Die Wahl zum Schwedischen Reichstag 2026 fand am 13. September 2026 statt. Der oppositionelle linke Block von Magdalena Andersson gewann mit 176 zu 173 Mandaten knapp gegen die konservative Regierung von Ulf Kristersson.
Zugleich wurden die Wahlen zu den sekundärkommunalen Parlamenten () und primärkommunalen Parlamenten () abgehalten.
Wahlsystem Schweden wendet die Verhältniswahl mit einer 4-Prozent-Hürde an. 310 der 349 Sitze werden in 29 Wahlkreisen vergeben – je nach Einwohnerzahl 2 bis 41 Mandate. Die restlichen 39 Sitze verteilen sich proportional auf die Parteien, die bei der ersten Vergabe unterrepräsentiert waren. Für die Umrechnung von Stimmen in Mandate gilt das modifizierte Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren. Divisoren sind 1,2 statt 1 und alle folgenden ungeraden Zahlen: 1,2; 3; 5 usw.
Ausgangslage
Bei den Reichstagswahlen 2022 waren die Sozialdemokraten zwar stärkste Kraft, das konservativ-rechte Oppositionslager unter Führung von Ulf Kristersson gewann jedoch die Mehrheit der Mandate.
Schwedens sozialdemokratische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson räumte am Abend des 14. September 2022 ihre Wahlniederlage ein und kündigte für den Folgetag ihren Rücktritt an. Infolge des schlechten Ergebnisses für die Zentrumspartei gab deren Vorsitzende Annie Lööf ihren Rücktritt zum nächsten Parteitag bekannt.
Am 14. Oktober 2022 kündigte der Parteichef der Moderaten Sammlungspartei Ulf Kristersson an, eine Minderheitsregierung mit seinen Moderaten, den Christdemokraten und den Liberalen zu bilden, die von den rechtspopulistischen Schwedendemokraten toleriert werden sollte. Diese parlamentarische Zusammenarbeit verschaffte den Schwedendemokraten insbesondere in der Migrations- und Kriminalpolitik erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik.
+ Parteien im schwedischen Reichstag nach der Reichstagswahl 2022Abk. Partei Ideologie Politische Ausrichtung Parteivorsitz Ergebnis 2022 Aktuell Position Stimmen (%) Sitze S Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens Sozialdemokratie Mitte-links Magdalena Andersson 30,3 % Opposition SD Schwedendemokraten Rechtspopulismus Rechts bis rechtsextrem Jimmie Åkesson 20,5 % Tolerierung M Moderate Sammlungspartei Liberal-konservativ Mitte-rechts Ulf Kristersson 19,1 % Regierung V Linkspartei Sozialismus Links Nooshi Dadgostar 6,8 % Opposition C Zentrumspartei Liberalismus Mitte bis Mitte-rechts Elisabeth Thand Ringqvist 6,7 % Opposition KD Christdemokraten Christdemokratie Mitte-rechts bis rechts Ebba Busch 5,3 % Regierung MP Grüne Partei Grüne Politik Mitte-links Amanda Lind / Daniel Helldén 5,1 % Opposition L Liberale Partei Liberalismus Mitte-rechts Simona Mohamsson 4,6 % Regierung FV Die Linke der Zukunft Sozialismus Links Daniel Riazat / Lorena Delgado Varas – Opposition AS Ambition Schweden Rechtspopulismus Rechtsextrem Elsa Widding – Opposition EP Einigkeitspartei Multikulturalismus Links Jamal El-Haj – Opposition
Wahlkampf Themen Der Wahlkampf begann im Frühjahr 2026.
Als wichtigstes Wahlkampfthema galt die wirtschaftliche Lage; daneben spielten insbesondere Schul- und Gesundheitspolitik, Migration sowie Kriminalität eine Rolle. Eine Ende August veröffentlichte Erhebung ordnete die Einwanderung nur noch als siebtwichtigstes Thema für die Wähler ein; Gesundheit und Schule lagen deutlich davor, ebenso Umwelt und Klima. Die Außen- und Sicherheitspolitik wurde im Wahlkampf kaum thematisiert. Beide politischen Lager versprachen eine Stärkung der sozialen Sicherung und öffentlicher Leistungen, Maßnahmen gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie eine Fortsetzung der Unterstützung für die Ukraine und der militärischen Aufrüstung.
