Die Folketingswahl 2026 war die 72. Wahl zum dänischen Parlament Folketing. Sie fand am 24. März 2026 statt. Die bisherige Regierung Frederiksen II verlor ihre Mehrheit im Parlament; alle drei Parteien verloren Sitze. Nach außergewöhnlich langen Regierungsverhandlungen wurde die Bildung einer Minderheitsregierung aus Socialdemokratiet, Socialistisk Folkeparti, Moderaterne und Radikale Venstre angekündigt, wodurch Mette Frederiksen eine dritte Amtszeit als Ministerpräsidentin antreten wird.

Wahlmodus Von den 179 Abgeordneten wurden 175 in Dänemark, zwei auf den Färöern und zwei in Grönland gewählt. Es handelt sich um eine Verhältniswahl, wobei sich die dänischen Mandate wie folgt aufteilen: 135 Wahlkreismandate, welche auf die zehn Wahlkreise aufgeteilt und dann dort regional vergeben werden, sowie 40 Ausgleichsmandate, die abschließend landesweit vergeben wurden, wobei eine Zwei-Prozent-Hürde gilt.

Ausgangslage

Bei der vorgezogenen Neuwahl im November 2022 gewann die Socialdemokratiet der Ministerpräsidentin Mette Frederiksen leicht hinzu und erzielte mit 27,5 % mit Abstand die meisten Mandate. Insgesamt verlor der sogenannte „rote Block“ aus sozialistischen, sozialliberalen und grünen Parteien jedoch seine Mehrheit im Parlament. Unter den konservativen, wirtschaftsliberalen und rechtspopulistischen Parteien des „blauen Blocks“ ereigneten sich größere Verschiebungen. So verlor die Venstre rund zehn Prozentpunkte, während die vom ehemaligen Venstre-Vorsitzenden Lars Løkke Rasmussen gegründeten Moderaterne – welche sich keinem Block zuordneten – drittstärkste Partei wurden. Zudem wurde die Dansk Folkeparti weitgehend von den Danmarksdemokraterne und Liberal Alliance abgelöst.

Mit Unterstützung dreier Abgeordneter aus Grönland und den Färöerinseln hätte es wieder eine vom roten Block getragene Regierung geben können. Frederiksen forcierte jedoch Verhandlungen über die traditionellen Blockgrenzen hinweg, auch weil die Radikale Venstre einer Fortsetzung der sozialdemokratischen Alleinregierung ablehnend gegenüberstand. So einigten sich Socialdemokratiet, Moderaterne und Venstre bis zum 14. Dezember 2022 auf eine Koalition und formten die Regierung Frederiksen II, die anfänglich 89 der 179 Abgeordneten hatte.

Die sogenannte SVM-Regierung blieb während der Legislaturperiode ungewöhnlich unpopulär; als besonderer Belastungsfaktor galt für die drei Parteien die Abschaffung des Feiertags Store Bededag.

Am 26. Februar 2026 kündigte Ministerpräsidentin Frederiksen die Ausschreibung der Neuwahl bereits für den 24. März 2026 an. Laut dänischer Verfassung wäre der spätestmögliche Wahltermin der 31. Oktober 2026 gewesen.

Parteien Dänemark In Dänemark waren zwölf Parteien aufstellungsberechtigt.

Partei Partei-buchstabe Europäische Partei Stimmen 2022 Mandate 2022 zuletzt A SPE 27,5 % 50 50 B ALDE 3,8 % 7 6 C EVP 5,5 % 10 10 F EGP 8,3 % 15 15 H — — — 1 I — 7,9 % 14 15 M ALDE 9,3 % 16 12 O P.eu 2,6 % 5 7 V ALDE 13,3 % 23 23 Æ — 8,1 % 14 16 Ø ELA 5,2 % 9 9 Å DiEM25 3,3 % 6 6

Färöer Auf den Färöern traten folgende Parteien an:

Partei Partei-buchstabe Wahl 2022 Mandate Stimmen % 2022 zuletzt A 4.933 18,1 % 0 0 B 8.205 30,2 % 1 1 C 7.672 28,2 % 1 1 E 4.210 15,5 % 0 0 F 936 3,4 % 0 0 H 1.217 4,5 % 0 0

Grönland In Grönland waren folgende Parteien zur Wahl zugelassen und angetreten:

Partei Partei-buchstabe Wahl 2022 Mandate Stimmen % 2022 zuletzt S 7.438 38,6 % 1 0 IA 4.844 25,2 % 1 1 D 3.654 19,0 % 0 0 N 2.416 12,5 % 0 1 A 728 3,8 % 0 0

