mini|Ochsengespann mit Mähgut im Engadin um 1900 (kolorierte Fotografie) Als Heu wird die getrocknete oberirdische Biomasse von Grünlandpflanzen wie Gräsern, Kräutern und Hülsenfrüchtlern bezeichnet. Es dient in der Regel als Futter für Nutz- und Haustiere.

Abzugrenzen ist Heu vom Stroh, der getrockneten oberirdischen Biomasse von Druschpflanzen wie Getreide, Leguminosen und Ölpflanzen nach dem Dreschen (mit Entnahme ihrer Samen (Ähren, Schoten, Ölsaat)).

Gewinnung mini|Heuwenden mit dem Kreiselheuer mini|Schwaden Heu wird gewonnen, indem die auf Grünland wachsenden Gräser und Kräuter gemäht und getrocknet werden. Der Aufwuchs, zum Beispiel von Wiesen, ist nach der Mahd rasch und zugleich schonend so weit zu trocknen, dass durch den Wasserentzug eine Konservierung erzielt wird. Dafür ist in der Regel eine Reduktion auf eine Restfeuchte von 15 % erforderlich, was einem Trockensubstanzgehalt von 85 % entspricht. Hierzu kommen die Verfahren Bodentrocknung, Gerüsttrocknung oder Unterdachtrocknung infrage:

Bodentrocknung Bei der Bodentrocknung bleibt der Aufwuchs nach dem Mähen mehrere Tage auf der Grünlandfläche liegen. Je nach Witterung wird das trocknende Mähgut unterschiedlich oft gezettet (auseinandergestreut) und gewendet, zwecks geringerer Befeuchtung durch Tau eventuell zu Nachtschwaden zusammengerecht, um dann zur Abfuhr auf Schwaden gelegt zu werden. Das Zetten, Wenden und Schwaden erfolgt in der Regel maschinell mittels Heuwender und Schwader, in manchen Fällen wie in Steillagen oder auf feuchten Wiesen auch noch von Hand mit Heugabel oder Heurechen. Für die Bodentrocknung sind normalerweise drei bis vier Tage mit günstiger Witterung nötig. Sie ist mit sogenannten Bröckelverlusten durch Abbrechen von Blättchen des Erntegutes verbunden.

Zur Abfuhr wird das Heu in der modernen Landwirtschaft meistens mit Ballenpressen zu kleinen oder großen Ballen in Form von Quadern oder Zylindern verdichtet. Kleine Quaderballen mit Abmessungen von üblicherweise etwa 40 × 50 × 100 cm sind mit einem Gewicht von 10 bis 30 kg noch handhabbar, die großen, bis zu mehreren hundert Kilogramm schweren Rund- oder Quaderballen erfordern Maschinen. Die Bergung von losem Heu z. B. mittels Ladewagen spielt insbesondere bei der Unterdachtrocknung eine Rolle. Bei trockener Lagerung kann das Heu über ein Jahr lang als Futtermittel für Nutztiere verwendet werden.

Gerüsttrocknung Zur Verringerung des Witterungsrisikos sind vor allem in niederschlagsreichen Gebieten Verfahren der Heubereitung statt auf dem Boden auf Gerüsten entwickelt worden, durch die die negativen Einflüsse von Niederschlägen auf die Trocknung und zugleich auch die Bröckelverluste verringert werden konnten. Nachteilig im Sinne einer rationellen Landwirtschaft nach heutigen Maßstäben ist aber, dass alle Gerüsttrocknungsverfahren ein hohes Maß an Handarbeit erfordern. Bei der Gerüsttrocknung finden verschiedene Formen von Heureitern Anwendung:

Heinzen (einzelne Pfähle mit Querstangen) Schwedenreuter (an Pfähle gespannte Schnüre oder Drähte) Giebelhütten (gegeneinander zeltförmig aufgestellte Lattenroste) Dreibockreuter (pyramidenförmig aufgestellte Konstruktionen aus drei mit Querstangen verbundenen Pfählen).

Bei den Heinzen und Schwedenreutern kann das Erntegut unmittelbar nach dem Schnitt auf diese gehängt werden, bei den Heuhütten oder Dreibockreutern hingegen ist eine Vortrocknung auf rund 50 % Trockensubstanzgehalt auf dem Boden erforderlich.

Unterdachtrocknung Die Verfahren zur Belüftungstrocknung des Heues dienen ebenfalls zur Verringerung des Wetterrisikos und der Bröckelverluste. Hierbei wird der Heustock (das Heulager) auf dem Bauernhof über Gebläse zwangsweise mit kalter oder auch angewärmter Luft so lange durchblasen (belüftet), bis ein sicher konservierender Trockensubstanzgehalt erreicht ist. Je nach Auslegung der Anlage kann das auf dem Boden vorgetrocknete Mähgut bereits mit einem Feuchtigkeitsgehalt von noch 65 % eingefahren werden; bei günstiger Witterung ist dies bereits nach einem Tag Bodentrocknung der Fall. Nach hinreichender Trocknung des Heues kann dieses zur weiteren Lagerung im gleichen Lager verbleiben.

