Hanstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Harburg in Niedersachsen.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Hanstedt liegt mit ihren verschiedenen Ortsteilen am nördlichen bis östlichen Rand des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide. Die östlich gelegenen Ortsteile sind komplett oder nahezu komplett eingeschlossen vom Landschaftsschutzgebiet Garlstorfer Wald und weitere Umgebung. Hanstedt ist gleichzeitig Verwaltungssitz der Samtgemeinde Hanstedt mit den zugehörigen Gemeinden Asendorf, Brackel, Egestorf, Hanstedt, Marxen und Undeloh.
Nachbargemeinden Asendorf Marxen Brackel Toppenstedt Garlstorf Egestorf Undeloh Buchholz in der Nordheide Jesteburg
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Hanstedt gehören die Ortsteile Hanstedt, Nindorf am Walde, Ollsen, Quarrendorf, Schierhorn und Weihe sowie die Gehöfte Hansenbarg, Höpen und Royberg.
Geschichte Ersterwähnung Hanstedts erstmalige Erwähnung wurde verschieden datiert. Im Raum standen die Jahre 850, 1070, 1155 und 1252, wobei lediglich letztere Jahreszahl als gesicherte Angabe gelten kann. Sie stützt sich auf „die Urkunde Nr. 433 des Verdener Urkundenbuches“, in der „Honstede“ und weitere Orte der Villikation „Saltzenhusen“ im Verzeichnis des kleinen Zehnten aufgeführt sind. Der Name setzt sich aus einer früheren Form von altsächsisch hoh (hoch) und dem im Siedlungsraum der Altsachsen weit verbreiteten Suffix -stedt zusammen. Die Bedeutung ist etwa hohe Siedlung. Es ist noch die voralthochdeutsche Variante von hoch nämlich *hauh, germanisch *hauhaz im a-Stammvokal reflektiert.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Nindorf, Ollsen, Quarrendorf und Schierhorn eingegliedert.
Politik Gemeinderat Aufgrund der Einwohnerzahl ist der Gemeinderat Hanstedt nach NKomVG (Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz) mit 17 Ratssitzen ausgestattet.
Gleichwohl startete der Gemeinderat Hanstedt 2011 nur mit 15 Ratsmitgliedern, weil sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen Ratsmandate aus der Liste nicht besetzt werden konnten. Kurz nach Beginn der Ratsperiode verstarb dann noch unerwartet der Einzelbewerber Riebesehl, so dass ab dem Jahr 2013 nur noch 14 Ratsmitglieder die Geschicke der Gemeinde lenkten. Seit der Kommunalwahl am 11. September 2016 besteht der Gemeinderat wieder aus 17 Personen.
Nach der Kommunalwahl am 21. September 2021 ist der Rat wie folgt zusammengesetzt:
Wahljahr CDU UNS* Grüne SPD FDP EinzelGesamt 2021 6 5 2 2 2 0 17 Sitze * Unabhängige Nordheide Stimmen ** 2021: Rossella Leonforte
Bürgermeister Im Ende November 2021 löste Herr Gunnar Hofmeister (FDP) als neuer Gemeindebürgermeister Herrn Gerhard Schierhorn (UNS) nach zehnjähriger Amtszeit ab, der 2021 nicht mehr zur Wahl angetreten war.
Bürgermeister der Samtgemeinde Hanstedt und Gemeindedirektor ist Olaf Muus.
Wappen Auf Antrag erhielt die Gemeinde am 2. April 1951 das Recht auf ein „amtliches Wappen“.
Die Wappenmotive im historischen und geographischen Kontext Windmühle Die dargestellte „historische“ Hanstedter Windmühle existiert heute so nicht mehr. Sie wurde 1892 erbaut und geriet am 9. Juni 1951 aus ungeklärter Ursache in Brand. Später wurde sie dann zum Wohnhaus umgebaut. Die ehemalige Ortsrandlage des Gebäudes auf einem Hügel östlich der Schmalen Aue ist durch die Wohnbebauung der angrenzenden Felder in Hanstedts Osten innerhalb der letzten Jahrzehnte mittlerweile kaum noch erkennbar. Allerdings erinnert nicht nur der Straßenname Mühlenweg neben dem Hanstedter Wappen auch heute noch an die ehemalige Hanstedter Windmühle, sondern auch der Name des angrenzenden Baugebietes: Mühlenberg.
Wellenbach Bei dem dargestellten Wellenbach handelt es sich um die Schmale Aue, einen kleinen Flusslauf, der Hanstedt von Süden nach Norden durchfließt und der zwischen Jesteburg und Marxen in die Seeve mündet.
