mini|hochkant|Heinrich Hoffmann, späte 1930er Jahre mini|hochkant|Heinrich Hoffmann zu Füßen seiner Eltern im Fotoatelier seines Onkels Robert Hoffmann (um 1890)
Heinrich Hoffmann (* 12. September 1885 in Fürth; † 16. Dezember 1957 in München) war ein deutscher Fotograf, nationalsozialistischer Politiker und Herausgeber, der als Fotograf Adolf Hitlers bekannt wurde. Mit seiner fotografischen und verlegerischen Tätigkeit hatte er einen entscheidenden Anteil am Auf- und Ausbau der NS-Propaganda und der „Etablierung des Führermythos“.Margit Kohl: Der Obersalzberg bot Hitler die perfekte Kulisse. welt.de, 14. März 2021
Kindheit, Jugend und Ausbildung Heinrich Hoffmann war einziges Kind des Fotografen Robert Hoffmann und seiner Frau Maria, geb. Kargl. Im Betrieb des Vaters und des Onkels Heinrich Hoffmann in Regensburg, der drei Hoffotografentitel erhalten hatte, absolvierte er die Lehre. Sein Wunsch, Malerei zu studieren, scheiterte angeblich am Widerstand des Vaters. Hoffmann lernte bei dem Heidelberger Universitätsfotografen Langbein sowie im Fotoatelier Theobald in Frankfurt am Main. In der Sommersaison 1903 bis 1906 arbeitete er beim „Kaiserfotografen“ Thomas Voigt in Bad Homburg. Nachdem er bei Camillo Ruf in Zürich gearbeitet und in den Münchner Fotoateliers Elvira und Reutlinger als Gehilfe tätig gewesen war, wurde er Mitarbeiter des Pressefotografen Emil Otto Hoppé in London. Hoffmann fotografierte für Scotland Yard und steuerte Aufnahmen zu Hoppés Bildband Berühmte Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts bei. Er machte Erfahrungen mit Sensationsfotografie und ließ sich 1909 in München nieder.Brigitte Bruns: Neuzeitliche Fotografie im Dienste nationalsozialistischer Ideologie. In: Diethart Kerbs, Walter Uka, Brigitte Walz-Richter (Hrsg.): Die Gleichschaltung der Bilder. Zur Geschichte der Pressefotografie 1930–36. Frölich & Kaufmann, Berlin 1983, S. 174.
Hoffmann eröffnete ein eigenes Atelier in der Schellingstraße 33 und arbeitete als Werbe-, Porträt- und Pressefotograf. 1911 heiratete er in München Therese „Nelly“ Baumann, mit der er zwei Kinder hatte: Henriette (1913–1992) und Heinrich (* 24. Oktober 1916 – 14. September 1988). Henriette heiratete am 31. März 1932 den späteren Reichsjugendführer Baldur von Schirach. 1913 gründete Hoffmann den Bilderdienst Photobericht Hoffmann und spezialisierte sich auf Pressefotografien und Porträts. Zudem leitete er einen großen Postkartenvertrieb und belieferte neben der Münchner Illustrierten Zeitung auch Agenturen in Berlin und im Ausland, so auch in Österreich.
Am 2. August 1914 – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – fotografierte Hoffmann die allgemeine Begeisterung auf dem Odeonsplatz in München. Auf dieser Schwarz-Weiß-Aufnahme wurde später Adolf Hitler identifiziert; möglicherweise handelt es sich jedoch um eine Fälschung.Sven Felix Kellerhoff: Berühmtes Hitler-Foto möglicherweise gefälscht. In: Welt Online. 14. Oktober 2010. Bis 1917 war er als selbständiger Kriegsfotograf tätig. Im August 1917 wurde Hoffmann als ungedienter Landsturmmann zur „Fliegerersatzabteilung I“ eingezogen und an die Westfront kommandiert. 1918 nahm er nach Kriegsende seine Tätigkeit als Pressefotograf wieder auf und berichtete über die Münchner Räterepublik 1919.
