Franz Anton Beckenbauer (* 11. September 1945 in München; † 7. Januar 2024 in Salzburg) war ein deutscher Fußballspieler, -trainer und -funktionär. Er gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Fußballs und als einer der besten Fußballer des 20. Jahrhunderts. Bereits früh erhielt er den Spitznamen „Kaiser“ und wurde häufig als „Lichtgestalt des deutschen Fußballs“ bezeichnet. Auf seiner Position des Libero setzte Beckenbauer mit seiner offensiven und leichtfüßigen Spielweise Maßstäbe.
Beckenbauer stieß 1959 als Jugendspieler zum FC Bayern München, wo er 18 Jahre blieb und maßgeblich zum Aufstieg des Vereins als erfolgreichster deutscher Fußballclub beitrug. Als Spieler reifte er zum Mannschaftskapitän und gewann mit dem FC Bayern national sowie international die wichtigsten Titel im Vereinsfußball. Seine Karriere ließ er bei New York Cosmos und beim Hamburger SV ausklingen.
Seine größten sportlichen Erfolge feierte Beckenbauer mit der deutschen Nationalmannschaft, deren Kapitän er ab 1971 war. Nach dem Gewinn der Fußball-Europameisterschaft 1972 führte er die Nationalmannschaft zum Titel der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land. Von 1984 bis 1990 war er als Teamchef tätig und führte die DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft 1990 auch als Trainer zum WM-Titel.
Er ist neben Mário Zagallo und Didier Deschamps der einzige, der sowohl als Spieler als auch als Trainer Weltmeister wurde. Nach seinem Rücktritt als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft konzentrierte sich Beckenbauer verstärkt auf seine Funktionärslaufbahn, kehrte aber zwischenzeitlich bei Olympique Marseille und dem FC Bayern München für kurzfristige Engagements auf die Trainerbank zurück.
Beckenbauer war von 1994 bis 2009 Präsident des FC Bayern München. 2009 wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt. Zudem war er Präsident des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG. Von 1998 bis 2010 gehörte er als einer der DFB-Vizepräsidenten dem DFB-Präsidium an und war von 2007 bis 2011 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees.
Der Spiegel machte im Oktober 2015 Korruptionsvorwürfe gegen Beckenbauer im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 publik, die ihn in die Kritik brachten. In den letzten Jahren seines Lebens hatte er sich, gesundheitlich angeschlagen, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Privatleben mini|Im 4. Stock des Hauses Bonifatiusplatz 2 in München-Giesing (später in Zugspitzstraße 6 umbenannt) wuchs Franz Beckenbauer auf. Unmittelbar gegenüber (im Bildvordergrund) liegt der Sportplatz des SC München von 1906 (hier war der St. Bonifatiusplatz). Franz Anton Beckenbauer wurde 1945 als zweiter Sohn des mittleren Postbeamten und gelernten Maschinenschlossers Franz Beckenbauer (1905–1977) und dessen Frau Antonie Hupfauf (* 23. Juni 1913; † 11. Januar 2006) in der Maxvorstadt in München geboren und wuchs gemeinsam mit seinem 1941 geborenen Bruder Walter Beckenbauer in München-Giesing auf.
Es war die Mutter und Hausfrau Antonie Beckenbauer – so Walter Beckenbauer –, die die Erziehung in die Hand genommen hatte. Ihre Maxime sei gewesen: Es zähle nur der Mensch, es zähle nicht die Hautfarbe, die Konfession, die sexuelle Neigung etc.https://www.ardmediathek.de/video/beckenbauer/beckenbauer-legende-des-deutschen-fussballs/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzg4NGI1NjhhLThlOTItNDJlNC1hNGZkLWE3Yzg1ODYyYzNjOQ Die Mutter war ein gläubiger Mensch und bis ins hohe Alter regelmäßige Kirchgängerin. Sie vermittelte den Kindern christliche Werte und den katholischen Glauben. Franz Beckenbauer war in der Folge Messdiener in der Pfarrei der Heilig-Kreuz-Kirche in München-Obergiesing und machte auch bei der Katholischen Jugend mit.Georg Gänswein: Benedikt XVI. Prominente über den Papst. Illertissen 2012 S. 12Florian Kinast: Mensch, Kaiser! Franz Beckenbauer: Lichtgestalt mit Schattenseiten. Köln September 2023, S. 14–18.
