Am Ende wird alles sichtbar (Arbeitstitel Der Totengräber im Buchsbaum) ist ein österreichischer Spielfilm vom Regisseur Peter Keglevic aus dem Jahr 2023 mit Harald Schrott und Erika Marozsán. Das Drehbuch von Peter Keglevic und Klaus Pohl basiert auf dem im September 2023 veröffentlichten gleichnamigen Roman von August Schmölzer, der eine Neubearbeitung seines Romanes Der Totengräber im Buchsbaum aus dem Jahr 2014 ist.
Handlung Im Jahr 1964 kommt der Fotograf Josef nach Jahrzehnten zurück in seine Heimatstadt, um ein Erbe anzutreten und nach seiner Jugendliebe Ragusa zu suchen. Er beginnt als Totengräber zu arbeiten und muss einige Knaben beerdigen, die Opfer einer Mordserie wurden. Die Einheimischen begegnen dem Rückkehrer Josef mit Misstrauen, der Polizeikommandant, der Bürgermeister, der Journalist, der Pfarrer und andere Stammtischbrüder vermuten, dass Josef als verdeckter Ermittler in der Mordserie ermittelt. Außerdem befürchten sie, dass er alte Wunden wieder aufreißen könnte.
Ragusa ist mittlerweile Witwe des Bäckers und führt die Bäckerei alleine. Der Bürgermeister gibt dem Journalisten ein Interview, in dem er erklärt, dass er nie Bürgermeister, sondern Gärtner werden wollte und das Amt nur auf Wunsch seines Vaters übernommen hat. Der Bürgermeister führt einen ballspielenden Buben in den Wald; bald darauf wird das Kind ermordet aufgefunden. Dr. Abweger, der gegen den amtierenden Bürgermeister kandidiert, vermutet einen Zusammenhang zwischen der Mordserie und der kurz bevorstehenden Bürgermeisterwahl.
Als junger Soldat musste Josef auf Anordnung des Bürgermeisters als Kriegsberichterstatter das Massaker heimischer Soldaten an Zuwanderern ablichten. Eines der Opfer war der kleine Michael, mit dem Josef immer wieder spricht, obwohl nur er ihn sehen kann. Michael führt ihn an die Stelle, wo seine Knochen vergraben sind. In einer Kiste erhält Josef Fotos von der Erschießung, die der Polizeikommandant beschlagnahmt und später verbrennen lässt. Ragusa und Olga hatten das Massaker überlebt, Ragusa hatte eine Kugel nur gestreift. Sie versteckte sich in der Bäckerei, wo sie vergewaltigt wurde. Der Bäcker versteckte sie zwar vor den Soldaten, dafür musste sie ihn aber heiraten.
Im Fall der Kindermorde verdächtigt der Polizeikommandant sowohl Josef als auch Dr. Abweger. Außerdem ist der Polizeikommandant auf Josef wegen dessen Beziehung zu Ragusa eifersüchtig. Gemeinsam mit seiner Jugendliebe Ragusa beschließt Josef wegzuziehen, um der durch die Mordserie und den Wahlkampf aufgeheizten Stimmung zu entgehen.
Während der Polizeikommandant Ragusa vergewaltigt, wird er von Olga erschlagen. Der Bürgermeister verkündet, dass mit Dr. Abweger der Serienmörder gefunden worden sei. Abweger wird erdrosselt, der Bürgermeister behauptet, dass sich Abweger selbst erhängt habe. Josef wird durch einen Messerstich in die Brust verletzt, aufgrund eines Situs inversus wird aber das Herz knapp verfehlt. Im Krankenhaus erfährt er, dass Ragusa schwanger ist. Die schriftlichen Aufzeichnungen von Dr. Abweger über das Massaker soll Ragusa veröffentlichen. Bald darauf stirbt Josef.
In Rückblenden wird die Zeit von Josefs Kindheit ab 1934 behandelt.
Produktion und Hintergrund Die Dreharbeiten fanden vom 30. August bis Oktober 2021 in Niederösterreich, in der Steiermark, in Istrien und in Wien statt. Drehorte waren Bad Vöslau (Steinbruch Gainfarn) Gablitz (Hochramalpe) Graz (Friedhof Maria Trost, Kirche Mariagrün, Annenstraße) Klosterneuburg (Pfarre Kierling) Maria Enzersdorf (St. Gabriel, Am Hausberg) Mauerbach (Kartäuserplatz) Nestelbach bei Graz Obersulz (historische Bahnstrecke) Traiskirchen (Bezirksmuseum) Wien (Orthopädisches Krankenhaus Gersthof, Bäckerei Grimm, Gasthaus Wickerl, Ballgasse) Kroatien/Istrien (Kanfanar, Novigrad, Vizinada, Vodnjan, Rovinj)
Unterstützt wurde die Produktion vom Österreichischen Filminstitut, von FISA Filmstandort Austria, der Filmcommission Graz, dem Land Steiermark und dem Land Niederösterreich, beteiligt war der Österreichische Rundfunk. Produziert wurde der Film von der österreichischen FILM27 Multimedia, als Produzent fungierte Wolfgang Rest. Den Vertrieb übernahm in Österreich die Einhorn-Film. Das Produktionsbudget betrug rund 2,7 Millionen Euro.
Die Kamera führte Peter Zeitlinger, die Musik schrieb Christian Kolonovits, die Montage verantwortete Moune Barius. Den Ton gestalteten Herbert Verdino, Simon Proksch, und Michael Plöderl , das Kostümbild Erika Navas, das Szenenbild Veronika Merlin und die Maske Sonja Aigner und Anne Weinberger.
Regisseur Peter Keglevic und Produzent Wolfgang Rest arbeiteten 1983 (Rest damals als Aufnahmeleiter) bei Der Bulle und das Mädchen sowie von 2013 bis 2017 für Die Fremde und das Dorf, Ein Geheimnis im Dorf – Schwester und Bruder und Treibjagd im Dorf zusammen. An den drei Filmen wirkte auch August Schmölzer mit. Hauptdarstellerin Erika Marozsán wurde von Martina Ebm synchronisiert.
Der Film war Bewerber für den österreichischen Beitrag für die Oscarverleihung 2024 für den besten internationalen Film.
Veröffentlichung Premiere war am 6. November 2023 im Schubert Kino in Graz, die Wien-Premiere erfolgte am 8. November 2023 im Gartenbaukino.
Der österreichische Kinostart erfolgte am 17. November 2023. Auf ORF ON wurde der Film am 12. Juni 2026 veröffentlicht, auf ORF 2 wurde der Film am Folgetag erstmals ausgestrahlt.
Rezeption DerStandard.at bezeichnete den Film als „Faschismuswarnung mit Kitsch“, der Romantik mit Gesellschaftskritik mische. Die Grundintention, die Warnung vor dem Faschismus, sei sehr ambitioniert, aber zaunpfahlig und komme erst im letzten Drittel zu spannungsvoller Dichte. Vom Faschismus zu erzählen und alles mit gefühliger Musik und Lebensweisheiten à la Das Wichtigste ist: Schau mit dem Herzen zu überschütten funktioniere nur mäßig.
Weblinks
Am Ende wird alles sichtbar auf film27.com Am Ende wird alles sichtbar auf ORF ON
Einzelnachweise
Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Filmtitel 2023 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Literaturverfilmung