Rowohlts Klassiker der Literatur und der Wissenschaft (abgekürzt RK) war eine Schriftenreihe im Taschenbuchformat des Rowohlt Verlags Hamburg. Sie erschien ab April 1957 und wurde von Ernesto Grassi unter Mitarbeit von Wolfgang von Einsiedel herausgegeben. Mit dieser Reihe wurde die hohe Auflagen erzielende Reihe der rororo Taschenbücher um ein anspruchsvolleres Sortiment erweitert.

Konzept mini|Vorderseite Buchreihe Rowohlts Klassiker (Band 2 Baltasar Gracián: Criticón) Im Gegensatz zu der ebenfalls von Ernesto Grassi herausgegebenen Reihe rowohlts deutsche enzyklopädie findet man in Rowohlts Klassiker keine pathetische Selbstdarstellung. Das Konzept kann also nur indirekt aus dem Verzeichnis der lieferbaren Bände erschlossen werden, das vom August 1959 datiert und die ersten 58 Nummern beinhaltet.Richard Alewyn/Karl Sälzle: Das große Welttheater. Die Epoche der höfischen Feste in Dokument und Deutung rowohlts deutsche enzyklopädie Band 92. Rowohlt, Hamburg 1959, ohne Paginierung (nach Seite 134)

Die 45 Bände (wenn man die 13 Doppelnummern einfach zählt) stammen von Verfassern folgender Nationen bzw. Sprachen: Altgriechisch: 9 (davon Platon: 6) Italienisch: 6 Spanisch: 1 Französisch: 8 Deutsch: 5 Englisch: 12 (davon USA: 2, Indien: 1, William Shakespeare 6) Deutsch/Englisch/Französisch gemischt: 1 Russisch: 3

Die Shakespeare-Stücke sind neben dem Tagebuch Leonardos die einzigen doppelsprachigen Ausgaben. Die 6 Bände Platon stellen dessen dar, die man dem Publikum aber nicht doppelsprachig zumuten wollte. Die wenigen deutschen Bände betreffen Johann Beer, Rudolf Borchardt, Jean Paul, Meister Eckhart und Zeitgenossen sowie Kurt Pinthus’ Menschheitsdämmerung. Sechs Bände Dramen (Shakespeare eben) und zwei Bände Lyrik (moderne) – der Rest ist Erzählliteratur, wobei immerhin jene englischer und französischer Provenienz repräsentativ vertreten ist. Die italienische Literatur endet mit Giacomo Casanova, die spanische bereits mit Baltasar Gracián, die altrömische ist noch nicht geboren. Einen findet man gar nicht.

Inhaltlich waren die Bände aber ordentlich kuratiert. Sie beinhalteten biographische Angaben, eine Bibliographie und einen betitelten Essay von oft akademischen Autoren (z. B. Hugo Friedrich, Wolfgang Clemen).

Erscheinungsbild Ursprüngliches Design Rowohlts Klassiker hatte das gleiche Format wie die bereits seit 1955 erscheinende rowohlts deutsche enzyklopädie, nämlich eine Höhe von 19 und eine Breite von 11,5 cm, und lag damit zwischen Kleinoktav und Oktav. Der flexible Umschlag war in Leinen kaschiert und wirkte dadurch optisch wie haptisch rau. (rde dagegen hatte steife glatte Umschläge und war nur am Rücken mit einem Leinenstreifen verstärkt.)

Der Umschlag war einheitlich gestaltet, und zwar von Hans Hermann Hagedorn.Baltasar Gracián: Criticon oder Über die allgemeinen Laster des Menschen Rowohlts Klassiker der Literatur und der Wissenschaft Band 2. Rowohlt, Hamburg 1957 Vorder- bzw. Rückseite waren monochrom eingerahmt, wobei die Farben variierten. Der weiß gehaltene Mittelteil enthielt nur Verfassernamen, Titel, Untertitel, – aber keine Abbildungen. Nur die Innenseite des Farbrahmens wurden durch eine Zierleiste aufgelockert. Das rororo-Emblem war in der unteren Hälfte der Seite platziert, gefolgt vom Schriftzug „ROWOHLTS KLASSIKER“.

Der Mittelteil der gleich gegliederten Rückseite war rein weiß bis auf ein kreisförmiges Logo mit dem Schriftzug „RK“ und einem ionischen Kapitell.

Die Bände hatten dünnes Papier, kleine Schriftgröße mit geringem Zeilenabstand. Band Nr. 2 z. B. umfasste 240 Seiten. Gesetzt wurde aus der Linotype-Aldus-Buchschrift und der Palatino (D. Stempel AG). Der Preis betrug im Erscheinungsjahr 1957 1,90 DM bzw. für die Doppelnummer 3,00 DM (1959 3,30 DM).

Neues Design

Mit dem Band 58 wurde das Erscheinungsbild komplett aufgegeben. Die Umschläge wurden individuell gestaltet und enthielten Graphik bzw. Illustrationen. Viele Bände waren von der Hauptreihe der rororo-Taschenbücher optisch nicht mehr unterscheidbar.

