Egestorf ist eine Gemeinde im Landkreis Harburg in Niedersachsen.

Geografie Geografische Lage Egestorf liegt am Ostrand des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Hanstedt an und befindet sich im Süden der Metropolregion Hamburg. Sie wird von der Schmalen Aue und einigen ihrer Nebenbäche durchflossen. Die Schmale Aue ist in Sudermühlen zu einem Mühlenteich aufgestaut. Im Ortsteil Evendorf liegt die Schwindequelle.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Egestorf gehören die Ortsteile Egestorf, Döhle, Evendorf, Sahrendorf und Schätzendorf, die Waldsiedlung Egestorf sowie die Gehöfte Sudermühlen, Wiedsal, Brocken und Tiesenberg.

Nachbargemeinden Hanstedt (Nordheide) Garlstorf Gödenstorf Soderstorf Bispingen Undeloh

Geschichte In der jetzigen politischen Gemeinde Egestorf können noch heute die bronzezeitlichen Grabhügel besichtigt werden. In der nachfolgenden Zeit wurden hier die Langobarden und die aus Südskandinavien kommenden Völker des Sachsenverbandes sesshaft. Egestorf wurde 1252 erstmals urkundlich erwähnt (Urkunde Nr. 433 des Verdener Urkundenbuches als Edestorpe). Der Ortsteil Döhle ist urkundlich mit ursprünglich sieben Ursiedlungshöfen 1135 nachzuweisen. Die Egestorfer Kirche wurde 1419 verselbstständigt und 1447 von der Kirche Salzhausen abgelöst. Im Jahr 1567 wurde zum ersten Mal das Bestehen einer Schule erwähnt und die noch heute bestehende Fachwerkkirche St. Stephanus wurde 1645 errichtet. 1888 wurde in Egestorf die erste Spar- und Darlehnskasse im Lüneburger Land gegründet. Der Kriegerverein, heute Schützenverein, wurde 1902 gegründet. 1906 wurde die Bahnlinie Winsen–Egestorf eingeweiht und 1910 gründeten sich die Freiwillige Feuerwehr sowie der Männerturnverein (MTV). 1921 war das gesamte Dorf mit Strom versorgt, die katholische St.-Marien-Kirche wurde 1964 gebaut. Seit 1972 bildet Egestorf mit Döhle, Evendorf, Sahrendorf und Schätzendorf eine Einheitsgemeinde.

Eingemeindungen Durch die Gemeindereform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Döhle, Egestorf, Evendorf und Sahrendorf zur Gemeinde Egestorf zusammengeschlossen.Gebietsreform im Raum Harburg Als Teil der Samtgemeinde Hanstedt wurden viele Verwaltungsaufgaben auf diese übertragen. Die Gemeinde Egestorf selbst ist heute auf ihrem Gebiet ausschließlicher Träger der öffentlichen Aufgaben. Dazu gehört die Aufstellung von Bebauungsplänen, die Wirtschaftsförderung – auch Tourismus – und die Herstellung und Unterhaltung der gemeindlichen Straßen und Fußwege einschließlich Beleuchtung und Entwässerung.

Die Gemeinde ist aber auch zuständig für die Heimat- und Denkmalpflege inklusive des Gemeindearchivs sowie die Herstellung und Unterhaltung der gemeindlichen Dorfgemeinschaftshäuser, Festhallen, Spiel- und Bolzplätze.

Einwohnerentwicklung

Ortsteil Ew.1961 Ew.1970 Ew.2010 Ew.2015 Döhle 211 230 348 327 Egestorf 845 887 1217 1342 Evendorf 324 278 355 343 Sahrendorf 444 464 275 264 Schätzendorf ? ? 246 254 Gesamt 1824 1859 2441 2530

Die Ergebnisse von 1961 und 1970 sind die jeweiligen Volkszählungsergebnisse in den damaligen Gemeinden. Die Angaben für Schätzendorf sind in denen von Sahrendorf enthalten.

Naturschutz

Der Naturschutz ist in Egestorf schon seit vielen Jahren ein wichtiges Thema. So hat das Engagement des Heidepastors Wilhelm Bode (1860–1927), der viele Jahre in Egestorf lebte und wirkte, mit dazu beigetragen, dass zum ersten Mal in Deutschland nach dem Vorbild amerikanischer Nationalparks eine große Fläche unter Naturschutz gestellt wurde. Pastor Bode wurde so, wie vor ihm schon Heinrich von Dechen (1800–1889) im Rheinland, zu einem der großen deutschen Naturschutzpioniere. Der Pastor-Bode-Weg ist sein Vermächtnis. Er ist rund sieben Kilometer lang und führt von Egestorf nach Wilsede durch schönste Heideflächen. Noch heute besuchen sehr viele Gäste das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, welches im Osten an die Gemeinde Egestorf grenzt.

