Live and Let Live ist ein Lied des englischen Singer-Songwriters und Rockmusikers Peter Gabriel. Es ist am 1. Dezember 2023 auf Gabriels zehntem Studioalbum i/o erschienen.

Geschichte Das Lied wurde erstmals als Weltpremiere bei dem ersten Konzert der I/o The Tour am 18. Mai 2023 in der Tauron Arena in Krakau, Polen live gespielt und gehörte immer zur Setlist der Tournee.

Die Erstveröffentlichung von Live and Let Live erfolgte als zwölfte und letzte Single des Albums i/o am 27. November 2023.

Diese wurde als Einzeltrack zum Download und Streaming durch Real World Records veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Bright-Side Mix, der von Mark „Spike“ Stent abgemischt wurde und um den sogenannten Dark-Side Mix, der von Tchad Blake abgemischt wurde. Ähnlich wie bei den in den elf Monaten zuvor veröffentlichten Titeln Panopticom, The Court, Playing for Time, i/o, Four Kinds of Horses, Road to Joy, So Much, Olive Tree, Love Can Heal, This Is Home und And Still wurde das Veröffentlichungsdatum der Single so gewählt, dass es mit einem Vollmond zusammenfällt. Anders als bei allen anderen Titeln des Albums i/o wurden alle drei Mixe gemeinsam am 27. November veröffentlicht, da das Erscheinungsdatum des Albums i/o am 1. Dezember 2023 vor dem nächsten Neumond am 13. Dezember 2023 lag. Eine Besonderheit dieses Liedes ist, dass der Dark-Side Mix und der In-Side Mix 25 Sekunden länger sind, als der Bright-Side Mix.

Artwork Das Cover der Single zeigt ein Foto des in Fulton, Missouri geborenen Künstlers Nick Cave in einer bunten auffälligen Kostümierung genannt „Soundsuit“, mit einigen Anbauten, wie Brummkreisel. Der Soundsuit ist Teil einer Reihe von „mindestens 500“, die Nick Cave von ihnen hergestellt hat. Ihren Ursprung hatten sie in der Zeit der Unruhen nach der Tötung von Rodney King durch Polizisten des Los Angeles Police Department. Diese Anzüge wirken wie ein Ausgleich, ein Neutralisator. Sie verbergen die Identität der Personen, die sie tragen. So ist es für die anderen Menschen nicht ersichtlich welchem Geschlecht, welcher Rasse oder welcher gesellschaftlichen Klasse die tragende Person angehört. Dadurch diesen sie dem Abbau von unbewussten oder sonstigen Vorurteilen. Dies ist nach Cave die beabsichtigte Wirkung.

Der für Live and Let Live verwendete Soundsuit wurde bereits 2008 von Nick Cave geschaffen und besteht aus dick gestrickten Wollstoffen in lebendigen Mustern, die bewusst grob miteinander vernäht sind und fast den gesamten Körper des Trägers bedecken. Aus der oberen Hälfte ragen mehrere Stäbe heraus an deren Enden Rasseln, Brummkreisel, Klapperteller und anders buntes Spielzeug befestigt ist. Bereits der Anblick des Soundsuits lässt erahnen, dass man sich in diesem Anzug nicht geräuschlos bewegen kann. Die von Gabriel verwendete Fotografie ist als Kunstdruck zu erwerben. Es wurde mindestens noch eine zweite Aufnahme der Foto-Session veröffentlicht. Darauf ist der Suit-Träger mit hoch aufgerichtetem Körper eher nach hinten geneigt zu sehen.

Hintergrund Aufgenommen in Gabriels Real World Studios in Box, Wiltshire, im Beehive und in den British Grove Studios in London, in den High Seas Studios in Johannesburg, Südafrika und im ArteSuono Studio in Cavalicco, Italien sind auf Live and Let Live unter anderem wieder Manu Katché am Schlagzeug, Tony Levin an der Bassgitarre, David Rhodes an der E-Gitarre, Melanie Gabriel bei dem Begleitgesang, das ständige New Blood-Orchester, zum dritten Mal der Soweto Gospel Choir, erstmals der italienische Jazz-Trompeter Paolo Fresu als Solist zu hören, sowie als weiterer Gast Steve Gadd in einem Loop, der vermutlich auf die Aufnahmen zu dem Album Up von 2002 zurückgeht. Das Orchester-Arrangement stammt erneut von John Metcalfe und Peter Gabriel. Live and Let Live hieß im unfertigen Zustand Path of Fortune und war das letzte Stück, das für das Album i/o fertig gestellt wurde.

