Geiselwind (fränkisch: GaislwinnW. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 55. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „gaisļwín“.) ist der Hauptort des Marktes Geiselwind im unterfränkischen Landkreis Kitzingen in Bayern. Er bildet als einwohnerreichster und größter Gemeindeteil den Mittelpunkt der politischen Gemeinde Geiselwind und des östlichen Landkreises. Die Siedlung gehört zu den ältesten Dörfern des Steigerwalds. Da es an einer für diesen namengebenden Steigen liegt, hatte es bereits im Mittelalter ein hohes Verkehrsaufkommen. Im 15. Jahrhundert wurde es zum Markt erhoben. Der Ort erfuhr immer wieder Zerstörungen von durchziehenden Soldaten, die ihren Niederschlag in Sagen fanden.
Mit dem Bau der Bundesautobahn 3 durch den Steigerwald erhielt das Dorf im Süden eine eigene Anschlussstelle. Seit den 1960er Jahren siedelten sich vermehrt verarbeitende Unternehmen im Ort an, was u. a. zur Aufwertung als Kleinzentrum führte. Der Haupt-Wirtschaftssektor ist die Dienstleistungsbranche mit Spezialisierung auf den Fernverkehr. Nahe der Autobahn entstand einer der größten Autohöfe Europas. Beim Freizeit-Land Geiselwind handelt es sich es sich um den flächenmäßig größten Freizeitpark in Bayern. Das Ortsbild des Kernorts ist noch weitgehend dörflich geprägt. Historische Baulichkeiten haben sich um den zentralen Marktplatz erhalten.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Geiselwind liegt im Zentrum der politischen Gemeinde. Die Gemeindeteile ordnen sich halbringförmig um den Hauptort an. Im Norden beginnt mit der Gemarkung Großbirkach und dem Gemeindeteil Kleinbirkach das Gebiet des Marktes Ebrach im oberfränkischen Landkreis Bamberg. Im Nordosten befindet sich Füttersee. Der Gemeindeteil Hundsrangen liegt Geiselwind am nächsten. Im Osten liegt Wasserberndorf und südöstlich Hohnsberg, im Süden liegen Haag und Dürrnbuch. Trautberg im Südwesten ist fast mit Geiselwind zusammengewachsen. Im Nordwesten grenzt die Gemarkung Gräfenneuses an, die nahe von Röhrensee beginnt.
Nächstgelegene größere Orte sind Burgebrach mit einer Entfernung von etwa 20 Kilometern und Volkach, das ungefähr 20,5 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt in etwa 39 Kilometern ist Würzburg.
Naturräumlich liegt Geiselwind im Mittleren Steigerwald mit Erhebungen von über 480 Metern.Matthias Reimann, Hermann Schmidt-Kaler: Wanderungen in die Erdgeschichte 13. Der Steigerwald und sein Vorland. München 2002, S. 7f. Die vielen Passmulden an den Verläufen kleinerer Bäche ermöglichen die Durchquerung der Region von Osten nach Westen. Westlich von Geiselwind beginnt der Anstieg des Gebirges, der Kernort liegt östlich der Abdachung. Täler mit kleinen Fließgewässern haben ein geringes Gefälle in Richtung Frankenjura.
Die Lage im Steigerwald beeinflusste das hydrologische System um Geiselwind. Anders als in dem im Westen beginnenden Steigerwaldvorland wurden in der Wetterstation Geiselwind hohe jährliche Regenmengen von durchschnittlich 760 Litern verzeichnet. Der Ort liegt im Osten einer Wasserscheide. Die Bäche streben dem Flusssystem der Regnitz zu, die in den Main mündet, und nicht direkt dem tieferen Main im Westen. Westnordwestlich des Ortes fließen der Urlesgraben und der Sandgraben zur Ebrach, die in die Regnitz mündet. Diese nehmen dort mehrere weitere, teilweise unbenannte Bäche auf, von denen der im Dorf in die Ebrach fließende, fast drei Kilometer lange Haselbach der bedeutendste ist.
Geiselwind liegt westlich des Steigerwaldanstieges, dessen Böden vom harten Schilfsandstein geprägt sind. Dort wächst Mischwald. An vielen Stellen steht der Sandsteinkeuper an, das Gelände senkt sich leicht nach Osten ab. Mehrere Berge umgeben die Siedlung, im Norden ist es der dem 481 Meter hohen Sandberg vorgelagerte Gotteshausberg, im Süden erheben sich der 466 Meter hohe Traubenberg und der ca. 410 Meter hohe Galgenberg. Geiselwind gehört mit über 340 Metern zu den höchstgelegenen Orten im Landkreis Kitzingen. Das Dünenfeld am Sandhügel nordnordwestlich von Geiselwind ist ein eingetragenes Geotop.
