mini|Der Kanal in der Nähe von Fulvy mini|Schleuse 104 bei Percey mini|Vertrag einer 5-%-Obligation über 4000 Livres von Burgund für die Finanzierung des Canal de Bourgogne vom 11. November 1785 Der Canal de Bourgogne (deutsch: Burgund-Kanal) ist ein Schifffahrtskanal, der fast ausschließlich in der französischen Region Bourgogne-Franche-Comté verläuft, jedoch auch die benachbarte Region Grand Est kurz berührt. Mit seiner Länge von 243Die Angaben zur Kanallänge beruhen auf den Informationen über den und den , abgerufen am 28. November 2011, gerundet auf volle Kilometer. Kilometern verbindet er die Yonne mit der Saône und damit über weitere, anschließende Flüsse und Kanäle den Atlantik mit dem Mittelmeer.

Verlauf und technische Infrastruktur mini|Kanalbrücke über die Armance bei Saint-Florentin Der Kanal vom Typus des Wasserscheidenkanals beginnt seinen Aufstieg bei Migennes an der Yonne auf einer Höhe von rund 80 Metern über dem Meeresspiegel. Nach 158 Kilometern und Überwindung von 115 Schleusen (effektiv sind es 114 Schleusen, da die ersten beiden in Migennes zusammengelegt wurden) erreicht er die Scheitelhöhe auf 376 Metern bei Pouilly-en-Auxois. Ab hier wird der Kanal durch einen 3333 Meter langen Tunnel, den Voûte de Pouilly-en-Auxois, geführt, der die europäische Hauptwasserscheide zwischen Mittelmeer und Atlantik unterquert. Nach dem Abstieg über weitere 76 Schleusen auf einer Strecke von 92 Kilometern erreicht der Kanal bei Saint-Jean-de-Losne die Saône auf einer Höhe von etwa 180 Metern.

Die Schleusen sind beidseits des Scheiteltunnels durchnummeriert, beginnend in Pouilly-en-Auxois in Richtung Migennes, sowie unmittelbar nach dem Tunnel bei der Schleuse Escommes in Richtung Saint-Jean-de Losne, und mit dem Zusatz (auch auf den Kilometersteinen am Treidelpfad) „Y“ (Seite der Yonne) oder „S“ (Seite der Saône) versehen. Die kleinste Distanz zwischen zwei Schleusen beträgt 201 Meter (zwischen den Schleusen 37 Y Pouillenay 1 und 36 Y Chassey 6, bei km 122), die größte 10 Kilometer (zwischen den Schleusen 13 Y Pont-Royal und 12 Y Gissey, km 137 und 147). Schleusenabmessungen: 39 × 5,10 m (Freycinet-Maß) Max. Tiefgang: 1,80 m, der nördliche Teil bis Dijon hat nur einen Tiefgang von 1,40 m. Mindestdurchfahrthöhe: 3,40 m bei normalem Wasserstand (Im Tunnel von Pouilly nur 3,10 m)

Koordinaten Ausgangspunkt des Kanals: Endpunkt des Kanals:

Durchquerte Départements Yonne Côte-d’Or Aube auf etwa 1 Kilometer Länge bei Marolles-sous-Lignières

Orte am Kanal

Geschichte mini|Kanalbrücke über die Ouche Die ersten Planungen für diesen Kanal gehen auf König Ludwig XII. (1498–1515) und König Franz I. (1515–1547) zurück; schon sie wollten eine Wasserverbindung zwischen Ärmelkanal / Atlantik und dem Mittelmeer schaffen lassen. 1511 wurde eine Studie ausgearbeitet, um den Fluss Ouche zwischen Dijon und der Saône, etwa 30 km, schiffbar zu machen. 1530 gab Franz I. den Auftrag, mit den Arbeiten zu beginnen. Aber die Religionskriege ruinierten sowohl das Land als auch das Projekt. 1603 beauftragte der Minister Sully den Verantwortlichen für die Dämme im Königreich, den Holländer Humphrey Bradley, mit der erneuten Planung des erwähnten Abschnitts. Bradley entwickelte jedoch den ursprünglichen Plan aus dem 16. Jahrhundert weiter, die Flüsse Yonne und Saône miteinander zu verbinden. Dagegen wehrte sich die Stadt Dijon, hätte sie doch auf diese Weise ihre Funktion als Umladestation und damit viele Arbeitsplätze und Einnahmen verloren.

