Osterfeld ist eine Stadt im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Sie ist Sitz der Verbandsgemeinde Wethautal.

Geographie Lage Osterfeld liegt im Süden von Sachsen-Anhalt, südöstlich von Naumburg (Saale) unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen. Nachbargemeinden sind Mertendorf, Stößen, Meineweh und Droyßig im Burgenlandkreis sowie die thüringischen Gemeinden Schkölen und Heideland im Saale-Holzland-Kreis.

Stadtgliederung Zu Osterfeld gehören folgende Ortsteile:

mini|hochkant=1.2|Luftaufnahme von Osterfeld (2018)

Geschichte mini|links|Burg Osterfeld im 15. Jahrhundert Die Geschichte der Stadt reicht bis ins Mittelalter zurück. Am Standort der Burg Osterfeld ist eine slawische Wallburg aus dem 6. Jahrhundert nachgewiesen. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die Anlage umfangreich ausgebaut. Der alte Burgfried (im Volksmund Matzturm), die Umfassungsmauern und Wallreste sind erhalten geblieben.Burg Osterfeld auf burgenwelt.org, abgerufen am 13. Mai 2017. Die Burg war Sitz der Grafen von Osterfeld, die mit Hermann I. im Jahr 1215 erstmals erwähnt werden.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 8 Nach Ansicht von Gerhard Genz war Osterfeld davor Zentrum des Gaues Butzin und unterstand Wiprecht von Groitzsch. Auf der Bezeichnung des Gaues soll der Name des heutigen Stadtteiles Pitzschendorf beruhen.Aus der Geschichte der Stadt Osterfeld. Das Schenkgut im Stadtteil Pitzschendorf. In Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 15, Osterfeld 1994, S. 174 ff.

In einer am 14. September 1114 ausgestellten Urkunde wird erstmals der heutige Stadtteil Lissen als „Lizni“ benannt.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 2

1198 erfolgt in einer Urkunde von Markgraf Dietrich von Meißen für das Kloster Lausnitz die Ersterwähnung Osterfelds, abgeleitet vom Namen des in dem Dokument benannten Volkramus de Ostervelt. Burg und Burgkapelle, in welcher der Probst von Lissen Gottesdienst verrichten soll, wurden erstmals 1280 genannt. 1335 wurden die Stadt und die Burg, Castrum et oppidum Ostirvelt, in einer Naumburger Urkunde gemeinsam genannt.

Pitzschendorf findet 1349 erstmals als „Buczendorf“ urkundliche ErwähnungHeimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 37. 1349-2015. 666 Jahre Pitzschendorf, Osterfeld 2004, S. 4, in anderen Dokumenten dieser Zeit ist ferner die Bezeichnung „Butkindorf“ enthalten.Jürgen K. Fischer: Mittelalter Mitteldeutschland. Ereignisse und Ortsnamen, JKF Selbstverlag Elsteraue, Elsteraue 2016, ISBN 978-3-9815211-2-2, S. 298

Für das Jahr 1515 sind das älteste Siegel sowie die erste urkundliche Erwähnung des Marktes nachgewiesen.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 13 1565 erhielt die Stadt von Kaiser Maximilian II. das Recht, zusätzlich zwei Jahrmärkte abzuhalten.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 14

Während es in der Umgebung Osterfeld im Rahmen des Deutschen Bauernkrieges zu Erhebungen kam,Rudolf Drößler: ZEITZ – Geschichte der Stadt. Band III, 2017, ISBN 978-3-95741-058-0, S. 35 ff.Karl Gustav Mende: Zur Orts- und Heimatkunde des Dorfes Keutschen. IV. Das Dorf von 1800 bis zur Gegenwart, Keutschen 1925, S. 125 ff. beteiligte sich die Bevölkerung der Stadt nicht daran.Ernst Zergiebel: Chronik von Zeitz und den Dörfern des Zeitzer Kreises. Teil 2. Verl. für Kunstreprod., Neustadt an der Aisch 1996 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe des Jahres 1896), ISBN 978-3-89557-057-5, S. 58

1536 brach ein vermutlich durch Brandstiftung entstandenes Feuer aus; es konnte von Einheimischen gelöscht werden.Jürgen K. Fischer: Paul Langs Chronik von 967 bis 1536. JKF Selbstverlag, Elsteraue 2012, ISBN 978-3-9815211-0-8, S. 249

In den Jahren 1552, 1566, 1611 und 1612 wurde die Stadt von Pestepidemien heimgesucht.Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 5, 1984, S. 179Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 14 & 21

Seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist der Ortsname in der heutigen Schreibweise nachweisbar.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 31, Osterfeld 2009, S. 5.

Zu Ostern 1639, während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), brannten schwedische Truppen nahezu die komplette Stadt ab, nachdem die geforderte Kontribution in Höhe von 280 Talern nicht entrichtet wurde. Ein weiterer Stadtbrand wütete am 30. März 1730.Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, Osterfeld 1989, S. 20 ff.

Während der Revolutionen 1848/1849 unterstützte der Osterfelder Bürgermeister Scharf die revolutionären Aktivitäten vor Ort. Er wurde 1849 seines Amtes enthoben.Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, Osterfeld 1989, S. 34

Während der Novemberrevolution (1918) nach dem Ende des Ersten Weltkrieges bestand kurzzeitig ein städtischer Arbeiter- und Soldatenrat.Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, Osterfeld 1989, S. 48 Während des Kapp-Putsches (März 1920) kam es in der Stadt zu Gefechten, bei denen acht Menschen starben. Darunter befand sich auch Bürgermeister Paul Jaekel,Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 57. der sich auf die Seite der rechtsextremen Kräften gestellt hatte.Aus einer alten Osterfelder Zeitung vom Sonnabend, dem 22. Mai 1920. Einführung des neuen Bürgermeisters in Osterfeld. In Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 15, Osterfeld 1994, S. 180 ff.