Qualitativ hochwertiges Heu sollte staubarm sein und einen Trockensubstanzgehalt von etwa 86 % haben. Heu muss vor der Fütterung mindestens zwei Monate gelagert werden, da es sonst aufgrund nicht abgeschlossener Fermentationsvorgänge (sogenannte Schwitzphase) im Heu zu gefährlichen Verdauungsstörungen kommen kann.vgl. Handbuch Pferd, 6. Auflage, BLV, München, 2005, ISBN 3-405-17019-2, S. 160.

Die einzelnen Schnitte zeigen deutliche Qualitätsunterschiede: Das Heu umfasst die faser- und kohlenhydratreichen Gräser bis zur ersten Blüte und die typischen Frühlings-Wiesenblumen (beispielsweise Hahnenfuß oder Schafgarbe). Grummet ist kürzer und enthält mehr Kräuter. Es ist aufgrund eines relativ zum ersten Schnitt früheren Schnittzeitpunkts nährstoffreicher bzw. hat einen niedrigeren Anteil an Strukturkohlenhydraten als Heu. Grummet ist wegen seines hohen Eiweißgehalts besonders für Milchvieh als Futter geeignet. Aufgrund der Kolikgefahr kann es für Pferde dagegen sogar gefährlich sein. Die weiteren Schnitte sind minderwertig und weit verbreitet ist stattdessen das Nachgrasen.

Der erste Schnitt wird in heutigen Produktionsverfahren nicht als Heu, sondern weit überwiegend zu Silage konserviert, um den Gesamtertrag des Grünlandes zu erhöhen sowie um Verdaulichkeit und Nährstoffgehalt des Futtermittels zu erhöhen. Zudem wird so der Blattanteil (Kräuter, Blumen) minimiert. Dieser neigt in der Silage zum Schimmeln und führt bei der Ernte zu erhöhten Verlusten. Aufwüchse für Silage werden meistens kurz vor dem Schossen gemäht, Aufwüchse für Heu zwei bis vier Wochen später. Durch den späteren Schnittzeitpunkt erhöht sich der Anteil der Strukturkohlenhydrate (siehe auch Rohfaser) in der Pflanze, was einerseits die Trocknung verkürzt und andererseits zu weniger Verlusten auf dem Feld führt (weniger Bergeverluste durch höheren Stängelanteil). Die Anzahl möglicher Nutzungen der Aufwüchse richtet sich sehr nach der Intensität der Bewirtschaftung. Bei extensiver Flächennutzung werden die Flächen ein- bis zweimal pro Jahr gemäht (evtl. plus Nachweide), bei intensiver Landbewirtschaftung drei- bis fünfmal pro Jahr (eventuell anschließend Nachweide oder Mulch-/Pflegeschnitt). Die Stärke der Bewirtschaftung ist auch vom Standort (Klima, Boden usw.) abhängig.

Bei Heu als Konservierungsform ist das Witterungsrisiko deutlich höher als bei Silage: Während Silage optimalerweise bei einem Wassergehalt von 65 % eingefahren wird, sollte Heu nicht mehr als 15 % Wasser enthalten. Daher muss es zur Trocknung wesentlich länger auf dem Feld verbleiben (bis zu mehreren Tagen, Silage zum Teil nur einen Tag). Um ein Verderben des Heus bei ungünstiger Witterung zu vermeiden, wurde es früher verbreitet (per Hand) auf Heureiter gehängt (Gerüsttrocknung, siehe oben). Wird das Heu zu feucht gepresst, führt dieses vor allem durch Pilze (Hefen) zu einer Nacherwärmung des Materials. Damit verbunden sind Nährstoffverluste und eine Verunreinigung mit Gärschädlingen.Horst Eichhorn (Hrsg.): Landtechnik. 7. überarbeitete und erweiterte Auflage, Ulmer, Stuttgart 1952/1999, ISBN 3-8001-1086-5, S. 262 ff. Zu feuchtes Heu kann aufgrund intensiver Gärung so hohe Wärmeleistung erzeugen, dass es in dafür passender Anhäufung im Inneren so hohe Temperaturen erreicht, dass sich etwa Heuballen oder Heulager selbst entzünden können (Heuselbstentzündung).

Wegen des sommerfeuchteren Klimas in Norddeutschland ist Heu als Konservierungsform dort deutlich weniger verbreitet als in Süddeutschland. Daneben haben aber auch die niedrigeren Verluste und die einfachere Handhabung dafür gesorgt, dass Silage und Heulage heute verbreitetere Konservierungsformen in der Landwirtschaft sind.

