mini|Volksschule in Megara Das Bildungssystem in Griechenland wird vom griechischen Ministerium für Bildung, Religiöse Angelegenheiten und Sport () gelenkt.

Der Schulbesuch ist zwischen 6 und 15 Jahren obligatorisch. Seit 1929 wurde die Koedukation schrittweise eingeführt und ist seit 1979 endgültig durchgesetzt.

Auf den Kindergarten folgt die sechsjährige Primarstufe (Primarbereich), dann die Sekundarstufe, die in zwei Ebenen unterteilt ist: das Gymnasio (drei Jahre, vom 12. bis 15. Lebensjahr) und das Lykio (drei Jahre, 15. bis 18. Lebensjahr). Die nächste Tertiärstufe ist die Hochschulbildung, die Universität () und andere Hochschulformen.

Allgemeines Das Schuljahr dauert 175 Tage, mit drei Monaten Sommerferien, fünfzehn Tagen zu Weihnachten und fünfzehn Tagen zu Ostern; es gibt verschiedene schulfreie christliche Feiertage und die Nationalfeiertage.

Die orthodoxe Kirche übt wesentlichen Einfluss auf das griechische Bildungswesen aus, weil die besondere Stellung der griechisch-orthodoxen Konfession als „vorherrschender Religion“ in der griechischen Verfassung festgelegt ist sowie kirchliche Angelegenheiten und Bildung in einem Ministerium vereint sind (ähnlich dem Kultusministerium in manchen deutschen Ländern).

Die muslimischen Türken, Pomaken und Roma Westthrakiens werden auf der Grundlage des Lausanner Friedensvertrags von 1923 zusammen als muslimische Minderheit anerkannt und genießen Sonderrechte, wie Schulunterricht in türkischer Sprache, Verwendung von Schulbüchern aus der Türkei (gemäß bilateraler Abkommen), Koranschulen. In den letzten Jahrzehnten wurden zunehmend die circa 30.000 bulgarischsprachigen Pomaken türkisch assimiliert. Diese grenzen sich scharf von der sehr heterogenen Gruppe der romani- und türkischsprachigen muslimischen Roma ab.

Im PISA-Ranking von 2018 erreichten griechische Schüler Platz 43 von 79 Ländern in Mathematik, Platz 45 in Naturwissenschaften und Platz 45 beim Leseverständnis. Griechenlands Werte gehören damit zu den schlechtesten unter den OECD-Staaten.

2020 wurden 4,4 % des Sozialprodukts (BIP) für Bildung ausgegeben (Deutschland 4,7 %).

Die griechischen Lehrer gehören zu den schlechtestbezahlten in Europa. So verdiente 2023 ein Sekundarstufenlehrer, mit mehrjähriger Berufserfahrung, durchschnittlich 1237 € pro Monat (netto).https://de.glassdoor.ch/Geh%C3%A4lter/athens-teacher-gehalt-SRCH_IL.0,6_IM1017_KO7,14.htm

Kindergarten und Grundschule Kindergärten können Kinder ab dem Alter von zweieinhalb Jahren aufnehmen, und zwar in zwei Abschnitten: von zweieinhalb bis viereinhalb Jahre; von viereinhalb Jahren bis über sechs Jahren. Der letzte „große Teil“ ist seit dem Jahr 2010 Pflicht. Die Kindergartenbildung wird eher gering wahrgenommen trotz der theoretischen Pflicht, weil es Schwierigkeiten in der Umsetzung gibt.http://www.kueppers-info.de/assets/pdf/1472302369_griechenland_athen.pdf

Die Schülerzahl pro Klasse in der Grundschule (, „Volksschule“) ist gering: durchschnittlich 16 Schüler mit regionalen Unterschieden. Gebirgs- und Inseldorfschulen werden möglichst erhalten und senken den Landesdurchschnitt. Es gibt in der Provinz nur wenige private Grundschulen.

Der Unterricht findet fünf Tage lang von 8:30 bis 12:30 Uhr statt, an ungefähr 50 % aller Grundschulen gibt es ein Betreuungsprogramm für Kinder berufstätiger Eltern, das bis 17:30 Uhr dauert (Stand 2022–2023). Insgesamt werden durchschnittlich 525 Stunden pro Jahr unterrichtet. Zum Lehrplan der Grundschulen gehört das Erlernen der englischen Sprache ab der dritten Klasse und wahlweise Deutsch oder Französisch ab der fünften Klasse.

Die Schüler erhalten in den ersten beiden Jahren der Grundschule keine Noten. in den nächsten beiden wird von A bis D benotet. Die Schulbücher sind an öffentlichen Schulen zum größten Teil kostenlos und stehen auch als kostenloser Download zur Verfügung (Stand 2023).