Beckenbauer besuchte mit sechs Jahren zuerst die Volksschule an der St.-Martin-Straße und nach zwei Jahren die Volksschule Silberhorn (später aufgegangen in der Ichoschule) in München-Obergiesing und machte dort seinen Hauptschulabschluss. Danach absolvierte er ab 1959 eine Berufsausbildung als VersicherungskaufmannWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 65. bei der Allianz Versicherungs AG in München. Als Versicherungskaufmann war er dort zunächst auch tätig, allerdings verhinderte diese Vollzeit-Berufstätigkeit ein umfangreicheres Fußball-Training, so dass er sich für den Fußball entschied.Franz Beckenbauer Dirigent im Mittelfeld. 1968 Copress Verlag München S. 15+25+44 Sein Onkel Alfons Beckenbauer war ebenfalls für den FC Bayern München aktiv und Spieler der deutschen Arbeiternationalmannschaft.
Beckenbauer wohnte in den 1960er Jahren in München-Solln und ab 1971 in Grünwald. 1977 verlegte er seinen Wohnsitz aus steuerlichen Gründen nach Sarnen im Schweizer Kanton Obwalden. Ab 1982 lebte er im österreichischen Oberndorf in Tirol (im Bezirk Kitzbühel) und ab 2005 im Salzburger Stadtteil Parsch, während er beruflich nach wie vor in Deutschland tätig war. Beckenbauer war Golfspieler, nach ihm ist der Beckenbauer Golf Course bei Bad Griesbach benannt, der von 2013 bis 2017 Austragungsort der PGA European Tour war.
Beckenbauer war dreimal verheiratet und Vater von fünf Kindern. Aus einer kurzen Liaison mit der Versicherungsangestellten Ingrid Grönke stammt ein Sohn (* 1963). Aus der Ehe (1966–1990) mit der Ingolstädter Sekretärin Brigitte Wittmann (1945–2021) stammen zwei weitere Söhne (* 1966, * 1968); der jüngere Sohn Stephan war Fußballprofi und starb 2015. Von 1977 bis 1988 war Beckenbauer mit der Fotografin Diana Sandmann zusammen. Die Ehe mit der DFB-Sekretärin Sybille Weimer dauerte von 1990 bis 2002. Mit Heidrun Burmester, Sekretärin des FC Bayern, die er Ende der 1990er Jahre kennengelernt hatte und mit der er ab 2006 verheiratet war, bekam er einen weiteren Sohn (* 2000) und eine Tochter (* 2003).
Franz Beckenbauer hatte in seinen letzten Lebensjahren gesundheitliche Probleme. 2016 wurden ihm bei einer Herzoperation sechs Bypässe gelegt, und ein Augeninfarkt ließ ihn 2019 auf dem rechten Auge nahezu erblinden. Beckenbauer, der nach Auskunft von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zuletzt an der Parkinson-Krankheit litt, starb am 7. Januar 2024 im Alter von 78 Jahren im österreichischen Salzburg. Er wurde im Grab seiner Eltern auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München beigesetzt., aktualisierte Fassung: Sein 2015 verstorbener Sohn Stephan liegt schräg gegenüber in einem anderen Grab. mini|Grab von Franz Beckenbauer auf dem Friedhof am Perlacher Forst (vor Umgestaltung) Am 19. Januar 2024 veranstaltete der FC Bayern in der Münchner Allianz Arena eine groß angelegte Gedenkfeier, an der neben dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der eine Trauerrede hielt, eine Vielzahl Sportler, Weggefährten und Freunde Beckenbauers, Politiker, Künstler und rund 20.000 weitere Trauergäste teilnahmen.„Mia san Franz“ – Emotionaler Abschied von Franz Beckenbauer. br.de, 19. Januar 2024, abgerufen am 20. Januar 2024.
Werdegang Vereinslaufbahn Jugend (bis 1964) Beckenbauer lernte das Fußballspielen beim SC 1906 München, dessen Vereinsgelände im Stadtteil Giesing in unmittelbarer Nähe seines Elternhauses liegt. Als 12-Jähriger plante er 1958 den Wechsel zum TSV 1860 München. Als er während eines Spiels gegen eben jenen Verein mit dem Gegenspieler Gerhard König aneinandergeriet und dieser ihm eine Ohrfeige gab, änderte Beckenbauer seine Pläne und wechselte stattdessen zum FC Bayern München.
