mini|Rekonstruktionsversuch eines Clibanarius der Equites Persae Clibanarii, einer spätrömischen Eliteeinheit der Vexillationes palatinae (Palastarmee) des Ostreiches, Mitte 5. Jahrhundert n. Chr.
mini|Felsrelief des sassanidischen Königs Chosrau II. in der Rüstung eines Clibanarius, Kermanschah mini|Antikes Ritzgraffito eines parthischen Clibanariers aus Dura Europos
Clibanarius (Plural clibanarii, von lateinisch clibanus: den Nacken schützend) nannten die Römer Reiter mit Ganzkörperpanzerung für Reiter und Pferd.
Als Vorbild diente die schwergepanzerte Kavallerie der Parther, mit denen Rom ab der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. zunehmend in Konflikt geriet. Später wurden „Panzerreiter“ auch von den persischen Sasaniden übernommen und von den Oströmern weiterentwickelt und prägten viele Armeen der Spätantike. Sowohl die persischen als auch die römischen schweren Reiter unterlagen im 7. Jahrhundert der – viel beweglicheren – leichten Kavallerie der arabischen Stämme.
Definition
In der Antike wurde die Bezeichnung auf das griechisch-ionische Wort klibanos („Ofen“) zurückgeführt.Klibanophoros: zusammengesetzt aus gr. klibanos; „Eßgeschirr“, „(Back-)Ofen“, „Pfanne“ und phoros „Träger“. Diese Deutung erscheint auf den ersten Blick naheliegend, da die Kämpfer in ihren Rüstungen im warmen und trockenen Klima Persiens, Kleinasiens und der Levante im Einsatz sicher unter der großen Hitze litten. In der neueren Forschung geht man davon aus, dass der Ursprung von klibanos im mittelpersischen Wort grīwbān („eiserner Nackenschutz“, „Kehlstück“) zu suchen ist.grīwbān: zusammengesetzt aus grīw „Nacken“ und -bān „Schützer“ (Vendidad 14.9). F. Rundgren ging von der neupersischen Rekonstruktion *grīwbānar < mp. *grīwbānwar < ap. *grīva-pāna-bara „Nackenschutzträger“ aus (Frithiof Rundgren: Über einige iranische Lehnwörter im Lateinischen und Griechischen. In: Orientalia Suecana. Bd. 6, 1957, , S. 31–65, hier S. 48 ff.). Das lateinische clibanus ist eine Dissimilation (Doppelbedeutung) für Ofen, aber auch Nackenschützer und über das griechische klibanos ebenfalls aus der persischen Sprache ableitbar.ai. grīvā- („Nacken“), aw. grīuuā- („Nacken“) und letztlich mp. grīwbān für „Nackenschutz“ bzw. „Kehlstück“. Als gardan-band („Kragen“, „Halskette“) und garībān („Kragen“, „Uniformrock“) hat das mp. grīwbān Eingang auch ins Neupersische gefunden. Das lateinische clibanus „den Nacken schützend“ leitet sich mithin ebenfalls vom mp. grīwbān ab. Durch das Suffix -arius wird ein clibanarius daher zu einem „mit clibanus bzw. grīwbān Versehenen“. Laut Frithiof Rundgren wäre in diesem Zusammenhang eine Entwicklung der Bedeutung von Nackenschützer zu Panzerhemd nicht auszuschließen (Frithiof Rundgren: Über einige iranische Lehnwörter im Lateinischen und Griechischen. In: Orientalia Suecana. Bd. 6, 1957, S. 31–65, hier S. 31–52).
Im Lateinischen gibt es zwei ähnliche Wörter die leicht miteinander verwechselt werden können:
clibanum (Panzerhemd) und clibanus (Ofen).
Dadurch sind auch deren Ableitungen voneinander zu trennen, das heißt
clibanarius (Panzerhemdträger) im Gegensatz zu clibanarius (Bäcker).
