Der Antonplatz ist ein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegter Stadtplatz im Berliner Ortsteil Weißensee des Bezirks Pankow. Er liegt unmittelbar an der Berliner Allee und umfasst rund 1500 m².Gebäudealter 1992/93: Umkreis des Antonplatzes. fbinter.stadt-berlin.de
Lage Der Platz liegt im Weißenseer Gründerviertel. Von ihm gehen in nordwestlicher Richtung die Langhansstraße und in nördlicher Richtung die Max-Steinke-Straße ab. Er umfasst den gesamten Kreuzungsbereich mit der Berliner Allee und seine technischen Maße des eigentlichen, gepflasterten Stadtplatzes lassen sich mit 45 Meter in der Länge und 35 Meter in der Breite angeben. Bei der letzten städtebaulichen Umgestaltung nach Plänen des Landschaftsbüros Hanke + Partner wurde auch das direkt angrenzende Areal südlich der Berliner Allee inklusive der Freiflächen rund um das Kino neu geordnet. Die gesamte gestalterisch zusammenhängende Fläche des Antonplatzes beläuft sich auf rund 3.700 Quadratmeter.Bezirksamt Pankow von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung: Dokumentation zur Neugestaltung des Antonplatzes, November 2008.
Geschichte Als Gustav Adolf Schön – einer der Gründer des städtischen Weißensee (anfangs Neu-Weißensee) – Kapital für seine Bodenspekulationen benötigte, wurde er von seinem Bruder Anton Matthias Schön nach Kräften unterstützt. Ihm zu Ehren bekam der Platz um 1874 den Namen Antonplatz. Auf dem Situationsplan von 1882 befindet sich an der Nordostseite des Antonplatzes das Chausseehaus (das Steuerhaus liegt 450 Meter berlinwärts vor der Weichbildgrenze Berlins). Die Trassen des Hobrechtplans laufen über den Platz: Straße 31 nach Westen und Straße 40 nach Südosten. Der Platz liegt an der Chaussee, und als angelegte Straßen sind Traugottstraße (seit 1878: Langhansstraße) nach Westen und Gäblerstraße (seit 1918: Max-Steinke-Straße) nach Norden aufgenommen, im gegenüberliegenden Teil des Französischen Viertels sind Straßenzüge erst projektiert.Situations-Plan von Berlin mit dem Weichbilde und Charlottenburg. D. Reimer, 1882; zlb.de Die Straßenbahnlinie der Neuen Berliner Pferdebahn zum Alexanderplatz wurde 1876 eröffnet. Nach und nach errichteten verschiedene Privatleute und Baugesellschaften drei- bis viergeschossige Bürgerhäuser in den anliegenden Straßen, die Westseite des Platzes wie die Fläche zwischen Langhansstraße und Berliner Allee blieben noch frei.Plan von Berlin. Eisenschmidt, Berlin 1888; zlb.de
mini|hochkant=1.5|links|Antonplatz mit Blick in die Max-Steinke-Straße (rechts) und die Langhansstraße mit dem Kino Toni (Mitte), 2010 mini|Antonplatz auf der Seite Max-Steinke-Straße, 2013
Aus Anlass des 100. Geburtstags Kaiser Wilhelms I. wurde am 22. März 1897 auf dem Antonplatz der Grundstein für ein Standbild des Kaisers gelegt. Das von Felix Görling geschaffene Denkmal stand in einer umzäunten Grünanlage.AK-Sammlung bezüglich Weißensee (historische Postkarte), Jahr nicht angegeben. ansichtskarten-pankow.de; abgerufen am 30. März 2010. mini|Antonplatz mit Denkmal von Kaiser Wilhelm I Auf der Stirnseite des Denkmals stand mit goldenen großen Buchstaben: KAISER WILHELM DEM GROSSEN DIE DANKBAREN BUERGER DES AMTSBEZIRKS WEISSENSEE 22. MAERZ 1897
Als der Platz 1925 aus verkehrstechnischen Gründen umgestaltet werden musste, wurde es in den Park am Weißen See versetzt.Kirsten Otto: Berlins verschwundene Denkmäler. Eine Verlustanalyse von 1918 bis heute. Lukas, Berlin 2020, ISBN 978-3-86732-357-4, S. 36.