Alle drei Mixe der Single wurden am zwölften Vollmond, genannt Beaver Moon, veröffentlicht. Gabriel kündigte bei der Veröffentlichung des Titels Panopticom an, dass weitere Bright-Side Mixe von allen Titeln des Albums von Mark „Spike“ Stent und weitere Dark-Side Mixe von Tchad Blake veröffentlicht werden. Der erste Mix wurde bei allen zuvor veröffentlichten Titeln jeweils bei Vollmond und die weiteren bei Neumond veröffentlicht. Darüber hinaus wurden von allen Titeln In-Side Mixe in Dolby Atmos von Hans-Martin Buff angekündigt, die von ihm im Red Room der Real World Studios und seinem eigenen Tonstudio Aural Majority Pad in Boofland erstellt wurden. Diese können auf Apple Music, Amazon Music wie auch auf der Audio-Blu-ray des Albums gehört werden. Als Stereo-Variante steht dabei bzgl. der Streamingdienste der jeweilige Dark-Side Mix zur Verfügung.

Inhalt und Bedeutung Über den Ursprung des Liedes sagte Gabriel:

Live and Let Live bewegt sich auf demselben optimistischen Terrain wie Nick Caves „Soundsuits“, mit dem Vorsatz, dass das Gute das Böse besiegen wird und damit das Licht die Dunkelheit besiegen wird. Negative Energie und schlechte Taten zu erkennen und ihnen entgegenzutreten ist nach Gabriels Liedtext die einzige Antwort. Mandela sagte, er habe gespürt, wie die alte Angst und der alte Hass in ihm hochkamen, aber als er intensiv darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass er einen Weg finden musste, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten, um etwas aufzubauen, das er seine Regenbogenkoalition nannte. Er musste ihre Menschlichkeit spüren und schließlich einen Weg finden, ihnen zu vergeben. Er war sich ziemlich sicher, dass er für den Rest seiner Tage ihr Gefangener bleiben würde, wenn er ihnen nicht verzeihen und einen Weg zur Zusammenarbeit mit ihnen finden könnte. Gabriel betont, dass Vergebung ein effektiver Weg ist, sich von emotionalen Lasten zu befreien und Frieden zu finden. Das Stück ist ein Tribut an Nelson Mandela (Madiba) und Desmond Tutu, die beide gemeinsam auf Initiative von Peter Gabriel und Richard Branson 2007 Gründer und Mitglieder der Organisation The Elders waren. Ziel dieser Gruppe ist es, die Erfahrung, die Beziehungen und den öffentlichen Einfluss der Mitglieder zur Lösung globaler Probleme einzusetzen. Mandelas Ziel für die Elders war es, ihre „fast 1.000-jährige kollektive Erfahrung“ zu nutzen, um Lösungen für scheinbar unüberwindbare Probleme wie Klimawandel, HIV/AIDS und Armut zu erarbeiten und „ihre politische Unabhängigkeit zu nutzen, um zur Lösung einiger der hartnäckigsten Konflikte der Welt beizutragen“. Der Inhalt des Liedes baut auf einer Aussage aus Mandelas Autobiografie Der lange Weg zur Freiheit auf. Nelson Mandela schreibt:

Einfach ausgedrückt befasst sich das Lied mit der Grundhaltung von Vergebung als Schlüssel zur Menschlichkeit und Freiheit an sich und als Gegenmittel zu Gewalt und Hass und beleuchtet diese zwei Aspekte von der entgegengesetzt anderen Seite als der Liedtext des Songs Four Kinds of Horses.

Gabriel sieht auch einen Bezug zu der aktuellen Weltlage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Songs im November 2023:

Bei der Erstellung des am 1. Mai 2026 für das Album o\i veröffentlichten Liedes Won’t Stand Down dachte Gabriel ursprünglich daran, Musik für The Elders zu schreiben, die er in diesem Zusammenhang als eine außergewöhnlichen Gruppe von Menschen bezeichnete. Deren Stärke würde nicht auf militärischer, wirtschaftlicher oder politischer Macht beruhen, sondern allein auf der moralischen Autorität, die sie durch ihr außergewöhnliches, selbstloses Leben erworben haben. Das sei etwas, worüber Gabriel sprechen, schreiben und wozu er ermutigen wollte, denn an vielen Orten [der Welt] sähe es ziemlich düster aus. Er glaubt, dass wir Menschen brauchen, die uns und unsere Führungskräfte sanft anstoßen und einige grundlegende Werte wie Gerechtigkeit, Mitgefühl und Demokratie am Leben erhalten. Dies sei eine Hoffnung, die uns helfen kann, uns eine gerechte, friedliche und fairere Welt vorzustellen. Gabriel ist der Meinung, dass die Menschen im Allgemeinen viel besser auf positive Zukunftsvisionen reagieren würden, als wenn sie mit negativen Bildern bombardiert und verunsichert würden. Die Menschen würden sich viel eher engagieren, wenn sie Hoffnung verspüren würden. Aktuell gäbe es nicht so viele positive Zukunftsvisionen, oder zumindest würden diese nicht so stark vermittelt, wie die negativen. Deswegen hält es Gabriel für wirklich wichtig, dass die Menschen nach Visionen suchen sollten, nach denen wir streben könnten, und nach Menschen, die ihnen diese vermitteln könnten.

