mini|Der ehemalige Barnabitenfreihof, nunmehr Sitz der Kirche (2008)
Die Schwedische Kirche in Wien bzw. die Königin Silvia Gemeinde ist eine Auslandsgemeinde der Schwedischen Kirche (Svenska kyrkan). Sie wurde 1982 gegründet und lag anfangs in der Seegasse in Wien, wurde aber 1986 in die Gentzgasse 10 verlegt. 2022 beging die Schwedische Kirche mit der Schwedischen Israelmission ihr 100-jähriges Jubiläum in Wien. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz ().
Geschichte Das Gebiet, in dem sich die Gentzgasse 10 befindet, war ab dem 14. Jahrhundert bis zum Hochmittelalter unter Besitz des Michaelsordens. Die älteste Urkunde des Hauses stammt aus dem 16. Jahrhundert. Während des Hochmittelalters befand sich das Grundstück im Besitz unterschiedlicher Benediktinerklöster, die unweit des Stadtkerns in ihren Weingärten Wein anbauten. Kurz vor der zweiten Türkenbelagerung 1683 erwarb der Kaufmann Georg Khnoll das Anwesen; das Geld für den Kauf lieh er sich von der Gräfin Maximiliana Lamberg. Da er seine Schulden nicht zurückzahlen konnte, ging die Liegenschaft 1697 in den Besitz der Gräfin über.
1626 wurde der Mönchsorden der BarnabitenDie Barnabiten wurden 1530 in Mailand gegründet. Der Orden wird auch als die Paulisten oder die Kongregation vom hl. Paulus erwähnt. Ursprünglich wurden sie Paulaner genannt. Die Mönche widmete sich unter anderem „dem Unterricht und der Missionierung der Ungläubigen“, oder Paulaner, wie sie ursprünglich genannt wurden, von Kaiser Ferdinand II nach Wien gerufen. Der Kaiser wollte aufgrund des Glaubenskonfliktes im Dreißigjährigen Krieg den römischen Katholizismus stärken. Als die Barnabiten nach Wien kamen, durften sie eine Kirche mit dazu gehörigem Landbesitz übernehmen und mit der Zeit kauften sie mehr und mehr Land in der Umgebung der Kirche hinzu. Im Jahre 1730 kaufte so der Barnabitenorden auch die Liegenschaft der heutigen Gentzgasse 10 von der Gräfin Lamberg. Das Anwesen bekam den Namen Michaeler Freihof und wurde das Zentrum für die Tätigkeit der Barnabiten in Währing. Über dem Eingang in Straßenrichtung befindet sich noch ein Kartuschenschild, mit dem Ordenswappen der Paulaner aus dem Jahr 1742, ein rotes Feld mit einem Kreuz mit den Buchstaben P.A. (Paulus Apostolus) ist darauf abgebildet. Zwischen 1770 und 1780 führten die Barnabiten verschiedene Umbauten durch. Die Hausfassade und sogar eine Hauskapelle (die Pauluskapelle) kamen vermutlich in den 1770er Jahren dazu. Das Gebäude wurde schließlich die Sommerresidenz der Mönche.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich die Wiener Niederlassung der Barnabiten 1920 aufgelöst und das Haus in der Gentzgasse wurde seinem Schicksal überlassen. Das Gebäude verfiel und die Hauskapelle wurde zum Müllraum, während die Sala Terena als Kellerlokal verwendet und der Garten bebaut wurde. In den südlichen Teilen des Gartens wurden zwei Haftzellen gebaut. Das, was davon übriggeblieben ist, erinnert daran, dass das Haus der Sitz der ehemaligen Gebietshoheit war. Es dauerte aber noch, bis die schwedische Kirche die Liegenschaft übernahm.
Gottesdienste mit den schwedischen Gesandten Bereits im 18. Jahrhundert hielten schwedische Gesandte in ihrer Residenz in Wien Gottesdienste ab. Im Jahre 1738 gibt es Aufzeichnungen, in denen Christoph Gerhard Suke aus Mecklenburg als gesandter Prediger erwähnt wird. Die schwedische Gemeinde war zu diesem Zeitpunkt sehr klein, aber dies änderte sich, als 1752 der schwedische Gesandte Nils Barck 200 Liederbücher für die Verwendung bei Gottesdiensten in seiner Residenz erhielt. Aus dem Tagebuch der Gräfin Franziska von Hohenheim ist zu entnehmen, dass es in den 1780er Jahren in der Nähe der Peterskirche im ersten Bezirk eine Kapelle gab, die von der schwedischen Gemeinde genutzt wurde. Der entsandte schwedische Prediger wohnte damals am Peterplatz 7 und es wird vermutet, dass die genutzte Kapelle der kleinen schwedischen Gemeinde in der Nähe dieser Adresse war.
