mini|Belgische Briefmarke mit Sonntagsanhängsel, 1897
Die Sonntagsmarke war ein abtrennbares Anhängsel an belgischen Briefmarken und Ganzsachen, mit dem der Absender die Briefzustellung an Sonntagen und Feiertagen ausschließen konnte. Das Anhängsel trug die zweisprachige Aufschrift „Ne pas livrer le dimanche“ und „Niet bestellen op zondag“ (sinngemäß: „Sonntags nicht zustellen“). Blieb es an der Marke, sollte die Sendung nicht an einem Sonn- oder Feiertag zugestellt werden; wurde es entfernt, wurde die Sendung wie gewöhnliche Post behandelt.
Die Sonntagsmarke war kein eigenes Postwertzeichen mit zusätzlichem Frankaturwert. Aus dem amtlichen Erlass ist kein Zuschlag ersichtlich; die Marken sollten zum Nennwert verkauft werden. In der internationalen Philatelie wird das Anhängsel unter anderem als Sunday label, dominical label oder französisch als bandelette bezeichnet.
Geschichte und Einordnung Die Einführung der Sonntagsanhängsel beruhte auf einem königlichen Erlass vom 14. Mai 1893 und einem ministeriellen Erlass vom 15. Mai 1893. Die Ausgabe begann mit der 10-Centimes-Marke, die ab dem 1. Juni 1893 verkauft werden sollte. Zeitgenössisch wurde die Regelung in der philatelistischen Presse als Versuch kommentiert, die Sonntagsarbeit der Briefträger zu verringern.
Als erste belgische Briefmarkenserie mit Sonntagsanhängsel gilt die Ausgabe von 1893 mit dem Porträt Leopolds II., die in der Philatelie als Fine Barbe bezeichnet wird. Die ersten Dauermarken König Alberts I. nach Entwurf von Édouard Pellens aus dem Jahr 1912 werden als letzte Ausgaben mit Sonntagsanhängsel beschrieben.
Während des Ersten Weltkriegs wurden bestehende belgische Marken und Ganzsachen in nicht besetzten Gebieten sowie beim belgischen Postamt in Sainte-Adresse bei Le Havre zunächst weiterverwendet. Neue belgische Briefmarken und Ganzsachen vom 15. Oktober 1915 trugen kein Sonntagsanhängsel mehr.
Von der belgischen Sonntagsmarke zu unterscheiden sind Sonntagszustellungsmarken anderer Länder. Während das belgische Anhängsel die Zustellung an Sonn- und Feiertagen ausschloss, bezeichnet Sunday delivery stamp in anderen Zusammenhängen Marken für eine besondere Zustellung an solchen Tagen, etwa in Bulgarien.
Ganzsachen mini|Belgische Ganzsache von 1893 mit Hinweis zur Sonntagszustellung
Das Prinzip wurde auch auf belgische Ganzsachen übertragen. Nach Chris Howe erschienen die Briefmarken mit abtrennbarer bandelette im Juni 1893; die entsprechenden Postkarten folgten im Dezember desselben Jahres. Bei diesen Karten verwiesen Hinweise am unteren Rand auf das Sonntagsanhängsel, zunächst durch ein Sternchen, später durch eine Ziffer und anschließend wieder durch ein Sternchen.
Abgrenzung Von der belgischen Sonntagsmarke zu unterscheiden sind postalische Formen, die eine besondere Sonntagszustellung ermöglichten oder kennzeichneten. Während das belgische Anhängsel die Zustellung an Sonn- und Feiertagen ausschloss, wurden in anderen Ländern besondere Gebühren oder Kennzeichnungen für eine Zustellung an solchen Tagen verwendet. Dazu zählen etwa dänische Søndagsbrev-Vermerke bei zusätzlich bezahlter Sonntagszustellung sowie bulgarische Sunday delivery stamps beziehungsweise Sunday tax stamps für Sendungen, die an Sonn- oder Feiertagen zugestellt werden sollten.
Der englische Ausdruck Sunday stamps ist daher mehrdeutig: Er kann sowohl das belgische Anhängsel mit der Aufschrift „Do not deliver on Sunday“ als auch besondere Zustellungs- oder Steuerzeichen anderer Postverwaltungen bezeichnen.
Einzelnachweise
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