Die älteste bekannte Erwähnung eines Clibanariers der römischen Armee stammt vom um 300 n. Chr. in Bithynien angefertigten, lateinisch beschrifteten Grabstein des Valerius Fuscianus aus Klaudiopolis (heute Türkei) und bezeichnet den Verstorbenen als catafractarius clibanarius.. Dass die Clibanarii als eine aus dem Orient stammende Form der schwer gepanzerten Reiterei angesehen wurden, geht aus verschiedenen zeitgenössischen Texten hervor. So heißt es bei Ammianus Marcellinus:
Vom Autor der um die Wende des 4. zum 5. Jahrhundert entstandenen Historia Augusta sind von Kaiser Severus Alexander folgende Worte überliefert:
Laut Mariusz Mielczarek unterscheidet sich der Clibanarier vom Kataphrakten nicht durch seine Rüstung bzw. Bewaffnung, sondern alleine durch seine Kampfweise. Damit wäre auch erklärt, warum auf römischen Panzerreiterdarstellungen keine klar erkennbaren Clibanarier zu finden sind. Da sie sich anscheinend nicht wesentlich von den Kataphrakten unterschieden, lässt sich dies auch bildlich nicht festhalten, aber sehr wohl in den Inschriften anführen, wie die Stele des Valerius Fuscianus aus Klaudiopolis beweist.Mariusz Mielczarek: Cataphracti and Clibanarii. 1993, S. 193.
Bei Griechen und Persern wurden Panzerreiter auch als: kataphraktos („mit Eisen Überworfener“), oder bargustuwān-warān (mittelpersisch für „Reiter auf gepanzerten Pferden“Steht auch für „gepanzerte Pferde“.), bezeichnet.
Rüstung Einschließlich der Waffen wog die volle Rüstung eines Clibanariers geschätzte 40 kg, ein Gewicht, das erst wieder die Plattenharnische des späten 13. Jahrhunderts erreichten. Vielleicht trugen sie auch eine besondere Art von Rüstung. Dies führte in der Forschung unter anderem zu der Ansicht, dass die bei den Römern erst viel später eingeführten Clibinarii, im Gegensatz zu den Kataphrakten, über eine modernere, weiterentwickeltere Panzerung verfügten. Laut der Notitia dignitatum existierten im spätrömischen Reich vier fabricae (eine im Westen, drei im Osten), die laut ihren Bezeichnungen für die Produktion von clibanaria zuständig waren.Notitia dignitatum occ., IX, 30 (Insignia viri illustris magistri officiorum): Fabricae infrascriptae in Galliis: Augustodunensis loricaria, balistaria et clibanaria, Notitia dignitatum or., IX, 19, 23 und 25 (Insignia viri illustris magistri officiorum): Fabricae infrascriptae: Clibanaria Antiochiae, Clibanaria Caesarea Cappadociae, Clibanaria Nicomediae. Die Panzerreiter wurden von den antiken Chronisten oft mit Statuen aus Eisen gleichgesetzt. So schildert Ammianus Marcellinus die schwere Kavallerie Kaiser Constantius’ II. bei ihrem Einzug in Rom im Jahr 357:
Bewaffnung Man ist der Ansicht, dass die Clibanarier eine besonders schwer gepanzerte, mit Bogen und langer Lanze bewaffnete (kleinasiatische) Spielart der antiken Panzerreiter gewesen seien, während die Kataphrakten zwar ebenfalls eine schwere Panzerung getragen haben, aber im Kampf vor allem die im Westen verbreitete Kombination von leichter Lanze und Schild verwendet hätten (Jon C. Coulston). Da Clibanarier offensichtlich mit Pfeil und Bogen und mit einer mit beiden Händen geführten langen Lanze kämpften, konnten sie dabei entweder gar keinen oder wohl nur einen sehr kleinen Schild verwenden. Dieser Umstand machte daher das Tragen einer besonders massiven Panzerung notwendig. Einige zeitgenössische Berichte hingegen beschreiben die clibinarrii und cataphractarii ausschließlich als Lanzenreiter.
Taktik Die römischen Clibanarier wurden vermutlich zusammen mit berittenen Bogenschützen eingesetzt, während die Kataphrakten in geschlossenen – das heißt unvermischten – Einheiten operierten. Kataphraktier wurden gegen die Infanterie eingesetzt, Clibanarier bevorzugt gegen die Kavallerie. Ihr Einsatz in der Schlacht war ansonsten vom jeweiligen Gegner und der Situation vor Ort abhängig.Milczarek, Anm. 33, S. 48–50
Panzerreitereinheiten im spätrömischen Heer Die Clibinarii in der römischen Armee waren den Kataphrakten im Rang übergeordnet. Von den drei der bisher bekannten Einheiten gehörte eine zur
schola, d. h. Palastgarde, die anderen zwei zu den palatini, der direkt dem Kaiser unterstellten Feldarmee (vgl. Comitatenses).