Die schwedische Israelmission (SIM) und Seegasse 16 Im Jahre 1875 wurde der Verein der Israelmission begründet1934 in Schwedische Gesellschaft für Israel geändert.. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde beschlossen, neue Missionsgebiete in Europa zu suchen. Da die Lage in Russland und Rumänien zu unruhig war, kam die Entscheidung, die Hauptstelle der Mission nach Wien zu verlegen. Dort gab es eine große jüdische Bevölkerung und viele Juden passierten die Stadt auf ihrem Weg von Osteuropa nach Westen. Außerdem gab es zu dieser Zeit keine Missionstätigkeit dort. Im Oktober 1920 wurde aus diesem Grund der Missionar Johannes Ginsburg nach Wien entsandt. Im Februar 1921 folgten ihm die Lehrerin Anna Karlsson und ihre Schwester Martha Hellman. Sie arbeiteten vor allem mit Kindern und Frauen und im Sommer 1921 öffneten sie eine Kinderkolonie in Hadersfeld, im Wienerwald. Danach nahm der Wunsch eines eigenen Anwesens in Wien zu, und im November 1921 wurde ein Haus in der Klosterneuburgstrasse 69 im 20. Bezirk diskutiert. Der Kauf konnte doch nicht durchgeführt werden und die Suche lief weiter. Anfang 1922 schrieben die Wiener Missionare dem Verein in Stockholm, dass ein günstiges Haus gefunden wurde. Es gehörte einer Stiftung für die Unterstützung und Pflege von Jüdischen Waisenmädchen. Die Stiftung musste wegen finanzieller Probleme das Haus verkaufen. Der Kauf wurde mit gewissen Bedingungen geschlossen. Unter anderem wurde einer jüdischen Frau erlaubt, vier Abende in der Woche ein Zimmer für das Unterrichten von jüdischen Mädchen zu mieten. Mittwoch, 1. März 1922, war die Spannung groß. Die endgültige Verhandlung mit dem Verwaltungsrat der Stiftung fand an diesem Tag statt. Um 18 Uhr am selben Abend war es klar: SIM war nun im Besitz des Hauses in der Seegasse 16 im 9. Bezirk. Nach Stockholm wurde das Telegramm verschickt: „Preiset Gott. Haus gekauft. Grosse Freude.“
Die Tätigkeit nahm in den kommenden Jahren zu. 1936 kam das Pfarrerpaar Göte und Elsa Hedenquist in Wien anIn seinem Buch „Undan förintelsen – Svensk hjälpverksamhet i Wien under Hitlertiden“, schildert Göte Hedenquist seine Erfahrungen in Wien.. Eigentlich waren nur 6 Monate Aufenthalt geplant, nach einer kurzen Weile akzeptierte Göte aber einen Dreijahresvertrag Damit wurde das Ziel erreicht, einen schwedischen Pfarrer in der schwedischen Mission in Wien anzustellen. Zu den Aufgaben Hedenquists gehörten, außer seiner Arbeit bei SIM, einmal im Monat einen Gottesdienst für die in Wien wohnenden Skandinavier zu halten. Als die Tätigkeit wuchs, mussten die Lokale umgebaut werden. Die Entscheidung wurde getroffen, eine geräumige Kapelle einzurichten, den Keller in Räume für Jugendliche umzuwandeln und auch eine Zentralheizung zu installieren. Eine vermiete Wohnung sollte freigemacht werden, um als Unterkunft für Missionare genutzt werden zu können, und einige Lokale sollte Institutum Judaicum nutzen dürfen. Außerdem kauft SIM im Frühling 1936 durch eine exekutive Auktion eine Villa in der Hauptstraße 156 in Weidling. Das Gebäude hatte zwei Stockwerke mit 14 Zimmern, Bad, WC, Elektrizität und Gas. Dazu hörte ein großer Garten von 11 000 m² mit hunderten von Wein- und Obstbäumen. Das Sommerheim (später das Altersheim) wurde am Pfingstmontag eingeweiht und erhielt den Namen Schwedenheim.
Nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland im März 1938 erfuhr der damaligen Leiter der Mission, Pastor Friedrich Forell, dass er sich auf der schwarzen Liste der Gestapo befand, worauf er nach Schweden floh. Damit übernahm Göte Hedenquist die Führung der Mission in Wien. Nach einer Durchsuchung durch die SA und der Verhängung eines Versammlungsverbotes, flog Birger Pernow, der Leiter der SIM, von Stockholm nach Wien. Er und Göte Hedenquist trafen sich mit den Behörden und erfuhren den Grund der Durchsuchung: Wegen des Namens der Mission, Schwedische Gesellschaft für Israel, verdächtigten die Behörden, dass es ein jüdisches Unternehmen mit einer jüdischen Leitung sei. Nachdem dies aufgeklärt wurde, erhielt die Mission eine schriftliche Erklärung von den Behörden, dass sie nichts gegen die Mission und ihre Tätigkeit hatten. Versammlungen wurden wieder gestattet und die bei der Durchsuchung durch die Behörden konfiszierten Dokumente wurden zurückgegeben. Bald wurde auch das Taufverbot aufgehoben. 1939 wurde noch ein Pfarrer angestellt, Johannes Ivarsson. Er übernahm die Tätigkeiten von Hedenquist, als dieser im Jahre 1940 Wien verließ. Der Pfarrer Göte Kronvall mit seiner Frau Anna wurde 1939 nach Wien gesandt, um im Dienst der Israelmission zu arbeiten. Ihr Hauptaufgabe war das Retten von Juden, die unter den Nazis litten. Auch die Anzahl an Missionarinnen nahm zu. Beispielsweise kamen Greta Andrén von Göteborg 1934 und Anna-Lena Peterson von Alingsås 1938.
Nach dem Anschluss konzentrierte sich die Arbeit der Mission auf schon getaufte Juden. Sie wurden von den jüdischen Gemeinden nicht als Juden betrachtet und erhielten keine finanzielle und medizinische Hilfe von diesen, während sie von den Nazis immer noch als Juden angesehen wurden. Folglich befanden sie sich dazwischen. Die Arbeit der Mission drehte sich in dieser Zeit um das Organisieren des Empfanges von Hilfesuchenden, finanzielle Unterstützung, das Vermitteln von Unterkünften und die Hilfe beim Austeilen von Kleidung. Die Arbeit der Diakone umfasste auch Seelsorge und Hausbesuche. Die Mission organisierte auch Kantinen, Schulen und Krankenpflege. Sie half auch mit der Beschaffung von Visa. Die Hilfe war also auf zwei Arten: Unterstützungsarbeit für diejenigen, die blieben und Auswanderungshilfe. Die Mission versuchte mehr zu retten, als man konnte. Nicht selten scheiterte es aus finanziellen Gründen, denn die Mission hatte nicht die notwendigen finanziellen Mittel. Durch die schwedische Israelmission konnten aber etwa 3000 Personen (eine genaue Anzahl kann nicht festgestellt werden) unter der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Österreich gerettet werden.
1939 wurde das Sommerheim in Weidling in ein Altenheim umgewandelt, wo die Älteren der Gemeinde eine Unterkunft bekamen, als ihr Zuhause von den Nazis konfisziert wurde. Zeitweise war der Mangel an Essen groß, aber hilfsbereite Bauern versorgten das Heim mit Lebensmittel versorgt. Im Dezember 1939 wurde die Hilfstätigkeit mit Essensausgabe in der Seegasse erweitert. Etwa 50 Personen erhielten täglich ein kostenloses Mittagsessen. Jede Mahlzeit war auf Wunsch eines Spenders mit einer Andachtsstunde verbunden.
Nach dreieinhalb Jahren reisten Göte und Elsa Hedenquist im Jahre 1940 zurück nach Schweden. Die Leitung der Mission übernahm Johannes Ivarsson vom Göteborgstift. Im Jahr danach, am 15. Juni, wurde der letzte Gottesdienst in der Seegasse 16 gehalten und die meisten Mitarbeiter kehrten nach Schweden zurück. Danach wurde keine Gottesdienste durch die schwedische Israelmission mehr veranstaltet; die Tätigkeit war auf Hilfstätigkeit beschränkt. Schwester Anna Lena blieb noch einige Monate, um das neue Altersheim einzurichten, und um beim Umzug von Rentnern aus Währing zu helfen. Im November 1941 reiste Schwester Anna Lena nach Schweden und die Mission wurde geschlossen. Sie arbeitete dann in der Flüchtlingshilfe in Schweden, bis sie 1946 nach Wien zurückkehrte. Das Haus in der Seegasse wurde Kranken- und Altersheim. Der Kirchensaal wurde ein Krankensaal. Das Haus in Weidling wurde für Soziale Hilfstätigkeiten vermietet. Die Seegasse 16 kam unter die Verwaltung des schwedischen Konsulates.