Cremlingen [] ist eine Gemeinde im Landkreis Wolfenbüttel (Niedersachsen), östlich von Braunschweig. Cremlingen war bis 2018 Standort des Senders Cremlingen-Abbenrode des Deutschlandfunks, der auch gelegentlich als Sender Königslutter bezeichnet wurde.
Geographie Lage Das Gemeindegebiet liegt im Übergang zwischen Norddeutscher Tiefebene und mitteldeutschem Bergland. Höchster Punkt der Gemeinde ist mit 302 m über Normalhöhennull der Kleine Tafelberg im Elm bei Destedt.
Ortschaften
(Quelle: Cremlingen)
Geschichte mini|Historische Hofstelle in Hemkenrode
Vom Ostrand des Oberzentrums Braunschweig erstreckt sich die rund 60 Quadratkilometer große Gemeinde bis in den nordwestlichen Elm. Der Ort ist aus zwei Gemeinden zusammengewachsen, der Dorfgemeinde mit 65 und der Gutsgemeinde mit sieben Häusern. Die Endung ~ingen zeigt an, dass der Name bis etwa 500 entstanden ist. Die Siedlungsgeschichte ist allerdings weit älter, wie ein Urnengräberfeld am Ehlerberge südwestlich des Ortes belegt. 1302 wurde Cremlingen als „Cremlinge“ überliefert, während es im 14. Jahrhundert urkundlich als „Cremninge“ vorkam.
Vorteilhaft für die Entwicklung der Gemeinde war die Lage an der alten Handelsstraße, die im Mittelalter von Köln über Braunschweig nach Magdeburg führte. Hier wurde hauptsächlich mit Getreide gehandelt, das auch auf den Äckern Cremlingens angebaut wurde. Von der hiesigen Getreidewirtschaft profitierten besonders die Herren von Veltheim und das Kloster Riddagshausen, das 1308 zwei zehntfrei Hufen und eine Wort (Hof) erhielt. Dazu kam später Land derer von Veltheim als herzogliches Lehen. Die von Veltheim auf Destedt sind bis heute Besitzer des Rittergutes in Cremlingen. Land war auch vom Halberstädter Bischof als Lehen übertragen worden, auf dessen Diözesangebiet Cremlingen lag.
Thermalquelle
Kurz nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts stieß die Mitteldeutsche Erdölbohrgemeinschaft in 410 Meter Tiefe auf eine Thermalquelle mit 34 °C warmem Wasser. Die Heilkraft wurde in der Presse ausgiebig diskutiert, und der Traum von einem Heilbad kam auf. In den 1930er Jahren versuchte der Cremlinger Arzt Ernst Matheis, den Badebetrieb zu organisieren – Pläne, die der Zweite Weltkrieg durchkreuzte. Im Jahre 1973 wurde das Gelände dem (jetzt aufgelösten) angrenzenden militärischen Übungsplatz zugeschlagen. Vergeblich versuchte man, die Quelle mit Sand abzudichten: Noch heute sprudeln stündlich etwa 7600 Liter ungenutzt in die Landschaft. Inzwischen hat die Naturschutzbehörde das Gebiet zum schützenswerten Biotop erklärt. Massive Einschnitte in die Landschaft ergaben sich mit dem Bau der „Weddeler Schleife“, der Autobahn A 39 und der Umgehungsstraße.
Fossilienfunde
Bereits der Ammonit im Wappen weist auf fossilienhaltige Gesteine in der Umgebung Cremlingens hin. Im Zuge von Erdarbeiten für einen Autobahn-Neubau entdeckte ein Sammler im Mai 2005 ein prähistorisches Skelett aus dem Mesozoikum, das sich als gut erhaltener Ichthyosaurus (Acamptonectes densus) herausstellte.
