Die Association sportive de Saint-Étienne (kurz ASSE) ist ein französischer Fußballverein aus der ostfranzösischen Industriestadt Saint-Étienne. Sie ist mit zehn Meistertiteln, sechs Pokalsiegen und fünf Superpokalsiegen einer der erfolgreichsten Fußballvereine des Landes. In der Ewigen Tabelle der Ligue 1 belegt sie den vierten Platz.

Die erste Fußballmannschaft trägt seit vielen Jahren ihre Heimspiele im Stade Geoffroy-Guichard aus, das eine Kapazität von 41.965 Zuschauern aufweist.ASSE-Stats.com: Stade Geoffroy-Guichard Sie wird von Philippe Montanier trainiert; Vereinspräsident ist Ivan Gazidis. Aktuell spielt die ASSE in der zweitklassigen Ligue 2, nachdem man in der Saison 2024/25 aus der höchsten französischen Spielklasse abgestiegen war. Der größte Erfolg des Vereins war die Teilnahme am Finale des Europapokals der Landesmeister im Jahr 1976.

Geschichte Anfänge (1919–1938) Der Verein wurde 1919 von Angestellten der Einzelhandelskette Casino als Amicale de la Société Casino gegründet, dann in Association Sportive Stéphanoise (nach dem Beinamen der Stadt – Étienne und Stéphane sind Synonyme) umbenannt und nahm 1933 seinen heutigen Namen (in Frankreich kurz: l’ASSE) an. Die Vereinsfarben sind Grün und Weiß, weshalb der Verein auch, lange vor einer gleichnamigen Partei, als Les Verts (Die Grünen) bezeichnet wird.

Ligadaten 1933–1938 Saison Platz Tore Punkte 1933/34 (Gruppe Süd) 2/8 25:16 19:9 1933/34 (Relegation) 3/3 7:9 2:6 1934/35 9/14 46:59 23:29 1935/36 3/18 99:49 52:16 1936/37 3/17 98:50 40:24 1937/38 2/16 72:40 41:19

Der Verein wurde 1933 in das französische Ligasystem integriert und startete dabei in der Südgruppe der zweitklassigen Division 2. Bereits in der ersten Saison gelang der zweite Platz hinter Red Star Olympique, sodass die ASSE gemeinsam mit Racing Straßburg und dem FC Mulhouse an der Relegation teilnehmen durfte. Saint-Étienne belegte hierbei den dritten und letzten Platz und verpasste damit den Aufstieg.

Nach einem enttäuschenden 9. Platz in der Saison 1934/35 wurde der Aufstieg 1935/36 als Drittplatzierter knapp verpasst. Dabei war der Torquotient ausschlaggebend, die beim punktgleichen RC Roubaix wesentlich besser war. Auch 1936/37 reichte es für die ASSE nur zu Platz 3. In diesen beiden Saisonen kratzte der Klub jeweils an der 100-Tor-Marke, 1936/37 stellte Saint-Étienne mit 98 Toren die beste Offensive der Liga.

In der Saison 1937/38 sollte es dann doch gelingen. In der Südgruppe gelang der erste Platz, womit man an der zweiten Phase teilnahm. Dabei hatte Saint-Étienne lange um einen möglichen Aufstieg bangen müssen. Am vorletzten Spieltag verlor man zuhause mit 2:3 gegen die AC Le Havre, was der einzigen Heimniederlage in dieser Saison entsprach. Le Havre hatte den Aufstieg gesichert, einen Punkt hinter Stade Rennes UC fiel die ASSE auf Platz 3 zurück. Vom selbigen Gegner wurde man zum Saisonabschluss empfangen und setzte sich auswärts mit 3:0 durch. Damit war man als Zweitplatzierter erstmals in das französische Oberhaus aufgestiegen.Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 272f. Der Angreifer Yvan Beck erzielte für Saint-Étienne 35 Tore in dieser Saison. Jedoch erhielt Hugo Lamanna vom CA Paris die Torschützenkrone, da nur die in der zweiten Phase erzielten Tore für die Auszeichnung zählten.Guillet/Laforge, S. 252; Marc Barreaud: Dictionnaire des footballeurs étrangers du championnat professionnel français (1932-1997). L’Harmattan, Paris 1998, ISBN 2-7384-6608-7, S. 23

Erste Jahre im Oberhaus (1938–1956) Ligadaten 1938–1956 Saison Platz Tore Punkte 1938/39 4/16 46:30 35:25 1939/40 (Gruppe Südost) 4/5 21:26 6:10 1940/41 (Gruppe Süd) 9/9 17:34 7:25 1941/42 (Gruppe Süd) 4/9 22:30 16:16 1942/43 (Gruppe Süd) 5/16 50:49 31:29 1944/45 (Gruppe Süd) 8/12 45:54 17:27 1945/46 2/18 86:68 44:24 1946/47 11/20 71:84 37:39 1947/48 4/18 72:58 41:27 1948/49 8/18 68:72 35:33 1949/50 11/18 60:58 32:36 1950/51 7/18 63:59 37:31 1951/52 9/18 69:68 36:32 1952/53 11/18 44:59 30:38 1953/54 5/18 48:47 38:30 1954/55 7/18 58:51 35:33 1955/56 4/18 68:53 41:27

Die erste Saison in der Division 1 verlief für die ASSE ziemlich erfolgreich, da man sensationell den vierten Platz belegen konnte. Während der Kriegszeit wurde die französische Liga gruppenweise (Nord und Süd) ausgetragen, Saint-Étienne nahm stets in der Südgruppe (1939/40 Südost) teil. Diese „Kriegsmeisterschaften“ zählt der Verband allerdings nicht als offiziell.

