mini|Raz Segal Raz Segal () ist ein israelischer“A Textbook Case of Genocide”: Israeli Holocaust Scholar Raz Segal Decries Israel’s Assault on Gaza | Democracy Now!, democracynow.org, 16. Oktober 2023, abgerufen am 16. Oktober 2023.Amid divides, left-wing Jews find unity warning against 'genocide' (forward.com), The Forward, 18. Oktober 2023, abgerufen am 18. Oktober 2023. Historiker mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Genozid-Forschung. Er ist Stiftungsprofessor für Völkermord in der Moderne und Associate Professor für Holocaust- und Genozidforschung an der Stockton University in Galloway, New Jersey, USA.Contact - Refugee Studies Initiative | Stockton University, abgerufen am 14. Oktober 2023. Segals Holocaustforschung konzentriert sich auf Transkarpatien.

Studium und Karriere

Studium Segal absolvierte zunächst von 1994 bis 1996 ein Bachelorstudium der Sozialwissenschaften an der Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv. Von 2004 bis 2007 absolvierte er ein Geschichts-Masterstudium in Jüdischer Geschichte an der Universität Tel Aviv, das er mit Summa cum Laude abschloss.Raz Segal - Lebenslauf (studylib.net), Stand vor September 2015, abgerufen am 16. Oktober 2023. Seine Abschlussarbeit über den Holocaust in den Karpaten wurde von der Goldhirsch Foundation,Becoming Bystanders: Carpatho-Ruthenians, Jews, and the Politics of Narcissism in Subcarpathian Rus’: Holocaust Studies: Vol 16, No 1-2 (tandfonline.com), Notes on Contributor, abgerufen am 16. Oktober 2023. von Beit Shalom Aleichem und von der Ben-Gurion-Universität ausgezeichnet und wurde 2011 zunächst auf Hebräisch, 2013 auch auf Englisch durch die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem verlegt. Von 2007 bis 2013 promovierte Segal an der Clark University in Worcester, USA."Raz Segal" (erau.edu), abgerufen am 14. Oktober 2023.

Wissenschaftliche Karriere mini|hochkant|Genocide in the Carpathians (2016) Nach seiner Promotion erhielt Segal mehrere Post-Dissertations-Stipendien, darunter vom Avraham Harman Institut für zeitgenössisches Judentum an der Hebräischen Universität Jerusalem und dem YIVO Institute for Jewish Research sowie eine Harry Frank Guggenheim Fellowship und eine Fulbright Fellowship. Er lehrte unter anderem Holocaust Studies an der Universität HaifaBeyond Holocaust Studies: rethinking the Holocaust in Hungary: Journal of Genocide Research: Vol 16, No 1 (tandfonline.com), 2014, Notes on Contributor, abgerufen am 16. Oktober 2023. und der Universität Tel Aviv.The Modern State, the Question of Genocide, and Holocaust Scholarship: Journal of Genocide Research: Vol 20, No 1, 2018 (tandfonline.com), Notes of Contributor, abgerufen am 16. Oktober 2023.

Derzeit (2023) arbeitet Segal als Stiftungsprofessor für das Studium des Völkermords in der Moderne sowie als Associate Professor für Holocaust- und Genozidforschung an der Stockton University in den USA. Er ist Gründer und Direktor der Refugee Studies Initiative sowie Verantwortlicher für den Master of Arts in Holocaust and Genocide Studies.

Im Juni 2024 wurde Segal die Leitung des Center for Holocaust and Genocide Studies an der University of Minnesota angeboten. Fünf Tage später wurde das Angebot zurückgezogen, angeblich wegen Beschwerden über Segals Meinung, Israels Vorgehen in Gaza stelle einen „Völkermord wie aus dem Lehrbuch“ dar. Der Zwischenfall löste in den USA eine erneute Debatte über akademische Freiheit im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt aus. Im August 2026 schlossen Segal und die University of Minnesota einen Vergleich, bei dem die Universität Segal 250.000 Dollar als Vergleichssumme für die Zurückziehung des Angebots auszahlte.Alice Speri: An Israeli professor lost a prestigious US job offer after speaking out on Gaza. Now the university is paying him $250,000. In: theguardian.com. 6. August 2026, abgerufen am 10. August 2026 (englisch).

