Mücheln (Geiseltal) ist eine Stadt südwestlich des Geiseltalsees im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, Deutschland.
Geografie mini|Geiseltalsee Mücheln liegt südwestlich von Halle (Saale) auf halber Strecke zwischen Querfurt und Merseburg an der Geisel. Östlich des Orts liegt der Geiseltalsee, welcher nach Beendung des Braunkohleabbaus im Geiseltal entstanden ist.
Stadtgliederung Als Ortschaften der Stadt sind ausgewiesen: Ortschaft Fläche EinwohnerSiehe Ortsteilartikel. Branderoda 5,94 km² ca. 214 Gröst (mit Almsdorf) 12,45 km² ca. 610 Langeneichstädt 21,88 km² ca. 1376 Mücheln (mit Ortsteilen) 33,52 km² ca. 5922 Oechlitz (mit Schmirma) 11,96 km² ca. 536 Wünsch 12,85 km² ca. 607
Die Ortschaften von Mücheln (anklickbare Karte)
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Bad Lauchstädt im Norden, Braunsbedra im Osten, Gleina, Freyburg, Goseck und Weißenfels (alle vier im Burgenlandkreis) im Süden sowie Steigra und Nemsdorf-Göhrendorf im Westen.
Eingemeindungen Am 1. Oktober 1929 wurden Möckerling, Zorbau, Zöbigker, Gehüfte, und Eptingen Ortsteile von Mücheln. Mit dem Fortschreiten des Braunkohlenabbaus im Geiseltal wurden diese Orte östlich von Mücheln in den 1960er Jahren umgesiedelt und einige Jahre später abgebaggert (devastiert). Seit dem 1. Oktober 1939 sind Stöbnitz, Sankt Micheln und Sankt Ulrich Ortsteile von Mücheln.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung Sachsen-Anhalts wurden am 1. Januar 2006 die Gemeinden Branderoda, Gröst, Langeneichstädt und Wünsch nach Mücheln eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006 Am 1. Januar 2010 folgte die Eingemeindung von Oechlitz,StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 die Verwaltungsgemeinschaft Oberes Geiseltal wurde aufgelöst.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Rathausplatz Auf dem Kohlberg bei Mücheln wurden durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena archäologisch im Luftbild und in der Geophysik erkannte Gräben und ca. zehn Siedlungsgruben untersucht. Die dabei geborgene Keramik (doppelkonische Vorratsgefäße und bauchige Henkeltassen) deuten auf eine Datierung in die Bernburger Kultur des Spätneolithikum hin. Andere Funde stammen aus der Spätbronzezeit und sprechen für eine zweite Besiedlung in dieser Zeit.
In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Mücheln als zehntpflichtiger Ort Muchilacha im Friesenfeld und die Burg Mücheln als Muchileburg erstmals urkundlich erwähnt.Reg. Thur. Nr. 287 Vom 11. bis 15. Jahrhundert gab es eine sich nach dem Ort benennende uradlige Familie „von Mücheln“.
Mücheln erhielt das Stadtrecht im Jahre 1350.
Im Dreißigjährigen Krieg durchzogen Tillysche Truppen Mücheln und es kam zu einem verheerenden Stadtbrand. Daran erinnert bis heute eine lateinische Inschrift am Pfarrhaus.Abbildung und Übersetzung
Der Ort gehörte bis 1815 zum wettinischen, später kursächsischen Amt Freyburg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 34 f. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Querfurt im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.
Im Jahre 1906 begann mit dem Aufschluss oberirdischer Kohlegruben die industrielle Förderung von Braunkohle für die Zuckerfabriken und Chemiestandorte in den nahen Leuna-Werken. Der Name Mücheln (Geiseltal) wurde 1936 amtlich als Stadtname festgelegt. Die letzte Kohlegrube wurde 1993 geschlossen und die Region großflächig renaturiert (siehe Geiseltal).
