Die Anti-Sklaverei-Petition von Quäkern in Germantown 1688 war eine Petition, die von deutschstämmigen Quäkern bei ihrer lokalen Gemeinde eingereicht wurde und die gegen das Halten von Sklaven protestierte. Dieses Dokument war das erste seiner Art in den Dreizehn Kolonien und ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument sowie ein Meilenstein im langen Kampf gegen die Sklaverei in den Vereinigten Staaten.
Francis Daniel Pastorius und drei weitere Quäker, Gerrit Hendricks, Derick op den Graeff, Abraham op den Graeff,Ralf-Peter Fuchs: Von der Unterdrückung am Niederrhein zum politischen Engagement in Pennsylvania? Überlegungen zum Germantown-Protest gegen die koloniale Sklaverei (1688). In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 224, 2021, S. 79–103, hier S. 81. die in Germantown, Pennsylvania (heute Teil von Philadelphia) lebten, verfassten die Petition und unterzeichneten sie. Adressat des Textes war das Germantown Meeting der Religious Society of Friends, also die Quäkergemeinschaft. Da es auch unter den Quäkern einige Sklavenbesitzer gab, war von Anfang klar, dass es sich um ein sehr kontroverses Thema handelte. Die örtliche Monatsversammlung konnte oder wollte sich nicht zu einem Entschluss durchringen und gab die Eingabe an die überregionale Vierteljahresversammlung weiter. Diese kam ihrerseits zu keinem Entschluss und reichte die Eingabe wiederum weiter an die Jahresversammlung, ein Zusammenschluss von Vierteljahresversammlungen. Und auch hier kam es weder zu einer eindeutigen Zustimmung noch Ablehnung. Die Petition verschwand praktisch 150 Jahre lang in den umfangreichen Archiven des Philadelphia Yearly Meeting.
Im Jahr 1844 wurde es durch den Antiquar Nathan Kite aus Philadelphia wiederentdeckt, und Abolitionisten veröffentlichten es in der Zeitschrift The Friend (Bd. XVII, Nr. 16), einem Quäker-Magazin. Damit wollten sie ihre Kampagne gegen die Sklaverei weiter vorantreiben.
Historischer Hintergrund
Die Kolonie Pennsylvania wurde 1682 von William Penn als ein Ort gegründet, an dem sich Menschen aller Länder und Glaubensrichtungen frei von religiöser Verfolgung niederlassen konnten. Zur Begleichung einer Schuld gegenüber Penns Vater hatte Penn von König Charles II. eine große Fläche Land westlich von New Jersey erhalten, das Charles II. nach Williams Vater, Admiral William Penn, Pennsylvania nannte. Penn war ein enger Freund von George Fox und wie dieser ein Quäker. Penn war zum Quäkertum konvertiert und wegen seines Glaubens mehrmals inhaftiert worden. Als Gouverneur bekam Penn weitreichende Rechte über die Kolonie. Er erließ eine Verfassung, schuf ein unabhängiges Rechtswesen und gab schrittweise seine Macht an ein Zwei-Kammer-Parlament ab. Auch wenn es eine Trennung von Kirche und Staat gab, waren die Ideen der Quäker in der Verfassung von maßgebendem Einfluss.
Von 1660 bis 1680 besuchten mehrere Quäker, darunter William Penn, die Republik der Vereinigten Niederlande und das Rheintal im späteren Deutschland und organisierten Versammlungen, bei denen sie für das noch junge Quäkertum missionierten. Einige Mennoniten in Krefeld und Kriegsheim (Monsheim) in der Pfalz konvertierten zur neuen Konfession, dem Quäkertum. Die neu gegründeten Gemeinden kamen von Anfang an unter starken Verfolgungsdruck der Lutherischen und Reformierten Kirche. Die Verfolgung bestand aus diskriminierenden Steuern, Gefängnisstrafen, Geldstrafen, Misshandlungen und gewaltsamen Vertreibungen.
Zur selben Zeit gab es auch starke radikal-pietistische Bewegungen, zu der auch der Deutsche Francis Daniel Pastorius, gehörte. Dieser war und wurde selbst kein Quäker, aber sympathisierte und kooperierte sehr stark mit ihnen. Pastorius entstammte einer Familie der gehobenen Schicht. Er studierte Rechtswissenschaft, haderte aber mit diesem Beruf und war angewidert von der Dekadenz der Oberschicht in Europa. Dies führte dazu, dass er sich für das „Heilige Experiment“ von William Penn in Pennsylvania interessierte, als im Jahr 1681 Penn Einwanderer aus Europa in die neue Kolonie einlud.