FC Bayern München (1964 bis 1977) mini|hochkant|„Kaiser“ Franz im Trikot des FC Bayern (1973) Im Alter von 18 Jahren debütierte Beckenbauer in der ersten Mannschaft des FC Bayern am 1. Spieltag der Aufstiegsrunde zur Bundesliga (6. Juni 1964) gegen den FC St. Pauli. Das Spiel endete 4:0, und Beckenbauer erzielte dabei sein erstes Pflichtspieltor.
1964 begann die langjährige Zusammenarbeit mit seinem Manager Robert Schwan.
Als Linksaußen oder im Mittelfeld spielte er in seiner ersten Saison in der Regionalliga Süd 1964/65 ab dem 8. Spieltag in der Stammformation des FC Bayern. Am 20. September 1964 erzielte er mit dem 4:1 und 5:1-Endstand gegen den ESV Ingolstadt-Ringsee seine ersten Regionalliga-Tore; insgesamt gelangen ihm 16 Tore, davon fünf per Elfmeter. Am Ende der Saison belegte Bayern München mit 55:17 Punkten und 146:32 Toren Platz 1 und stieg durch den Gruppensieg in der Aufstiegsrunde in die Bundesliga auf. Ab der Regionalliga Süd spielte er zusammen mit Sepp Maier und Gerd Müller, mit denen er in den Folgejahren den deutschen Fußball bestimmte. mini|Beckenbauer (rechts) mit Fritz Walter, ganz links Helmut Schön, Malente (1965)
In der ersten Bundesliga-Saison verlor der FC Bayern München am 14. August 1965 am ersten Spieltag das erste Münchner Stadtderby der Bundesliga-Geschichte gegen den TSV 1860 München mit 0:1 und hatte am Ende der Saison als Dritter drei Punkte Rückstand auf die Sechziger. Dafür gewannen die Bayern am 4. Juni 1966 das Finale um den DFB-Pokal, wobei Beckenbauer das Tor zum 4:2-Endstand gegen den Meidericher SV erzielte. Beckenbauer war auch der erste Spieler der Bayern, der in der neuen Bundesliga einen Strafstoß verwandelte, nachdem er zuvor beim ersten überhaupt zugesprochenen an Tilkowski gescheitert war.
1967 gewann Beckenbauer mit dem FC Bayern als zweiter deutschen Mannschaft den Europapokal der Pokalsieger und verteidigte den DFB-Pokal. Die Saison 1967/68 verlief für ihn und seine Mannschaft eher enttäuschend: in der Bundesliga wurde der 5. Platz erreicht, im DFB-Pokal schied man im Halbfinale beim Zweitligisten VfL Bochum aus.
mini|hochkant=0.8|Beckenbauer (links), Cajkovski (Mitte), 1967
In der Saison 1968/69 gewann Beckenbauer erstmals die deutsche Meisterschaft mit dem FC Bayern München. Im selben Jahr gewann er mit der Mannschaft auch den DFB-Pokal und damit das Double. Im Wettbewerb des Europapokals der Landesmeister scheiterte das Team in der ersten Runde nach einem 2:0 und 0:3 gegen den AS Saint-Étienne.
In dieser Zeit wechselte Beckenbauer von der Position des Mittelfeldspielers auf den Liberoposten, wobei er diese Position sehr offensiv ausübte und sich oft in das Angriffsspiel seines Teams mit einbrachte. Insbesondere die Doppelpässe mit Gerd Müller sorgten immer wieder für Verwirrung in der gegnerischen Abwehr. Zudem öffnete er durch lange Pässe das Spiel, wobei er das Außenristspiel perfektionierte. 1971 wurde erneut der DFB-Pokal gewonnen, in der Bundesliga konnte die erstmalige Titelverteidigung durch Borussia Mönchengladbach nicht verhindert werden. Am letzten Spieltag wurde durch ein 0:2 in Duisburg die Meisterschaft verspielt.
1972, 1973 und 1974 gelangen dem FC Bayern mit Beckenbauer als erstem deutschen Verein drei Meistertitel in Folge. 1974 war Beckenbauers erfolgreichstes Jahr. Zunächst konnte am 33. Bundesliga-Spieltag der Meistertitel gesichert werden, dann gewann er mit dem FC Bayern als erster deutschen Mannschaft den Europapokal der Landesmeister. Zudem wurde er mit der Nationalmannschaft Weltmeister im eigenen Land. 1975 und 1976 verteidigte er mit den Bayern den Europapokal der Landesmeister und gewann 1976 den Weltpokal.
New York Cosmos (1977 bis 1980) mini|Das Trikot Beckenbauers bei den New York Cosmos