Der Platz trug zwischen den Jahren 1898 und 1903Adressbücher sind mit dem Herausgabejahr angegeben, der Inhalt bezieht sich naturgemäß auf die Situation im jeweiligen Vorjahr. den Namen Kaiser-Wilhelm-Platz. Auf der Karte von 1907Beilage zum Adressbuch für Berlin und seine Vororte 1907. blocksignal.de ist Kaiser-Wilhelm-Platz aufgenommen, wobei Anton-Pl. in Klammern und kleineren Lettern zugefügt ist. Im Adressbuch von 1899 ist zwischen König-Chaussee 33a und 34 an die Gäblerstraße grenzend der Kaiser-Wilhelm-Platz genannt, im Vorjahr 1898 ist noch Antonplatz eingetragen. Ein eigenes Stichwort ist in beiden Fällen nicht angegeben. Im Adressbuch von 1903 lautet der Platzname an der König-Chaussee (Nordseite), der Langhansstraße und Gäblerstraße Kaiser-Wilhelm-Platz. Im Jahr 1904 hat der Anton-Platz unter dieser Bezeichnung sein eigenes Stichwort, als Lage ist König-Chaussee genannt. Am 15. Januar 1907 erfolgte der Beschluss zur elektrischen Beleuchtung der König-Chaussee zwischen Lehderstraße und Antonplatz sowie auf dem Antonplatz selbst. Neu-Weißensee stand bis zur Zusammenführung beider Orte im Jahr 1905 mit der Landgemeinde Weißensee in Konkurrenz und strebte das Stadtrecht an. Ein Plan von 1911 zeigt den Antonplatz als Straßenbahnknoten von Langhans-/Greifswalder Straße/Berliner Allee und der einmündenden Gäblerstraße.Plan von Nieder-Schönhausen, Pankow, Heinersdorf und Weißensee. Verleger Georg Westermann (1869–1945), Datierung 1911; stadtmuseum.de
Kino mini|Blick über den Platz zum Kino, 1987
Dominant am Platz ist das heutige Kino Toni & Tonino. Der Haupteingang des Lichtspieltheaters liegt zum Antonplatz, der Zuschauersaal und die Ausgänge befinden sich an der Max-Steinke-Straße. In zwei Etagen darüber befinden sich Wohnungen.
Am Antonplatz befanden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrere Lichtspieltheater. Das Kino mit dem Namen Toni am Nordrand des Platzes (Max-Steinke-Straße 43, Postanschrift Antonplatz 1) blieb namentlich erhalten. Im September 1920 wurde das Stummfilmkino mit 700 Plätzen als Decla-Lichtspiele eröffnet. Mit der Einführung der Tonfilmtechnik hieß es bis Kriegsende UFA-Theater. Die sowjetische Militäradministration enteignete die UFA und übergab das Kino 1947 dem Privatinvestor Herbert Bendel, der es bis 1979 als letzter privater Kinopächter Ost-Berlins betrieb. Nach Beseitigung der Kriegsschäden nahm das Lichtspieltheater 1948 den Spielbetrieb neu auf. Die Staatliche Bauaufsicht schloss das Kino 1979 wegen gravierender Mängel. Daraufhin übernahm die Bezirksfilmdirektion Berlin das Objekt und baute es zum Premierenkino um. Das Foyer wurde erweitert, die Anzahl der Sitzplätze auf 277 verringert und eine Bühne für Theateraufführungen hinzugefügt.
Nach dem Ende der DDR stand das zeitweilig denkmalgeschützte Gebäude leer, und die Treuhandanstalt bot es zum Verkauf an. Der in München lebende Regisseur Michael Verhoeven erwarb es 1992, ließ es sanieren und anstelle der Theaterbühne entstand ein kleinerer Zuschauerraum, das Tonino mit 102 Sitzplätzen. Der Spielbetrieb konnte nun wieder aufgenommen werden. Doch trotz stetiger privater Zuschüsse des Besitzers entstanden Verluste, außerdem waren die Zuschauerzahlen rückläufig: 1997 waren es noch 120.000 pro Jahr, 2005 wurden nur noch rund 35.000 Eintrittskarten verkauft.Stephan Strauss: Fortstetzung folgt. In: Berliner Zeitung, 27. November, S. 11. Schließlich beschädigte ein Brand im Jahr 2007 das Toni, und es musste komplett saniert werden. Eine deutliche Besserung trat erst ein, als das Toni anlässlich der Internationalen Filmfestspiele im Februar 2010 in die Berlinale-Spielstätten aufgenommen wurde.Barbara Kollmann: Berlinale auf Tournee durch die Bezirke. In: Berliner Morgenpost, 15. Februar 2010. Aus Altersgründen hat Michael Verhoeven das Kino und die Immobilie im Herbst 2017 an Thorsten Frehse und Matthias Mücke, Inhaber des 1997 gegründeten Berliner Filmverleihs Neue Visionen verkauft. Die neuen Eigentümer haben sich mit dem Kauf verpflichtet, das Toni und das Tonino weitere zehn Jahre als Kino zu betreiben.Weißensee. Traditionskino Toni macht weiter. In: Berliner Zeitung, 27. November 2017. Zum Programm des Filmverleihs gehören europäische Filmkunst, sozialkritische Filme, engagierte Dokumentarfilme und junges deutschsprachiges Kino.