Als Anfang 1945 die Reichsstelle für Naturschutz in Berlin ausgebombt wurde, begann von Egestorf aus mit dem damaligen Leiter Hans Klose (1880–1963) der Neuanfang des deutschen Naturschutzes nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1952 befand sich in Egestorf die Zentralstelle für Naturschutz und Landschaftspflege, bis sie als Bundesanstalt für Naturschutz und Landschaftspflege nach Bonn-Bad Godesberg verlegt wurde, aus der das heutige Bundesamt für Naturschutz hervorging.

Politik

Wahlkreise Die Gemeinde Egestorf gehört zum Landtagswahlkreis 50 Winsen und zum Bundestagswahlkreis 37 Harburg.

Gemeinderat Der Gemeinderat, der am 11. September 2021 gewählt wurde, setzt sich wie folgt zusammen: CDU 5 Sitze Grüne 1 Sitz FDP 1 Sitz UWE 5 Sitze Rieckmann 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021)

Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Christian Sauer UWE wurde vom Gemeinderat in seiner konstituierenden Sitzung am 3. November 2021 gewählt.

Wappen und Flagge Blasonierung: In Rot in silberner Glockenturm neben einem silbernen Kirchenschiff. Im Schildfuß wachsend fünf goldene gestielte Ähren. Flagge: Die Gemeindeflagge zeigt in gleich breiten Querstreifen oben die Farbe Gelb und unten die Farbe Weiß, die historischen Farben der Welfen. In der Mitte befindet sich das Gemeindewappen. Das Wappen zeigt die St.-Stephanus-Kirche mit dem getrennt stehenden Glockenturm und symbolisiert mit den fünf Ähren die zur Gemeinde gehörenden Orte Egestorf, Döhle, Evendorf, Sahrendorf und Schätzendorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.6|Denkmal für den „Heidepastor“ Wilhelm Bode

Sehenswürdigkeiten Egestorf ist mit seinen Fachwerkhäusern und Baumbeständen ein touristisches Ziel. Von Döhle, Egestorf und Sahrendorf/Sudermühlen aus hat man Zugang zu einem Wander-, Fahrrad-, Kutschen- und Reitwegenetz durch das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit kilometerweiten Heideflächen, Wäldern und Wiesen. Diese Wege ermöglichen den Zutritt in eine naturbelassene Landschaft. Das Egestorfer „Dorfmuseum“ mit ständiger Bilderausstellung und vorgeschichtlicher Sammlung und lokalem Archiv befindet sich im Dresslers Hus aus dem Jahre 1827 und wird betreut vom Heimatverein Egestorf.

St. Stephanus

mini|St. Stephanus-Kirche mini|Hochaltar mini|Luther-Denkmal In der Ortsmitte von Linden umgeben steht die St.-Stephanus-Kirche aus dem Jahr 1645. 1337 wird eine hölzerne Kapelle genannt. Sie ist ein Fachwerkbau auf Feldsteinsockel mit einem separat stehenden hölzernen Glockenturm von 1404. Ein Altaraufsatz im Innern aus dem Jahr 1659 ist mit Statuetten und Bildern geschmückt. Das in der Mitte eingefügte Altarbild mit einer Kreuzigungsgruppe ist einem gotischen Schnitzaltar entnommen. Darüber befindet sich eine Abbildung der Ehernen Schlange. An der Südseite des Chorraumes befindet sich ein Epitaph für die 1701 verstorbene Maria Höfftin, Angehörige der Posthalterei im Ortsteil Sahrendorf.gemeindeblatt-egestorf.de: Dieser besteht aus einer Auferstehungsszene von Christus und trauernden Jungfrauen. Darüber ist ein Portraitmedaillon der Verstorbenen zu sehen. An der Nordseite des Chores hängt eine Abbildung des Abendmahls nach Leonardo da Vinci. Im Chor sind Bilder der Propheten und der Aposteln. Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1616 Die Sakramentsnischentür aus der Altarrückwand mit einer Tafelmalerei um 1450 befindet sich im Pfarrhaus. Darauf sind zwei Engel abgebildet, die eine Monstranz tragen.Dr. Dieter Brosius in: HB-Kunstführer Lüneburger Heide, HB-Verlags- und Vertriebsges., Hamburg, 1988, S. 78 Die Orgel stammt von Phillip Furtwängler aus dem Jahr 1867.kirchenkreis-winsen.de: Altarwangen und Taufbecken sind neugotische Schnitzereien aus dem Jahr 1905.