Riese Bruns Die Sage vom Riesen Bruns Bei dem auf dem Wappen dargestellten Mann handelt es sich um den Riesen Bruns bzw. „Brunse“, der gemäß der erstmals 1836 von der Pastorentochter Charlotte Kregel in Gedichtform im Hanstedter Gemeindeblatt unter dem Titel „Der Riese Bruns von Hanstedt“ veröffentlichten Sage aus Wut über den Verlust seiner Tochter im Zuge der Christianisierung mittels einer Schleuder einen riesigen Felsbrocken auf das erste Hanstedter Gotteshaus wirft, um dieses zu zerstören – was ihm der von „Christenpriestern abgewandelte[n] […] Sage“ nach misslingt und letzten Endes in eine Bekehrung des Riesen und seiner Frau zum Christentum durch den Bischof Ansgar mündet und ihrer Taufe in der Schmalen Aue. Vorausgegangen ist diesem Racheakt der Selbstmord der Tochter des Riesen, die als Priesterin und Drude der „Göttin Holda (Frau Holle)“ gedient hat und als „Schutzgeist und freundliche Helferin der Kinder“ gegolten hat. Sie hat es nicht verwinden können, die Fällung der den eigenen (und aus christlicher Sicht heidnischen) Göttern geweihten Eiche in einem heiligen Hain mitansehen zu müssen, die zum Bau des hölzernen Kirchturms des ersten Hanstedter Gotteshauses verwendet worden ist, und habe sich selber, wie es in der von Heinrich Schulz festgehaltenen Fassung der Sage aus dem Munde des den Verlust seiner Tochter beklagenden und auf Rache sinnenden Riesen weiter heißt, „nach achtzehn langen Wochen, die sie sich quälte in grimmer Pein,“ den Tod gegeben.
In der 2006 im Hanstedter Feuerwehrbuch 1906–2006 im verkürzten Wortlaut abgedruckten Fassung der Sage kommt die Tragik des Suizides der Riesentochter als Motiv des Riesen für seinen Angriff auf das Hanstedter Gotteshaus und die neue Glaubensrichtung, die seine Tochter in den Selbstmord getrieben hat, nicht mehr vor:
Auch hier endet die Sage, in der die Riesen ihre „Behausung“ nicht mehr „im Dickicht des Garlstorfer Urwaldes“ haben, sondern schon an dem Ort hausen, der erst nach dem Riesen benannt wird, in der Bekehrung durch den Bischof Ansgar. Nur lässt sich in dieser Fassung die gesamte „Riesenfamilie“ taufen. Während jedoch die Untat des Riesen, der in der eigentlichen Fassung der Sage als ein „Eiferer für den Glauben der Väter“ charakterisiert wird, somit ein doppeltes Motiv in dem durch den Akt der Christianisierung erlittenen Verlust seines Glaubens und seiner Tochter findet, erscheint der Riese Bruns in der neueren Fassung schlicht als gewalttätiger Riese, der sich dem Christentum – quasi ohne Grund – verweigert. Der zu Grunde liegende Konflikt zwischen alter und neuer Religion, der das Leben der Riesenfamilie einschneidend verändert, bleibt komplett ausgespart, und die Handlung der Sage wird letzten Endes derart beschnitten, dass sie keinen Hinweis mehr darauf enthält, dass der Vormarsch des Christentums auch Verlierer produziert – und dies sogar, obwohl diese Verlierer (wie in der Figur der Riesentochter) das Gute repräsentieren.
