mini|Lageplan der Blei-Zink-Lagerstätte Silberberg mini|Riss des Grubengebäudes am Silberberg alternativtext=Grundriss der Grube|mini|Grundriss der Grube mini|Übertagebauten auf dem Schmelzboden in Davos (1842) Das Bergwerk Silberberg bei Davos Monstein war im Mittelalter und im 19. Jahrhundert ein ertragreiches Bergwerk im Landwassertal, in dem in zwei Abbauperioden rund 1000 t Blei und Zink abgebaut wurden. Teile des Grubengebäudes werden vom Bergbauverein Silberberg Davos (BSD) unterhalten und können als Schaubergwerk besichtigt werden. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude ist das Bergbaumuseum Graubünden untergebracht.
Geographie Lage Der Silberberg ist ein bewaldeter Hang des Büelenhorns, der südwestlich von Davos Monstein in die Zügenschlucht abfällt. Die westliche Grenze bildet der Tällibach, die östliche der Monsteinerbach.Minaria Helvetica, S. 4 Der Name Silberberg drückt die Hoffnung aus, dass der Silbergehalt des Erzes hoch genug sei, um eine wirtschaftliche Silberausbeute zu ermöglichen, was sich aber nicht bewahrheitete.
Geologie Der etwas 1,5 km lange Lagergang ist ein 70 Grad nach Südosten abfallender Trochitendolomit der Trias. Er enthält die Erze Zinkblende–Bleiglanz–Jamesonit und Pyrit. Das erhoffte Silber konnte nicht wirtschaftlich ausgebeutet werden, da der Silbergehalt des Erzes nur 0,2 ‰ betrug.Minaria Helvetica, S. 3
Geschichte
Erste Abbauperiode: Ende des 15. Jahrhunderts bis 1649 Der Bergbau am Silberberg geht vermutlich bis auf das Ende des 14. Jahrhunderts zurück. Es ist überliefert, dass Herzog Siegmund, Regent des habsburgischen Oberösterreichs, 1473 einen Davoser von den Abgaben für den Erzabbau befreite. Der Abbau begann vermutlich im Tagebau bei der Grossen Tagebauspalte, wo die Lagerstätte wahrscheinlich von erfahrenen Tiroler Bergleuten entdeckt worden war, und setzte sich ab etwa 20 m Tiefe als Untertagebau in der Maximiliangrube fort, einem sehr steilen, 100 m langen Schrägschacht. Das Erz wurde von Säumern nach Hall in Tirol gebracht, wo grosse Mengen an Blei für die Silbergewinnung aus Fahlerzen im Seigerverfahren benötigt wurden.Minaria Helvetica, S. 36
Ende des 16. Jahrhunderts wurden im Verzeichnis des Bergrichters des Herzogs 93 Gruben aufgezählt, wovon sich 39 in der Landschaft Davos befanden. Die katholische Familie Vertemate-Franchi aus dem 1618 durch einen Bergsturz verschütteten Plurs, heute Piuro, wurde Teilhaber am Bergwerk Silberberg. Nach dem Bergsturz von Plurs und den Bündner Wirren wurde der Bergbau am Silberberg 1649 eingestellt.Minaria Helvetica, S. 23
Zweite Abbauperiode: 1806 bis 1848 Die zweite Abbauperiode wird durch die Erzfunde zweier Jäger eingeleitet. Sie wandten sich an Jakob Ulrich Sprecher von Bernegg, den damaligen Bundeslandammann des Zehngerichtebundes, der zusammen mit anderen namhaften Bündnern 1805 eine Davoser Gewerkschaft zum Abbau des Erzes gründete. Auch Hans Conrad Escher von der Linth und andere kamen zum Schluss, dass die Vorkommen abbauwürdig seien. Johannes Hitz wurde zum Betriebsleiter ernannt und Johann Georg Landthaler, einer der Jäger, die die Vorkommen entdeckt hatten, wurde an der Bergakademie in Freiberg in Sachsen zum Bergmeister ausgebildet. Der Bergbau am Silberberg wurde nach sächsischem Vorbild eingerichtet.Minaria Helvetica, S. 23–24 Der 180 m lange Dalvazzerstollen wurde aufgefahren, von dem aus das Erz im Firstenbau abgebaut wurde. Am Mundloch wurde ein Pochwerk und ein Knappenhaus errichtet.
