mini|Eröffnung der Max-Klinger-Ausstellung im Oberlichtsaal des Museums für Kunst und Kunstgewerbe, 1903 Aimé Charles Vincent von Palézieux-Falconnet (* 10. September 1843 in Vevey im Kanton Waadt in der Schweiz; † 10. Februar 1907 in Weimar) war Militär und Kulturpolitiker in Weimar.

Leben Die meisten biographischen Details über sein Leben stammen aus einem Text von Adelheid von Schorn.Adelheid von Schorn: Das nachklassische Weimar, Zweiter Teil: unter der Regierungszeit von Karl Alexander und Sophie, Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar 1912. Im Bundesarchiv Koblenz befindet sich sein Nachlass mit langjährigem Schriftverkehr mit deutschen Kolonialpolitikern.Nachlass Palézieux-Falconnet, Aimé von Bundesarchiv (Koblenz) auf kalliope-verbund.info.de Er stand zudem mit dem Zoologen Ernst Haeckel im langjährigen Briefverkehr.Telegramme und Briefe von Palézieux-Falconnet an Haeckel auf haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de.

Er war Sohn eines Gutsbesitzers. Nachdem er als Unterleutnant in der Kavallerie der Schweizer Armee gedient hatte, begann er zunächst eine Banklehre in Frankfurt am Main im Bankhaus Schmidt-Polex. Im Anschluss diente er als Artillerieleutnant in der preußischen Armee. Nach einem Praktikum als Botschaftsattaché Deutschlands in London 1869 und in Berlin Mitglied mit Deutschen Kolonialrat, Aktionär der Kolonie Deutsch-OstafrikaPalézieux-Falconnet, Aimé von (* Sonntag, 10. Sept. 1843 † 1907) auf staatsarchive.thulb.uni-jena.de wirkte er noch ab demselben Jahr als Adjutant des Großherzogs Carl Alexander in Weimar. Am Krieg von 1870/71 gegen Frankreich nahm er als Hauptmann teil. Ab 1897 war von Palézieux-Falconnet Generaladjutant von Großherzog Carl Alexander (Sachsen-Weimar-Eisenach). Im Herbst 1896 heiratete er Freiin Elisabeth von Werthern-Beichlingen. 1900 erfolgte seine Ernennung zum Generalleutnant. Nach Carl Alexanders Tod 1901 wurde er zum Oberhofmarschall im Dienst von Großherzog Wilhelm Ernst (Sachsen-Weimar-Eisenach) am Weimarer Hof berufen. Im Jahre 1903 folgte die Ernennung zum Königlichen Großmarschall. mini|Titelblatt des Romans Der Hofdämon oder Ein Fürstengeheimnis. Verlagsstelle Weimar. 1919. Die Weimarer Gesellschaft soll ihn einen »Hofdämon« und den »unbeliebtesten Mann, in der Beamtenstadt, am Hof und im Volk« genannt haben. Palézieux war Direktor der Weimarer Kunstsammlung und stellte sich vehement gegen die künstlerische Moderne, insbesondere gegen deren Protagonisten Harry Graf Kessler und Henry van de Velde.Aimé Charles Vincent von Palézieux-Falconnet auf www.literaturland-thueringen.de Durch seinen Einfluss wurde 1902 der Maler Hans Olde an die Weimarer Malerschule berufen, der mit einer personellen und organisatorischen Neuausrichtung der Kunstschule beauftragt wurde.Wolfgang Holler, Gerda Wendermann, Gudrun Püschel: Krieg der Geister – Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914. Sandstein, Dresden 2014, S. 59. ISBN 978-3-95498-072-7

Im Verlauf des von Kessler forcierten Weimarer Rodin-Skandals forderte dieser Palézieux-Falconnet 1906 zum Duell, das aber die preußische Militärführung, der Kessler als Reserveoffizier unterstellt war, untersagte. Der von Kessler betriebenen öffentlichen Kampagne gegen den konservativen Hofbeamten schloss sich Maximilian Harden an, der behauptete, dass von Palézieux-Falconnet Gelder veruntreut und als Offizier sich vor dem Duell gedrückt habe. Nach dem überraschenden Tod des Hofmarschall 1907 wurde das Gerücht verbreitet, dass dieser Selbstmord begangen habe.Harry Graf Kessler: Das Tagebuch 1880–1937, Bd. 3: 1897–1905, S. 1072.

Laut Adelheid von Schorn war es aber Aimé Charles Vincent von Palézieux-Falconnet zu verdanken, dass die Permanente Kunstausstellung 1880 eingerichtet und eröffnet wurde, dass das Donndorf-Museum zustande kam und der Donndorf-Brunnen errichtet wurde. Auch lag bei ihm die Oberaufsicht über die Weimarer Parks. Ihre Charakteristik von Palézieux-Falconnet weicht in ihrem positiven Duktus grundlegend von der Kessler und van de Veldes ab. Die Affäre mit Kessler erwähnt sie nicht; sie ist letztlich für die Würdigung des Lebenswerks ohne Bedeutung, da der Oberhofmarschall bald nach dem Rodin-Skandal gestorben ist.

Der Schriftsteller Fritz Grubert thematisierte ein vermeintliches Intrigenspiel in seinem 1919 in Weimar erschienenen Roman Der Hofdämon oder Ein Fürstengeheimnis.Ernst Grubert: Der Hofdämon oder Ein Fürstengeheimnis, Weimar 1919. In dem Roman nahm Palézieux die Rolle des "Hofdämons" Graf Falkner ein. Graf Kessler ist Graf Kiesler.Alf Rößner: Weimar, Wartburg, Windhuk – Carl Alexanders „warmes Herz“ für die Kolonialpolitik. In: Lothar Ehrlich, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach: Erbe, Mäzen und Politiker. Böhlau, Köln/Weimar 2004, ISBN 978-3-412-09203-0, S. 63.

Palézieux-Falconnet war wohnhaft in der Weimarer Wörthstraße, der heutigen Thomas-Müntzer-Straße 31. Seine Grabstätte liegt auf dem Weimarer Hauptfriedhof.Art. Palézieux-Falconnet, Aimé Charles Vincent von, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 342.Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile, E. Reinhold, Erfurt 2009, S. 946 f.

Literatur

Weblinks Biografie in der Deutschen Biographie Biografie im Kalliope-Verbund BArch N 1047

Adelheid von Schorn: Das nachklassische Weimar, Zweiter Teil: unter der Regierungszeit von Karl Alexander und Sophie, Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar 1912.

Einzelnachweise

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