Umfragen Verlauf mini|hochkant=1.5|Umfrageverlauf seit der vergangenen Wahl Nach dem Wahlergebnis und der erfolgten Regierungsbildung zwischen Socialdemokratiet, Venstre und Moderaterne sanken die Umfragewerte der Socialdemokratiet innerhalb eines halben Jahres auf nur noch knapp 20 Prozent; einen Tiefstand, den die Sozialdemokraten zuletzt 2015 in Umfragen verzeichneten. Im gleichen Zeitraum stiegen die Umfragewerte der Socialistisk Folkeparti von acht auf um die 15 Prozent an. Ein vergleichbarer Effekt zeigte sich auch auf der konservativen Seite, wo die Venstre im Mai 2023 nur noch bei zehn Prozent stand und somit von der rechtslibertären Liberal Alliance überholt wurde, die erstmals auf Umfragewerte von über zehn Prozent kam. Im Verlauf des folgenden Jahres steigerte sich die Liberal Alliance weiter, sodass Umfrageinstitute wie Voxmeter sie im Mai 2024 regelmäßig bei über 15 Prozent sahen.

Rund um die Europawahl im Juni 2024 näherten sich Socialdemokratiet und Socialistisk Folkeparti einander bis auf wenige Prozentpunkte an. Zwei Umfragen sahen die Socialistisk Folkeparti leicht in Führung. In den darauffolgenden Monaten erholte sich die Socialdemokratiet leicht, die Werte sanken bis Ende 2025 aber erneut auf unter 20 Prozent ab. Erst die im Januar 2026 eskalierende Grönlandkrise wendete den Abwärtstrend. Zum Zeitpunkt der Wahlausschreibung im Februar 2026 verzeichneten die Sozialdemokraten einen Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten in den Umfragen. Auch die Moderaterne um Außenminister Lars Løkke Rasmussen erfuhren infolge der Grönlandkrise einen positiven Schub.

Letzte Umfragen vor der Wahl Institut Datum Folketingswahl 2026 24.03.2026 21,9 10,1 7,7 11,6 5,8 9,4 7,6 6,3 5,8 2,6 9,1 2,1 0,1 Megafon 23.03.2026 20,9 9,6 6,8 12,5 6,8 10,2 7,5 6,7 5,9 3,0 7,6 2,3 0,2 Verian 23.03.2026 22,0 10,5 6,8 12,6 6,5 8,8 8,5 5,5 5,8 3,0 7,5 2,4 0,1 Voxmeter 23.03.2026 22,4 9,7 7,1 11,8 6,9 10,8 6,8 6,1 5,2 2,8 7,6 2,8 — YouGov 23.03.2026 20,4 9,3 6,4 13,9 6,3 9,6 8,3 7,2 4,6 2,4 9,9 2,0 0,2 Epinion 21.03.2026 20,0 8,6 6,6 12,6 6,9 11,0 7,6 7,9 5,0 2,0 9,5 2,2 0,1 Folketingswahl 2022 01.11.2022 27,5 13,3 9,3 8,3 8,1 7,9 5,5 5,2 3,8 3,3 2,6 — 5,2

Ergebnisse Die Wahl brachte der bisherigen Mitte-Regierung aus Socialdemokratiet, Venstre und Moderaterne deutliche Verluste; die drei Parteien büßten 19 Mandate ein und kamen nur noch auf 70 Sitze. Für eine Regierung war dies die schwerste gemeinsame Wahlniederlage seit 1973. Zugleich entstand ein stark fragmentiertes Parlament mit zwölf Parteien; erstmals seit Einführung der Zwei-Prozent-Sperrklausel 1953 scheiterte keine der Parteien auf dem Stimmzettel.

Dänemark

Socialdemokratiet blieb zwar landesweit stärkste Kraft, erzielte mit 21,8 % jedoch ihr schlechtestes Ergebnis seit 1903. Die Partei wurde dennoch in 80 der 92 Wahlkreise stärkste Kraft, verlor aber in allen 92 Wahlkreisen gegenüber 2022 an Stimmen. In fünf Wahlkreisen der Hauptstadt wurde Enhedslisten stärkste Partei; Det Konservative Folkeparti lag in Gentofte und Rudersdal vorn, Danmarksdemokraterne im Wahlkreis Ringkøbing. Für Venstre bedeuteten 10,1 % das schlechteste Resultat ihrer Geschichte; damit unterbot die Partei sogar ihren bisherigen Tiefstwert von 1987. SF erzielte mit 11,6 % und 20 Mandaten ihr bestes Folketingswahlergebnis seit 1987 und wurde erstmals zweitstärkste Partei im Folketing. Dansk Folkeparti gelang nach dem historischen Tief von 2022 mit einem Zuwachs um 6,5 Prozentpunkte und elf Mandate ein deutliches Comeback.

