mini|Hildegard Kwandt als erste Miss Germany, 1927 Miss Germany ist der Titel eines Wettbewerbs für Frauen in Deutschland. Von 1927 bis 2019 wurde er als Schönheitswettbewerb von mehreren, teils konkurrierenden Organisationen ausgetragen. Seit 2020 ist Miss Germany eine „Auszeichnung für Frauen, die Verantwortung übernehmen“.

Geschichte Bereits in den 1920er Jahren entschied ein deutsches Gericht, der Titel „Miss Germany“ könne nicht geschützt werden, weshalb jeder einen Wettbewerb veranstalten und die Gewinnerin so nennen durfte. In der Folge gab es 1928, 1931 und 1953 zwei Titelträgerinnen. In den 1950er Jahren sicherten sich jedoch die Feinstrumpfwerke Opal als Hauptsponsor eines Veranstalters die internationalen Lizenzen für die Miss Europe, Miss World und Miss Universe und damit quasi ein Monopol. Konkurrenz-Wettbewerbe wurden damit unattraktiv, da andere Veranstalter ihre Siegerinnen nicht zu internationalen Wettbewerben schicken konnten. Die Wahl Heidi Krügers durch die Hamburger Morgenpost blieb somit lange eine Ausnahme.

Dem Konkurs Opals folgte eine Phase des Niedergangs. 68er-Generation und Frauenbewegung protestierten gegen die „Fleischbeschau“ und das Interesse der Öffentlichkeit nahm ab. Erst Ende der 1970er Jahre fanden sich wieder finanzstarke Veranstalter, da die von Opal gehaltenen internationalen Lizenzen frei geworden waren. 1979 wurde in Rudi Carrells Show Am laufenden Band erstmals eine Miss Germany live im deutschen Fernsehen gewählt. Veranstalter war die Miss Germany Corporation (MGC) von Horst Klemmer aus Oldenburg, Conférencier der Ausscheidungen in den 1960er Jahren. MGC sandte die Siegerinnen zu den Wettbewerben der Miss World und Queen of the World.

1982 übernahm Klemmers Sohn Ralf die MGC-Geschäfte. Da zur gleichen Zeit der konkurrierende Event-Manager Erich Reindl erfolglos versucht hatte, den Titel für sich schützen zu lassen (was schon in den 1920er Jahren nicht gelungen war), konnte auch Ralf Klemmer keinen Schutz für den Titel beanspruchen, woraufhin erstmals wieder ein Konkurrenz-Wettbewerb stattfand. Von 1985 bis 1999 führten mehrere Organisationen konkurrierende Wettbewerbe durch, unter anderem die Miss Germany Company von 1985 bis 1991. Sie hielt zeitweilig die internationalen Konzessionen für Miss World, Miss Universe, Miss Europe und Miss International, weshalb sie ihre Siegerinnen bzw. Finalistinnen zu diesen Wettbewerben entsenden durfte. „Miss Europe 1991“ Susanne Petry ging daraus hervor, das Unternehmen aber 1992 in die Insolvenz.

1989 organisierte die Miss Germany Association von Detlef Tursies aus Bergheim bei Köln ihre erste Miss-Germany-Wahl. Deren Gewinnerinnen nahmen an Wahlen zur Miss Universe, Miss Europe und Miss Intercontinental teil. 1999 wurde auch über dieses Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet, während mit Yvonne Woelke aus Berlin noch eine dritte Miss Germany auftauchte und im Herbst 1999 die Model of Germany Productions in Wiesbaden „Miss Germany Nr. 4“ kürte. Tursies wich ab 2000 mit einem neuen Unternehmen auf den Titel Miss Deutschland aus, ebenso etliche weitere Veranstalter.

Ursache dieser Entwicklung war, dass es MGC 1999 gelungen war, beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt die Bezeichnung „Miss Germany“ europaweit als Marke eintragen zu lassen und sich so die alleinigen Rechte an entsprechenden Unternehmensnamen und Wettbewerben zu sichern. 2007 konnte MGV außerdem Titel für alle 16 Bundesländer („Miss Baden-Württemberg, Miss Bayern“ usw.) sowie fünf Regionen („Miss Mittel-, Nord-, Ostdeutschland“ usw.) als europäische Marken registrieren.

Seit 2014 arbeitet mit Max Klemmer auch der Enkel des Gründers für MGC. 2017 übernahm er dessen Geschäftsanteile und begann, die Ausrichtung der Veranstaltungen über den einfachen Schönheitswettbewerb hinaus zu entwickeln. So wird mittlerweile auf Wertungsdurchgänge in Bademode verzichtet, auch Mütter und verheiratete Frauen dürfen teilnehmen und es gibt keine Altersgrenze mehr.