Von 1952 bis 1994 lag Mücheln im Kreis Merseburg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Merseburg-Querfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Saalekreises.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 7.773 2005 9.392 2010 9.368 2015 9.057 2020 8.541 Jahr Einwohner 2021 8.513 2022 8.298 2023 8.184 2024 8.185 2025 8.039
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2005 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Mücheln besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 21,7 % 4 29,2 % 6 AfD 12,1 % 2 25,8 % 5 SPD 9,0 % 2 11,2 % 2 Freie Wählergemeinschaft (FWG) 12,7 % 3 11,1 % 2 Pro Mücheln 8,0 % 2 8,4 % 2 Mobiles Geiseltal 16,2 % 3 5,8 % 1 Die Linke 7,0 % 1 4,8 % 1 FDP 9,8 % 2 2,8 % 1 Einzelbewerber Streuber – – 0,8 % – Bündnis 90/Die Grünen 1,9 % – % 0 Einzelbewerber Norman Kammer 1,6 % – – – Insgesamt 100 % 19 100 % 19
Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD sechs Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur fünf Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 1990–2011: Udo Wurzel (parteilos) seit 2011: Andreas Marggraf (parteilos)
Marggraf wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 27. November 2011 mit 72,4 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 27. November 2011 Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 2. September 2018 mit 57,6 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 2. September 2018 Am 31. August 2025 wurde er mit 54,7 % der gültigen Stimmen erneut in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 31. August 2025 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Städtepartnerschaften Mücheln unterhält Städtepartnerschaften mit: seit 3. Oktober 1990: Hemsbach in Baden-Württemberg seit 22. März 1997: Bois-d’Arcy in Île-de-France (Frankreich) seit 2003: Rudno nad Hronom in der Slowakei
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Seit 2005 führt durch Mücheln der Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela/Nordspanien.Touristischer Kurzführer der Städte Braunsbedra, Mücheln und Bad Lauchstädt
Zentrum mini|hochkant=0.6|Stadtkirche St. Jakobi
Denkmalgeschützter Marktplatz mit Rathaus Am stufenförmig angelegten Marktplatz steht das 1571 im Renaissancestil erbaute Rathaus. Der dreigeschossige Bau aus der Spätrenaissance hat an der Außenfront vier Portale mit ausgekehlten Sitznischen, Balustersäulchen sowie Rahmen an Gebälk und Giebel. Eine hölzerne Spindeltreppe, die in ihrer Art in Deutschland nur noch sehr selten vorkommt, ziert das Innere des Rathauses. Die Kellergewölbe sind in drei Etagen mit Tonnengewölben angelegt. Bis etwa 1735 wurde der mittlere Keller als Folterkeller benutzt und zur Lagerung des Müchelner Biers. In diesem Zusammenhang wird von drei unterirdischen Gängen berichtet, die von hier aus in verschiedene Richtungen verliefen. Im Rathaus befindet sich auch das Heimatmuseum, das die 300-jährige Geschichte des Braunkohlebergbaus im Geiseltal dokumentiert. Zudem gewährt es Einblicke in das Arbeits- und Privatleben der Bergleute. Besondere Attraktion sind Kleinfossilien aus dem Bergbau sowie der erste urkundliche Nachweis des Kohleabbaus. Bergbaukabinett (Markt 19) Stadtkirche St. Jakobi Das ehemalige E-Werk wurde zu einem Bürgersaal umgestaltet. Im Gebiet des ehemaligen Braunkohlentagebaus, der 1993 stillgelegt wurde, wurde seit 2003 das Tagebaurestloch geflutet und so der größte künstliche See Deutschlands geschaffen. Die Flutung des Geiseltalsees wurde im April 2011 abgeschlossen.Ein Trio feiert das Flutungsende, Mitteldeutsche Zeitung vom 30. April 2011, Zugriff am 1. September 2011 ( Digitalisat). Dazu entsteht ein Freizeit- und Tourismusgebiet. Am Müchelner Seeufer wurde bereits seit 2008 die Marina errichtet. Es gibt eine Reihe von Aussichtspunkten mit Informationstafeln, Aussichtstürme und Schutzhütten.