Karriere im Nationalsozialismus mini|Adolf Hitler übt Posen für seine Reden 1927 mini|Copyright-Stempel Presse-Illustrationen Heinrich Hoffmann in Berlin Hoffmann trat 1919 einer Einwohnerwehr bei und veröffentlichte die rechtskonservative Bildbroschüre Ein Jahr bayrische Revolution im Bilde. Gleichzeitig begann seine Freundschaft mit Dietrich Eckart, dem Herausgeber des Völkischen Beobachters. Hoffmann lernte 1919 Adolf Hitler kennen, trat zum 6. April 1920 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 925) und übernahm den Alleinvertrieb der von Eckart herausgegebenen antisemitischen Zeitschrift Auf gut deutsch. Er begann Parteigrößen zu fotografieren, unter ihnen Hermann Göring, Rudolf Heß und bald darauf auch Hitler, dessen Fotograf er wurde.
Hoffmann nahm am Hitlerputsch von 1923 als Bildberichterstatter teil. Er engagierte sich ab dem 29. Juli 1924 neben Julius Streicher und Hermann Esser im Vorstand der Großdeutschen Volksgemeinschaft, einer Tarnorganisation der nach dem Putsch verbotenen NSDAP, und trat zum 24. März 1925 in die neu gegründete Partei ein (Mitgliedsnummer 59).Gerhard Paul: Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933. Dietz, Berlin 1990, S. 159. Bald nach dem gescheiterten Putsch erschienen Hoffmanns erste Hitler-Porträts. Eines zeigt Hitler im Kreis seiner Mitgefangenen in der Festung Landsberg. Jedes Porträtfoto von Hitler stammte von Hoffmann. 1924 gab er die Bildbroschüre Deutschlands Erwachen in Bild und Wort heraus und war 1926 an der Gründung des nationalsozialistischen Wochenblattes Illustrierter Beobachter maßgeblich beteiligt. 1929 operierte er als Repräsentant der NSDAP im Oberbayerischen Kreistag und gehörte von Dezember 1929 bis Dezember 1933 dem Münchner Stadtrat an. Seine Frau Therese starb 1928. Seine zweite Ehefrau wurde die Komponistin Erna Gröbke, Tochter des Opernsängers Adolf Gröbke.
Nachdem Hoffmann sein Atelier zunächst von der Schellingstraße 33 in die Schellingstraße 50 verlegt hatte, mithin in das gleiche Gebäude, in dem von 1925 bis 1931 die NSDAP-Parteizentrale untergebracht war, gründete er im Oktober 1929 das „Photohaus Hoffmann“ an der Ecke Theresien-/Amalienstraße. Unter den neuen Mitarbeitern dort befand sich auch die 17-jährige Eva Braun, die von 1929 an bei Hoffmann eine Lehre machte und dort vermutlich im Oktober 1929 erstmals Adolf Hitler begegnete.
Hoffmann betrieb propagandistische Bildberichterstattung. In seinem Verlag Heinrich Hoffmann. Verlag national-sozialistische Bilder beschäftigte er bis zu 300 Mitarbeiter und konnte durch den Vertrieb von Fotobildbänden im Dienste der NSDAP bald Umsätze in der Höhe von Millionen Reichsmark verbuchen, da nach dem Urheberrecht Zahlungen an ihn flossen. 1932 veröffentlichte er zum Wahlkampf zwischen Adolf Hitler und Paul von Hindeburg um die Reichspräsidentschaft einen Fotoband unter dem Titel Hitler, wie ihn keiner kennt. Dieser modern aufgemachte Band brachte ihm ein Honorar von 10.000 Reichsmark ein und erzielte bis 1945 eine Auflage von 400.000 Exemplaren. Er publizierte später unter anderem Ein Volk ehrt seinen Führer oder einen Bildband Die olympischen Spiele 1936. Da ihn diese Arbeit immer stärker forderte, legte Hoffmann 1933 sein Münchner Stadtratsmandat nieder. Sein Atelier stellte er im selben Jahr in den Dienst des NS-Regimes; dabei verfügte er über 70 Angestellte. Nach der Machtergreifung hatte Hoffmann mit seinen Hitler-Porträts eine Monopolstellung inne und stattete alle Amtsräume mit den Fotos des neuen Reichskanzlers aus. Außerdem war er in Kooperation mit dem größten Zigaretten-Konzern im Reich, der Firma Reetsma Cigarettenfabriken, mit populären Sammelalben für Fotos zum Einkleben erfolgreich. Insgesamt erzielten die Sammelalben eine Auflage von weit mehr als zwei Millionen Exemplaren.Der Propagandist des „Führers“ von Rudolf Walther. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2025, Nr. 153, Seite 17.