Im Jahre 1818 kam es zu einer Krise wegen der geringen Bleiproduktion und der sinkenden Zinnpreise. Hitz pachtet das Bergwerk für vier Jahre, geht bankrott und wandert nach Amerika aus. Nach mehreren Besitzerwechseln geht das Bergwerk in den Besitz des Franzosen Paul Pelissier über, dem letzten Bergwerksdirektor. 1847 wird die Zinkförderung eingestellt, ein Jahr später auch Bleiförderung.Minaria Helvetica, S. 24 Das Bergwerk blieb bis 1861 im Besitz des Liquidators Rousselle-Charlard und wurde 1861 an den Holzhändler Christian Obrecht aus Trimmis verkauft, der mit dem Abbruch der Gebäude und der übrigen Holzausstattung begann. +Besitzer und Pächter des BergwerksPeriodeBesitzer / PächterPersonenKommentar1805–1818Davoser GewerkschaftGründer: Jakob Ulrich Sprecher, Landammann von Jenins Konzessionsinhaber:
Jakob von Ott, Bundesstatthalter, von Grüsch Johann Hitz, Statthalter, von Klosters Simeon Büsch, von Malans
Betriebsleiter: Johann Hitz
Technischer Leiter: Bergmeister Georg Landthaler 1807: Konzession erworben 1811: Beginn des Abbaus1818–1829 Johann Hitz (Pächter)Besitzer: Davoser GewerkschaftPachtzins: 4000 Florin / Jahr 1829: Konkurs1829–1833von Albertini und Abys1830: Grubenbetrieb eingestellt 1833: Verhüttung eingestellt1833–1836Josua Pollin, Zillis1836–1839Bergwerkverein der östlichen Schweiz (Pächter)Besitzer: Josua PollinNeubau des Poch- und Waschhauses1839Xavier Dufreier, ParisVertreter des Käufers: Paul PelissierBesitz vom 1. März bis 14. Dezember 18391839–Amédé PetigandVertreter des Käufers: Paul PelissierGesellschaft Amédé Petigand und Paul Pelissier–1848Paul PelissierSteiger: Johannes Wehrli1847: Zinkgewinnung eingestellt 1848: Bleigewinnung eingestellt1848–1861Rousselle-Charlard, Liquidator1861–Christian Obrecht aus Trimmis, HolzhändlerAbbruch der Anlagen
Bergbauverein Silberberg Davos In den 1950er Jahren bemühte sich der aus Jenisberger Johannes Strub (1884–1967), die Reste des Bergwerks zu erhalten und zugänglich zu machen. Nach Strubs Tod bemühten sich verschiedene Initianten, sein Werk weiterzuführen. Gleichzeitig sollte die gesamte Bergbaugeschichte des Kantons aufgearbeitet werden und in einem Museum der Öffentlichkeit präsentiert werden. Zu diesem Zweck wurde 1976 der Verein der Freunde des Bergbaus in Graubünden (VFBG) gegründet, aus dem im Jahr durch Namensänderung die Freunde des Bergbaus in Graubünden (FBG) hervorgingen. Aus der Regionalgruppe Davos-Silberberg des Vereins ging im März 2000 der Partnerverein Bergbauverein Silberberg Davos (BSD) hervor, der sich zum Ziel gesetzt hat, die ehemaligen Bergbauanlagen und Stollen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Schaubergwerk Silberberg Davos Das Schaubergwerk ist zu Fuss ab dem Schmelzboden beim Bahnhof Davos Monstein der Rhätischen Bahn oder vom Dorf Monstein erreichbar. Die Marschzeit beträgt auf beiden Wegen eine knappe Stunde. Die Stollen und Schächte können nur mit Führung besichtigt werden. Untertags können der Dalvazzerschacht, der Hilfsstollen St. Michael, der Neuhoffnungs- und St. Lorenzstollen, der Tiefenstollen und der Andreasstollen erkundet werden. Übertags kann die Tagbauspalte und die Ruinen des Poch- und Knappenhauses, sowie der unteren Huthäuser besichtigt werden. Anfangs Sommer 2023 waren keine Besuche möglich, weil der Zugang durch Sturmholz versperrt war.
Bergbaumuseum Graubünden Das Museum im ehemaligen Verwaltungs- und Betriebsgebäude der Hütte auf dem Schmelzboden widmet sich der Geschichte des Bergbaus im ganzen Kanton Graubünden mit Schwerpunkt auf dem Bergwerk Silberberg. Es zeigt Exponate zur Bergbautechnik, zu Werkzeugen und zum Leben der Bergleute und bietet auch Führungen durch das zum Schaubergwerk Bergwerk Silberberg an. Am Museum beginnt auch der 4,7 km lange Gesteinslehrpfad durch die Zügenschlucht. Entlang des Weges sind 11 Gesteine der Landschaft Davos ausgestellt und beschriftet.