Trotzdem begann man im Jahre 1606, während der Regierungszeit Heinrichs IV., (1589–1610), diese Wasserstraße erneut ernsthaft zu planen. Unter anderem wurde eine Alternative geprüft, die ungefähr dem heutigen Verlauf des Canal du Centre entsprochen hätte, doch weitere Maßnahmen blieben aus. 1676 beauftragte der Minister Colbert den Erbauer des Canal du Midi, Pierre-Paul Riquet, mit einem Gutachten; Riquet hielt das Projekt für unrealisierbar. Vauban beschrieb 1696 in einem Gutachten die verschiedenen Möglichkeiten, wie man die Meere miteinander verbinden könnte. Aber weitere 28 Jahre vergingen ungenutzt. Die burgundische Verwaltung beauftragte den Ingenieur Joseph Abeille am 18. Mai 1724 damit, die Pläne für eine Wasserstraße zwischen der Yonne und der Saône zu erstellen. Bedingung war, dass die Scheitelhaltung bei Pouilly-en-Auxois eingerichtet wurde.

Die Pläne mit einer Streckenführung, die der tatsächlichen später sehr ähnlich sah, waren 1727 fertig, und 1752 ergab ein Gutachten, dass die Wasserversorgung des Kanals auf der Linienführung über Pouilly-en-Auxois besser gewährleistet sei als auf der Linienführung des Canal du Centre. Weitere Jahrzehnte vergingen bis 1773 Ludwig XV. ein (ein Jahr später von Ludwig XVI. bestätigtes) Edikt unterschrieb, wonach der Kanal zu erstellen sei. Das Budget des Königs würde den Teil zwischen Migennes und Pouilly-en-Auxois finanzieren, während Burgund den Teil zwischen Pouilly-en-Auxois und Saint-Jean-de-Losne zu übernehmen hatte. Die Gesamtkosten wurden auf 7 179 000 livres veranschlagt. Zur gleichen Zeit wie der Canal de Bourgogne wurden auch der Canal du Charolais (heute Canal du Centre), und der Kanal durch die Franche-Comté in Auftrag gegeben.

mini|Schleusentreppe vor der Scheitelhaltung bei Pouilly-en-Auxois 1775 begannen die ersten Vorarbeiten zwischen der Yonne und Tonnerre. Auf der Seite der Saône begann man erst 1781. Durch den gleichzeitigen Bau des Canal du Centre unter dem Chef-Ingenieur der Ponts et Chaussées von Burgund, Émiland Gauthey, waren die finanziellen Mittel sehr eingeschränkt, so dass man auf der Seite der Saône zunächst nur das Teilstück von Saint-Jean-de-Losne bis Dijon baute. Dieses wurde am 14. Dezember 1808 seiner Bestimmung übergeben. Während der Revolution, bis 1793, wurde der die Fortsetzung des Kanals bis Pont-de-Pany bildende Bauplatz verlassen, und in der Regierungszeit von Napoléon Bonaparte ab 1807 ging der Weiterbau nur sehr schleppend voran. Das 20 km lange Teilstück von Dijon bis Pont-de-Pany wurde 1814 fertig, dann ruhten die Arbeiten erneut bis 1822. Auf Betreiben des obersten Ingenieurs für das Straßen- und Brückenwesen, Joseph-Michel Dutens, und des Generaldirektors für das Straßen- und Brückenwesen, Louis Becquey, wurde in diesem Jahr auch die Compagnie de l’Emprunt du Canal de Bourgogne, also eine Aktiengesellschaft für die Herausgabe von Staatsanleihen, gegründet, um die Fertigstellung des Kanals zu ermöglichen.

mini|Treidelzugmaschine am Canal de Bourgogne, 1911 Am 28. Dezember 1832 befuhr das erste Kanalschiff den Scheiteltunnel; es erreichte am 3. Januar 1833 Dijon. Ende 1843, nach der Fertigstellung der fünf Stauwerke von Cercey, Chazilly, Grosbois, Le Tillot und Panthier für die Wasserversorgung der Scheitelhaltung bei Pouilly-en-Auxois konnte der Kanal vollständig seiner Bestimmung übergeben werden. Als im Jahre 1851 die Eisenbahnlinie zwischen Dijon und Laroche Migennes schrittweise ihren Betrieb aufnahm, wurde die wirtschaftliche Bedeutung des Canal de Bourgogne sehr gering. Dennoch wurde der Kanal bis 1882 weiter technisch verbessert. Dabei wurde auch der Freycinet-Standard eingeführt und ein zusätzlicher Speichersee am Armançon gebaut. Von den 6 Speicherseen mit einem gesamten Fassungsvermögen von 30,5 Millionen Kubikmetern speisen je drei die Seite Yonne und die Seite Saône des Kanals, und zwar über Gräben von insgesamt 70 km Länge, die teilweise unterirdisch geführt werden.

1873 wurde am Canal de Bourgogne erstmals in Frankreich eine dampfbetriebene Treidelbahn erprobt. 1911 gab es erste Versuche, mit einer Zugmaschine mit Verbrennungsmotor zu treideln.

