mini|hochkant|Skulptur auf den Kapuzinerplanken: der Blumepeter als Inbegriff des Bloomauls Der Bloomaulorden ist die höchste bürgerschaftliche Auszeichnung, die in der baden-württembergischen Großstadt Mannheim vergeben wird. Sie hat ihren Namen nach dem Mannemer Bloomaul, einer Dialektbezeichnung für die „echten“ Mannheimer, die noch, wie das legendäre Mannheimer Original Blumepeter, die ursprüngliche Kurpfälzer Mundart der Stadt sprechen.

Begriffsherleitung Bloomaul bezieht sich nicht etwa auf die Farbe „blau“, sondern stammt von dem Wort „blooe“ (vom mittelhochdeutschen Wort „bliuwen“, das „schlagen“ bedeutet) und bezeichnet liebevolles Angeben bzw. augenzwinkernde Übertreibung einer Behauptung oder Erzählung.

Geschichte Den Bloomaulorden stiftete 1970 Rainer von Schilling, der spätere Herausgeber der Tageszeitung Mannheimer Morgen, als damals amtierender Karnevalsprinz der Karnevalsgesellschaft Feuerio. Er wollte mit dem Blumepeter-Symbol „der Kurpfälzer Lebensart, der teils etwas aufmüpfigen Lebensphilosophie, der Schlagfertigkeit, dem manchmal urwüchsigderben Mutterwitz der Mannheimer an sich ein Denkmal setzen.“ Als Vorsitzender des dreiköpfigen Verleihungsgremiums fungierte bis zu seinem Tod im Dezember 2007 der Stifter, der auch noch an der Auswahl der Preisträgerin von 2008 beteiligt war.

Der Vorsitzende beruft jährlich zwei weitere Juroren, die aus der Mannheimer Bürgerschaft bzw. der Karnevalsszene kommen. Da die Regularien der Verleihung nicht schriftlich fixiert sind, einigt sich die Jury jeweils nach mündlich überlieferter Tradition.

Preis Als Bloomaulorden dient der Abguss einer Bronzeskulptur des Mannheimer Bildhauers Gerd Dehof. Die Figur zeigt den durch die gespreizten Beine nach hinten schauenden „Blumepeter“, wie er dem Betrachter den Po hinstreckt. Der Entwurf entstand anlässlich der Stiftung eines Brunnens durch den Mannheimer Morgen im Jahr 1966, wurde aber als für den öffentlichen Raum unzumutbar abgelehnt. Der Ordensstifter Rainer von Schilling sah allerdings gerade in diesem ebenso urwüchsigen wie frechen Entwurf die „Kurpälzer Lebensart“ am besten verwirklicht. Ursprünglich als reiner Fastnachtsorden gedacht, wird die Auszeichnung heute durchaus ernst genommen, und die Träger werden bei offiziellen Gelegenheiten in Mannheim protokollarisch begrüßt.

Preisträger Die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten vergeben, die Mannheim auf typische Art und Weise und deswegen unverwechselbar vertreten; die Geehrten müssen nicht unbedingt in Mannheim geboren sein. Die Verleihung findet während der Fastnachtszeit im Nationaltheater statt.Die Bloomäuler: Das Bloomaulkapitel.