Rezeption Segal hat sich in seiner Forschungsarbeit besonders auf die Karpaten-Region konzentriert. Dabei hat er laut Amos Goldberg (Hebräische Universität Jerusalem) ein neues Verständnis bestimmter Aspekte des Holocausts entwickelt, indem er die Verfolgung und Vernichtung von Juden im Kontext nationalstaatlicher Homogenisierungsbestreben insbesondere in geografischen Grenzregionen untersucht. Segal sei damit wie Omer Bartov Vertreter eines neueren Trends in der Holocaust-Forschung, die Geschichte der Juden, vor allem in Osteuropa, jeweils im multiethnischen Kontext der betreffenden Region zu betrachten.Amos Goldberg. How modern is the holocaust?. In: The Handbook of Collective Violence: Current Developments and Understanding, Routledge, 2020. doi:10.4324/9780429197420-7

In seiner Rezension von Segals Days of Ruin: The Jews of Munkács during the Holocaust (Yad Vashem, 2011), konstatierte Jan Láníček (University of New South Wales) im wissenschaftlichen Journal East European Jewish Affairs, Segal mache in seinem Buch über das Schicksal der Juden in Mukatschewo wichtige Beobachtungen über die sogenannte „Bystander“-Rolle und die Reaktionen von Juden auf ihre Verfolgung. Es gebe einen deutlichen Mangel an adäquater historischer Literatur in englischer Sprache über den Holocaust in Ruthenien, und man solle „mit Spannung auf Segals zukünftige Beiträge zur Geschichte dieser speziellen Region warten“.Jan Láníček (2013): Days of Ruin: The Jews of Munkács during the Holocaust. In: East European Jewish Affairs, 43:2, 223-226, doi:10.1080/13501674.2013.813134

Emil Kerenji (United States Holocaust Memorial Museum) beschrieb Segals zweites Buch Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945 (Stanford University Press, 2016) in The American Historical Review als „fesselnde historische Erzählung mit wichtigen analytischen Implikationen“; Segal habe Primärquellen in fünf verschiedenen Sprachen (Hebräisch, Englisch, Deutsch, Jiddisch und Ungarisch) ausgewertet und so sein Ziel erreicht, „die soziale und politische Dynamik des multiethnischen und multireligiösen Transkarpatiens vom neunzehnten Jahrhundert bis unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zu beleuchten.“ Damit habe er einen Hintergrund zum Verständnis der „vielschichtigen“ Gewalt gegen Karpaten-Ruthenen, Roma und Juden während des Zweiten Weltkriegs geschaffen.Emil Kerenji: RAZ SEGAL. Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945. In: The American Historical Review, Volume 123, Issue 2, April 2018, Seiten 657–658, doi:10.1093/ahr/123.2.657, 2. April 2018

Paul Hanebrink (Rutgers University) in Slavic Review erklärte, Segals Erzählung unterscheide sich von traditionelleren Darstellungen des Holocausts in Ungarn dadurch, dass er sich nicht hauptsächlich oder ausschließlich auf die Vernichtung des transkarpatischen Judentums konzentriere, sondern eine integrierte Analyse der vielschichtigen ethnischen Diskriminierung und Verfolgung vorlege, die in der Zeit, in der diese Region unter ungarischer Herrschaft stand, ihren Höhepunkt erreichte. Er folge damit „jüngsten Trends in der Holocaust-Forschung, die den Schwerpunkt von den deutschen Völkermordplänen und -praktiken auf die Bemühungen der mit den Nazis verbündeten Länder verlagern, ihre eigenen ethnischen Nationalstaaten in Übereinstimmung mit den deutschen Ambitionen und in deren breitem Kontext aufzubauen.“Paul Hanebrink: Review. Reviewed Works: The State, Antisemitism, and Collaboration in the Holocaust: The Borderlands of Romania and the Soviet Union by Diana Dumitru; Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945. Stanford Studies on Central and Eastern Europe by Raz Segal. Slavic Review, Vol. 76, No. 3, SPECIAL ISSUE: 1917–2017, THE RUSSIAN REVOLUTION A HUNDRED YEARS LATER (FALL 2017), S. 811–813