In der Saison 1943/44 setzte sich die Liga einmalig ausschließlich aus Bundesauswahlen zusammen, die die „normalen“ Fußballvereine ersetzten. In der anschließenden Spielzeit waren wieder die bisherigen Erstligisten im Einsatz.

Als der Zweite Weltkrieg 1945 zu Ende ging, kehrte die französische Liga zum alten System zurück. In der ersten Spielzeit nach dem Krieg wurde die ASSE Vizemeister hinter dem OSC Lille. Das war insofern überraschend, da der Verein in den Jahren zuvor meist niedrigere Plätze belegte. In den weiteren Jahren belegte der Verein hauptsächlich Plätze im Mittelfeld der Tabelle, auch die Punkteausbeute pendelte stets im Dreißiger-Bereich. Über den vierten Platz – der 1947/48 sowie 1955/56 erreicht wurde – kam er hierbei nicht hinaus.

Im Jahr 1955 gewann Saint-Étienne seinen ersten Vereinstitel. In der Coupe Charles Drago setzte sich der Verein im Endspiel mit 2:0 gegen die UA Sedan-Torcy durch.

Vom Meister zum Absteiger als Pokalsieger (1956–1963) Ligadaten 1956–1963 Saison Platz Tore Punkte 1956/57 1/18 88:45 49:19 1957/58 7/18 55:52 37:31 1958/59 6/20 68:73 40:36 1959/60 12/20 62:65 36:40 1960/61 5/20 60:54 43:33 1961/62 17/20 55:60 30:46 1962/63 1/19 86:46 58:14

Saint-Étienne legte in der Saison 1956/57 einen Start-Ziel-Sieg hin; dabei hatte Trainer Jean Snella ein nahezu komplett neues Team aufbauen müssen, wozu er sich hauptsächlich aus der eigenen zweiten Mannschaft bediente, die 1956 französischer Amateurmeister geworden war und aus der er fünf maximal 20-jährige bei den Profis zu Stammkräften machte.Beaudet, S. 57; Rethacker, S. 108 Doch die „grüne Kavallerie“ mit ihrem Angriffstrio Mekhloufi/Njo-Léa/Rijvers stürmte von Anfang an ihre Gegner in Grund und Boden, gewann beim FC Nancy 7:1, gegen Olympique Marseille 6:3, bei Sedan-Torcy 6:2 und führte nach dem zehnten Spieltag und einem 5:4-Sieg bei Stade Reims die Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung an. Saint-Étienne wurde auch Herbstmeister mit allerdings nur noch zwei Zählern vor Reims.Rethacker, S. 104 und 108; Bezeichnung cavallerie verte aus Beaudet, S. 58 Sieben Runden vor Saisonschluss hatte der Konkurrent aus der Champagne nach Punkten sogar zur ASSE aufgeschlossen und auch der RC Lens sich bis auf drei Längen herangearbeitet. Dann ging Reims etwas die Luft aus und Saint-Étienne gewann in Lens. Diesen Vorsprung ließen die Grünen sich nicht mehr nehmen und wurden so erstmals französischer Meister.Beaudet, S. 59f.; Rethacker, S. 108f. Der Angreifer Eugène Njo-Léa hatte es dabei auf elf aufeinanderfolgende Begegnungen gebracht, in denen ihm jeweils mindestens ein Tor gelang, wobei sich alleine diese Serie auf 17 Treffer summierte. Insgesamt erzielte der Kameruner 29 Treffer und ordnete sich in der Torschützenliste auf dem dritten Platz ein.Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 283Guillet/Laforge, S. 156

Die Meisterschaft 1957 der AS Saint-Étienne * Tor: Claude Abbes (34/-) Abwehr: François Wicart (34/1), Richard Tylinski (34/-), Michel Tylinski (25/-), Juan Cascado (3/-) Mittelfeld: René Domingo (34/5), René Ferrier (28/3), Jean Oleksiak (14/1), Émile Wassmer (10/-), Yvon Goujon (5/-) Angriff: Kees Rijvers (33/9), Eugène Njo-Léa (32/29), Rachid Mekhloufi (30/25), Bernard Lefèvre (29/10), Georges Peyroche (19/1), Armand Fouillen (10/4) Trainer: Jean Snella

Als französischer Meister nahm Saint-Étienne an der Challenge des Champions – dem französischen Supercup unter seiner ersten Bezeichnung – teil. Gegner war der amtierende Pokalsieger FC Toulouse, der damit im Heimvorteil war, weil die Partie ausgerechnet in Toulouse ausgetragen wurde. Nichtsdestotrotz konnte Saint-Étienne die Partie mit 2:1 für sich entscheiden.