Gesamtergebnis Partei Liste Stimmen Prozent Prozent+/− Wahlkreis-mandate Aus­gleichs-mandate Mandategesamt Mandate+/− A779.252 21,8 % −5,7 % 37 1 38 −12 F413.306 11,6 % +3,3 % 18 2 20 +5 V361.689 10,1 % −3,2 % 15 3 18 −5 I334.421 9,4 % +1,5 % 12 4 16 +2 O324.518 9,1 % +6,5 % 12 4 16 +11 M274.775 7,7 % −1,6 % 10 4 14 −2 C270.749 7,6 % +2,1 % 11 2 13 +3 Ø226.037 6,3 % +1,1 % 7 4 11 +2 B207.442 5,8 % +2,0 % 5 5 10 +3 Æ205.302 5,8 % −2,3 % 7 3 10 −4 Å91.770 2,6 % −0,7 % 1 4 5 −1 H75.928 2,1 % neu − 4 4 neu 2.436 0,1 % ±0,0 % − − − −Gültige Stimmen 3.567.625 100,0 % — 135 40 175 —Ungültige Stimmen46.647 1,3 % ↳ Leere Stimmzettel 37.597 1,0 % ↳ Andere ungültige Stimmen 9.050 0,3 %Abgegebene Stimmen3.614.272 84,0 %Wahlberechtigte 4.303.429 Quelle: dst.dk

Ergebnis nach Landesteilen und Großwahlkreisen Die Socialdemokratiet wurde in neun der zehn Großwahlkreise (storkreds) erneut stärkste Partei, verloren aber in allen deutlich an Stimmen. Im Københavns Storkreds verlor sie die Spitzenposition an die Enhedslisten. Die Socialistisk Folkeparti steigerte ihr Ergebnis in acht der zehn Großwahlkreise auf über 10 Prozent. Der Venstre gelang dies hingegen nur noch in fünf. Besonders stark verlor die Venstre in der Hauptstadtregion. Im Københavns Storkreds stürzten sie auf 3,6 % der Stimmen ab, obwohl sie dort 2019 noch einen Stimmenanteil von 15 % hatten. Die Dansk Folkeparti erreichte ihr bestes Ergebnis im Sjællands Storkreds und wurde dort zweitstärkste Partei. Det Konservative Folkeparti wurde im Nordsjællands Storkreds zweitstärkste Partei.

Großwahlkreis / Landesteil Hovedstaden 18,5 9,5 10,0 12,5 1,2 8,7 9,0 8,2 5,9 1,5 10,7 4,2 0,2 Københavns Storkreds 15,3 12,0 9,0 13,3 0,8 8,0 8,2 5,5 3,6 0,7 16,6 6,6 0,4 Københavns Omegns Storkreds 21,9 8,4 10,1 12,0 1,5 8,3 9,1 11,0 5,6 1,7 8,0 2,6 — Nordsjællands Storkreds 18,9 7,3 12,0 11,9 1,6 10,3 10,3 9,7 8,6 2,4 4,6 2,4 — Bornholms Storkreds 30,5 1,8 3,7 11,6 1,8 5,1 5,8 10,5 17,6 4,2 5,6 1,8 — Sjælland-Syddanmark 23,6 3,4 6,0 11,2 2,7 9,2 8,0 11,9 11,8 6,1 4,3 1,7 — Sjællands Storkreds 22,9 3,4 6,0 12,6 2,8 8,9 9,0 14,3 8,6 5,4 4,2 1,9 — Fyns Storkreds 26,2 4,4 7,0 12,3 2,3 8,4 7,6 8,6 10,1 4,8 6,1 2,2 — Sydjyllands Storkreds 22,7 2,9 5,3 8,5 3,0 10,2 7,1 11,4 16,9 7,9 3,2 1,1 — Midtjylland-Nordjylland 23,0 5,0 7,1 11,2 2,3 10,2 6,3 6,9 12,3 9,2 4,5 2,0 0,0 Østjyllands Storkreds 21,1 7,1 7,7 13,3 2,1 10,5 7,4 6,6 9,7 4,9 6,3 3,0 0,0 Vestjyllands Storkreds 20,6 3,1 8,0 10,0 2,6 10,1 5,7 7,5 16,0 12,7 2,6 1,1 0,1 Nordjyllands Storkreds 27,8 3,7 5,4 9,1 2,4 9,7 5,1 6,9 12,6 12,3 3,6 1,4 —