Grubenbauten mini|hochkant|Tagbauspalte mini|hochkant|Mundloch Dalvazerstollen mini|hochkant|Mundloch Tiefenstollen, 1985 Im Folgenden sind die wichtigsten Grubenbauten aufgeführt: Grosse Tagbauspalte An dieser Stelle wurde die Lagerstätte entdeckt und mit dem Abbau begonnen Grube Maximilian Weiterführung des Abbaus unter Tage nach Erschöpfung des Tagebaus. Steiler Schrägschacht, dessen Sohle auf dem Niveau des Tiefenstollens liegt. Höhenunterschied zwischen Tagbauspalte und Sohle ca. 100 m. Benannt nach Erzherzog Maximilian. Dalvazzerstollen Auch Dalvazer Stollen. In der zweiten Abbauperiode aufgefahrener, 180 m langer Stollen durch die Maximiliangrube in Höhe des Pochwerks. Dalvazzerschacht Ausbau der Grube Maximilian zu einem Schacht in der zweiten Abbauperiode. Der Schacht diente als Zugang zum Tiefenstollen. Andreasstollen In den Jahren 1813 bis 1824 quer zur Streichrichtung des Lagergangs vorgetriebener 260 m langer Erbstollen mit Mundloch 112 m unterhalb des Dalvazzerstollens am Tällibach. Am Ende mündet der Stollen in einen Querschlag, der in seiner westlichen Fortsetzung in einen Schacht des Tiefenstollens mündet. An dieser Stelle ist ein Wasserrad erhalten, das eine Pumpe zur Wasserhaltung antrieb. Der Querschlag führt weiter unter dem Tällibach hindurch, gabelt sich in zwei Äste und endet im tauben Dolomit. Hilfsstollen Auch St. Michaelsstollen oder Langer Michael. Von 1810 bis 1828 aufgefahrener. 350 m langer Stollen mit auffällig schiefem Profil der in taubem Gestein verläuft. Er hat zwei Eingängen, einer war im Tribihus, der andere in der steilen Runse Hüttazug. Von diesem unter dem Lagergang verlaufenden Stollen sollten Querschläge in den Lagergang getrieben werden und ein Schacht in den Neuhoffnungsstollen aufgefahren werden. Geisstollen Auch St. Daniel, ca. 60 m langer Stollen mit Mundloch 40 m über dem Hilfsstollen, Abbau in der ersten Periode Schafstollen Auch Fuxloch, dicht über dem Geisstollen liegender kurzer Stollen, Abbau in der ersten Periode Fundgrube Auch St. Georgen, dicht über der Fundgrube liegend, Abbau in der ersten Periode Neuhoffnungsstollen Quer zur Streichrichtung des Lagergangs ab 1808 vorgetriebener Stollen mit Mundloch ca. 250 m nordöstlich und 70 m über dem Tribihus. Der Stollen verzweigt sich vor dem Erreichen des Lagergangs in einem Stollenkreuz mit zwei 50 m langen Armen in taubem Gestein. Am Lagergang trifft der Stollen auf eine Abteufung aus dem Hüttenstollen. St. Lorenzstollen Stollen, der ca. 40 m hinter dem Mundloch des Neuhoffnungsstollens von diesem abzweigt und im Zickzack nach Südwesten verläuft. Teilweise mit Holzgleisen ausgelegt. Hüttenstollen Oberster Stollen des Grubengebäudes mit Mundloch am Fussweg nach Jennisberg, das 24 m über dem Neuhoffnungsstollen in der Nähe der oberen Huthäuser liegt. TiefenstollenAuch Tiefer Stollen. Erbstollen aus der ersten Bergbauperiode, aus dem im Firstenbau Erz gewonnen wurde Mine Louis PhilippeUnter der Leitung des Franzosen Paul Pelissier nach 1839 quer zur Streichrichtung des Lagerganges vorgetriebener Stollen. Namensgeber war der Bürgerkönig Louis-Philippe I. RosaliastollenUnter der Leitung des Franzosen Paul Pelissier nach 1839 quer zur Streichrichtung des Lagerganges vorgetriebener Stollen.
Übertagebauten Das Bergwerk konnte vom Schmelzboden im Landwassertal bei Davos Monstein über den drei Kilometer langen Erzweg am Hang des Silberbergs erreicht werden. Der Weg endete am Mundloch des Dalvazzerstollens, wo 50 Meter tiefer am Tällibach das als Ruine erhaltene Poch- und Waschhaus stand. Es beherbergte im Erdgeschoss das Pochwerk und die Erzwäsche und im Obergeschoss Wohnräume. Das Haus war mit dem Mundloch des Dalvazzerstollens durch einen Schrägaufzug verbunden, der zum Schutz vor Schnee überdacht war. Er beförderte das aufbereitete Erz zum Erzweg, von wo aus es zum Schmelzboden transportiert wurde. Der Antrieb des Schrägaufzuges erfolgte durch einen Göpel, der im Tribihus, auch Treibhaus genannt, untergebracht war, in dem auch zwei Wohnungen waren. Am Erzweg, etwa 300 m vom Mundloch des Dalvazzerstollens entfernt, standen die Unteren Huthäuser, in denen neben den Wohnräumen für die Bergleute auch die Schmitte, Stallungen und Lagerräume für Holz, Kohle, Sprengstoff und Werkzeuge waren. Die Siedlung brannte 1838 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. In der Nähe des Mundloches des Hüttenstollens stand die Knappensiedlung Obere Huthäuser.