mini|Ganz rechts Heinrich Hoffmann im Stab von Adolf Hitler im Juni 1940 vermutlich in Eselsberg in Bad Münstereifel-Rodert, in der Nähe des „K-Standes“ des Führerhauptquartiers Felsennest Im August 1937 war Hoffmann in Hamburg maßgeblich an der Beschlagnahmung von Kunstwerken beteiligt, die in den Augen der Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ galten. Dieser Beschlagnahmungswelle fielen allein in der Hamburger Kunsthalle 770 Objekte zum Opfer.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 259. Im selben Jahr erhielt er von Hitler den Auftrag, die künstlerischen Exponate für die Große Deutsche Kunstausstellung auszuwählen. Dafür erhielt er bei der Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchener Haus der Kunst am 10. Juli 1938 von Hitler den Titel eines Professors als Ehrentitel. Anschließend wurde er Mitglied der Kommission zur „Verwertung der beschlagnahmten Werke entarteter Kunst“. Er hatte somit die Aufgabe, „entartete“ Kunstwerke gegen Devisen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ins Ausland zu verkaufen. Andererseits bediente er sich beim NS-Kunstraub, so enthält der Vlug ReportJean Vlug: Vlug Report 25 December 1945, Teile 1 bis 5 eine Liste von 30 Positionen, überwiegend Gemälden, unter anderem aus der Sammlung Alfons Jaffé,Lost Art Internet Database: Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung): die Hoffmann von Kajetan Mühlmann aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden von der Dienststelle Mühlmann erhielt.
Nach dem Anschluss Österreichs eröffnete Hoffmann im Herbst 1938 auch ein Atelier in Wien, Kärntner Ring 19, das sich ausschließlich mit Bildberichterstattung beschäftigte.
Im Januar 1940 wurde er Mitglied des Reichstages.Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4, Sp. 444. Von 1939 bis 1944 gab Hoffmann die populärwissenschaftliche Zeitschrift Kunst dem Volk heraus, in der die nationalsozialistische Kunstauffassung vermittelt werden sollte.
Im April 1945 setzte sich Hoffmann nach seinem letzten Besuch bei Hitler nach Bayern ab und wurde im Mai in Oberwössen von der US-Armee festgenommen. Seine Fotohäuser in Nürnberg und Berlin waren mittlerweile durch Bomben zerstört und das Bildarchiv nach Winhöring ausgelagert worden. Im Juni verhörte man ihn in Altaussee zu seinen Verwicklungen in die Belange der NS-Raubkunst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Im Oktober 1945 wurde Hoffmann in das Zellengefängnis des Internationalen Militärgerichtshofs und anschließend in die so genannte „Zeugenvilla“ nach Nürnberg verlegt, wo er seine Archivbestände ordnen musste, um so Beweisdokumente für die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse zu sichern. Er blieb dort ein Jahr in Gewahrsam.Rudolf Herz: Hoffmann & Hitler. Fotografie als Medium des Führer-Mythos, München 1994, S. 47. Im Januar 1947 wurde das Entnazifizierungsverfahren gegen den „Leibfotografen“ und engen Freund Hitlers in München eröffnet. Hoffmann wurde zunächst als Hauptschuldiger (Gruppe I) eingestuft, Hoffmanns Professorentitel wurde am 15. November 1950 annulliert;Christina Irrgang: Hitlers Fotograf. transcript Verlag, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-5305-2, S. 26. gegen das Urteil des Gerichts, das eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren verhängt hatte, legte er Rechtsmittel ein. Schließlich wurde er zu vier Jahren Haft und zur Konfiszierung seines gesamten Vermögens verurteilt, welches 1943 auf sechs Millionen Reichsmark geschätzt wurde und allein 278 Kunstwerke enthielt. Nach seiner Entlassung aus der Haft im Jahre 1950 siedelte er sich in dem Dorf Epfach an, rund 80 Kilometer südwestlich von München. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden sämtliche Schriften und Bildbände Hoffmanns auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone: Liste der auszusondernden Literatur; Berlin: Zentralverlag, 1946; S. 154–190