1970: Franz Schmitt, Mannheimer Original 1971: Anneliese Rothenberger, Opernsängerin 1972: Heinz Haber, Astrophysiker 1973: Sepp Herberger, Fußballbundestrainer 1974: Carl Raddatz, Schauspieler 1975: Hans Reschke, Mannheimer Oberbürgermeister 1976: Joy Fleming, Bluessängerin 1977: Paul Kunze, Kürschnermeister 1978: Hans Reuther, Unternehmer 1979: Elsbeth Janda, Mundartautorin und Schauspielerin 1980: Hans Maurer, Karnevalist und Büttenredner 1981: Fips Rohr, Fußballer 1982: Konstantin Fuchs, Franziskaner-Pater 1983: Richard Grimminger, Bäckermeister 1984: Kurt Schneider, Sänger am Nationaltheater 1985: Horst Engelhardt, Unternehmer 1986: Willi Menz, Polizeipräsident 1987: Walter Spagerer, Fußballer und Politiker (SPD) 1988: Rolf Schäfer, Metzgermeister 1989: Werner Knebel, Mundartautor 1990: Leo Pfanz-Sponagel, Politiker 1991: Bob Haag, Barkeeper 1992: Klaus Wendt, Sänger und Chefdisponent am Nationaltheater 1993: Gerold Falter, Markthändler 1994: Joana, Liedermacherin 1995: Eugen Kettemann, Konditormeister 1996: Wolf Kaiser, Bandleader 1997: Andreas Plattner, Architekt 1998: Peter Hofmann, Präsident des Reitervereins 1999: Ingeborg Nikitopoulos, Politikerin (FDP) 2000: Hansjörg Probst, Lokalhistoriker 2001: Norbert Stier, Polizist und Mundartautor 2002: Ulla Hofmann, Journalistin (FAZ) 2003: Hans Bichelmeier, Sportler und Unternehmer 2004: Ulrich Dietz, Oberstaatsanwalt a. D. 2005: Hans-Peter Schwöbel, Soziologieprofessor und Mundartexperte 2006: Klaus van Ackern, Professor und Dekan der Medizinischen Fakultät 2007: Heinrich Graeff, Unternehmer 2008: Gabriela Badura, Schauspielerin am Nationaltheater 2009: Peter Künzler, Unternehmer 2010: Karl Jung, katholischer Stadtdekan 2011: Ulrich Nieß, Historiker und Stadtarchivar 2012: Bülent Ceylan, Komiker 2013: Christian Ziegler, Physiotherapeut 2014: Dario Fontanella, Eiskonditor, Erfinder des Spaghettieises 2015: Waltraud Kirsch-Mayer, Journalistin des Mannheimer Morgen 2016: Joachim Schäfer, Musiker 2017: Helen Heberer, Politikerin (SPD)Rhein-Neckar-Fernsehen, 19. Dezember 2016. 2018: Rolf Götz, Unternehmer und Bezirksbeirat in FeudenheimMannheimer Morgen vom 12. Februar 2018, Seite 11. 2019: Ilka Sobottke, evangelische Pfarrerin 2020: Joachim Goltz, Sänger am Nationaltheater MannheimMannheimer Morgen vom 24. Februar 2020, Seite 11. 2021/22: Marcus Fähnle, ArztWegen der COVID-19-Pandemie für 2021 und 2022 – Mannheimer Morgen vom 23. Februar 2022, Seite 12. 2023: Thomas Siffling, JazztrompeterMannheimer Morgen vom 21. Februar 2023, Seite 8. 2024: Gerald Marzenell, Tennisspieler- und trainerMannheimer Morgen vom 20. Februar 2024, Seite 8. 2025: Barbara Waldkirch, Verlegerin und BuchhändlerinMannheimer Morgen vom 4. März 2025, Seite 8. 2026: Andreas Burger, BauunternehmerMannheimer Morgen, 16. März 2026, Mannheimer Bloomaulorden an Bauunternehmer Andreas Burger überreicht

Siehe auch Mannemerisch Söhne und Töchter der Stadt Mannheim Liste der Ehrenbürger von Mannheim

Literatur

Weblinks Mario Reschke und Verena-Désirée Stier: Die Bloomäuler, Auflistung der Ordensträger Alles Mannheim, Bloomaulorden, Artikel mit Abbildungen des Ordens

Einzelnachweise

Kategorie:Auszeichnung (Karneval) Kategorie:Kultur (Mannheim) Kategorie:Auszeichnung (Mannheim) Kategorie:Erstverleihung 1970