Eine der römischen Clibinariereinheiten entspricht jedoch nicht den üblichen zeitgenössischen Beschreibungen römischer Lanzenreiter. Die Equites Sagittarii Clibanarii werden in der westlichen Notitia als Angehörige der Feldarmee des Comes Africae bzw. des Magister equitum praesentalis aufgelistet.Notitia dignitatum occ. XXV bzw. VI, 27 Diese Einheiten dürften nach persischem Vorbild aufgestellt worden sein, berittene Bogenschützen avancierten im 6. Jahrhundert auch zu den standardmäßigen römischen Kavalleristen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob deren Pferde ebenfalls gepanzert waren. Manche der heutigen Fachautoren sehen die Existenz dieser Einheit als Beweis an, dass alle clibinarii mit Bögen bewaffnet waren und daher leichter gepanzert gewesen sein müssen als die cataphractarii. Vielleicht handelte es sich aber auch nur um eine Art Spezialtruppe, da diese Einheit extra als Sagittarii ausgewiesen wird.
In der römischen Armee war die Anzahl der Clibanarier- und Kataphrakteneinheiten nie besonders hoch. Ähnlich wie bei den berittenen Bogenschützen ist auch bei den schweren Panzerreitern anzunehmen, dass es mehrere kleinere Kompanien gab, die den regulären Kavallerieeinheiten nur für Spezialaufgaben zugeteilt wurden und sich deswegen nicht im Namen ihrer Verbände niederschlug. Nicht alle Kataphrakten und Clibanarier kamen aus dem Osten. Die Namen ihrer Angehörigen, die man auf Grabsteinen gefunden hat, lassen auch auf Rekrutierungen im Westteil des Reiches schließen.
+ Die Clibinarier- und Kataphrakteneinheiten im spätrömischen Heer (West- und Ostreich)BefehlshabenderOffizierGarnisonbzw. KommandanturNameAnzahl derEinheitenMannschaftsstärke(Höchststand)Comes domesticorum equitumKonstantinopelSchola scutariorum clibanariorum*1500Magister militum praesentialis INikaiaComites clibanarii*Equites cataphractarii BiturigensesEquites I clibanarii Parthi31500Magister militum praesentialis IIAdrianopelEquites Persae clibanarii*Equites cataphractariiEquites cataphractarii AmbianensesEquites II clibanarii Parthi42000Magister militum per OrientemAntiochia (Syrien)Comites cataphractarii Bucellarii iunioresEquites promoti clibanariiEquites IV clibanarii ParthiCuneus equitum II clibanariorum Palmirenorum41750Magister militum per ThraciasMarcianopelEquites cataphractarii Albigenses1500Dux ThebaidosPambane (bei Theben)Ala I Iovia cataphractariorum1250Dux ScythiaeArrubiumCuneus equitum cataphractariorum1250Ostreich gesamt156750Magister equitum praesentalisMediolanumComites Alani*Equites sagittarii clibanarii21000Comes AfricaeKarthagoEquites (sagittarii) clibanarii1500Comes BritanniarumLondiniumEquites cataphractarii iuniores1500Westreich gesamt42000 Gardeeinheiten sind mit * gekennzeichnet.
Klibanophoros (Byzanz) mini|Rekonstruktionsversuch eines byzantinischen Klibanophoros, 9.–10. Jahrhundert n. Chr. Die byzantinischen Panzerreiter tauchten erstmals in der Frühzeit des Reiches auf und wurden ab mittelbyzantinischer Zeit als Eliteformation neu organisiert. Sie waren ähnlich wie der Kataphrakt (Kataphractos) ausgerüstet, wurde allerdings von den Byzantinern noch weiter perfektioniert und wesentlich massiver gepanzert. Kaiser Nikephoros II. Phokas (960–969) führte die Klibanophoroi auch bei den Tagmata-Regimentern ein. Diese waren professionelle Soldaten, die direkt in der Hauptstadt Konstantinopel stationiert waren. Nikephoros II. führte während seiner kurzen Regierungszeit viele Kriege und war damit in den östlichen Themen auch besonders erfolgreich, die ihm auch neue Rekrutierungsgebiete für Reiter erschlossen (sie wurden überwiegend in südöstlichem Europa, Kleinasien und im Mittleren Osten ausgehoben), Byzanz war hierbei noch bis 1071 sehr aktiv. In der Schlacht bei Manzikert wurden die meisten Klibanophoroi aber möglicherweise vernichtet oder zerstreut und waren damit für das Reich verloren; die Unkosten für die Neuaufstellung von schweren Panzerreitereinheiten waren vermutlich nach dieser katastrophalen Niederlage zu groß geworden, um von dem nun erheblich geschwächten Byzanz noch getragen werden zu können.
Rüstung