Der Canal de Bourgogne ist eines der Beispiele dafür, wie aufgrund der endlosen Verzögerungen beim Bau die Fertigstellung des Kanals beinahe mit der Erstellung der Eisenbahnlinien zusammenfiel, so dass eine wirtschaftliche Nutzung nur über eine kurze Zeit möglich war. Die Bahnlinie Migennes – Dijon verläuft im Großen und Ganzen parallel zum Kanal, über weite Strecken in einem Abstand von nur einem Kilometer, so dass sie das gleiche Einzugsgebiet wie der Kanal aufweist. Konkurrenzlos war der Kanal somit nur während weniger Jahre.

Scheiteltunnel Pouilly-en-Auxois mini|Tunnelmund des Scheiteltunnels in Pouilly-en-Auxois

Jeder Kanal, der eine Wasserscheide überwindet, benötigt in der Scheitelhaltung einen über das Jahr hinweg ausreichenden Zufluss an Wasser. Zudem sollte die Scheitelhaltung auch lang genug sein oder muss durch Stauseen ergänzt werden, damit der Wasserverlust durch das Schleusen der Schiffe nicht spürbar ist. Am Canal de Bourgogne ist die Scheitelhaltung 6 km lang, diese Länge war geländebedingt nur durch einen Tunnel realisierbar, dieser ist 3333 m lang und ganz gerade, so dass man vom einen Ende her das andere Ende sieht, er liegt bis 34 m unter der Erdoberfläche. So weit wie möglich wurde der Kanal auf den Tunnel hin offen in jeweils einem Einschnitt mit steilen Wänden geführt, über dem Tunnel liegt eine Allee mit einem Rad- und Spazierweg.

Der Tunnel wurde zwischen 1826 und 1832 zuerst von zivilen Sträflingen, im Kaiserreich dann von spanischen und englischen Kriegsgefangenen erstellt. Als erstes wurden entlang der Trasse von der Oberfläche her 32 Lüftungsschächte gegraben (11 von ihnen sind noch heute zu sehen; sie messen etwa 2 m im Durchmesser und ragen an der Oberfläche rund 3 m über den Boden hinaus). Von jedem Schacht aus wurde der Tunnel nach beiden Seiten vorgetrieben; der Schutt wurde über die Schächte entfernt, dann wurde der Tunnel ausgemauert. Im Tunnel ist der Kanal 6,20 m breit, und der Scheitel liegt 3,10 m über der Wasserfläche.

Im Tunnel gibt es keinen Treidelpfad; das Begehen oder Befahren am Rand entlang ist verboten. Ursprünglich mussten die Matrosen ihre Schiffe mittels Stangen durch den Tunnel staken, später an einer an der Tunnelmauer befestigten Kette entlangziehen, man benötigte auf diese Weise bis zu 8 Stunden, um den Tunnel zu durchqueren. Die Kapazität des Tunnels war entsprechend gering, selbst wenn man in Konvois fuhr. Da eine Begegnung im Tunnel unmöglich war, wurde die Durchfahrt mit einem „Stundenplan“ geregelt, es galt ein 24-Stunden-Betrieb.

mini|Oberleitungs-Kettenboot mit angehängtem und mit einer Peniche beladenen „Bac“ am Scheiteltunnel

1867 wurde ein Dampfboot in Betrieb genommen, mit dem man mehrere Schiffe auf einmal durch den Tunnel zog. Dieses Dampfboot fuhr Tag und Nacht: um 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends war Abfahrt in Pouilly-en-Auxois, um 12 Uhr mittags und um Mitternacht war Abfahrt bei der Schleuse von Escommes (Seite Saône). 1893 wurde der Betrieb elektrifiziert, zwei hydroelektrische Kraftwerke produzierten Strom, und der Kettenschlepper (französisch: toueur) fuhr nun elektrisch, mit zwei Stromabnehmern an zwei der drei unter dem Tunnelscheitel befestigten Fahrdrähte. Der Kettenschlepper zog sich an einer auf dem Kanalgrund liegenden Kette entlang, die über ein Antriebs-Zahnrad auf dem Schlepper geführt wurde, er konnte 5 beladene oder 15 leere Kähne ziehen, die Durchfahrt zwischen den Häfen von Pouilly-en-Auxois und Escommes dauerte zwei Stunden bei einer Geschwindigkeit von etwa 3 km/h.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen immer mehr Schiffe mit eigenem Motor in Betrieb, so dass der Schlepperbetrieb zwischen den beiden Weltkriegen eingestellt wurde. Seine definitiv letzte Fahrt machte der Schlepper 1987, er ist heute beim Hafen von Pouilly-en-Auxois ausgestellt und kann von außen besichtigt werden, in der Nähe befindet sich eine Ausstellung über den Kanal, unter anderem mit einem Modell des Schleppers.

mini|Elektrisch betriebener Kettenschlepper im Hafen von Pouilly-en-Auxois