Karl Grune, gebürtig Bertold GrünwaldBei der Firma "Karl Grune Film GmbH" (HRB 38847) ist als Geschäftsführer genannt: Regisseur Bertold Grünwald genannt Karl Grune. Eintrag im Handelsregister Berlin am 1. Oktober 1926. (* 22. Januar 1885in älteren Quellen wird zumeist das Jahr 1890 angegeben, das sich jedoch als falsch erwiesen hat. Neben Kay Wenigers 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …' bestätigt auch das englische Sterberegister das Geburtsjahr 1885 in Wien; † 1. Oktober 1962 in Bournemouth, GroßbritannienEngland und Wales, nationaler Nachlasskalender, Jahr 1962, Eintrag Karl Grune. Quelle: ancestry.com) war ein österreichischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent.

Leben Grune war der Sohn eines Lehrers und wollte zunächst Schauspieler werden. Er besuchte im Alter von 17 Jahren das Konservatorium in Wien und nahm Unterricht bei Ferdinand Gregori und Hermann Thimig. Seine erste Spielzeit brachte ihn 1910/11 ans Stadttheater in Budweis. Die folgenden Jahre spielte er in Regensburg, Laibach und Czernowitz, wo er erstmals auch Regie führte. Grune ging 1914 als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg. Aufgrund einer schweren Verwundung in Russland verlor er 1918 vorübergehend sein Sprechvermögen. 1916–18 spielte er an der Volksbühne in Wien. 1918/19 an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. Seine letzte Theatersaison hatte er 1920/21 in Berlin an den Barnowsky-Bühnen (Lessing-Theater und Deutsches Künstlertheater). Grune spielte am Theater meist Nebenrollen.

Friedrich Zelnik holte Grune zum Film, beschäftigte ihn zunächst als Dramaturg. Sein Film-Regiedebüt gab Karl Grune 1919. Viele seiner frühen Filme gelten als verschollen.

Im Jahr 1921 beteiligte er sich als Gesellschafter an der Stern-Film GmbH (1918–1926)Quelle: Handelsregisterakte Stern-Film, Signatur A Rep. 342-02 - 12498, Landesarchiv Berlin und gründete im September 1926 die Karl Grune Film GmbH (1926–1930).

1923 drehte er im Ruhrgebiet den Bergmannsfilm Schlagende Wetter mit Liane Haid und Eugen Klöpfer in den Hauptrollen. Der Film war durch seinen Naturalismus bemerkenswert, das in einer Zeit als gemalte und oftmals expressionistische Filmdekoration die Norm war. Die Straße (1923) gilt als Hauptwerk Grunes. Zur Zeit der Nachkriegsinflation zeigte er Verlockungen und Abgründe der Großstadt im kleinbürgerlichen Lebensraum und setzte diesmal auch auf expressionistische Stilmittel. 1926 schuf er mit Conrad Veidt und Lil Dagover den Film Die Brüder Schellenberg, der ebenfalls die abgründige, mit dem schnellen Erfolg lockende Großstadt zum Thema hat. In der 1927 folgenden pazifistischen Film-Parabel Am Rande der Welt steht eine Müllersfamilie zwischen zwei verfeindeten Staaten im Mittelpunkt; Wilhelm Dieterle, Albert Steinrück und Brigitte Helm spielen die Hauptrollen. Die Produktionsfirma UFA änderte jedoch ohne Grunes Wissen das Ende des Films. Grune klagte vor Gericht gegen die UFA und verlor. Gleich im Anschluss daran drehte er mit Königin Luise eine Huldigung an die gleichnamige Preußenkönigin.

1928 ging Grune nach München, wo er für den Emelka-Konzern einen großen Waterloo-Film drehte. Obwohl der Film ein Verlustgeschäft war, ernannte die Emelka ihn 1930 zum Produktionschef.

Im Juli 1929 gründete er in Berlin die Karl Grune Filmgesellschaft mbHHandelsregister Berlin HRB Nr. 42913.

1933 emigrierte Grune nach England, wo er seine Arbeit als Regisseur und Produzent fortsetzte. Er drehte Der rote Sultan mit Fritz Kortner, 1936 dann den Opernfilm Der Bajazzo nach Ruggiero Leoncavallo mit Richard Tauber. Danach konnte er kaum mehr im Filmgeschäft Fuß fassen.

1958 heiratete er Beate Schach (1887–1962)Korrekter Name: Schacherl geb. Ehrenfels, Bertha, genannt Beate Schach. Das ist auch die exakte Namensangabe auf einer Akte im Berliner Bundesarchiv (Signatur R 87/2271), in der es um Enteignung im 3. Reich geht., die Witwe des Filmproduzenten Max Schach.England und Wales, Heiratsindex, Jahr 1958, Einträge Karl Grune/Beate Schach/Beate Schacherl. Quelle: ancestry.com Sie verstarb einen Tag nach Karl Grunes Tod.England und Wales, nationaler Nachlasskalender, Jahr 1962, Eintrag Beate Grune. Quelle: ancestry.comVerwirrung herrscht offensichtlich über Karl Grunes erste Ehe (vor 1939). Die von manchen Autoren aufgestellte Behauptung, er sei mit Beate Schach, Schwester des Filmproduzenten Max Schach, verheiratet gewesen, dürfte ein Trugschluss sein. Max Schachs Ehefrau Bertha hatte unter dem Künstlernamen Beate Schach in der Stummfilmzeit gemeinsam mit Karl Grune Drehbücher verfasst.

Zitate „Technik darf nur Mittel zum Zweck sein, nie Selbstzweck.“

„Ich habe mich bemüht, der Kamera stets Neues zu erschliessen, und hieraus erklärt sich auch der Umstand, daß ich noch nie zwei gleichartige Filme hintereinander gedreht habe.“

(Karl Grune in: Wir über uns selbst, Hrsg. Dr. Hermann Treuner, Sibyllen-Verlag, Berlin 1928)

Filme (Auswahl) 1919: Der Mädchenhirt 1919: Menschen in Ketten 1920: Nacht ohne Morgen 1921: Nachtbesuch in der Northernbank 1922: Frauenopfer 1922: Der Graf von Charolais 1923: Schlagende Wetter 1923: Die Straße 1924: Arabella, der Roman eines Pferdes 1924: Komödianten 1925: Eifersucht 1926: Die Brüder Schellenberg 1927: Am Rande der Welt 1927/28: Königin Luise (2 Teile) 1928: Marquis d’Eon, der Spion der Pompadour 1929: Waterloo 1929: Katharina Knie 1931: Das gelbe Haus des King-Fu 1932: Peter Voß, der Millionendieb (Produzent) 1935: Der rote Sultan (Abdul the Damned) 1936: The Marriage of Corbal 1936: Der Bajazzo (Pagliacci) 1947: The Silver Darlings (Produzent)

Literatur Uli Jung: Ein echt vaterländisches Filmwerk? Karl Grune: WATERLOO (D 1929), in: Filmblatt 2. Jg. , Nr. 3, S. 10–14. Film als Zeitausdruck – gegen Mischmaschfilme. Zwei Texte von Karl Grune (Was Karl Grune, der Regisseur, über den Russen-Film zu sagen weiß... (1929) / Der Film der Gesinnung (1927)), in: Filmblatt 2. Jg. , Nr. 3, S. 15–16. Jörg Schöning: Karl Grune – Regisseur, Autor, Produzent. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 1, 1984. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Band 3: F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 422. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 219.

Einzelnachweise

Anmerkungen

Weblinks

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