mini|hochkant|St. Martin in Ballendorf mini|Innenraum (2008) Die evangelische Kirche St. Martin steht in Ballendorf, einer Gemeinde im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört seit 1385 zum Territorium der damaligen Reichsstadt Ulm. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Ulm und gehört seit 1. Januar 2026 zum Kirchenbezirk Ulm/Alb-Donau der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.

Geschichte und Baubeschreibung Die einfache mittelalterliche Chorturmkirche besteht aus einem Langhaus und einem Chorturm aus dem 13. Jahrhundert im Osten, der im Kern von einer Wehrkirche stammt. Im Norden des stark eingezogenen Chors befindet sich die Sakristei. Der Turm wurde später aufgestockt und quer mit einem Satteldach bedeckt. Das hohe Satteldach des Kirchenschiffs und die Kirchendecke werden von einem liegendem Dachstuhl mit doppeltem Bindergespärre und Hängesäulen getragen. Die Kirche wurde 1741 und dann 1885 durch den Ulmer Münsterbaumeister August Beyer im Innenraum renoviert und dabei zur Aufstellung einer höheren Orgel die Decke angehoben, „aufgesprengt“. Außerdem wurde der Chorbogen vergrößert und im Turmchor das Ostfenster farbverglast. Architekt W. Bauer und der Ulmer Restaurator A. Schwenk renovierten 1961 die Martinskirche.

Ausstattung Wandmalerei: An der nördlichen Langhauswand wurden 1961 Wandmalereien aus dem Zeitraum von 1370 bis 1380 entdeckt und freigelegt: Reste eines Jugend-Christi-Zyklus unter einem Tierfries.Bruno Kadauke: Wandmalerei der Gotik im südöstlichen Baden-Württemberg. Reutlingen 1991, S. 91 f.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder

Kanzel und Emporen: Die Holzkanzel mit Portal am Treppenfuß ist eine gute Schreiner- und Schnitzarbeit des späten 17. Jahrhunderts. Auch die beschrifteten Brüstungsbilder der vermutlich gleich alten West- und Nordempore sind von zum Teil beachtlicher Qualität. Der um 1700 gemalte Bilderzyklus setzt sich inhaltlich mit dem evangelischen Glaubensbekenntnis auseinander, die letzten drei Bilder zeigen Inhalte des Augsburger Bekenntnisses.

Glasgemälde: Christian Burckhardt jun. schuf 1885 (ursprünglich für das Chorfenster, 1989 versetzt) für das Südfenster ein Christus-Bildnis (Werkstatt C.H. Burckhardt & Sohn, München).Elgin Vaassen: Bilder auf Glas. Glasgemälde zwischen 1780 und 1870. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1997, S. 241ff.Elgin Vaassen u. a.: Die Herzoglich bayerische Hof-Glasmalerei C. H. Burckhardt & Sohn in München. Geschichte und Werke. Gemeinsam herausgegeben vom Verein Freunde von Kirche und Schloss zu Eisfeld e. V., der Stadt Eisfeld und Bertram Lucke. Eisfeld und Erfurt 2016. ISBN 978-3-00-053104-0.

Günther Späth, Ulmer Bildhauer, Grafiker und Maler, schuf 1989 ein neues Chorfenster. Sein Thema ist die Frage, wovon der Mensch lebt (Geschichten nach Lukas), von oben nach unten: ein Engel mit Tag- und Nachgestirn; Ähren und Schriftrollen-Inschrift „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ /; der fruchtlose Feigenbaum und der barmherzige Samariter ; drei Motive (Vierfaches Ackerfeld mit Sämann ; Bittender Freund und Anvertraute Pfunde ; zwei Szenen Emmaus ). Das Fenster wurde in der Glaswerkstatt Deininger (Ulm) gefertigt.

Ährenkranz: Hinter Glas erinnert ein Ährenkranz aus dem Jahre 1817 an die schwere Missernte des Jahres 1816 („Jahr ohne Sommer“).

Orgel: Die Orgel wurde 1885 als Opus 118 von der Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link errichtet. Sie umfasst sieben Register auf einem Manual und Pedal. Eine Restaurierung erfolgte 1982 durch die Erbauerfirma.Information zur Orgel auf orgbase.nl, abgerufen am 11. Oktober 2023

Literatur Hans Andreas Klaiber und Reinhard Wortmann: Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Ulm - Ehemaliges Oberamt Ulm ohne die Gemarkung Ulm (Die Kunstdenkmäler in Ba-den-Württemberg). Berlin 1978, S. 129–142

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Einzelnachweise

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