Auch die Klimapolitik war ein bedeutendes Thema im Wahlkampf: In einer im August veröffentlichten Verian-Umfrage nannten 37 Prozent der Befragten die Globale Erwärmung als eines ihrer wichtigsten Wahlthemen. Am 23. August demonstrierten in Stockholm etwa 10.000 Menschen für eine ambitioniertere Klimapolitik; an der Kundgebung nahm auch die Klimaschützerin Greta Thunberg teil. 2026 ist in Europa und auf anderen Kontinenten eines der heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Die Klimapolitik der Regierung Kristersson stand dabei in der Kritik, weil die Regierung seit 2022 etwa die Steuern auf Benzin gesenkt und die Vorgaben zur Beimischung emissionsärmerer Kraftstoffe verringert hatte. Als nationale Ziele gelten eine Verringerung der Emissionen des Verkehrssektors bis 2030 um 70 Prozent gegenüber 2010 sowie das Erreichen von Netto-Null-Emissionen bis 2045. Die Regierung begründete ihren schrittweisen Ansatz beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern mit der Wettbewerbsfähigkeit der schwedischen Wirtschaft.
Die Sozialdemokraten stellten dem eine stärkere Förderung grüner Industrie entgegen und kündigten an, Schweden erneut zu einem führenden Standort für klimafreundliche Industrieproduktion machen zu wollen. Dabei verwies Andersson auf überschüssige Wasserkraftkapazitäten im Norden des Landes sowie auf Potenziale bei fossilfrei erzeugtem Stahl, Bergbau und weiteren grünen Industrien. Der Ausbau dieser Industrien war zuvor jedoch durch die Insolvenz des Batterieherstellers Northvolt und finanzielle Schwierigkeiten des auf grünen Stahl spezialisierten Unternehmens Stegra belastet worden.
Ein besonders konfliktträchtiger Teil des Wahlkampfs war die von den Schwedendemokraten betriebene Kampagne für eine stärkere Rückwanderung. Im August ließen sie auf Bussen in der westschwedischen Region Skaraborg Werbung schalten, die Menschen mit einer auf Mogadischu bezogenen Botschaft auf die staatliche Rückkehrprämie hinwies. Rund 20 Busfahrer somalischer Herkunft meldeten sich daraufhin krank, da sie sich durch die Kampagne unsicher fühlten; das Verkehrsunternehmen Västtrafik ließ die Werbung entfernen, während die Schwedendemokraten die Entfernung als Zensur bezeichneten. Auch am Stockholmer Hauptbahnhof ließ der Immobilienbetreiber Jernhusen Wahlplakate der Schwedendemokraten entfernen, die Menschen ohne Schwedischkenntnisse oder mit Sozialleistungen auf einen anderen Eingang verwiesen.
Das Wahlprogramm der Schwedendemokraten enthält eine weitere Begrenzung der Einwanderung und den Widerruf unbefristeter Aufenthaltstitel. Darüber hinaus forderte die Partei, „schwedenfeindliche“ Äußerungen in die Gesetzgebung gegen die Aufstachelung zum Hass gegen ethnische Gruppen einzubeziehen.
Parteien und Regierungsoptionen mini|hochkant|Ein Stimmzettel für die Wahl zum Reichstag 2026, der sich in einem Umschlag befindet, wird von einem Wahlhelfer in Brastad, Schweden, in eine versiegelte Wahlurne eingeworfen. Die Sozialdemokraten hatten ihre Positionen in den Jahren vor der Wahl insbesondere in der Migrations- und Kriminalpolitik verschärft, während sie die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung von links kritisierten. Für die Zeit nach der Wahl kündigte die Partei eine weiterhin restriktive Migrationspolitik im Rahmen der EU-Mindestvorgaben an, unter anderem mit Sprachvoraussetzungen für dauerhafte Aufenthaltstitel und einem effizienteren Vollzug von Rückführungen. Auch in der Kriminalpolitik hatten die Sozialdemokraten während der Legislaturperiode mehreren Verschärfungen zugestimmt, darunter doppelten Strafen für Gangkriminalität und einer Reform, mit der die Strafen in knapp 50 Fällen verschärft wurden. Gleichzeitig ließ Magdalena Andersson im Wahlkampf offen, mit welchen Parteien sie im Fall einer Mehrheit eine Regierung bilden wollte. Als mögliche Variante galt daher auch erneut eine allein von den Sozialdemokraten gebildete Minderheitsregierung. Unabhängig von der Mehrheitslage strebte Andersson zudem blockübergreifende Vereinbarungen zu Energie, Infrastruktur, Steuern, öffentlich-rechtlichen Medien und Kriminalpolitik an.