Bandcamp Exclusives Für die Abonnenten des Kanals von Peter Gabriel bei dem Online-Musikdienst Bandcamp wurden jeweils zusätzlich zu den Bright-Side und den Dark-Side Mixen alternative Versionen der veröffentlichten Titel des Albums i/o auch zum Download zur Verfügung gestellt, wie auch Videoclips, die deutlich mehr in die Tiefe gehen als die Clips auf YouTube, die an jedem Vollmond regulär erscheinen, meistens an Neumond, manchmal auch später.

Live and Let Live (Stripped Down Version) – 5:51 – Dabei handelt es sich um eine alternative Version von Live and Let Live, eine abgespeckte Version, die vor der Hinzufügung von Streichern, Chor und weiterer Instrumentierung entstand, mit Ausnahme von David Rhodes. Diese Version vom Januar 2022 entstand an einem Punkt, als Gabriel bereits viele Elemente in die Vorarbeiten gepackt hatte und sich darin zu verlieren drohte. Deswegen fertigte er mit David Rhodes diese entleerte Version an, die zwar wie ein frühes Demo klingt, der aber bereits einige Ausarbeitungsversuche vorangegangen waren. Sie hat noch einen anderen Text mit realen Worten, nicht mit Lauten ohne Sinn. Der Text des Liedes wurde für die endgültige Version noch weiterentwickelt und in der Endphase gekürzt. Gibt es bei der Albumversion den Vierzeiler mit William Blake, Desmond Tutu und Madiba, gibt es hier noch einige Zeilen mehr, in denen John Lennon und Yoko Ono dem Frieden eine Chance geben und Mahatma Gandhi zu allem lächelt. Musikalisch sind bei dieser Version programmierte Drums und später ein veränderter Rhythmusloop sowie von Gabriel auf dem Klavier hingeworfene Akkorde zu hören. Die Gitarre von David Rhodes begleitet simpel, aber stützend.

Musikvideo Das Musikvideo zu Live and Let Live wurde zu dem Bright-Side Mix im Rahmen der KI-Musikvideocreator-Plattform 50:50 am 30. April 2025 veröffentlicht. Das KI-generierte animierte Video wurde von Jay Schankman erstellt. Dieses bewegt sich durch drei lyrische Passagen. Als erstes geht es um persönliches Verständnis und Vergebung, anschließend um die Reparatur oder Heilung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen und am Ende um das Zusammenkommen in der Liebe, wobei die Bezüge dazu viele verschiedene Formen annehmen. Letzten Endes, wenn wir unsere endlosen Kriege beenden und „die Last ablegen, die Waffen niederlegen“. Die Elders sprechen davon, den Mut zu haben, „mutig genug zu sein, zuzuhören, zu leben und leben lassen“.

Mitwirkende (Quelle:)

Liedproduktion Stefano Amerio – Toningenieur Tchad Blake – Mixing (Dark-Side Mix) Hans-Martin Buff – Dolby-Atmos-Mixing (In-Side Mix), zusätzliche E-Gitarre (nur In-Side-Mix), Klatschen (nur In-Side-Mix), Real World-Sommer-Geräusche (nur In-Side-Mix) Richard Chappell – Vorproduktion-Toningenieur, Rhythmus-Programmierung Tom Coath – Assistenz-Orchester-Toningenieur Matt Colton – Mastering Faye Dolle – Assistenz-Toningenieurin, zusätzliche Toningenieurin Brian Eno – Rhythmus-Programmierung (Morph-Kit), zusätzliche Synthesizer Paolo Fresu – Solo-Trompete Peter Gabriel – Hauptgesang, Begleitgesang, Synthesizer, Klavier, Produzent, Rhythmus-Programmierung, Tamburin Melanie Gabriel – Begleitgesang Oli Jacobs – Toningenieur, Rhythmus-Programmierung Lewis Jones – Orchester-Toningenieur Manu Katché – Schlagzeug Steve Gadd – Besen-Loops Tony Levin – Bassgitarre Katie May – Toningenieurin, Udu David Rhodes – E-Gitarre, Begleitgesang Dom Shaw – Assistenz-Toningenieur