Urgeschichtliche und historische Bezüge der Sage Ehrich Reins knüpft in seiner Monographie Das Undeloher Dorfbuch die bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebendige Sage vom Riesen „Brunse“ an ein 1910 zerstörtes Ganggrab aus der Zeit um 2000 -3000 v. Chr., das sich am Nordhang des nach dem Riesen benannten Nindorfer Brunsberges befunden habeZu den näheren Umständen der Zerstörung des Ganggrabes durch einen Nindorfer Bauern vgl. und das in der von Heinrich Schulz 1933 veröffentlichten Fassung der Sage als das Grab des Riesen und seiner Frau in seinen Ausmaßen genau beschrieben ist (und den realen Gegebenheiten entsprechend, sofern diese Beschreibung der der Pastorentochter Kregel gleicht) – nach der Taufe des Riesenehepaars hatte dieses, das seinen heimatlichen Wald nie wieder verlassen hatte, diese Begräbnisform für sich selbst „den Menschen im Tal [geboten]“. Real stamme dieses Ganggrab von den östlich der Schmalen Aue in der Jungsteinzeit angesiedelten Großsteingräberleuten. „Auf einen Riesen schloß das Volk aus der Größe des Grabmals.“ Für Reins hat die Gemeinde Hanstedt „das Gedenken an Brunse, der vermutlich letzter Führer der Großsteingrabmänner war, durch ein Bildnis in ihrem Gemeindewappen wachgehalten“, auch wenn der historische Kern der damit verbundenen Sage vom Riesen Bruns durch die Thematik der Christianisierung und den Bezug auf den Bischof Ansgar zeitlich mindestens mehr als 2000–3000 Jahre später einzuordnen ist. Durch das Thema Kirchenbau im Zuge der Christianisierung lässt sich die Sage einerseits als Geschichtssage klassifizieren, durch die gelieferte volkstümliche Erklärung der Herkunft des jungsteinzeitlichen Ganggrabes als Grab des Riesen und seiner Riesenfrau andererseits als ätiologische Sage. Schon in der Erstveröffentlichung der Sage 1836 sei jedoch „die alte Überlieferung verdrängt“ gewesen, denn die Pastorentochter Kregel habe die „Mär von der Bekehrung des Brunse […] durch Ansgar erfunden und in ihrer Naivität beides zusammengebracht“. Die von Reins in diesem Zusammenhang beklagte Weiterverbreitung der Sage „ohne jede Prüfung des tatsächlichen Sachverhaltes“ seit ihrer Erstveröffentlichung trifft somit ebenfalls die 1933 von Heinrich Schulz veröffentlichte Fassung, die demgegenüber nochmals leicht modifizierte Fassung von Wilhelm Marquardt aus dem Jahre 1963 Kommentar: Die Tochter des Riesen stirbt hier „aus Kummer darüber, daß (sic!) die Hanstedter dem alten Glauben untreu geworden waren, […] kurze Zeit danach“ (S. 49). – sprachlich überarbeitet wiederveröffentlicht im Jahr 2001 Kommentar: Die Tochter des Riesen stirbt hier „aus Kummer darüber, daß (sic!) die Hanstedter dem alten Glauben untreu geworden waren, […] kurze Zeit danach“ (S. 120). – sowie die 2006 im Hanstedter Feuerwehrbuch 1906–2006 abgedruckte Fassung, die derzeit als vorläufiger Endpunkt des Wandels der Sage vom Riesen Bruns anzusehen ist.
Der Riese Bruns in anderen Sagen In einer Sammlung regionaler Sagen, Märchen und Anekdoten findet sich eine weitere, wenngleich auch nur kurze Erwähnung des Riesen Bruns: In der aus einzelnen Episoden bestehenden Geschichte „Vom Heidenstein, Teufelsstein, Hexenstein, und Blutstein zum Jesteburger Runenstein“, in der der Jesteburger Runenstein als Ich-Erzähler seiner „Lebensgeschichte“ auftritt, die ihm in jeder Episode einen neuen Namen beschert, ist es der Riese Bruns, der in der ersten Episode mit diesem aus den südsüdwestlich vom Ortskern gelegenen Hanstedter Bergen heraus geschleuderten Stein seinem verfeindeten Nachbarn in den Lohbergen den Kopf einschlagen will. Der einst in Skandinavien aufgewachsene Stein, der seit „ungefähr zweihunderttausend Jahren“ in den Hanstedter Bergen gelegen hat, erlangt – in den Lohbergen angekommen – dadurch den Namen Heidenstein, dass er dort „in heidnischer Zeit“ umtanzt wird, und dadurch, dass dort zur „Wintersonnenwendzeit“ bei ihm „immer ein großes Feuer“ gemacht wird. In dieser kurzen ersten Episode der Lebensgeschichte des Jesteburger Runensteins agiert der Riese Bruns im Unterschied zur eigentlichen Sage noch vor der Christianisierung, wird aber ähnlich gewalttätig dargestellt wie in der neueren Fassung der Sage während der Christianisierung, die im Hanstedter Feuerwehrbuch 1906–2006 abgedruckt ist. Als Steine werfender Riese entspricht die Figur des Riesen Bruns einem in Sagen weit verbreiteten Topos. So handelt z. B. auch die Sage „Die Riesen vom Riepshöfer Berg“Vgl. von zwei Riesen, die „einen dicken Steinbrocken aus der Heide mit einer Schleuder auf die Jesteburger Kirche“ werfen wollen, jedoch: Ihre Schleuder reißt – genauso wie die des Riesen Bruns bei seinem Angriff auf die Hansteder Kirche.
Der Riese Bruns und die gleichnamigen Berge