Sekundarstufe Gymnasio Alle Grundschüler wechseln zum Gymnasio, es ist also eine Gesamtschule, kein Gymnasium im deutschen Sinn. Der Stundenplan umfasst 30 Stunden pro Woche, mit einigen weiteren Stunden für Wahlfächer (Sport, Musik oder Religion). Der Platzmangel erforderte früher manchmal Unterricht am Nachmittag. Insgesamt gab es 2021 328,582 Schüler im Gymnasio.

Der Unterricht der in der Grundschule gewählten zweiten Fremdsprache (Deutsch oder Französisch) wird mit zwei Stunden pro Woche fortgesetzt.

Es gibt folgende Schultypen: Gymnasio (meistverbreitet) Spezielles Gymnasio (auch Förderschule) Abend-Gymnasio (für Schüler ab 14 Jahren) Kirchliches Gymnasio Gymnasio für interkulturelle Bildung (für Roma oder aus dem Ausland heimkehrende Schüler) Modell-Gymnasio (öffentlich; zur Aufnahme müssen die Schüler bestimmte schriftliche Prüfungen (Mathematik etc.) bestehen) Experimentelles Gymnasio (von pädagogischen Einrichtungen geführt, öffentlich; Schüler werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt) Integriertes berufliches Spezial-Gymnasio-Oberschule (; 4 Jahre für die Gymnasio) Musik-Gymnasio (zur Aufnahme müssen Schüler bestimmte musikalische Prüfungen bestehen) Kunst-Gymnasio (zur Aufnahme müssen Schüler bestimmte Prüfungen in Kunst, Tanz oder Theater bestehen; 2004–heute)

Lykio Die Oberstufe der Sekundarstufe () ist nicht obligatorisch und dauert drei Jahre. Die Oberschulen beginnen am 11. September und enden am 15. Juni. Der Unterricht endet Ende Mai, so dass die Schüler im Juni für ihre Schuljahresend-Prüfungen lernen können. Zugelassene Schüler können bis zu 20 Jahre alt sein und müssen über einen Gymnasialabschluss, einen Schulabschluss der unteren Sekundarstufe oder einen gleichwertigen internationalen Abschluss verfügen. Das Abendlyzeum () richtet sich sowohl an erwachsene Studierende als auch an minderjährige berufstätige Studierende und dauert drei Jahre.

Nach Abschluss der 3. Klasse erhalten die Absolventen des Lyzeums den Abschluss (Lyzeum Apolytirio, Abschlusszeugnis der Sekundarstufe II). Die Bewertungsskala des Apolytirio Lykiou (GPA) ist auf ein 20-Punkte-Bewertungssystem festgelegt. Das Lyzeum Apolytirio ist für die Zulassung zur Hochschulbildung und zur Fortsetzung des Studiums erforderlich.

Wer studieren will, muss außerdem die landesweit festgelegten Prüfungen mit dem offiziellen Titel („panhellenische Prüfungen“) ablegen (siehe unten). Das Apolytirio-Zertifikat berechtigt zum späteren Zugang zur Hochschulbildung erst durch die Teilnahme an den panhellenischen Prüfungen. Das Bildungsministerium trägt die Verantwortung für die zentrale Organisation dieser Immatrikulationsprüfungen.

In der dritten Klasse des Lykio wählen die Schüler einen von fünf Wahlpflichtbereichen aus, der mehrere Fächer beinhaltet. Die Wahlpflichtfachkombinationen führen dabei jeweils zu unterschiedlichen Hochschulen: der erste zu einer Technischen Hochschule und/oder Universität, der zweite zu einer Medizinischen Hochschule bzw. Fakultät, der dritte zu einer philosophischen oder juristischen Hochschulbildung, der vierte zur sozialwissenschaftlichen Hochschulausbildung und der fünfte zu einer technischen Hochschule (entsprechend deutscher Fachhochschule) (Stand 2023).