Die deutsche Siedlung Im Jahr 1683 erhielt Pastorius von einer Gruppe aus Frankfurt, die auswandern wollte, den Auftrag, Land in der neuen Kolonie Pennsylvania zu erwerben. Nachdem die Gelder bereitgestellt wurden, reiste er im August 1683 nach Philadelphia und erwarb von Penns Agent Optionsscheine.
Im Oktober desselben Jahres kamen dreizehn deutsch-niederländische Familien aus Krefeld, die ebenfalls Landanspruch erworben hatten. Pastorius sah die Chance, eine lebensfähige deutschsprachige Stadt zu gründen, und verhandelte mit Penn über die Kombination der beiden Ansprüche. Allerdings sollte sich später noch herausstellen, dass die Gruppe aus Frankfurt ihre Pläne nie umsetzen würde. Stattdessen kamen aus dem Rheintal mehr Quäker und Mennoniten als erwartet. So wurde Pastorius’ ehrgeiziger Plan für eine deutschsprachige Stadt in der Nähe von Philadelphia doch noch Wirklichkeit.
Pastorius hatte einen einfachen Plan für eine Stadt entworfen, mit parzellierten Grundstücken entlang einer langen Hauptverkehrsstraße, auf denen Siedler ihre Häuser bauen konnten. Er benötigte gutes Land für die Bewirtschaftung, da die Auswanderer ihre eigene Nahrung anbauen mussten, um zu überleben.
Pastorius und Penn wurden Freunde und diskutierten oft beim Abendessen über Pläne für die neue Siedlung. Das ursprünglich Pastorius versprochene Land sollte eben sein und an einem schiffbaren Fluss liegen. Pastorius hatte bereits für 6.000 zusammenhängende Acres (24 km²) bezahlt. Allerdings war ein geeignetes Stück Land in der Nähe von Philadelphia am Delaware River nicht mehr verfügbar, denn das ebene Gelände dort war wertvoll und das meiste davon bereits verkauft. Penn schlug deshalb ein Stück Land in der Nähe der Schuylkill Falls vor (East Falls), aber dieses hatte zu viel Gefälle für die Pläne von Pastorius. Daraufhin schlug Penn als Alternative vor, etwas weiter östlich zu siedeln, nahe der Spitze eines sanften Hügels zwischen zwei Bächen, und Pastorius stimmte zu. Germantown wurde also entlang des Lenni-Lenape-Pfades vier Meilen (6 km) nördlich von Philadelphia zwischen den Bächen Wissahickon und Wingohocking gegründet.
Im ersten Winter lebten die Familien noch in der Innenstadt von Philadelphia, während sie mühevoll das Land für ihre provisorischen Blockhäuser rodeten. Die dreizehn Krefelder Familien waren ursprünglich Mennoniten, die wahrscheinlich zum Großteil schon in ihrer Heimat zum Quäkertum konvertiert waren. Da sie wegen des Verfolgungsdrucks in ihrer Heimat ausgewandert waren, erkannten sie den Wert einer Gemeinschaft, die auf religiöser Toleranz beruhte. Im Gegensatz zu Pastorius waren sie nicht wohlhabend, sondern geschickte Handwerker, die wussten, dass sie für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten mussten. Von Beruf waren sie Zimmerleute, Weber, Färber, Schneider und Schuhmacher, aber die Strapazen der Waldrodungsarbeiten waren sie trotzdem nicht gewöhnt. Im ersten Jahr rodeten sie Land und pflanzten Nahrungsmittel und Flachs für die Weberei an. Dann stellten sie Webstühle auf, um Leinenstoffe herzustellen, die in den gesamten Kolonien vertrieben wurden.
Sklaverei Einige der frühen Siedler von Philadelphia und der umliegenden Städte waren wohlhabend und kauften afrikanische Sklaven, um sie auf ihren Farmen arbeiten zu lassen. Viele dieser Sklavenhalter waren eingewandert, um der religiösen Verfolgung und Unterdrückung in ihren Heimatländern zu entgehen, und trotzdem sahen sie keinen Widerspruch darin, Sklaven zu besitzen und somit andere Menschen zu unterdrücken und auszubeuten. Und dies, obwohl die Sklaverei im Nordwesten Europas, aus dem viele Einwanderer stammten, bereits bis ca. 1500 abgeschafft worden war. Viele Einwanderer in die neue Kolonie waren aber auch Vertragsarbeiter (Schuldknechtschaft), die eine Arbeitsvereinbarung für mehrere Jahre unterzeichnet hatten als Gegenleistung dafür, dass sie mit einem Passagierschiff in die neue Kolonie transportiert wurden. Sklaverei war in den amerikanischen Kolonien weit verbreitet und lokale Sklavenmärkte sorgten dafür, dass die breite Bevölkerung problemlos Sklaven kaufen konnte. Der atlantische Sklavenhandel nahm rasch zu und viele Siedler hielten ihn für das Wirtschaftswachstum der Kolonien für notwendig.
