Rückseite einer Medaille wird mit dem Bild des arabischen Phönix auf die Wiedergeburt des Katholizismus nach dem Bündnis zwischen Papst Paul III. und Karl V. hingewiesen. Das Revers einer zweiten zeigt Herkules und Hydra von Lerna und deutet damit den kaiserlichen Sieg von Mühlberg an. Die dritte ist mit der Allegorie des Po geprägt, die die Rückgabe von Piacenza an die Familie Farnese (15. September 1556) symbolisiert.

mini|Der Albertinische Kasten

Herzog Albrecht V. von Bayern soll 1557 für 6000 Scudi (1000 Dukaten) ein Kristallkästchen mit Darstellungen aus dem alten Testament erworben haben, das zunächst in Kapelle in der königlichen Residenz zu München und später in die Schatzkammer kam. In einer Urkunde vom 31. August 1570 wird er als Bürger und Bildhauer Palermos bezeichnet und soll gemeinsam mit 2 weiteren Meistern die Marmorarbeiten Vincenzo Gagginis an einer der Türen der Kathedrale von Palermo begutachtet haben. In der Kirche Santa Maria dei Miracoli presso San Celso in Mailand soll Fontana zunächst einige Arbeiten als Ziseleur angefertigt haben, später folgten monumentale Skulptur.

Die Gedenkmedaille von Francesco Fernando d’Avalos d’Aquino d’Aragona, die auf der Rückseite Herkules im Garten der Hesperiden zeigt, stammt mit Sicherheit aus der Mailänder Regierungszeit Francesco Fernando d’Avalos d’Aquino d’Aragonas (Februar 1560 – März 1563).

Familie Fontana war seit 1575 mit Ippolita Saracchi verheiratet, die aus der berühmten Kristallmacherfamilie Saracchi stammte, die für die wichtigsten europäischen Höfe tätig waren und mit deren Brüdern er eng zusammenarbeitete.

Er wurde in der Kirche Santa Maria dei Miracoli presso San Celso neben der von ihm geschaffenen Statue des Johannes beigesetzt, die auch seinen Nachlas erbte. Ein mit ihm befreundeter Gelehrter Giacomo Resta entwarf die Inschrift für die marmorne Grabtafel, die dort aufgestellt wurde. Daraus geht hervor, dass er bei seinem Tod 1587 47 Jahre alt war.

Werke (Auswahl)

Cassetta Albertina (Der Albertinische Kasten) mit sieben Kristalltafeln (Erschaffung der Welt, Erbsünde, Arche Noah, Übergabe der Tafeln, Opferung Isaaks, David und Goliath, Exil in Babylon) Herkules und Nessus Wien Himmelfahrt Skulpturen in einem Seitenaltar der Kirche Santa Maria presso San Celso Statuen für die von Galeazzo Alessi und Martino Bassi entworfene Fassade sowie die Kerzenleuchter für die Certosa di Pavia.Annibale Fontana, Kerzenleuchter für die Certosa di Pavia (museo.certosadipavia.beniculturali.it).

Literatur

Paolo D’Ancona: Fontana, Annibale. In: Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti. Band 15: Fer–Franci. 1932 (italienisch, treccani.it). Celestino Trezzini: Annibale Fontana. In Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 8 (Supplemnt), Paul Attinger, Neuenburg 1934, S. 63 (PDF biblio.unibe.ch PDF). Rudolf Distelberger: Die Saracchi Werkstatt und Annibale Fontana. In: Jahrbuch der Kunsthistorisches Sammlungen in Wien. Band 71, Neue Folge Band 35, Kunsthistorisches Museum, Wien 1975, doi:10.60477/khm1-0061499, S. 95–164 (repository.khm.at).

Weblinks

Annibale Fontana (italienisch, gest. 1587) artnet.de

Einzelnachweise

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