Ortsteile mini|hochkant=0.6|St.-Michael-Kirche Sankt Micheln 12-Apostel-Quellen: Die Apostelquellen sind durch Erosion entstandene Schichtquellen. Vier von ihnen sind an das Müchelner Trinkwassernetz angeschlossen. Eine dieser Quellen (in der Apostelstraße) ist eingefasst und kann besichtigt werden. Geiselquelle: Die Geiselquelle entspringt am Fuße des Veitsberges und ist eine typische artesische Quelle. Das zutage tretende Wasser ist der Überlauf eines unterirdischen Grundwasserbeckens. Das oberirdische Niederschlagsgebiet hinter der Quelle beträgt etwa 34 km². Die Quelle war vor Beginn des Braunkohlebergbaus eine der größten Quellen Mitteldeutschlands. Der Name Geisel ist vom altnordischen Wort geis(an) abgeleitet, von dem auch Geysir stammt. Es bedeutet „mit Macht hervorbrechen“. Auch die Apostelquellen in unmittelbarer Nähe sind als Springquellen einzustufen. Die Ergiebigkeit der Geiselquelle wurde ursprünglich, als der Tagebau noch keinen Einfluss auf den Grundwasserspiegel hatte, etwa 400 bis 600 Liter pro Sekunde geschätzt. Die Geisel war sehr fischreich, und mit ihrem Wasser wurden siebzehn Mühlen betrieben. Der Mühlenwanderweg führt heute an fünf dieser Mühlen vorbei. Bereits 1540 wurde der Bachlauf verlegt. Weitere Verlegungen erfolgten durch die Grubenaufschlüsse zwischen 1938 und 1965. Seit etlichen Jahren ergießt die Quelle bis zu 35 Liter in der Sekunde. Heute – nach einer letzten Verlegung 2009 im Zuge der Sanierungsarbeiten des Tagebaus – mündet sie in den Geiseltalsee, verlässt den See bei Frankleben und fließt in ihrem alten Bett bis Merseburg, wo sie in die Saale mündet. Kirche St. Michael mini|hochkant=0.6|Renaissance-Erker des Wasserschlosses mini|hochkant=0.6|Lutherkirche Sankt Ulrich Wasserschloss Schlosskirche: Lutherkirche. Sie wurde im Barockstil von 1790 bis 1795 durch den Merseburger Stiftsbaumeister J. W. Crysellius errichtet. Die stilistisch reizvolle Innenausstattung ist erhalten. In der Kirche finden sich wertvolle Grabplatten. 1987 bis 89 erfolgte eine Innensanierung, 1992 bis 93 die Außensanierung. Der Landschaftspark wurde um 1720 als Schlosspark parallel zum Barockgarten unter den von Breitenbauch angelegt. Nach 1945 kam es zu Verlusten, die Anlage wurde aber 1977 zum „Geschützten Park“ erklärt. Er weist 250 Jahre alte Bäume auf und macht wieder einen gepflegten Eindruck. Barockgarten
Neubiendorf Geiseltalsee-Kirche. 1928 als katholische Herz-Jesu-Kirche erbaut, 2006 profaniert, heute vom Förderverein Geiseltalsee-Kirche e. V. Mücheln genutzt.geiseltalseekirche.de
Stöbnitz Kirche Campingplatz und Strand (Textil und FKK) am Geiseltalsee Aussichtsturm Pauline am GeiseltalseeHomepage des Geiseltalsees
Gröst St.-Kilian-Kirche
Schmirma Kirche mit den Bildern von Karl Völker
Branderoda Kirche
Oechlitz St.-Gotthard-Kirche Steinkreuz
Langeneichstädt St.-Nikolai-Kirche in Obereichstädt St.-Bruno-Kirche in Niedereichstädt St.-Wenzel-Kirche in Niedereichstädt Großsteingrab Langeneichstädt und Eichstädter Warte Bockwindmühle Langeneichstädt
Wünsch St.-Johannes-Kirche St.-Nikolai-Kirche
Freizeitangebote Tanzgruppe MüchelnTanzgruppe Mücheln Radsportverein VfH Kegelverein Fußballverein Jugendtreff am Schützenhaus Handballverein Volleyballverein Schachclub Musikverein „Geiseltaler Musikanten“ e. V. DLRG Ortsgruppe Geiseltalsee e. V.geiseltalsee.dlrg.de
Wirtschaft und Verkehr mini|Eisenbahnviadukt in Mücheln mini|Stöbnitztalbrücke bei Oechlitz (2011) Wirtschaft Mücheln und seine Ortsteile haben eine lange Tradition in der Pflanzenproduktion, z. B. auch von Zuckerrüben.Standorte der Zuckerproduktion
Im 20. Jahrhundert spielte der Abbau von Braunkohle eine große Rolle in der Region.