1991 besuchten 870.235 Schüler 3.604 Schulen des Typs Lykio, 2021 besuchten 230.295 Schüler 1355 Schulen des Typs Lykio.National Statistical Service of Greece (EYSE): Greece in Figures 2007. Piräus 2007. S. 10

Die Arten weiterführender Schulen in Griechenland sind: (GEL; Allgemeines Lyzeum; 1976–1996, 2006–heute) (Speziallyzeum) (Musiklyzeum; 1988–heute. Zur Aufnahme müssen die Studierenden bestimmte Prüfungen auf einem Musikinstrument bestehen.) (Modell-Lyzeum [öffentlich]; 2015–heute. Zur Aufnahme müssen die Studierenden bestimmte schriftliche Prüfungen bestehen) (Kunstlyzeum; 2006–heute. Zur Aufnahme müssen die Schüler bestimmte Prüfungen in den Bereichen Kunst, Tanz oder Theater bestehen.) (Experimentelles Lyzeum [öffentlich]; 2015–heute. Zur Aufnahme müssen die Studierenden bestimmte schriftliche Prüfungen bestehen) (GELDE; Allgemeines Lyzeum für interkulturelle Bildung, das heißt umfassender Lyzeum-Typ; 2018–heute) (EPAL; Berufslyzeum; 2006–heute) (Abendberufslyzeum) (Allgemeines Abendlyzeum; 1976–heute) (GEEL; Allgemeines kirchliches Lyzeum; 2006–heute) (integriertes spezielles Berufsgymnasium-Lyzeum; 4 Jahre Dauer)

Hinzu kommen mehrere Formen der Berufsbildung, die teilweise nur an der Schule stattfindet, teilweise in dualer Form auch in Betrieben: dreijähriges Technisch-berufliches Lyzeum (T.E.L.) Integriertes multisektorales Lyzeum (E.P.L.; drei Jahre) Technisch-berufliche Schule (T.E.S.; zwei Jahre) Übergang in die in der Regel dreijährige O.A.E.D.-Lehre

Tertiärstufe Die Hochschulbildung wird von höheren Bildungseinrichtungen () angeboten, an Universitäten und Polytechnischen Hochschulen (Polytechnio), Kunstakademien, der Offiziershochschule sowie der Hellenic Open University (Universität für Fernstudien) mit dem Abschluss Ptichioúchos. Weniger als vier Jahre dauern die Studiengänge an Technischen Fachhochschulen (Technologika Ekpaideftika Idrymata, TEI) und einigen Fachakademien, die sich bspw. an das Militär richten, mit dem Abschluss Diplomatoúchos. Sie sind größtenteils autonom, aber die Regierung ist für ihre Finanzierung und die Verteilung der Studenten auf Bachelor-Studiengänge verantwortlich.

Staatliche Hochschulbildung Gemäß Artikel 16, Absatz 8 der griechischen Verfassung ist private Hochschulbildung in Griechenland unzulässig, die Regierung erkennt nur die von öffentlichen Universitäten angebotenen Studiengänge an. Staatliche Hochschuleinrichtungen in Griechenland können ohne Studiengebühr besucht werden. Lehrbücher und für die Mehrheit der Studenten werden auch Mahlzeiten kostenlos zur Verfügung gestellt. Etwa 25 % der Postgraduiertenprogramme bieten kostenfreie Studien an, während etwa 30 % der Studierenden aufgrund individueller Kriterien berechtigt sind, Studiengänge ohne Gebühren zu besuchen. Jedes akademische Jahr umfasst ein 32-wöchiges Studienprogramm, aufgeteilt in zwei Semester zu je 16 Wochen.

Private Hochschulen sind allenfalls postsekundäre Bildungszentren () auf nichtformaler Bildungsebene, die unter der vom Bildungsministerium akkreditierten ordnungsgemäßen Registrierung betrieben werden. In der Regel sind die meisten privaten Hochschulen berechtigt, ausländische Bachelor- und Postgraduiertenprogramme im Rahmen von Franchising- oder Validierungsvereinbarungen mit kooperierenden Universitäten in anderen Ländern anzubieten, die zu Abschlüssen führen, die direkt von diesen ausländischen Universitäten verliehen werden.

In Thessaloniki gibt es eine englischsprachige Internationale Universität Griechenlands, die direkt anerkannt wird.

Die Akademikerquote ist in Griechenland sehr hoch, da circa 70 Prozent der Schulabgänger ein Studium beginnen. Die Alternative zum Studium, z. B. eine praxisorientierte Berufsausbildung, wird nur wenig angenommen. Von den etwa 600.000 Studenten (2013) in Griechenland gehören rund 200.000 zu den so genannten „ewigen Studenten“, die die Regelstudienzeit zum Teil schon weit überschritten haben. Sie profitieren weiter von den Sozialleistungen für Studenten.https://www2.daad.de/medien/der-daad/analysen-studien/bildungssystemanalyse/griechenland_daad_bsa.pdf Diese Regelung wurde ab dem Immatrikulationsjahr 2020–2021 abgeschafft, so dass ab 2027–28 Langzeitstudierende automatisch exmatrikuliert werden.