mini|Der deutsche Kampfpanzer Leopard 2A5 mini|M103 Kampfpanzer: Fahrer (1), Richtschütze (2), Ladeschützen (3+4), Kommandant (5)
Der Kampfpanzer (in der öffentlichen Wahrnehmung auch meist nur Panzer) ist das Hauptwaffensystem der Panzertruppe. Kampfpanzer sind die am stärksten gepanzerte und am flexibelsten bewaffnete Panzergattung und bilden am Anfang des 21. Jahrhunderts noch immer das Rückgrat der Landstreitkräfte.
Typischerweise sind Kampfpanzer gepanzerte Gleiskettenfahrzeuge mit einer Kanone als Hauptwaffe in einem rundum drehbaren Turm. Sie sollen einen möglichst guten Kompromiss aus Panzerung, Feuerkraft und Beweglichkeit darstellen. Ihre Aufgabe ist die Bekämpfung gegnerischer Panzer und befestigter Stellungen. Beim Kampf in urbanem Gebiet unterstützen sie auch häufig die Infanterie durch ihre Feuerkraft und ihren Panzerschutz. Bei modernen Panzern besteht die Besatzung in der Regel aus drei oder vier Mann. In der Wanne sitzt oder liegt im Allgemeinen der Fahrer. Im Turm befinden sich üblicherweise der Kommandant, der Richtschütze und – falls der Panzer keinen Ladeautomaten für die Kanone hat – ein Ladeschütze.
In der Wehrmacht wurde in der Regel die Bezeichnung Panzerkampfwagen (militärisch abgekürzt PzKpfw) verwendet.Fritz Hahn: Waffen und Geheimwaffen des Deutschen Heeres 1933–1945, Band 2, Dörfler Verlag GmbH, 2003, S. 15, ISBN 978-3-89555-128-4
Definition der OSZE Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff „Kampfpanzer“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt:
Geschichte Bis heute entwickelten sich die Panzer in einem Wettbewerb der drei Faktoren Panzerung, Bewaffnung und Mobilität; seit dem Zweiten Weltkrieg noch ergänzt um die Faktoren Führbarkeit und Verfügbarkeit. Mit der Entwicklung erster motorgetriebener Fahrzeuge entstanden auch an verschiedenen Orten Überlegungen für gepanzerte Gefechtsfahrzeuge. Diese waren aber überwiegend Radfahrzeuge und darum keine direkten Vorfahren moderner Kampfpanzer und keiner der Entwürfe konnte sich bis zum Ersten Weltkrieg durchsetzen. Unter den Bedingungen des Stellungskrieges wurden dann von britischer Seite die ersten Kampfpanzer auf Gleisketten entwickelt. Diese dienten nahezu ausschließlich der Infanterieunterstützung, die Bewaffnung war dementsprechend zur Bekämpfung von Infanterie, maximal noch von Feldbefestigungen, vorgesehen. Die Panzerung war auf einen Rundumschutz gegen Handwaffen ausgelegt und die Anforderungen an Mobilität lagen mehr im Bereich der Notwendigkeit, Gräben und Granattrichter überwinden zu müssen. Geschwindigkeit war nebensächlich. Die deutsche Seite beschränkte sich zunächst vor allem auf die Entwicklung infanteristischer Panzerabwehr, eigene Panzer kamen in diesem Krieg praktisch nicht mehr zum Einsatz. Die französischen Panzer waren zunächst wenig praxistauglich. Die leichten Panzer von Renault führten aber das bis heute gültige Konzept des rundum drehbaren Geschützturms ein. Eine Differenzierung der Panzertypen und die Entwicklung dazu passender Einsatzdoktrinen fand erst zwischen den Weltkriegen statt. Neben anderen Irrwegen setzten sich Multiturmpanzer nicht durch.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hingen die Westalliierten einer an die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges anknüpfenden Einsatzdoktrin für Panzer zur Unterstützung der Infanterie an. Die Sowjetunion hatte zwar zunächst wesentlich modernere Einsatztaktiken für Panzer entwickelt, die auch den Panzerbau entsprechend beeinflussten, diese aber im Zuge der stalinistischen Säuberungen wieder aufgegeben. Die Deutsche Wehrmacht war in der Entwicklung von Panzerfahrzeugen durch die Beschränkungen des Versailler Vertrages behindert. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bestand ein Großteil der Panzer aus Fahrzeugen, die technisch unterlegen waren, trotzdem gelangen aufgrund entsprechender Taktiken in der ersten Hälfte des Zweiten Weltkrieges einige spektakuläre Feldzüge, oft auch als Blitzkrieg bezeichnet.