Tomasz Frydel (University of Toronto) sagte in seiner Rezension für H-Net, Segals Rekonstruktion der Judenvernichtung in Transkarpatien liefere „wichtige Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Staatsbildung und Formen der Gewalt, ihre Auswirkungen auf die interethnischen Beziehungen und das Potenzial einer mikrohistorischen Linse, die eine ‚feinkörnige Betrachtung‘ dieser Phänomene ermöglicht. Diese Erkenntnisse bilden wiederum die Grundlage für Segals übergreifende Kritik an zentralen Begriffen in der Geschichtsschreibung über den Holocaust in Ungarn und Osteuropa im Allgemeinen – insbesondere ‚Antisemitismus‘ und ‚Zuschauer‘ (‚Bystander‘) – und an der Tendenz dieser Begriffe, komplexe Zusammenhänge zu verwischen“; Segals Schlussfolgerungen hätten damit erhebliche Implikationen für das Feld und die künftige Forschung.Frydel on Segal, 'Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945', H-War, June, 2018

Sonia Smith (McGill University) in AJL Reviews beschrieb Segals Buch als „wichtigen Beitrag zur Geschichte des Holocausts und des Völkermords“, da es einen Mangel an Werken zu dieser geografischen Region gäbe; sie empfahl das Buch für wissenschaftliche Bibliotheken.Sonia Smith: Segal, Raz. Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945. Stanford, CA: Stanford University Press, 2016. 211 pp. $65.00. (9780804796668). AJL Reviews, Association of Jewish Libraries, Februar/März 2017 Hana Kubátová (Karls-Universität) beschrieb das Buch als „seltenes Beispiel für eine integrierte Erzählung der jüdischen und osteuropäischen Geschichte“ und „wichtige Lektüre“.Kubátová on Segal, 'Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945', H-Nationalism, Juli 2017 Eine teilweise kritische Rezension kam von Leslie Waters (University of Texas at El Paso). Waters meinte, Segal habe ungarische Historiker zu Unrecht beschuldigt, der Gewalt in ungarischen Grenzgebieten ungenügende Aufmerksamkeit gewidmet und solche Massengewalt allein auf deutschen Einfluss (im Gegensatz zu schon vorher in Ungarn vorhandenem Antisemitismus) zurückgeführt zu haben.Leslie Waters: Segal, Raz, Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence 1914–1945. In: East Central Europe, 26. November 2021 Segal verteidigte sich in demselben Journal.Raz Segal: Raz Segal’s Response to Leslie Waters’s Review of Genocide in the Carpathians: War, Social Breakdown, and Mass Violence, 1914–1945. In: East Central Europe. 19. Oktober 2022 Ferenc Laczó (Maastricht University) sah in Segals Buch „eine zum Nachdenken anregende Monografie, die vielversprechende Perspektiven eröffnet – und auch noch viel Raum für zukünftige Forschung lässt“.Ferenc Laczó: R. Segal: Genocide in the Carpathians, Arbeitskreis Historische Friedensforschung, H-Soz-Kult

Journalismus Segal publizierte als Autor unter anderem in den israelischen Medien Haaretz und +972 MagazineDistorting the definition of antisemitism to shield Israel from all criticism, +972 Magazine, abgerufen am 14. Oktober 2023. sowie in der Berliner Zeitung,Warum eine israelische Waffenfirma Holocaust-Verfälschung finanziert, Berliner Zeitung, abgerufen am 14. Oktober 2023. in The Nation,Distorting the Holocaust to Boost the International Arms Trade, The Nation, abgerufen am 14. Oktober 2023. Jewish Currents und in dem israelischen The Forum for Regional Thinking (הפורום לחשיבה אזורית).Raz Segal: (הפורום לחשיבה אזורית), The Regional Thinking Forum, abgerufen am 16. Oktober 2023.

Rezeption