Sighard Gille (* 25. Februar 1941 in Eilenburg) ist ein deutscher Maler und Grafiker und war Hochschullehrer.
Leben und Werk mini|hochkant=1.2|Fresko Gesang vom Leben (1981) im Neuen Gewandhaus Leipzig
Gille studierte von 1959 bis 1960 ohne Abschluss an der Humboldt-Universität zu Berlin Agrarwissenschaft. Bis 1963 war er in Berlin Hilfsarbeiter im Berliner VEB Reprocolor und in einem Fotostudio. Dann absolvierte er eine Ausbildung als Fotograf, wozu er auch die Abendschule der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) besuchte. 1963/1964 betätigte er sich als Porträtfotograf und Bildreporter. Von 1965 bis 1970 studierte er an der HGB bei Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Fritz Fröhlich und Werner Tübke und erwarb er das Diplom für Malerei. Von 1974 bis 1976 war er Meisterschüler bei Heisig an der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. Von 1977 bis 1980 und ab 1986 war er Assistent an der HGB im Fachbereich Malerei. 1989 wurde er Leiter der Malklasse. Von 1992 bis zur Emeritierung 2006 hatte er eine Professur. Zu den Schülern Gilles gehörten u. a. Walter Eisler, Jost Giese, Jost Heyder und Walter Libuda.
Gille war bis 1990 Mitglied des Verband Bildender Künstler der DDR. Er hatte im In- und im Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in der DDR u. a. von 1972 bis 1988 an der VII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden. Der Kölner Kunstmäzen Peter Ludwig kaufte insgesamt 61 Arbeiten Gilles.Michael Hametner: Im Farbrausch, der Freitag Nr. 7. vom 18. Februar 2021, S. 19
Ehrungen
1980: Kunstpreis des FDGB 1982: Nationalpreis der DDR III. Klasse 1985: Preisträger im Wettbewerb 100 ausgewählte Grafiken 1986: Anerkennung für Grafik im Wettbewerb zum XI. Parteitag der SED
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Gilles (unvollständig)
Altenburg/Thür.: Lindenau-Museum Berlin: Neue Nationalgalerie Berlin: Berlinische Galerie Dresden: Galerie Neue Meister Dresden: Kunstfonds des Freistaats Sachsen Erfurt: Angermuseum Gera: Kunstsammlung Gera Leipzig: Kunsthalle der Sparkasse Leipzig Oberhausen: Ludwiggalerie Schloss Oberhausen Stendal: Winckelmann-Museumhttps://nat.museum-digital.de/object/75303 Torgau: Stadt- und Kulturgeschichtliches Museum Berlin: Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank
Werkbeispiele Siehe auch Bildindex der Kunst & Architektur – Startseite Bildindex
Deckengemälde im Gewandhaus Leipzig Zwischen 1980 und 1981 fertigte Gille für die Foyers des Gewandhauses Leipzig das Deckengemälde Gesang vom Leben an, das mit einer Fläche von 712 m²Leipziger Kunstorte: Gesang vom Leben als größtes Deckengemälde in Europa gilt. 1979 erhielt er zusammen mit Wolfgang Peuker den Auftrag, die Deckenmalerei im Gewandhaus gemeinsam auszuführen. Die beiden Künstler teilten die Fläche auf, da ein gemeinsames Malen nicht möglich war. Nach den ersten Entwürfen verlangte der Auftraggeber jedoch eine einheitliche Handschrift für die gesamte Fläche. Der Auftrag ging aufgrund der Entwürfe an Sighard Gille. Wolfgang Peuker bekam die untere senkrechte Wand, die ursprünglich nicht für eine Malerei vorgesehen war. Nach Beginn der Arbeit war der Auftraggeber mit Peukers Komposition an dieser zentralen Stelle nicht einverstanden. Der Auftrag wurde storniert und Wolfgang Peuker erhielt einen neuen Auftrag für ein Deckengemälde im Bachmuseum. Das unfertige Gemälde Peukers wurde mit Farbe überstrichen und verschalt.
Buchillustrationen Miguel de Cervantes Saavedra: Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha. Übersetzung von Ludwig Tieck. Mit farbigen Zeichnungen von Sighard Gille. Verlag Faber & Faber, Leipzig 2004, ISBN 3-936618-27-5. Daniel Kehlmann: Beerholms Vorstellung. Mit zwölf farbigen Vignetten und vier Original-Lithografien von Sighard Gille. Verlag Faber & Faber, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86730-064-3. Ralph Grüneberger: Liebe Freiheit Mann & Frau. Ein Lesebuch. Mit 23 Grafiken (Radierung, Ätzung, Kaltnadel, Lithografie) sowie einer Original-Lithografie von Sighard Gille. Projekte Verlag Halle/Saale 2012; ISBN 978-3-95486-254-2
Ausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung (unvollständig) 2005: 10 Jahre galerie.leipziger-schule, Galerie Hotel Leipziger Hof 2016: Sequenz. Malerei und Zeichnungen, Kunstverein Coburg 2017: Sighard Gille. Ruhelos, Museum der bildenden Künste Leipzig
Literatur (chronologisch)
Dörte Döhl, Arnulf Siebenecker: Gerhard Gille. Brigade Heinrich Rau. In: Monika Flacke (Hrsg.): Auftragskunst der DDR 1949 – 1990. Klinkhardt & Biermann, München/Berlin, 1995, S. 208–214 Sighard Gille: Auswildern. Hrsg. Ferdinand Ulrich. Verlag Faber & Faber, Leipzig 2001, ISBN 3-932545-62-1. (Katalog) Hans F. Schweers: Gemälde in Museen. Deutschland, Österreich, Schweiz. Teil I. Band 1. Künstler und ihre Werke. K. G. Saur, München 2008, S. 503/504 Gille, Sighard. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 253/254 Michael Hametner: Einkreisen. 15 Gespräche – ein Porträt des Malers Sighard Gille. Mitteldeutscher Verlag 2014, ISBN 978-3-95462-226-9. Sighard Gille: Ruhelos. Werkverzeichnis der Malerei. Museum der bildenden Künste Leipzig. E. A. Seemann Verlag und Autoren, Leipzig 2016, ISBN 978-3-86502-377-3.
Einzelnachweise
Weblinks
Website von Sighard Gille https://skd-online-collection.skd.museum/Result/Index?page=1&pId=11145134&smode=And https://www.galerie-flox.de/de/sighard-gille.html
Kategorie:Hochschullehrer (HGB Leipzig) Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Maler (DDR) Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Person (Eilenburg) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann