mini|Collenbach’sches Gut, Illustration aus der Illustrirten Zeitung, 1858 Das Collenbach’sche Gut, auch Gut Kamp genannt,Düsseldorfer Kreisblatt und Täglicher Anzeiger, Ausgabe Nr. 68 vom 11. März 1843, Vermietungsgesuch von J. Nyssen (Digitalisat) war ein zweigeschossiges Gutshaus an der Nordstraße in Düsseldorf-Pempelfort. In den 1830er Jahren traf sich dort der Künstler- und Gelehrtenkreis des Dichters Karl Immermann und seiner Gefährtin Elisa von Ahlefeldt.
Geschichte Das Collenbach’sche Gut war ein Landsitz, der um 1700 an der Stelle eines Leprosenhauses des 17. Jahrhunderts entstanden war.Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Band 1: Von den Anfängen bis 1815. Düsseldorf 1921, S. 222 (Google Books) Sein einstiges Grundstück erstreckte sich von der heutigen Nordstraße, damals eine Chaussee von Düsseldorf nach Derendorf, über die heutige Pfalzstraße im Süden, der heutigen Mauerstraße im Westen und über die heutige Klever Straße fast bis zur heutigen Seydlitzstraße im Norden. Die Ostgrenze des Grundstücks bildete im Jahr 1829 die heutige Collenbachstraße von der Nordstraße bis zum heutigen Straßenstern an der Klever Straße. Vor dem Haupthaus, zur Nordstraße hin, erstreckte sich eine Gartenanlage mit einem chinesischen Pavillon.
Bis 1830 befand sich das Haus im Besitz des Freiherrn Franz Gabriel Cornelius von Collenbach (1740–1830),Ferdinand von Fuchsius: Nachrichten über die Familie Windscheid. Nebst Beiträgen zur Zeitgeschichte. Düsseldorf 1891, S. 13 f. (Digitalisat) eines Regierungsrates, später Hofkammerdirektors der kurpfälzischen Regierung in Düsseldorf bzw. Geheimrats der Bergischen Landesdirektion, der 1764 Maria Theresia von Clotz zu Streithagen geheiratet hatte.Hermann Ariovist von Fürth: Die Familie Collenbach. In: Der deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. 6. Jahrgang (1875), Nr. 3, S. 26 (Digitalisat) Neben dem Düsseldorfer Stadthaus Ritterstraße 36Heinrich Ferber: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf. Lieferung I. Hrsg. vom Düsseldorfer Geschichtsverein. Krauss, Düsseldorf, 1889, S. 11 (Digitalisat) bewohnte das Paar das Landhaus am 27. Juli 1783, als ein Unwetter niederging. Dabei traf ein Blitz die am Fenster stehende Gattin des Freiherrn. Ein Bericht des Elektrizitätsforschers Johann Conrad Gütle fasste diesen Vorfall wie folgt zusammen:Johann Conrad Gütle: Allgemeine Sicherheitsregeln für Jedermann bei Gewittern in Ermangelung eines Blizableiters den Gefahren des Blizschlags auszuweichen. Nürnberg 1805, S. 67, § 179 (Google Books)
Das Ereignis diente dem kurpfälzischen Meteorologen und Erfinder Johann Jakob Hemmer 1789 dazu, Verhaltensregeln für Personen in Gebäuden ohne Blitzableiter zu entwickeln.Johann Jakob Hemmer: Verhaltungsregeln, wenn man sich zur gewitterzeit in keinem bewafneten gebäude befindet. Mannheim 1789, S. 13 f. (Google Books)
Nach dem Tod des Freiherrn von Collenbach, im November 1830, wurde das Anwesen von dessen Erben verkauft.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Öffentlicher Anzeiger. Nr. 95 vom 3. November 1830 (Google Books) mini|Ludwig Pietsch: Aus Immermann’s Kreis. Illustration in der Zeitschrift Die Gartenlaube, 1868 – Darstellung des Immermann’schen Gesellschaftskreises mit dem Dramatiker Christian Dietrich Grabbe, dem Dichterjuristen Friedrich von Uechtritz und dem Maler Carl Friedrich Lessing im Pempelforter Salon der Literatin Elisa von Ahlefeldt, die mit Immermann seit Jahren eine Liebesbeziehung und Hausgemeinschaft pflegte Als Mieter zogen im Mai 1831 dort der Landgerichtsrat und Dramatiker Karl Immermann und dessen Gefährtin Elisa von Ahlefeldt ein,R. Hassenkamp: Karl Immermann. Zur Erinnerung an seinen hundertsten Geburtstag. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichts-Vereins. Band 11, Düsseldorf 1897, S. 10 (Google Books) die „hinter dem Napoleonsberge“ zuvor eine kleine Wohnung gemeinsam bewohnt hatten.Wolfgang Müller von Königswinter: Karl Immermann und sein Kreis. Leipzig 1861, S. 69 (Digitalisat) Nach und nach entwickelte sich das Landhaus, das über einen gepflegten, von der Schriftstellerin Ludmilla Assing romantisch beschriebenen englischen Garten verfügte,Ludmilla Assing: Gräfin Elisa von Ahlefeld. Eine Biographie. Berlin 1857 zu einem Künstler- und Gelehrtentreffpunkt. Als Gäste im Salon von Immermann und seiner Muse sind unter anderem die Maler Wilhelm von Schadow, Carl Friedrich Lessing, Theodor Hildebrandt, Karl Ferdinand Sohn, Heinrich Mücke, Eduard Steinbrück, Adolph Schroedter und Johann Wilhelm Schirmer,Bettina Baumgärtel: Chronik der Düsseldorfer Malerschule 1815–2011. In: Bettina Baumgärtel (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819–1918. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2011, ISBN 978-3-86568-702-9, Band 1, S. 356 (PDF) der Bildhauer Christian Friedrich Tieck, die Komponisten Julius Rietz, Norbert Burgmüller und Felix Mendelssohn Bartholdy, der Dramatiker Michael Beer, der Theologe Hermann Altgelt, die Juristen Christian Dietrich Grabbe,August Dahm: Düsseldorfer Grabbe-Gedenkstätten. In: Düsseldorfer Heimatblätter „Das Tor“. 33. Jahrgang (1967), Heft 9, S. 287 (PDF) Karl Schnaase, Friedrich von Uechtritz und Heinrich Ferdinand Philipp von Sybel sowie die Schriftstellerin Elisabeth Grube überliefert. Im kreativen Milieu des Collenbach’schen Guts entstanden Impulse für die Errichtung der Immermann’schen Musterbühne und für bedeutende literarische Werke des 19. Jahrhunderts, etwa Merlin (1832), Die Epigonen (1836) und Münchhausen (1838–1839).
Als sich herausstellte, dass Immermann eine andere Frau, Marianne Niemeyer (1819–1886), heiraten werde, verließ Elisa von Ahlefeldt in Begleitung ihrer Freundin Johanna Dieffenbach das Collenbach’sche Gut am 14. August 1839. Im September desselben Jahres verließ auch Immermann das Haus. Mit seiner Gemahlin Marianne bezog er im Oktober 1839 eine Stadtwohnung in Düsseldorf, wo er am 25. August 1840 starb.Immermann’s Haus zu Derendorf bei Düsseldorf. In: Illustrirte Zeitung, Ausgabe Nr. 758 vom 9. Januar 1858, S. 33 (Google Books)
1863 war der Gartenarchitekt Heinrich Grube, ein Schüler von Peter Joseph Lenné, Bewohner des Hauses.Correspondenzblatt Nr. 1: Verzeichniss der Mitglieder des naturhistorischen Vereins der Preussischen Rheinlande und Westphalens. S. 13 (Google Books) Bald danach diente das Grundstück des Collenbach’schen Guts, das zur Mitte des 19. Jahrhunderts bereits an drei neue Eigentümer veräußert worden war,Paul Kauhausen: Collenbachs Gut. In: Düsseldorfer Heimatblätter „Das Tor“. 11. Jahrgang (1942), Heft 3, S. 45 (PDF) unter der Bezeichnung „Marthastift“ der Inneren Mission als „Mägde-Bildungsschule und Mägdeherberge“. Als solches erhielt das Gebäude 1865 einen Anbau. 1899 errichtete die evangelische Kirchengemeinde dort einen Predigtsaal. 1903 wurde das Landhaus abgerissen. Durch Fluchtlinienpläne erfolgte seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine städtebauliche Überplanung des Standorts und die Anlage der Collenbachstraße, der Pfalzstraße und der Klever Straße. Auf dem benachbarten Eckgrundstück zur Klever Straße entstand auf einem Grundstück, das der Kirchmeister August Hülstrung 1901 der evangelischen Kirchengemeinde geschenkt hatte, die Kreuzkirche. An der Stelle des Collenbach’schen Gutes ließ die Kirchengemeinde in den Jahren 1929/1930 das Gemeindehaus der Kreuzkirche errichten.
Literatur Irene Markowitz: Karl Leberecht Immermann und das Collenbach’sche Gut. In: Wieland Koenig (Hrsg.): Düsseldorfer Gartenlust. Ausstellungskatalog, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf, Düsseldorf 1987, S. 50–54, Abbildungen 4.52–4.55. Paul Kauhausen: Collenbachs Gut. In: Theaterwelt, 16, 1940, Heft 5, S. 58–62.
Weblinks Collenbachs Gut bei Düsseldorf, Objektdatenblatt der Illustration aus der Illustrirten Zeitung, Nr. 578 vom 9. Januar 1858, im Portal deutsche-digitale-bibliothek.de
Einzelnachweise
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