Eingemeindungen Die Gemeinde Cremlingen ist am 1. März 1974 als Einheitsgemeinde durch den gesetzlichen Zusammenschluss der ehemaligen selbstständigen Gemeinden Abbenrode, Cremlingen, Destedt, Gardessen, Hemkenrode, Hordorf, Klein Schöppenstedt, Schandelah, Schulenrode und Weddel entstanden. Am 1. März 1974 wurde Hötzum in die neue Gemeinde Sickte eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Entwicklung Jahr Einwohner 2007 12.739 2008 12.763 2009 12.816 2010 12.744 2011 12.899 2012 12.909 2013 13.000 2014 13.047 2015 13.056 2016 13.065 Jahr Einwohner 2017 13.053201813.111201913.073202012.996
Die Daten entstammen den Angaben des Statistischen Landesamtes Niedersachsen. Sie beziehen sich auf den 31. Dezember jedes Jahres.
mini|hochkant|links|Kirche St. Michael mini|Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu
Religion
Die evangelische Pfarrkirche in Cremlingen (Im Dorfe 13) wurde vom Archidiakon des Bannes Lucklum verwaltet. Ein Pfarrgeistlicher wird 1302 mit Lubertus quon-dam plebanus urkundlich greifbar. Der Turm mit Satteldach und achtseitiger Laterne und das Kirchenschiff zeigen spätromanische Spuren, während der Chor romanisch ist. Da das Patrozinium der Kirche nicht mehr bekannt war, erhielt sie 1963 den Namen St. Michael. Heute gehört die Kirchengemeinde Cremlingen zur Propstei Königslutter.
In Cremlingen befand sich von 1953 bis 2014 die katholische Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu. Heute befindet sich im Ortsteil Weddel eine katholische Kirche.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat der Gemeinde Cremlingen besteht aus 30 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern. Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Detlef Kaatz (SPD).
Die Kommunalwahl 2021 ergab die folgende Sitzverteilung:
Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Cremlingen ist Detlef Kaatz (SPD). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde er mit 50,5 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,2 %., abgerufen am 10. Januar 2015 Kaatz trat sein Amt am 1. November 2014 an und löste den bisherigen Amtsinhaber Günter Eichenlaub (CDU) ab, der nicht mehr kandidiert hatte.
Wappen
Flagge Die Flagge der Gemeinde ist Blau - Gelb (1:1) gestreift.Hauptsatzung § 2 (PDF; 0,2 MB).
Dienstsiegel Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift „Gemeinde Cremlingen, Landkreis Wolfenbüttel“.
Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Baudenkmale in Cremlingen
Mehr als 500 Mitglieder der Gemeinde Cremlingen nehmen an einem CD-Projekt namens „Wie klingt Cremlingen?“ teil. In mehreren Dörfern der Gemeinde gibt es neben den traditionellen Chören mehrere Chöre, die sich moderner Musik verschrieben haben.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Cremlingen ist Sitz des Telekommunikationsherstellers Auerswald. Außerdem ist Cremlingen Sitz und Fabrikationsstandort der zur Halloren Schokoladenfabrik gehörenden Weibler Confiserie Chocolaterie GmbH. Diese betreibt dort einen Fabrikverkauf.Website der Firma Weibler, abgerufen am 25. April 2011 Seit 2019 ist zudem die Kleintierpraxis Cremlingen überregional aktiv und bietet in der Region Braunschweig, Königslutter und Wolfenbüttel innovative veterinärmedizinische Behandlungen und moderne Diagnostik für Haustiere an.
Medien
In der Nähe von Cremlingen-Abbenrode betrieb die Deutsche Telekom AG seit 1962 eine große Sendeanlage für Mittelwelle, die das Programm des Deutschlandfunks ausstrahlte. Die Sendeanlage wurde am 31. Dezember 2015 stillgelegt und am 29. Januar 2018 per Sprengung abgerissen.
Verkehr mini|Die BAB 39 bei Cremlingen Im Bereich der Gemeinde gibt es die Bahnhöfe Schandelah und Weddel an der Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg; Weddel wird auch von Zügen in Richtung Wolfsburg angefahren („Weddeler Schleife“).
Durch das Gemeindegebiet führt die Bundesstraße 1, und seit Ende September 2006 besitzt Cremlingen eine gleichnamige Anschlussstelle an die A 39, die seit Anfang 2009 bis zum Autobahnkreuz Wolfsburg durchgängig befahrbar ist.
Persönlichkeiten Rudolf Berndt (* 27. Juli 1910 in Cremlingen; † 2. Juni 1987 in Weddel), Ornithologe Heinz-Georg Keerl (* 7. Januar 1946 in Weddel; † 23. Februar 2011 in Reinbek), General der Bundeswehr Manfred Trojahn (* 22. Oktober 1949 in Cremlingen), Komponist und Dirigent
Weblinks
Website der Gemeinde Cremlingen
Einzelnachweise auf cremlingen-online.de, abgerufen am 11. Juli 2018.
Kategorie:Ort im Landkreis Wolfenbüttel