Seit 2020 vergibt der einzige verbliebene Veranstalter Miss Germany Corporation (seit 2022 Miss Germany Studios) die Miss Germany Awards als „Auszeichnung für Frauen, die Verantwortung übernehmen“. Ab 2024 wird eine Bewerbungsgebühr erhoben. Bewerben können sich alle Frauen ab 18 Jahren und deutscher Staatsbürgerschaft in den Kategorien Founder, Mover und Leader (Gründerinnen sowie Frauen in traditionellen Männerberufen oder Führungspositionen).

Siegerinnen Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden keine Misswahlen abgehalten. Die NS-Regierung diffamierte sie als „jüdisch-bolschewistische Dekadenz“ und propagierte stattdessen die Wahl von (lokalen) Ernte-, Heide- und Weinköniginnen. Sie verbot der unmittelbar vorher gewählten Charlotte Hartmann die Teilnahme an der Wahl zur Miss Europe in Madrid. Diese fuhr dennoch heimlich dorthin. Der mondäne und glamouröse Frauentyp, der die nationalen und internationalen Misswahlen dominierte, entsprach überhaupt nicht der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie. Die Machthaber bemängelten, er verkörpere nicht das Volkstum, sondern lediglich eine städtische Elite, die sich international kaum voneinander unterscheide. So polemisierte die gleichgeschaltete Berliner Illustrierte Zeitung (1933, Nr. 24) anlässlich der Miss-Europe-Wahl von 1933 dagegen, dass man keiner der Kandidatinnen ansehen könne, welches Land oder Volk sie repräsentiere. Durch den Titelgewinn der Exilrussin Tatiana Marlow dürften sich die Rasse-Ideologen in ihrer Entscheidung bestätigt gefühlt haben, keine deutschen Teilnehmerinnen mehr zu internationalen Misswahlen zuzulassen. Vertretungsweise wählte das unter Verwaltung des Völkerbundes stehende Saargebiet bis 1935 eine Miss, die zu den internationalen Wettbewerben fahren durfte.

Auch in der DDR waren Misswahlen als „Erniedrigung und Ausbeutung der Frau durch den Kapitalismus“ verpönt. Ende der 1980er Jahre kam es dennoch zu Veranstaltungen in Ost-Berlin, die als Kulturabende getarnt wurden. Die Siegerinnen erhielten einen Kuchen als Preis. Die erste Misswahl fand unter großer Beteiligung von DDR-Prominenz aus Film, Fernsehen, Musik und Sport statt. Sie wurde von den Organen der Staatssicherheit argwöhnisch überwacht, aber doch toleriert. 1987 durfte bereits eine als Miss Berlin bezeichnete Miss Ost-Berlin anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt schärpengeschmückt an SED-Generalsekretär Erich Honecker vorbeiparadieren. Sogar das DDR-Fernsehen berichtete darüber. Es folgten Miss Frühling, Miss Sommer und im Februar 1990, im geöffneten Berlin, eine von den Medien viel beachtete Miss Berlin/DDR-Wahl, aus der Susanne Körbs als Siegerin hervorging. Träger einiger dieser Veranstaltungen waren verschiedene Kulturhäuser. Ende 1990 führte die MGC (siehe oben) die erste und einzige offizielle Wahl zur Miss DDR durch. Die Gewinnerin Leticia Koffke wurde wenige Monate später erste gesamtdeutsche Miss Germany.

In manchen Jahren fand keine nationale Miss-Wahl statt; die deutsche Vertreterin für internationale Wettbewerbe wurde dann aus den regionalen Siegerinnen ohne Endausscheidung bestimmt, so in den Jahren 1972 bis 1978. 1971 wurde sogar die Amtszeit von Irene Neumann um ein Jahr verlängert.

Miss Germany vor dem Zweiten Weltkrieg Miss Germany 1927 bis 1933 Jahr Name Ort der Wahl 1927 Hildegard Kwandt Berlin, Sportpalast 1928 Hella HoffmannMargarete Grow Berlin 1929 Elisabeth Rodzyn Berlin, Ballhaus Kroll 1930 Dorit Nitykowski (1) Berlin, Hotel Kaiserhof 1931 Ruth Ingrid Richard,Daisy d’Ora (2) Berlin, Hotel KaiserhofBerlin, Hotel Eden 1932 Liselotte de Booy (3) Berlin 1933 Charlotte Hartmann Berlin Anmerkungen (1) Dorit Nitykowski heiratete einige Monate später und musste ihren Titel zurückgeben. Es ist nicht bekannt, ob eine Nachwahl stattfand, die zweitplatzierte, Ruth Ingrid Richard, nachrückte oder das Amt vakant blieb. (2) Daisy d’Ora war ein Pseudonym; die Teilnehmerin hieß eigentlich Daisy Baronesse von Freyberg. (3) Die ursprüngliche Siegerin von 1932, Ruth Behnen aus Karlsruhe, musste ihren Titel aufgrund ihrer falschen Angaben zu ihrem Familienstand zurückgeben. Der zweitplatzierten Liselotte de Booy wurde in einer Nachwahl der Titel zugesprochen.Pilar Baumeister: „Bis morgen“ In: BoD, Norderstedt, 2015, S. 13. Bei der Miss Europe 1934 kandidierte die Deutsche Emma Kant, die nicht nur behauptete, „Miss Germany“, sondern obendrein eine Großnichte des Philosophen Immanuel Kant zu sein.Time Magazine vom 3. September 1934. Wie und wo sie sich qualifizierte, ist nicht dokumentiert. 1935 nahm Elisabeth Pitz aus Saarbrücken als deutsche Vertreterin an der Wahl zur Miss Europe teil. Sie hatte zuvor auch den Titel Miss France gewonnen, diesen nach tumultartigen Protesten der Mütter ihrer Konkurrentinnen aber nach zwei Stunden wieder zurückgegeben.