Auf dem alten Egestorfer Friedhof (ca. 200 m entfernt) befindet sich der Philosophische Steingarten. Neben dem Lutherdenkmal von Knud Knudsen 1988 stehen dort eine Vielzahl von Steinskulpturen mit philosophischem Hintergrund.heidekirchen.de:

Gehöft Sudermühlen und Wassermühle Sudermühlen ist ein Ortsteil der Gemeinde Egestorf und liegt am Nordrand des Naturparks Lüneburger Heide. Das Gehöft entstand an einer historischen Wassermühle, die am Flusslauf der Schmale Aue errichtet wurde. Die Sudermühle, deren Mühlrad noch heute funktionsfähig ist, gilt als kulturhistorische Sehenswürdigkeit der Region und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Die umgebende Sudermühler Heide ist geprägt von typischer Heidelandschaft mit Wacholderbüschen und Eichenbäumen. Von Sudermühlen aus führen mehrere markierte Wanderwege, unter anderem in das nahe gelegene Naturschutzgebiet Lüneburger Heide.

Im Ortsteil Sahrendorf befindet sich der Heinshof, ein Reiterhof, der urkundlich auf das Jahr 1540 zurückgeht und damit zu den ältesten erhaltenen Hofanlagen der Lüneburger Heide zählt. Das denkmalgeschützte Niedersachsen-Hofensemble wird heute als Reit- und Urlaubsbetrieb sowie als landwirtschaftlicher Betrieb mit Pferdezucht geführt und bietet Reitunterricht, geführte Ausritte sowie Ferienwohnungen an. mini|Heinshof in Sahrendorf, gegründet 1540

Sport Das vom Förderverein Waldbad Egestorf unterstützte vollbiologische Naturerlebnisbad (Aquadies) sorgt mit offenen Bio-Kieselfiltern für eine amtlich kontrollierte Wasserqualität. Heute fördern rund 1.000 Mitglieder den Verein, der zum Erhalt des Naturerlebnisbades einen wesentlichen Beitrag leistet. In Egestorf gibt es zwei Vereine, die sportliche Aktivitäten anbieten. Zum einen der Sportverein MTV Egestorf e. V., der im Jahr 2010 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat. Die 1. Herren-Fußballmannschaft des MTV Egestorf spielt derzeit in der Bezirksliga Lüneburg. Zum anderen wird beim Schützenverein Egestorf e. V. Sportschießen und Bogenschießen angeboten.

Parks und Naherholung Naturschutzgebiet Lüneburger Heide Barfußpark Egestorf Aquadies, ein Freibad, das beim Barfußpark liegt Pastor Bode Park

Friedhöfe in der Gemeinde Egestorf Friedhof Egestorf Der Friedhof befindet sich in der Waldsiedlung und ist mit einer Kapelle ausgestattet. Er ist der größte in der Gemeinde Egestorf. Für den Friedhof ist die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Stephanus in Egestorf zuständig. Friedhof Evendorf Der Friedhof liegt im Ortsteil Evendorf. Ein kleiner Friedhof mit einer eigenen Kapelle. Die Samtgemeinde Hanstedt verwaltet diesen örtlichen Friedhof. Friedhof Sahrendorf Der Friedhof liegt im Ortsteil Sahrendorf. Die Verwaltung des Friedhofs obliegt der Samtgemeinde Hanstedt.

Brauchtum In Egestorf gibt es einen Sportverein, einen Heimatverein, zwei Schützenvereine, drei Freiwillige Feuerwehren, zwei Faslams- und zwei Männergesangsvereine, einen Landfrauenverein, einen Reit- und Fahrverein sowie einen Theaterverein. Der Theaterverein, „De Ebendörper Immenschwoorm“ aus dem Ortsteil Evendorf, spielt jedes Jahr um Ostern ein Plattdeutsches Lustspiel. Zum Winterausklang wird in Sahrendorf / Schätzendorf und in Evendorf Faslam gefeiert. Die Schützenfeste finden im Juli statt, der Heimatverein veranstaltet Plattdeutsche Runden. Ein Weihnachtsmarkt an der St.-Stephanus-Kirche findet am 3. Advent statt. Ende Oktober findet der Egestorfer Herbstmarkt statt.

In der Gemeinde Egestorf wird neben dem Hochdeutsch traditionell ein plattdeutscher Nordniedersächsischer Dialekt, das Heidjer Platt gesprochen. Heimat- und Theaterverein tragen mit ihren regelmäßigen plattdeutschen Veranstaltungen zu seiner Erhaltung bei. Nachfolgend eine Liste mit den hoch- und plattdeutschen Formen der Ortsnamen:

Hochdeutsch Plattdeutsch Döhle Döhl Egestorf Äsdörp Evendorf Ebendörp Sahrendorf Sohrndörp Schätzendorf Schätzendörp

Religion Evangelisch-Lutherische Kirche Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Stephanus in Egestorf gehört dem Kirchenkreis Winsen der Landeskirche Hannover an. Neben dem sonntäglichen Gottesdienst werden auch regelmäßige Veranstaltungen wie Jugendtreff, Pfadfinder, Gitarrengruppe oder Posaunen- und Kirchenchor angeboten.

Katholische Kirche mini|Katholische Kirche