Das Gymnasium Nordhorn ist ein Gymnasium in Nordhorn in Niedersachsen. 1925 gegründet, ist es das älteste Gymnasium im Landkreis Grafschaft Bentheim.

Geschichte Nachdem die Textilindustrie in Nordhorn (Rawe, Povel und Niehues & Dütting (NINO)) nach dem Ersten Weltkrieg einen Aufschwung hatte, die Inflation 1923 durchgestanden war, der preußische Kultusminister Carl Heinrich Becker die Gründung von „Aufbauschulen“ forderte und es in der Grafschaft Bentheim, die zu diesem Zeitpunkt etwa 50.000 Einwohner hatte, noch keine Schule mit zum Hochschulzugang berechtigten Abschluss gab, mehrten sich Forderungen nach der Gründung einer Oberschule. Die Forderungen wurden von den Landräten Richard Böninger und Heinrich Specht unterstützt. So nahm das Gymnasium Nordhorn am 1. April 1925 als „Aufbauklasse für die männliche Jugend nach dem Lehrplan der Oberrealschule“ an verschiedenen Standorten innerhalb Nordhorns seinen Betrieb auf. 1928 wurden die Standorte in einem Neubau am Postdamm, wo sie sich bis dato befindet, zusammengefasst. Abweichend von der Bezeichnung war die Schule von Beginn an koedukativ.

Die Zeit des Nationalsozialismus wird uneinheitlich rezipiert. So waren einerseits vermutlich über 90 % der Schüler in der Hitlerjugend organisiert, andererseits wurden kaum Parteiuniformen getragen und ein Lehrer war in einer bürgerlichen Widerstandsgruppe aktiv. In den Jahren 1937–1954 war die Schulzeit auf 12 Jahre begrenzt. Am 1. April 1939 wurde die Schule zu einer grundständigen „Deutschen Oberschule“ mit Latein als Fremdsprache umgegliedert. Im Zweiten Weltkrieg verloren zwanzig Prozent der Abiturjahrgänge 1930–1935 ihr Leben. Im Frühjahr 1945 wurden 31 männliche Schüler der Oberprima mit „Reifevermerk“ entlassen, wobei bis zum 1. Mai 1945 siebzehn fielen. Ab Dezember 1945 konnte der Schulbetrieb, nach Belegung des Gebäudes durch das Rote Kreuz und Besatzungstruppen, schrittweise im Schichtbetrieb wieder aufgenommen werden. Teilweise wurde der Unterricht im nahegelegenen Kolpinghaus abgehalten. Die Schülerzahlen stiegen stark an, u. a. durch Kinder Heimatvertriebener. Ab Mitte der 1950er Jahre konnte die Situation durch mehrere Anbauten und die Gründung anderer weiterführender Schulen im Landkreis zunehmend entschärft werden, wohingegen der Mangel an Lehrkräften bis in die 1970er Jahre erheblich blieb. Verschiedene Reformen des niedersächsischen Schulwesens wurden umgesetzt. Im Jahr 1971 wurde eine große Turnhalle errichtet; 1997 kam eine Cafeteria mit mehreren Unterrichtsräumen und ab 2002 ein Eckgebäude hinzu. Im Jahr 1980 war das Gymnasium Kulisse für die Anfangsszenen des Filmes Luftwaffenhelfer.

Seit 2008 gibt es mit dem Evangelischen Gymnasium Nordhorn ein weiteres Gymnasium in Nordhorn.

Profil Das Gymnasium ist seit 2002 eine Europaschule, welche über ein MINT-Profil verfügt und seit 2009 als „Sportfreundliche Schule“ zertifiziert ist. Zudem ist sie wiederholt als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet worden.

Personen Lehrer Günter Wojaczek (1932–1997), nach 1960 übergangsweise Lehrer, Klassischer Philologe Dennis Breder (* 1980), ab dem Schuljahr 2010/11 Referendar für die Fächer Mathematik und Physik

Absolventen Abiturjahrgang Name Lebensdaten Kurzinformation 1933 Wilhelm Buddenberg 1914–1992 Lehrer und Politiker 1954 Bernhard Großfeld 1933–2024 Hochschullehrer für Jura 1961 Peter Veddeler * 1941 Historiker und Staatsarchivar 1961 Ferdinand Ahuis * 1942 Evangelischer Theologe 1963 Gerd-Jan Krol * 1943 Wirtschaftswissenschaftler 1965 Hanna Krabbe * 1945 Ehemalige Terroristin der Rote Armee Fraktion (RAF) 1969 Karl-Wilhelm ter Horst * 1950 Sozialwissenschaftler, Theologe und Pfarrer 1972 Bernhard Brink * 1952 Schlagersänger sowie Fernseh- und Radiomoderator 1980 Friedhilde Trüün * 1961 Kinderstimmpädagogin und Kirchenmusikerin 1982 Klaus Wiener * 1962 Mitglied des 20. Deutscher Bundestag (CDU) 1983 Thomas Ebers * 1964 Fachbuchautor, Referent und Verleger 1984 Andreas Sentker * 1964 Geschäftsführender Redakteur Die Zeit und Herausgeber des Magazins Zeit Wissen 1986 Stefan Wintels * 1966 Vorstandsvorsitzender der KfW-Bankengruppe 1991 Ebba Durstewitz * 1971 Musikerin, Sängerin, Literaturwissenschaftlerin und freie Autorin 1996 Jeroen S. Dickschat * 1977 Chemiker und Hochschullehrer 2000 Sarah Liu * 1981 Moderatorin, Fernseh- und Theaterschauspielerin sowie Kommunikationscoach 2002 Jessica de Bloom * 1983 Hochschullehrerin für Psychologie an der Reichsuniversität Groningen 2002 Christian-Hendrik Heeger * 1982 Professor für Kardiologe und Elektrophysiologie, Hochschullehrer am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein 2002 Timo Hennig * 1982 Hochschullehrer für Psychologie an der Universität Potsdam 2002 Ulrike Henny-Krahmer * 1982 Juniorprofessorin für Digital Humanities an der Universität Rostock 2002 Matthias Johannink * 1983 Hochschullehrer für Thermodynamik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg 2002 Arne Rigterink * 1982 Handballspieler bis 2004 HSG Nordhorn, 2004–2010 TV Hüttenberg (2. Bundesliga), ab 2010 HSG Pohlheim (3. Bundesliga); Geschäftsführer der Rigterink Logistik GmbH & Co. KG 2003 Simon Heeger * 1983 Musikproduzent und Komponist 2003 Henner Will (1984–2011) Sohn von Gerd Ludwig Will, Namensgeber der Henner Will Stiftung 2004 Christoph Domnick Privatdozent, Chirurg an der Euregio-Klinik Grafschaft Bentheim 2004 Dennis Dreiskemper Professor für Sportpsychologie an der TU Dortmund

Sonstige Persönlichkeiten Günter Wojaczek (1932–1997), Klassischer Philologie, nach 1960 übergangsweise Lehrer Anna-Lena Grönefeld * 1984, ehemalige Tennisspielerin, Schulbesuch bis zur Mittleren Reife 2001 Dennis Breder * 1980, ab dem Schuljahr 2010/11 Referendar für die Fächer Mathematik und Physik

Weitere Schüler Anna-Lena Grönefeld (* 1985), Schulbesuch bis zur Mittleren Reife 2001, Tennisspielerin

Siehe auch Liste der Schulen in Niedersachsen

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Nordhorn Nordhorn Kategorie:Schule im Landkreis Grafschaft Bentheim Kategorie:Organisation (Nordhorn) Kategorie:Europaschule Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1925