Ausgaben mini|hochkant=1.5|Logo Buchreihe Rowohlts Klassiker der Literatur und der Wissenschaft 1 PLATON: Sämtliche Werke, Band I – Apologie – Kriton – Protagoras – Ion – Hippias II – Charmides – Laches – Euthyphron – Gorgias – Briefe 2 BALTASAR GRACIÁN: Criticón oder Über die allgemeinen Laster des Menschen 3 ALFRED DE VIGNY: Glanz und Elend des Militärs 4 WILLIAM SHAKESPEARE: Romeo und Julia (Englisch und Deutsch) 5 LAURENCE STERNE: Empfindsame Reise 6 PAUL CÉZANNE: Über die Kunst – Gespräche mit Gasquet und Briefe 7 XENOPHON: Das Gastmahl 8 VOLTAIRE: Candide 9 JOHANN BEER (1655–1700): Das Narrenspital 10 Die Fragmente der Vorsokratiker – Von HERMANN DIELS 11/12 Russische Erzähler: Puschkin – Gogol – Turgenjev – Saltykov – Tolstoj – Dostojevskij – Leskov – Korolenko – Tschechov 13 RUDOLF BORCHARDT: Der unwürdige Liebhaber 14 PLATON: Sämtliche Werke, Band II – Menon – Hippias I – Euthydemos – Menexenos – Kratylos – Lysis – Symposion 15 LEONID N. ANDREJEV: Die sieben Gehenkten – Lazarus – Judas Ischariot 16 GIORDANO BRUNO: Heroische Leidenschaften und individuelles Leben 17/18 JEAN PAUL: Siebenkäs 19 WILLIAM SHAKESPEARE: Hamlet (Englisch und Deutsch) 20/21 WILLIAM MAKEPEACE THACKERAY: Jahrmarkt der Eitelkeit 22/23 Leben des Benvenuto Cellini, von ihm selbst geschrieben – Übersetzt und herausgegeben von GOETHE 24 SRI AUROBINDO: Der integrale Yoga 25 LEONARDO DA VINCI: Philosophische Tagebücher (Italienisch und Deutsch) 26 WILLIAM SHAKESPEARE: König Richard III. (Englisch und Deutsch) 27 PLATON: Sämtliche Werke, Band III – Phaidon – Politeia 28 MADAME DE LAFAYETTE: Die Prinzessin von Cleve – Die Prinzessin von Montpensier 29/30 HOMER: Die Odyssee – Übersetzt in deutsche Prosa von Wolfgang Schadewaldt 31 ECKHART, TAULER, SEUSE: Ein Textbuch aus der altdeutschen Mystik – Herausgegehen von Hermann Kunisch 32/33 NIKOLAJ GOGOL: Die toten Seelen 34 FRANZ VON ASSISI: Die Werke (Sonnengesang – Testament – Ordensregeln – Briefe) – Die Blümlein 35 HONORÉ DE BALZAC. Die Frau von dreißig Jahren 36 WILLIAM SHAKESPEARE: Macbeth (Englisch und Deutsch) 37/38 HERMAN MELVILLE: Moby Dick 39 PLATON: Sämtliche Werke, Band IV – Phaidros – Parmenides – Theaitetos – Sophistes 40 GUSTAVE FLAUBERT: Madame Bovary 41/42 STENDHAL: Die Kartause von Parma 43/44 GIACOMO CASANOVA: Memoiren I – Bettina – Rom – Paris – Wien – Die Flucht aus den Bleikammern 45/46 DANIEL DAFOE: Glück und Unglück der berüchtigten Moll Flanders 47 PLATON: Sämtliche Werke, Band V – Politikos – Philebos – Timaios – Kritias 48 WILLIAM SHAKESPEARE: Ein Sommernachtstraum (Englisch und Deutsch) 49/50 GUSTAVE FLAUBERT: Lehrjahre des Gefühls 51/52 GIACOMO CASANOVA: Memoiren II – Lotterie und Kalabala – Esther – Köln – Bonn – Stuttgart – Bekehrung und Verführung – Voltaire 53 EDGAR ALLAN POE: Der Mord in der Rue Morgue – Geschichten zwischen Tag, Traum und Tod 54 PLATON: Sämtliche Werke, Band VI – Nomoi 55/56 Menschheitsdämmerung – Ein Dokument des Expressionismus – Neu herausgegeben von Kurt Pinthus 57 WILLIAM SHAKESPEARE: Julius Caesar (Englisch und Deutsch) 58 Ohne Haß und Fahne – Kriegsgedichte des 20. Jahrhunderts

Die Schreibung der Namen (inklusive die Transkription der russischen) und der Gebrauch der Kapitalen (im Original Kapitälchen) und Kursiven sowie die nur partielle Angabe des Lebensalters sind originalgetreu der Quelle entnommen. Es wurden nur der Mittelpunkt in Doppelpunkt und die eckige Klammer in runde Klammer geändert. Um die Quelle nicht zu verfälschen, wurden weder Jahreszahlen ermittelt noch Wikilinks eingesetzt.

Siehe auch rowohlts deutsche enzyklopädie Rowohlts Monographien

Literatur Sonja Asal: Zwischen Humanismus und zweiter Aufklärung. Ernesto Grassis publizistisches Unternehmertum. In: Sonja Asal, Annette Meyer (Hrsg.): Ernesto Grassi in München. Wilhelm Fink, München 2020, S. 147–193, ISBN 978-3-7705-6017-2.

David Oels: Rowohlts Rotationsroutine. Markterfolge und Modernisierung eines Buchverlags vom Ende der Weimarer Republik bis in die fünfziger Jahre. Zugleich Dissertation Humboldt-Universität. Klartext Verlag, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0281-7.Rezension von Wiebke Wiede. Abgerufen am 1. Oktober 2021.

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Einzelnachweise

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