Mit Alfred Pape wurde am 23. April 1932 in Osterfeld zum ersten Mal in der Provinz Sachsen ein NSDAP-Mitglied zum Bürgermeister gewählt.Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, Osterfeld 1989, S. 54.

Von 1952 bis 1994 lag Osterfeld im Kreis Zeitz (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 gehört die Stadt zum Burgenlandkreis.

Eingemeindungen

Am 1. April 1938 wurden Lissen und Pitzschendorf in die Stadt Osterfeld eingemeindet.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 24 Am 1. Januar 2010 wurden die Gemeinden Goldschau, Heidegrund und Waldau eingegliedert.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1.764 2005 1.354 2010 2.654 2015 2.490 2020 2.436 Jahr Einwohner 2021 2.407 2022 2.389 2023 2.375 2024 2.346 2025 2.336

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Religion mini|hochkant=0.8|Lutherkirche in Osterfeld Zur Burganlage gehörte eine Kapelle, die noch bis mindestens 1537 bestand.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 13

Die 1216 erstmals erwähnte Kirche zu Lissen wurde von 1256 bis 1280 im gotischen Stil umgebautHeimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 8–9, die Basilika weist aber noch Reste des romanischen Vorgängerbaus auf.Denkmalförderverein „Matzturm“ e. V. (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Osterfeld, 1. Auflage 2004, S. 27 1298 wird das Mönchskloster Lissen, eine Zelle des Klosters Reinhardsbrunn, erstmals urkundlich genannt. Aus diesem ging nach der Auflösung eine Pfarrkirche hervor, die gleichfalls Reinhardsbrunn unterstand. 1539 wurde das Kirchspiel Lissen im Zuge der Reformation evangelisch, Pfarrer Anton Zimmermann ersetzte den katholischen Propst Johann Tuntz. Zur Kirchgemeinde gehörten neben Lissen noch Osterfeld, Pitzschendorf, Pauscha und Corseburg, später unterstand der Pfarrkirche lediglich die Filiale in Haardorf.Kirchenbuch Lissen, 1609–1685 Das in Lissen gelegene Pfarrhaus entstand 1691 auf zum alten Kloster gehörigen Kellerresten.Denkmalförderverein „Matzturm“ e. V. (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Osterfeld, 1. Auflage 2004, S. 28 Lissen war von 1838 bis 1941 Sitz einer Superintendentur.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 12 & 24

Am 7. April 1574 erfolgte nach fast 5-jähriger Bauzeit die Einweihung der Osterfelder Kirche durch den Zeitzer Superintendenten Peter Prätorius. Nach jahrelangen Bemühungen trennte sich Osterfeld 1575 kirchlich von Lissen,Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 14–15 erster Pfarrer war bis 1582 Esaias Hellborn.Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 4, 1983, S. 141 Infolge des Stadtbrands von 1679 entstand ab 1682Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 21 ein neuer Kirchenbau, der 1735 eingeweiht wurde. 1895 erhielt das Gebäude seinen neugotischen Turm.Denkmalförderverein „Matzturm“ e. V. (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Osterfeld, 1. Auflage 2004, S. 9

Nachdem sich im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 im durch die Reformation protestantisch geprägten Osterfeld wieder Katholiken niedergelassen hatten, wurde 1946 im bisher zur Kirchengemeinde Naumburg (Saale) gehörenden Osterfeld eine katholische Kirchengemeinde gegründet, die 1947 zur Kuratie der Pfarrei Naumburg erhoben wurde. Zunächst wurde in der evangelischen Lutherkirche eine katholische Kapelle eingerichtet. Nachdem verschiedene Bemühungen, für die Kirchengemeinde ein eigenes Gebäude zu erwerben, fehlschlugen, konnte 1954 im Stadtteil Pitzschendorf das Grundstück Bachstraße 39 angekauft werden, auf dem 1957/58 ein Pfarrhaus mit einer Kapelle erbaut wurde, die das Patrozinium St. Michael bekam. 1968/69 wurde die Kuratie zu einer Filialkirchengemeinde (Pfarrvikarie) erhoben.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 182–187. Da die Zahl der Gemeindemitglieder im Laufe der Zeit abgesunken war, wurde das Anwesen 2004 an privat verkauft, die Kapelle wurde jedoch weiter von der katholischen Gemeinde genutzt. Durch bischöfliches Dekret vom 14. September 2021 wurde die Kapelle profaniert,Amtsblatt des Bistums Magdeburg Oktober 2021 Abgerufen am 29. November 2021. am 29. September 2021 fand der letzte Gottesdienst statt. Abgerufen am 29. November 2021.Heimatverein Osterfeld e. V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 37. 1349–2015. 666 Jahre Pitzschendorf, Osterfeld 2004, S. 14 Heute gehören Katholiken in Osterfeld wieder zur Pfarrei Naumburg.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Osterfeld besteht aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 59,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Alternative Wählergruppe Heidegrund 25,2 % 4 36,7 % 5 CDU 30,0 % 4 32,8 % 5 SPD 44,8 % 6 30,4 % 4 Insgesamt 100 % 14 100 % 14

Bürgermeister 1994–2016: Gerd Seidel (SPD) seit 2016: Hans-Peter Binder (CDU)

Binder wurde bei der Bürgermeisterwahl am 13. März 2016 mit 72,4 % der gültigen Stimmen gewählt. Am 5. März 2023 wurde er ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen

Flagge Die Flagge der Stadt Osterfeld zeigt die Farben Grün - Gelb.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Rathaus