Die Meisterschaft ermöglichte weiters die Teilnahme am Europapokal der Landesmeister 1957/58. Allerdings schied die ASSE schon in der Vorrunde nach einer 1:3-Niederlage und einem 2:1-Heimsieg gegen die Glasgow Rangers aus. In den nächsten Jahren sollte es der Verein lange Zeit nicht schaffen, an die Meistersaison anzuknüpfen. Noch in der gleichen Spielzeit gewann er immerhin erneut die Coupe Drago.

Im Jahr 1960 setzte sich Saint-Étienne mit 3:2 gegen Le Havre durch und erreichte so erstmals das Finale des französischen Pokals gegen die AS Monaco. Das Spiel wurde am 15. Mai 1960 im Stade Olympique Yves-du-Manoir in Colombes ausgetragen. Bereits in der fünften Minute brachte Serge Roy die Monegassen in Front. Für die ASSE glich Ginès Liron in der 43. Minute aus. Der damalige Mannschaftskapitän René Domingo brachte die Grünen in der 86. Minute mit 2:1 in Führung. Aber nur zwei Minuten später glich Henri Biancheri wieder aus und provozierte so die Verlängerung. Nach Treffern von François Ludwikowski (103.) und Serge Roy (114.) musste sich Saint-Étienne mit 2:4 geschlagen geben.

Zwei Jahre später erreichte die ASSE erneut das Pokalfinale. Im März 1962 schrieb die größte französische Sportzeitung L'Equipe, der Pokal habe sich „zu einer Trostrunde entwickelt“. Drei der vier Halbfinalisten – darunter eben auch Saint-Étienne – kämpften nämlich gegen den Abstieg. Neben Saint-Étienne waren das der SCO Angers sowie der FC Metz. Im Endspiel traf die ASSE stattdessen jedoch auf den FC Nancy, gewann die Partie durch ein Tor von Jean-Claude Baulu in der 86. Minute aber mit 1:0. Mit nur einem Gegentor in sechs Pokalrunden hat Saint-Étienne den bisherigen Rekord von Olympique Marseille von der Saison 1926/27 eingestellt. Dieses Gegentor fiel ausgerechnet in der ersten Runde gegen den Amateurligisten UE Le Mans (3:1).

Neben dem zuvor erwähnten FC Metz musste Saint-Étienne am Ende der Saison 1961/62 dennoch absteigen, nachdem der enttäuschende 17. Platz belegt wurde. Die ASSE war damit der erste Verein, der als Zweitligist an einem internationalen Wettbewerb der UEFA teilnehmen durfte. In der 1. Runde des Europapokals der Pokalsieger setzte er sich gegen Vitória Setúbal durch (1:1 h; 3:0 a), ehe er sich in der 2. Runde dem 1. FC Nürnberg geschlagen geben musste (0:0 h; 0:3 a).

Die „goldene Ära“ (1963–1982) Ligadaten 1963–1982 Saison Platz Tore Punkte 1963/64 1/18 71:48 44:24 1964/65 7/18 48:43 35:33 1965/66 5/20 85:62 45:31 1966/67 1/20 82:37 54:22 1967/68 1/20 78:30 57:19 1968/69 1/18 70:26 53:15 1969/70 1/18 88:30 56:12 1970/71 2/20 83:45 51:25 1971/72 6/20 81:59 44:32 1972/73 4/20 64:47 46:30 1973/74 1/20 74:40 55:21 + 11 1974/75 1/20 70:39 52:24 + 6 1975/76 1/20 68:39 51:25 +6 1976/77 5/20 55:36 45:31 1977/78 7/20 50:49 42:34 1978/79 3/20 77:34 54:22 1979/80 3/20 73:50 54:22 1980/81 1/20 68:26 57:19 1981/82 2/20 74:31 54:22

Ab dem letzten Drittel der Sechzigerjahre dominierte die AS Saint-Étienne den französischen Fußball. Sie kehrte als Zweitligameister 1963 in das französische Oberhaus zurück und sollte dieses für die nächsten 20 Jahre entscheidend prägen. Am Ende der Saison 1963/64 erlangte die ASSE ihren zweiten Meistertitel. Als Aufsteiger französischer Meister zu werden, hatte zuvor nur Girondins Bordeaux in der Saison 1949/50 geschafft.Rethacker, S. 110 Im Europapokal der Landesmeister schieden die Grünen jedoch erneut in der Vorrunde aus. Der Gegner FC La Chaux-de-Fonds (2:2 h; 1:2 a) kam hierbei aus dem französischsprachigen Raum der Schweiz.