Differenzierung und Benennung nach Erntezeitpunkt mini|Grasmahd mit Sense, bei Haselbach, Thüringer Wald, Anfang der 1940er Jahre mini|Heuwenden mit pferdegezogenem Gabelheuwender in Affeln, Sauerland

Je nach Region, aber auch regionaler Höhenlage (klimatische Umstände) werden Wiesen in Mitteleuropa bis zu sechsmal im Jahr geschnitten (Schnitte oder Mahden).

Erster Schnitt: Heumahd

Dabei heißt der erste Schnitt, der im Frühsommer stattfindet, speziell Heumahd (die f., regional auch das n., Frühmahd, Frühheu, Vormahd u. a. m.), sodass man in Fachkreisen mit ‚Heu‘ nur das Futter der Frühsommerernte meint. Diese Spezialisierung ist im Süden ausgeprägter als im Norden.

Zweiter Schnitt: Grummet, Emde, Ettgrön

Der zweite Schnitt, der meist im Hochsommer erfolgt, und auch dessen Ernte heißen allgemeindeutsch Grummet (n.). Andere regionale Ausdrücke sind Emd(e), Öhmd, oder Ettgrön. Wo es nur zwei Schnitte gibt, sagt man auch Nachmahd, sonst bezeichnet das einen weiteren Schnitt. Das Fehlen eines eigenen Wortes für den zweiten Schnitt ist für das frühe 20. Jh. nur für zwei größere Inseln, im Südmärkischen bei Berlin (zweiter Schnitt) und im Erzgebirgischen (zweite Schur) belegt.

Das Grummet zeichnet sich durch einen höheren Eiweißgehalt aus, weshalb es intensivere Trocknung erfahren muss als der erste Schnitt. In der Landwirtschaft werden Heuwender zur Unterstützung der Mähguttrocknung eingesetzt. Bei nicht ausreichender Trocknung besteht die Gefahr der Selbstentzündung bei der anschließenden Lagerung auf dem Heuboden.

Weitere Schnitte Der dritte Schnitt hat nur regional ein eigenes Wort, etwa tirolisch Pofel, ahrntalerisch Böüfel (dessen Wortherkunft unbekannt ist) oder im Salzburger Seenland, Mondseeland und im Tennengau Woad (zu ‚weiden‘, dann kann das Vieh zum „Nachweiden“ auf die Mähwiesen gestellt werden). Sonst werden die weiteren Schnitte nur durchgezählt (dritter Schnitt).

Vor der Heumahd ausgeführte Schnitte im Frühjahr heißen regional Vor- oder Frühschnitt; teils steht das auch für die Heumahd.

Geschichte der Heuwirtschaft mini|Heuernte in Pommern mini|Heu-Heimfahrt auf dem Chiemsee, Mitte des 19. Jh.

Lexikologie und Etymologie Das Wort Heu (von mittelhochdeutsch höu, althochdeutsch houwi, hewi) selbst steht als „das Gehauene“ (Abgehauenes, zum Dörrenlassen abgemähtes Gras) oder „das zu Hauende“ sicherlich in Nähe zu hauen (mittelhochdeutsch houwen). Mahd ist das tendenziell oberdeutsche Substantiv zu mähen, bezeichnet sowohl den Vorgang als auch das Ergebnis (‚das Gemähte‘, vergl. säen → Saat: Aussaat und Saatgut) und hat sich wohl sekundär auf das Heumachen eingeengt; Getreide und andere Feldgewächse (wie Hanf/Flachs) werden „geschnitten“, nicht „gemäht“.

Das Wort Grummet für ‚zweite Mahd‘ geht auf zurück und ist seit dem 13. Jh. nachzuweisen. Es ist eine Zusammensetzung von Mahd als Grundwort und einer umlautlosen Variante von grün (in der ursprünglichen Bedeutung ‚frisch, jung‘) als Bestimmungswort.Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. de Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 377. Als Grummat ist das Wort in den Vogesen, als Grumet in den Sudeten (Grummet) gebräuchlich; in Tirol heißt es Gruamat, oberbayerisch-österreichisch Groamat/d, niederbayerisch Gram(m)at, Groamet, in der Rhön Grommet, im Rheinischen Schiefergebirge Graumet, westmitteldeutsch Gro(o)m, Grommet, Gromisch (mit Lautung bis J-), niedersächsisch Gramme(t), Grammer, ostmitteldeutsch Grum(m)t, Gru(h)nd, ostpreußisch Gromme(l)t verbreitet.

Das Wort (n.) geht auf zurück und ist eine Zusammensetzung von und mât ‚Mahd‘.Schweizerisches Idiotikon. Band I. Huber, Frauenfeld 1881–1885, Spalte 213 f., Stichwort Āmad. Im Alemannischen und Schwäbischen lautet es verbreitet Ö(h)md, E(h)mt, im Oberelsass Amat, vorarlbergisch O(h)mad, zwischen Donau und Lech Aumat und im Südfränkischen O(h)m(e)t. Überdies findet es sich im westlichen Nordthüringisch als Ommeten.