Gemarkung Die Gemarkung Geiselwind hat eine Fläche von 8,917 km². Sie ist in 1289 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6917,70 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Röhrensee, Schleifmühle, Schnackenmühle, Theuerleinsmühle und Weingartsmühle.
Ortsgliederung mini|Urkataster von Geiselwind. Der Ortskern ist eine geschlossene Siedlung Der ältere Teil des Ortes entstand im Osten um die heutige Burkardskirche, die vielleicht auf eine frühchristliche Taufkirche zurückgeht. Geiselwind blieb bis ins 15. Jahrhundert ein kleines Haufendorf um den heutigen Kirchplatz und die Mühlstraße. Mit der Markterhebung entwickelte sich ein zweiter Kern weiter westlich um das Rathaus. Dadurch entstand ein Straßendorf, dessen Hauptachse die Wiesentheider und die Schlüsselfelder Straße bilden.
Geiselwind war von einer Dorfmauer umgeben mit zwei Torbauten an der von Osten nach Westen verlaufenden Hauptstraße. Die historischen Befestigungsanlagen sind weitgehend verschwunden. Die Straßen Höllgraben, Schutzwiesenstraße und der Verlauf der Ebrach im Süden des Altortes erinnern noch an den Zustand vor 1900. Der Friedhof im Nordosten des Altortes wurde wohl nach dem Dreißigjährigen Krieg dorthin verlegt.
Wohnsiedlungen entstanden um den Altort erst im 20. Jahrhundert. Mit dem Autobahnbau in den 1960er Jahren wuchs die Marktgemeinde stark und es wurden Industriegebiete ausgewiesen. Die Wohnsiedlungen konzentrieren sich auf den Nordwesten um die Ringstraße und den Nordosten des Ortskerns mit der Steigerwaldstraße. Nördlich des Altortes entstand in den 1960er Jahren ein großes Schulgelände mit dem katholischen Kindergarten und den Sportanlagen in der Nähe. Im Westen befinden sich das Gemeinde-Feuerwehrhaus und der Bauhof.
Industrieflächen, die zumeist auf die historischen Handwerksbetriebe des Dorfes zurückgehen, liegen vor allem an den Ortsrändern und im Süden der Schlüsselfelder Straße. Der Autobahnbau zerschnitt die Gemarkung in zwei Teile. Der Autohof südlich der Fernverkehrsstraße mit Schnellrestaurants, einer Veranstaltungshalle, Tankstellen und einem Konzertgelände gehört zu den größten in Europa. Seit 2001 besteht eine Autobahnkirche.
Weitere Freizeitanlagen entstanden nördlich des Dorfes mit dem Golfplatz Geiselwind, der sich im Norden über eine Länge von über einem Kilometer bis zur Gemarkungsgrenze erstreckt. Er wurde in den 1980er Jahren vom Golfplatzarchitekten Donald Leslie Harradine geplant.Erwin Müller: Geiselwind mitten in Franken, S. 133f. Den Nordwesten nimmt der Vergnügungspark Freizeitland Geiselwind ein. Entlang der Ebrach liegen einige Teiche, die als Biotope unter Schutz gestellt wurden, ebenso wie die Randbereiche des Golfplatzes und ein Areal südlich von Röhrensee.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Als Hinweis auf eine frühe Besiedlung des Ebrachgrundes gilt ein Bestattungsplatz auf dem Traubenberg im Südwesten des Altortes. Eine zugehörige Siedlung konnte allerdings bisher noch nicht festgestellt werden. Während die Tallagen im Steigerwaldvorland und insbesondere das Mainufer bereits früh von Menschen bewohnt wurden, blieben die höhergelegenen Areale des Steigerwalds lange Zeit unbesiedelt.
Die Region wurde im 7. und 8. Jahrhundert von Wenden erreicht, die ausgedehnte Waldgebiete rodeten und sich im Ebrachtal niederließen. Ältere Theorien gehen davon aus, dass die Ansiedlung von der fränkischen Oberschicht unter Karl dem Großen forciert wurde. Hierauf verweist auch der Ortsname, dessen Präfix Geisel- sich vom fränkischen Personennamen Giso ableitet.
Wahrscheinlich ließ Karl der Große in Geiselwind zu Beginn des 9. Jahrhunderts eine der 14 Slawen- und Wendenkirchen zur Christianisierung der Bevölkerung bauen, die zum großen Teil paganem Glauben anhing. Im Jahr 825 wurde der Holzbau durch Bischof Wolfgar von Würzburg erneut geweiht. Sein Standort entspricht wohl weitgehend dem der heutigen Pfarrkirche. Der Ort gilt als eine der ältesten Siedlungen im westlichen Steigerwald.Liebhard Löffler: Markt Geiselwind. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hg.): Landkreis Kitzingen. S. 569.
Mittelalter Während die ältere Literatur auf eine Urkunde des Jahres 1199 verweist, geht man heute mehrheitlich davon aus, dass Geiselwind erst im Spätmittelalter erstmals schriftlich erwähnt wurde. Im Jahr 1314 verzichtete Ludwig von Hohenlohe auf alle Rechte und Güter in „Gyselwinden“ und vergab sie an das Kloster Ebrach. Im Jahr 1316 vermachte ein Lehensmann, Heinrich, genannt Frevel, seine Güter dem Kloster.
Geiselwind gehörte im Mittelalter zum Einflussbereich der Grafen zu Castell, die ihre Besitzungen als Lehen des Hochstifts Würzburg verwalteten. Die Grafen vergaben sie als Afterlehen, wovon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts vor allem das Kloster Ebrach profitierte. Das Kloster verfügte bald auch über den Zehnt. Danach war das Dorf unter mehreren Grundherren aufgeteilt, darunter das 1320 und 1326 genannte Benediktinerkloster Münsterschwarzach und das Adelsgeschlecht der Herren von Seinsheim („Hyltebrandus de Sauwensheim“, 1322). mini|hochkant|Wappen der Herren von Schwarzenberg an der Orgel Auf das Anwachsen des Ortes weist der Ausbau der im 10. bzw. 11. Jahrhundert in Stein erbauten romanischen Ortskirche hin. Sie erhielt einen spätgotischen Chor mit Kreuzrippengewölbe. Bisher musste der Pfarrer von Iphofen die Geiselwinder Filialkirche für Gottesdienste besuchen. Im Jahr 1334 tauchte mit „plebanus Ulrich“ erstmals ein Pfarrer an St. Burkard urkundlich auf.
Im Laufe des Jahrhunderts wurden die Zollner von Hallburg und Rimbach die größten Grundherren. Der Ort gehörte weiterhin als Lehen den Grafen zu Castell. Erkinger Zollner von Hallburg verkaufte um 1380 Güter an seine Schwiegermutter Katarina Hallerin. Nach Erkingers Tod gelangte das Dorf an deren Tochter Beatrix, die mit dem Hofmeister der Nürnberger Burggrafen Wirich von Trewtlingen verheiratet war.
Als einschneidendes Ereignis der Ortsgeschichte gilt die Markterhebung im Jahr 1422. König Sigismund von Luxemburg verlieh dem „dorff Geiselwind“ das Recht, mehrmals im Jahr einen Jahrmarkt und einmal wöchentlich einen Wochenmarkt abzuhalten. Geiselwind erhielt ein Halsgericht mit Stock und Galgen.
Geiselwind gelangte 1426 an den Adeligen Erkinger I. von Seinsheim, Freiherr von Schwarzenberg. In den 1420er Jahren entstanden viele der noch erhaltenen Baulichkeiten um den Marktplatz, der im Zuge der Markterhebung eingerichtet worden war. Liebhard Löffler spricht von zwei Orten: dem Markt-Geiselwind und Alt-Geiselwind. 1462 wurde der Ort im Markgrafenkrieg durch die Truppen des Albrecht Achilles verwüstet.
Frühe Neuzeit Die neuen Dorfherren kauften weite Teile der Grundstücke im Ort. Andere gelangten per Tausch an die mit den Seinsheim verwandten Schwarzenberger, bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts alle Einwohner deren Untertanen waren. Im Jahr 1503 erwarben die Herren von Schwarzenberg das Patronatsrecht für Geiselwind. Sie hatten damit ein Vorschlags- und Zustimmungsrecht bei der Neubesetzung der Pfarrstelle. Das Patronatsrecht wurde noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausgeübt.
Mit der Weihe des Langhauses der Burkardskirche im Jahr 1521 waren die Schäden, die der Überfall von 1462 im Ort hinterlassen hatte, beseitigt. Durch den 1523 erfolgten Konfessionswechsel des Johann von Schwarzenberg, genannt der Starke, wurde Geiselwind ein protestantisches Dorf.