Für eine stabile parlamentarische Mehrheit des Mitte-links-Lagers waren neben den Sozialdemokraten voraussichtlich auch die Stimmen von Centerpartiet, Miljöpartiet de gröna und Vänsterpartiet erforderlich. Die vier Parteien unterstützten Andersson als Ministerpräsidentin und stimmten grundsätzlich darin überein, die öffentlichen Ausgaben und die Leistungen des Wohlfahrtsstaates auszuweiten. Unterschiede bestanden jedoch unter anderem bei einer Besteuerung von Milliardären und beim Bau neuer Kernreaktoren. Die Linkspartei verlangte erstmals ausdrücklich eine Beteiligung an einer sozialdemokratisch geführten Regierung. Die Zentrumspartei lehnte dagegen eine gemeinsame Regierung mit der Linkspartei ab.
Auch im bisherigen Regierungslager stellte sich die Frage nach der künftigen Zusammensetzung einer Regierung. Die Schwedendemokraten, welche die Minderheitsregierung Kristersson seit 2022 parlamentarisch unterstützt hatten, forderten für die Zeit nach der Wahl erstmals Ministerposten in einer bürgerlichen Regierung. Im September konkretisierten die Schwedendemokraten diese Forderung und verlangten im Fall eines Wahlsiegs des konservativ-rechten Lagers mindestens zwölf Ministerien. Kristersson kündigte im Fall eines Wahlsiegs die Bildung einer gemeinsamen Mehrheitsregierung mit den Schwedendemokraten unter seiner Führung an. Damit stand erstmals eine Beteiligung der Partei am Kabinett in Aussicht. Die Tidö-Parteien traten im Wahlkampf zwar mit betonter Geschlossenheit auf, hatten während der Legislaturperiode jedoch in einzelnen Fragen unterschiedliche Akzente gesetzt; insbesondere die Liberalen hatten mehrere Vorhaben der Schwedendemokraten gebremst, während die Christdemokraten bei den Regeln zur Familienzusammenführung auf humanitäre Ausnahmen gedrängt hatten.
Als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor galt das Abschneiden der Liberalen, da ein Scheitern der Partei an der landesweiten Sperrklausel von vier Prozent die Mehrheitsverhältnisse zwischen den politischen Lagern erheblich verändern könnte. Nachdem das Mitte-links-Lager über längere Zeit einen deutlichen Vorsprung in den Umfragen gehabt hatte, verringerte sich der Abstand in den letzten Wochen vor der Wahl deutlich; eine Anfang September veröffentlichte Novus-Umfrage sah zwischen den Lagern nur mehr einen Unterschied von weniger als drei Prozentpunkten. Eine Verian-Erhebung Anfang September ergab zugleich, dass nahezu jeder vierte Wähler einen Wechsel zwischen den politischen Blöcken erwägen konnte.
Umfragen Nach der Wahl 2022 konnte der linke Oppositionsblock in den Umfragen schnell die rechte Regierung überholen und lag ab Ende 2022 in den meisten Umfragen mit 51–54 % klar vorne, während die Regierung meist nur bei 44–47 % lag. In den letzten Wochen vor der Wahl konnten die Regierungsparteien zulegen und lagen in einigen Umfragen nur noch knapp hinter der Opposition, in der letzten Umfrage von Ipsos sogar nur noch mit einem Unterschied von 0,3 %. Letzte Umfragen Die folgende Tabelle zeigt Umfragen, die im Vorfeld der Wahl durchgeführt wurden. Der Umfragewert der in den Umfragen führenden Partei ist farblich hervorgehoben. Außerdem ist bei jeder Umfrage jeweils der Stimmenanteil und Sitzanteil der Regierung und Opposition angegeben.