Freifläche südlich des Antonplatzes
Überblick mini|Berliner Allee 13 und 14, südöstlich vom Antonplatz mini|Südliche Freifläche am Antonplatz, gesehen von der Mittelinsel der Berliner Allee mini|Am 8. Mai 1955, dem 10. Jahrestag der Befreiung, starteten Junge Pioniere am Antonplatz die Friedensstafette des damaligen Stadtbezirks WeißenseeZentralbild Schwadten 8. Mai 1955: „Berlin feiert den 8. Mai, den 10. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Am Nachmittag des 8. Mai 1955 fanden nach der großen Kundgebung auf dem Marx-Engels-Platz überall in den einzelnen Stadtbezirken Volksfeste statt, so dass dieser bedeutungsvolle Tag für alle Berliner in Freude und Frohsinn ausklang. UBz: Im Stadtbezirk Berlin-Weißensee starteten die Jungen Pioniere zur Friedensstaffette ins Ferienlager 1955“. Die jungen Pioniere am Start auf dem Antonplatz.
Ursprünglich standen hier Mietshäuser der Berliner Allee. Durch Gebäudeschäden alt-berlin.info aus dem Zweiten Weltkrieg und die Enttrümmerung war gegenüber dem Antonplatz eine Freifläche entstanden. Die beräumte Ruinenfläche war ab den frühen 1950er Jahren eine unterschiedlich gestaltete Grünanlage, die teilweise eine Brachfläche war und teilweise als Parkfläche für die Kunden von Geschäften an der damaligen Klement-Gottwald-Allee genutzt wurde.
Auf der Freifläche wurde 1963 eine Bronzestatue Der Gärtner des Künstlers Karl-Heinz Schamal aufgestellt, die es seit der Platzumgestaltung nicht mehr gibt.Website des Künstlers mit dem Hinweis auf die Statue. kunst-am-wege.de; abgerufen am 25. Februar 2010. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich seit 1979 eine von Margret Lüdtke entworfene Brunnenanlage. Sie maß sechs Meter im Durchmesser, aus einer mittigen 2,50 Meter hohen spiralförmigen Keramiksäule floss von oben das Wasser über die Anlage.
Durch Zusammenfassung finanzieller Mittel wurde Mitte der 2000er Jahre das „Sanierungsgebiet Komponistenviertel“ mit einer Erhaltungsverordnung eingerichtet. Es wurde für den Antonplatz die landschaftsplanerische Umgestaltung der unattraktivenPlatz da! Folge 6: Antonplatz. In: Der Tagesspiegel, 7. Mai 2012; abgerufen am 4. Dezember 2015. Grünfläche im Rahmen der Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Grundlage für die Bauarbeiten am und um den Antonplatz wurde mit dem Bebauungsplan XVIII-45 geschaffen (westlicher Teilbereich der öffentlichen Grünfläche südlich des Antonplatzes).Nach fünf Jahren Stadterneuerung werden Erfolge bei der Sanierung der Wohngebäude im Komponistenviertel festgestellt. juramagazin.de
mini|Neues Wasserspiel im Südbereich, im März 2010 noch ohne Wasser
Als die Freifläche zwischen 2007 und 2008 für einen Betrag von rund 800.000 Euro komplett umgestaltet wurde, ließen die Bezirksverantwortlichen die zu diesem Zeitpunkt weitestgehend marode alte Brunnenanlage abtragen. Stattdessen wurde eine nur 30 cm hohe Wasserkunst nach einem Entwurf des Bildhauers und Steinmetzen Matthias Heinz am 15. Oktober 2008 in Betrieb genommen. Es handelt sich um sieben nebeneinanderliegende und gegenläufig keilförmige Becken mit einer Gesamtlänge von 12,8 Metern bei einer Breite von 3,90 Metern aus grauem Herschenberger Granit aus Linz auf einer Stahlbetonsohle.Übergabe der neu gestalteten Grünanlage Antonplatz Süd am 15. Oktober 2008. Bezirksamt Pankow; Bericht über die Übergabe des Platzteils.Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit Details und einer Abbildung der Wasserkunst, auch ein Bild der vorherigen Brunnenkonstruktion ist zu sehen. Abgerufen am 25. Februar 2010
Unmittelbar vor der Umgestaltung der Grünfläche wurde zu Beginn der 2000er Jahre vor die Giebel der alten Bürgerhäuser und quer zur Berliner Allee eine Gebäudezeile gesetzt und ein kleines Geschäftszentrum am Rande eröffnet.
Amtliche Benennungsabsichten der Grünfläche als Park oder Platz