Die Sklaverei war sowohl für die Besitzer als auch für die Händler ein äußerst lohnendes Geschäft. Die Kapitäne von Sklavenschiffen machten große Gewinne mit dem Transport von Sklaven aus Afrika in die Karibik und auf das nordamerikanische Festland. William Penn überwachte den wirtschaftlichen Fortschritt und berichtete stolz, dass in Philadelphia im Laufe eines Jahres zehn Schiffe mit Sklaven eingetroffen seien.
Bis 1686 in der Nähe des heutigen „Germantown Friends Meeting Meetinghouse“ ein Versammlungshaus der Quäker gebaut wurde, fanden die Treffen zum Gottesdienst im Haus von Tönes Coenen-Heggers (Schreibweisen auch Thones Kunders, Conradts, Hekkers) statt, der Quäker war, und aus Gladbach (Eifel) stammte. Er war mit den ursprünglichen 13 Familien aus Krefeld eingewandert.
links|mini|Das Haus von Thones Kunders in der 5109 Germantown Avenue, wo 1688 die Petition gegen die Sklaverei verfasst wurde. Von Jenkins (1915)
Den ersten Siedlern von Germantown schlossen sich bald weitere Quäker- und Mennonitenfamilien aus Kriegsheim (Monsheim) an, das ebenfalls im Rheintal liegt. Die Gruppen aus Deutschland hatten sprachlich eine Nähe zu den holländisch geprägten Krefelder Familien. Einige unter den neu Dazugekommenen nahmen zunächst aus Pragmatismus an den örtlichen Quäker-Gottesdiensten teil. Mit der Zeit engagierten sie sich auch in der Quäkergemeinschaft, konvertierten und wurden dann auch zu respektierten Mitgliedern. Einige der Neuankömmlinge konvertierten nicht zum Quäkertum und besuchten nur vorübergehend die Quäkertreffen, während der Zeit, in der sie auf die Ankunft mennonitischer Prediger warteten und noch kein eigenes mennonitisches Versammlungshaus hatten.
Die deutsch-niederländischen Siedler fühlten sich in vielerlei Hinsicht als Außenseiter, was dazu führte, dass sie begannen, die Situation kritisch zu reflektieren und die sozialen Werte in der entstehenden Kolonie zu hinterfragen. Die deutsch-niederländischen Siedler waren es nicht gewöhnt, Sklaven zu besitzen, obwohl sie aus dem Mangel an Arbeitskräften verstanden, warum Sklaverei erforderlich war, um den wirtschaftlichen Wohlstand der Kolonie zu sichern. Sklaven und Vertragsarbeiter waren für einen Bauern eine lukrative Sache, da sie nicht bezahlt werden mussten. Die deutsch-niederländischen Siedler verzichteten darauf, Sklaven zu kaufen, denn sie erkannten für sich darin den moralischen Widerspruch, Menschen zur Arbeit zu zwingen. Denn obwohl die Krefelder in ihrer Heimat Deutschland und Holland wegen ihres Glaubens Verfolgung und Unterdrückung erfahren hatten, durften selbst hier nur Menschen zur Zwangsarbeit gezwungen werden, die wegen eines Verbrechens verurteilt worden waren. Es war eine revolutionäre Erkenntnis und ein Lerntransfer der Germantowner, die Parallelen zwischen dem Recht, nicht wegen des Glaubens verfolgt zu werden, und dem Recht, nicht gegen eigenen Willen zur Arbeit gezwungen zu werden, zu erkennen.
Inhalt der Petition Im Jahr 1688, fünf Jahre nach der Gründung von Germantown, reichten Pastorius und drei weitere Männer bei der Quäkergemeinde eine Petition ein. Zum Verfassen des Textes trafen sich die Autoren im Haus von Thones Kunders. Die Argumentation basierte auf der Goldenen Regel, die besagt, „Was du nicht willst, das[s] man dir tu’, das füg auch keinem andren zu.“, und forderte die Versammlung auf, die Sklaverei abzuschaffen. Es handelt sich um einen unkonventionellen Text, da er die direkte Ansprache an die Quäker vermeidet und keine Hinweise auf Jesus und Gott enthält. Es wird argumentiert, dass jeder Mensch, unabhängig von Glauben, Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit, Rechte habe, die nicht verletzt werden sollten.