Mandatszuteilung Die folgende Tabelle zeigt die Zahl der Wahlkreismandate, die in den jeweiligen Wahlkreisen zugeteilt wurden. In Klammern angegeben ist zudem die Zahl der Ausgleichsmandate, die zusätzlich an Kandidaten aus dem Wahlkreis fielen.

Großwahlkreis Gesamt Københavns Storkreds 17 (3) 3— 2(1) 2— 3— 0— 1(1) 1(1) 1— 0— 0— 3— 1— Københavns Omegns Storkreds 11 (3) 3— 1— 1— 2— 0— 1— 1— 1(1) 0(1) 0— 1— 0(1) Nordsjællands Storkreds 10 (6) 3— 1— 1(1) 1(1) 0(1) 1— 1(1) 1— 1— 0(1) 0(1) 0— Bornholms Storkreds 2 1 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 Sjællands Storkreds 20 (6) 5— 0(1) 1(1) 3— 0(1) 2(1) 2— 3(1) 2— 1— 1— 0(1) Fyns Storkreds 12 (3) 4— 0(1) 1— 2— 0— 1— 1— 1— 1(1) 0(1) 1— 0— Sydjyllands Storkreds 17 (5) 5— 0— 1— 2— 0(1) 2— 1(1) 2(1) 3— 1(1) 0(1) 0— Østjyllands Storkreds 19 (6) 5(1) 1— 2— 3— 0(1) 2— 1(1) 1(1) 2(1) 1— 1— 0(1) Vestjyllands Storkreds 13 (1) 3— 0(1) 1— 1— 0— 1(1) 1— 1— 3— 2— 0(1) 0— Nordjyllands Storkreds 14 (5) 5— 0(1) 1— 1(1) 0— 1(1) 1— 1— 2— 2— 0(1) 0(1)

Färöer

Partei Liste Stimmen Mandate Anzahl % +/− Anzahl +/− C 13.072 44,9 +15,7 1 ±0 B 7.341 25,2 −6,1 1 ±0 A 4.378 15,0 −1,0 0 0 E 3.887 13,4 −4,5 0 0 H 433 1,5 −5,4 0 0 Gültige Stimmen 29.111 100,0 — 2 — Leere Stimmzettel 188 0,6 Ungültige Stimmen 107 0,4 Abgegebene Stimmen 29.406 100,0 Wahlberechtigte/Wahlbeteiligung 38.955 75,5Quelle: kvf.fo

Grönland

ParteiStimmenMandateListenerstplatziert Anzahl % +/− Anzahl +/− IA6.133 29,2 % +4,0 % 1 ±0 Naaja H. Nathanielsen N5.268 25,1 % +12,6 % 1 +1 Qarsoq Høegh-Dam D3.767 19,0 % ±0,0 % 0 ±0 Anna Wangenheim S3.515 16,8 % −21,8 % 0 −1 Ineqi Kielsen A2.290 10,9 % +7,1 % 0 ±0 Ellen SchärfeGültige Stimmen 20.973 100,0 % — 2 — —Leere Stimmzettel 297 1,4 %Ungültige Stimmen 158 0,7 %Abgegebene Stimmen 21.428 52,3 %Wahlberechtigte 40.952 Quelle: valg.gl

Die beiden grönländischen Mandate gingen an Inuit Ataqatigiit und Naleraq; das regierende Demokraatit verfehlte dagegen den Einzug ins Folketing. Das Ergebnis wurde als Signal eines politisch gespaltenen Grönlands interpretiert: Mit Naaja H. Nathanielsen zog eine auf Zusammenarbeit mit Dänemark setzende Vertreterin von IA ein, mit Qarsoq Høegh-Dam von Naleraq zugleich ein Politiker, der einen rascheren Weg zur Unabhängigkeit von Dänemark fordert. Mit dem Erfolg Naleraqs gewann damit erstmals eine ausdrücklich auf schnelle Loslösung von Dänemark gerichtete Linie ein grönländisches Mandat im Folketing.