Die im weiteren Verlauf des Krieges hauptsächlich eingesetzten mittleren Panzer wie der sowjetische T-34 oder der deutsche Panther waren richtungsweisende Entwürfe. Der T-34 hatte eine hervorragende Mobilität und durch günstige Neigung der Fahrzeugwände sehr gute Panzerwirkung bei einem relativ niedrigen Gewicht von etwa 30 Tonnen. Der Panther war ähnlich konzipiert, entsprach aber mit moderner Feuerleitung, Drehstabfederung, Drei-Mann-Turm usw. schon weitgehend den Nachkriegsmodellen. Die vor allem von der deutschen Wehrmacht auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges verfolgte Taktik des Einsatzes schwerer Panzer wie des Tiger oder Tiger II wurde nach schlechten Erfahrungen mit deren stark eingeschränkter Mobilität nach 1945 nicht mehr lange fortgeführt. Die in den 1960er Jahren erfolgte Ausmusterung des erst zehn Jahre zuvor in Dienst gestellten britischen Conqueror bestätigte die Richtigkeit der Abkehr vom Konzept schwerer Panzer.
Die im Koreakrieg sichtbar gewordene Überlegenheit mittelschwerer Panzer mit starker Feuerkraft im Bewegungskrieg führte zur Weiterentwicklung dieser Kampfpanzer. Hier zeichnete sich besonders der britische Centurion aus, der bis 1966 den Conqueror in der britischen Armee verdrängte. Er gilt als Prototyp des modernen Main Battle Tank. Dieser englische Begriff kam mit dem Erfolg dieses Typs auf. In dieser Zeit setzte sich das Konzept des „modernen Kampfpanzers“ durch, womit auch eine Reduzierung der Bandbreite an Kampfpanzermodellen einherging. Im Englischen schlug sich dies im Ausdruck Main Battle Tank, kurz MBT (wörtlich übersetzt: Hauptkampfpanzer), nieder. Der Begriff trägt dem Umstand Rechnung, dass die Trennung zwischen den Konzepten von leichten, mittleren und schweren Kampfpanzern zugunsten eines universellen Allzweckpanzers weitgehend entfällt.
In den Auseinandersetzungen im Nahen Osten, etwa 1967 auf ägyptischer Seite im Sechstagekrieg gegen Israel, zeigten die schweren Panzer wie der sowjetische IS-3 im Kampfeinsatz ihre Unzulänglichkeiten, wobei diese Panzer freilich zu dieser Zeit schon technisch überholt waren. Ähnlich erging es dem letzten schweren sowjetischen Panzer, dem T-10. Dieser geriet ab Ende der 1960er Jahre gegenüber dem moderneren und leichteren T-64 sowohl technisch als auch in puncto Feuerkraft immer mehr ins Hintertreffen und wurde um 1973 aus dem aktiven Einsatzbestand genommen. Damit hatten sich die Main Battle Tanks in der Nachfolge der mittleren Panzer endgültig bei beiden Machtblöcken – NATO und Warschauer Pakt – etabliert.
Den leichten Panzern blieb noch die Rolle der Aufklärung auf dem Gefechtsfeld. Sie wurden später jedoch durch Schützenpanzer, Panzerwagen oder Radpanzer ersetzt, die noch kostengünstiger waren. Diese besitzen heute eine Bewaffnung und Mobilität, die früheren leichten Panzern überlegen ist. Nach der Ausmusterung des US-amerikanischen M551 Sheridan ist der Stingray II einer der letzten noch im Dienst befindlichen leichten Kampfpanzer; sein einziger Nutzerstaat ist Thailand.
In den letzten 25 Jahren ist das Gewicht der Kampfpanzer bedingt durch immer stärkere Panzerungen und größere Kanonen enorm gestiegen. Verschiedene aktuelle Typen wiegen um die 70 Tonnen, was in etwa der Gewichtsklasse der ursprünglichen schweren Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg entspricht. Aus diesem Grund werden heute die modernen Kampfpanzer immer häufiger als schwere Kampfpanzer bezeichnet, obwohl sie entwicklungsgeschichtlich von den mittleren Panzern abstammen. Sie weisen dabei jedoch durch die entsprechend weiterentwickelte Antriebstechnologie und durch die mechanische Zuverlässigkeit nicht die Mängel der früheren schweren Panzer auf.
Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Wandlung des Schlachtfeldes von offenem, panzergünstigem Gelände zu Einsätzen in unwegsamem Gelände steht die Daseinsberechtigung immer mehr in Frage, und die Zahl der einsatzbereit gehaltenen Einheiten wurde wesentlich verringert. Setzen Staaten wie China, Indien oder Südkorea nach wie vor auf starke Panzerverbände, so ändern sich die Anforderungen der NATO-Staaten zu luftverladbaren, schnellen Einsatzverbänden mit entsprechenden Fahrzeugen. Aufgrund ihrer hohen Stoßkraft, Durchsetzungs-, Durchhalte- und Wirkfähigkeit sind sie jedoch noch immer ein fester Bestandteil jeder Landstreitmacht im weiter gültigen Konzept „Gefecht der verbundenen Waffen“. So sind Kampfpanzer bei Friedensmissionen (Peace Support Operation) ein Druck- und Ordnungsmittel im Rahmen der Show of Force, dem Zeigen der militärischen Stärke gegenüber den Konfliktparteien. Beim Kampf in bebautem Gelände und im Häuserkampf bieten Panzer durch ihre Panzerung und Bewaffnung Schutz und Feuerkraft für die primär kämpfende Infanterie und begleitende Unterstützungseinheiten, sind aber in hohem Maß durch die kurzen Kampfentfernungen und Panzerabwehrhandwaffen des Gegners gefährdet. Die meisten Verluste an amerikanischen Kampfpanzern während des letzten Golfkrieges entstanden beim Kampf in urbanen Gebieten.
Technik Mobilität und Antrieb Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zwar auf Geländegängigkeit grundsätzlich Wert gelegt, jedoch wurden auch Panzertypen mit extrem verstärkter Panzerung auf Kosten der Mobilität eingeführt. Zum Teil lag dies an konzeptuellen Vorgaben (Infanteriepanzer), oft aber auch schlicht daran, dass entsprechend leistungsstarke Motoren nicht verfügbar waren. Bis in die Gegenwart besitzen Kampfpanzer eine hohe Mobilität. Das Verhältnis von Motorleistung und Masse liegt bei modernen Panzern über 20 PS/t. Automatische Schalt-/Lenkgetriebe mit hydraulischer Wandlung sind heute Standard. Die Reichweite eines Kampfpanzers in leichtem Gelände liegt dabei heute meistens bei 400 bis 500 km, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs waren es oft nur 150 km. In manchen Fällen, wie etwa beim deutschen Leopard 2, liegt die erreichbare Geschwindigkeit auf Straßen in Bereichen, die früher nur Radfahrzeuge erreichten (über 70 km/h). Die Fahrleistungen im Gelände erreichen dabei heute die Grenze der physischen Belastbarkeit der Besatzung bei Panzern mit Drehstabfederung.
Die ersten Panzer wurden von Benzin- oder Petroleummotoren als Reihen-, V- oder auch Sternmotor angetrieben. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs zeigte sich die Überlegenheit des Dieselmotors; bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dominierten aber aus verschiedenen Gründen noch Benzinmotoren. Mit der Weiterentwicklung des Panzerbaus ist der Dieselmotor im 21. Jahrhundert der vorherrschende und am weitesten entwickelte Antriebstyp für Panzerfahrzeuge. Anfänglich in Bezug auf sein Gewicht noch leistungsschwach, hat er sich zum aufgeladenen Hochleistungsdiesel gewandelt. Oft ist er als Vielstoffmotor ausgelegt, um die Treibstoffversorgung zu vereinfachen.
Ein weiterer Antriebstyp ist die Gasturbine, wie sie beim US-amerikanischen M1 Abrams, dem sowjetischen T-80 und als hybrider Mischantrieb (Diesel und zusätzliche Gasturbine) beim Stridsvagn 103 Verwendung findet. Im Gegensatz zum Dieselmotor ist diese Antriebsform bei gleicher Leistung leichter. Dabei entsteht allerdings ein wesentlich höherer Kraftstoffverbrauch, was die Reichweite des Fahrzeugs einschränkt und logistische Probleme in der Treibstoffnachführung verursacht. Die Nachteile des hohen Treibstoffverbrauchs der beiden Triebwerksarten im Leerlauf und die Tatsache, dass die benötigte Energie zum Aufrechterhalten der Systeme eines Kampfpanzers beim längeren Verweilen in Stellungen oder beim Beobachtungshalt von den Batterien nur über eine unzureichend kurze Zeit gedeckt werden kann, versucht man mit zusätzlichen Stromerzeugern zu lösen. Die Hilfsmotoren senken so neben dem Treibstoffverbrauch auch die Infrarotsignatur und reduzieren die Geräuschentwicklung.