Miss Germany 1949 bis 1984 Miss Germany 1949 bis 1984: verschiedene Veranstalter Jahr Name Qualifiziert als Ort der Wahl Veranstalter 1949 Inge Löwenstein ? Bad Homburg, Kino Helipa Ronke 1950 Susanne Erichsen Miss Schleswig-Holstein Baden-Baden, Kurhaus Koebner 1951 Vera Marks ? Baden-Baden, Kurhaus Koebner 1952 Renate Hoy ? Baden-Baden, Kurhaus Stern 1953 Christel Schaack Miss Berlin Wiesbaden, Kurhaus Opal 1953/54 Heidi Krüger ? Hamburg, Ernst-Merck-Halle MoPo 1954 Regina Ernst rand|20px Miss Nordwestdeutschland Baden-Baden, Kurhaus Opal 1955 Margit Nünke Miss Nordrhein-Westfalen Baden-Baden, Kurhaus Opal 1956 Marina Orschel Miss Berlin Baden-Baden, Kurhaus Opal 1957 Gerti Daub Miss Hamburg Baden-Baden, Kurhaus Opal 1958 Marlies Behrens Miss Bayern Baden-Baden, Kurhaus Opal 1959 Carmela Künzel Miss Berlin Baden-Baden, Kurhaus Opal 1960 Ingrun Helgard Möckel rand|20px Miss Rheinland Baden-Baden, Kurhaus Opal 1961 Marlene Schmidt Miss Baden-Württemberg Baden-Baden, Kurhaus Opal 1962 Gisela Karschuck Miss Niedersachsen Travemünde, Kurhaus Opal 1963 Helga Carla Ziesemer Miss Bayern Travemünde, Kurhaus Opal 1964 Martina Kettler Miss Berlin Berlin, Hotel Hilton Opal 1965 Ingrid Bethke Miss Nordrhein-Westfalen Berlin, Hotel Hilton Opal 1966 Marion Heinrich Miss Nordrhein-Westfalen Berlin, Hotel Hilton Opal 1967 Fee von Zitzewitz Miss Schleswig-Holstein Berlin, Hotel Hilton Opal 1968 Lilian Atterer Miss Bayern München, Bayerischer Hof Opal 1969 Gesine Froese Miss Bayern München, Bayerischer Hof Opal 1970 Irene Neumann ? San Juan (Puerto Rico), Hotel Hilton Opal 1971 Irene Neumann — Amtszeit ohne Wahl verlängert Opal 1972 Heidi Weber Miss Bayern ohne Wahl ernannt Opal 1973 Ingeborg Martin ? München, Bayerischer Hof Beierlein 1974 Monja Bageritz rand|20px Miss Rheinland ohne Wahl ernannt Beierlein 1975 Marina Langner ? ohne Wahl ernannt ? 1976 Monika Schneeweis (ohne Vorwahl) Baden-Baden, Brenner’s Park-Hotel Kosmetik 1977 Dagmar Winkler Miss Bayern Baden-Baden, Kurhaus ? 1978 Monika Greis rand|20px Miss Süddeutschland ohne Wahl ernannt Winkler 1979 Andrea Hontschik Miss Berlin Bremen, Studio Radio Bremen Reindl 1980 Gabriella Brum Miss Berlin Berlin, ICC Reindl 1981 Marion Kurz Miss Bayern München, Hotel Hilton Reindl 1982 Kerstin Paeserack Miss Niedersachsen Palma de Mallorca (Spanien), Casino de Mallorca Reindl 1982 Monika Baier ? Nürnberg, Meistersingerhalle Rebensburg 1983 Angela Michel rand|20px Miss Franken Augsburg, Hotel Drei Mohren Rebensburg 1983 Loana Radecki Miss Berlin Badgastein (Österreich), Grand-Hôtel de l’Europe Reindl 1984 Brigitte Berx Miss Nordrhein-Westfalen Bad Mondorf (Luxemburg), Casino 2000 Reindl

Anmerkungen