Nukunonu (alte Namen: Duke of Clarence Island, Nukunono) ist eine bewohnte Insel im Pazifischen Ozean, die politisch zu Tokelau gehört. Sie ist die mittlere und größte der drei Inseln des Tokelau-Archipels, der sich zwischen dem 8. und 10. Breitengrad südlich des Äquators von Nordwest nach Südost erstreckt.

Geografie Das Atoll ist von annähernd fünfseitiger Gestalt und besteht aus 24 Motus (nach anderen Quellen: 30Encyclopædia Britannica), fünf größeren und 19 kleineren. Ein ausgedehntes Korallenriff mit zeitweise bestehenden Sandbänken nimmt die gesamte Nordseite des Atolls ein. Die größte der Riffinseln liegt an der Ostseite der Lagune. Sie ist 6,4 km lang und 270 m breit, umfasst 1,5 km² und wird in der einheimischen Sprache Nanu la Taulaga (in Englisch: Long Island) genannt, wobei „Taulaga“ auf Samoanisch „Opfer“ bedeutet. Zwei der Riffinseln sind bewohnt: Motu Vao und Motuhaga an der Südwestseite. Alle Motus haben zusammen eine Landfläche von nur 4,7 km².

Die Lagune ist mit 109 km² jedoch weitaus größer.Judith Huntsman: Tokelau: A historical ethnography. Auckland University Press, 2013, ISBN 978-1-86940-153-5 Sie hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 13 Kilometern und ist mit bunten Korallenköpfen gesprenkelt, um die sich vielfältige Lebensgemeinschaften gebildet haben. Eine befahrbare Passage in die Lagune gibt es nicht. Der Zyklon von 1914 brach eine Lücke in das südliche Ende der bewohnten Insel und trennte Motusanga ab. Heute liegt die Siedlung beiderseits des Durchbruchs, der mit einem Betonsteg überbrückt ist.

Die Landfläche der Motus besteht größtenteils aus Korallensand und Geröll, stellenweise auch mit emporgehobenen Blöcken aus Korallengestein oder herausragenden einzelnen Felsbrocken. An keiner Stelle liegt das Land höher als 5 m über dem Meeresspiegel.

Klima Nukunonu gehört nach der Klassifikation des Klimas von Köppen und Geiger zur tropischen Klimazone Af.Peel et al (2007): Updated Köppen-Geiger climate map of the world Das Klima ist tropisch-feucht und die mittlere Tagestemperatur liegt bei 23 °C, wobei die Temperaturschwankungen zwischen den einzelnen Jahreszeiten gering sind.Kazimierz Wodzicki: Preliminary report on damage to coconuts and on the ecology of the Polynesian rat (Rattus exulans) in the Tokelau Islands. In: Proceedings of the New Zealand Ecological Society 1969, S. 7 In den sechs Monaten von Oktober bis März herrschen Nord- und Nordostwinde vor, begleitet von Gewittern und kräftigen Schauern. Von April bis September, bei vorherrschenden südöstlichen Winden, nehmen die Niederschläge ab und es kommt gelegentlich zu Dürreperioden. Die durchschnittliche Regenmenge liegt bei rund 2500 bis 3000 mm im Jahr.

Der Tuvalu-Archipel wird gelegentlich von Zyklonen heimgesucht. Am 26. Februar 2005 zog der Zyklon Percy mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h über Tokelau und verursachte weitreichende Schäden auf allen drei Atollen. Die gravierendsten Verwüstungen richtete der Sturm auf Nukunonu an. Ein Großteil des Dorfes im Südwesten der Insel wurde überschwemmt, zahlreiche Wohngebäude beschädigt, die Schule zerstört und die Stromversorgung des Krankenhauses lahmgelegt. Percy vernichtete einen Großteil der Kokosnussernte, ebenso Bananenpflanzungen und Brotfruchtbäume. Salzwasser flutete die Tarofelder, was einen vollständigen Ernteausfall zur Folge hatte.Joanne Laurence, Tony Hill: Tokelau – Tropical Cyclone Percy. United Nations Disaster Assessment and Coordination Team, März 2005

Flora und Fauna Die Vegetation auf allen Motus ist artenarm und bei den Nutzpflanzen auf Kokospalmen, Pandanus, Brotfrucht, Papaya, Taro und Bananen beschränkt. Das Landschaftsbild wird heute zu einem nicht geringen Teil von Kokospflanzungen bestimmt, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zur Kopra-Produktion angelegt wurden. Reste der ursprünglichen Vegetation findet man noch auf einigen der kleineren Riffinseln. Jeder Bereich hat seine eigene, individuelle und relativ einheitliche Pflanzengemeinschaft. Allen gemeinsam sind nährstoffarme Böden, mangelnde Wasserversorgung, das Fehlen von Süßwasserquellen, Salzspray und gelegentliche Trockenperioden.Hermann Mückler: Die Außenpolitik der Staaten Ozeaniens. Brill/Schöningh, Wien 2010, ISBN 978-3-657-76800-4, S. 249 f. Im Wesentlichen findet man drei Vegetationszonen: Die unteren Strandbereiche mit Sandflächen, die überwiegend vegetationslos sind, werden bestimmt von Bündeln des robusten Grases der Gattung Lepturus. Die hinteren Strandbereiche, weitgehend stabile Geröllflächen, sind mit Schraubenbäumen (Pandanus tectorius), Scaevola taccata, buschig wachsenden Pemphis acidula und Guettarda speciosa bewachsen. Das mehr oder weniger ebene Inselinnere besteht aus offenen Busch- und niedrigen Waldflächen. Dort wachsen Kokospalmen (Cocos nucifera), Kordien (Cordia subcordata), Pandanus tectorius, Pisonia grandis, Pemphis acidula und Morinda citrifolia.Dieter Mueller-Dombois, Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York 1998, ISBN 0-387-98313-9, S. 328Bayard Eugene Vincent Parham: The vegetation of the Tokelau islands with special reference to the plants of Nukuono Atoll. In: New Zealand Journal of Botany 1971, Nr. 9, S. 576–609

Auch die Fauna ist artenarm und beschränkt sich überwiegend auf Insekten, Eidechsen und Landkrabben (Coenobitidae, Grapsidae, Gecarcinidae).J. C. Yaldwyn, Kasimierz Wodzicki: Systematics and ecology of the land crabs (Decapoda: Coenobitidae, Grapsidae and Gecarcinidae) of the Tokelau Islands, Central Pacific. Atoll Research Bulletin Nr. 235, The Smithsonian Institution, Washington, D.C., 1979 Säugetiere kommen nur als eingeführte Haustiere vor, darunter Pazifische Ratten (Rattus exulans), die die Polynesier auf ihren Fahrten als Nahrungstiere mitnahmen, und die sich mittlerweile ausgewildert haben.

Geschichte Frühgeschichte Über die Besiedlungsgeschichte von Nukunonu ist wenig bekannt. Die Insel gehört zum Polynesischen Dreieck und wurde von Polynesiern besiedelt, die wahrscheinlich um die Zeitenwende von Samoa einwanderten.Steven Roger Fischer: A History of the Pacific Islands. Palgrave, New York 2002, ISBN 0-333-94976-5, S. 31–32 Eine Legende berichtet allerdings von einer Besiedlung, die von den Cookinseln ausging: Ungünstige Winde trieben ein mit drei Männern und drei Frauen besetztes Kanu von Rarotonga nach Nordwesten, das schließlich auf einer Sandbank des Atolls Fakaofo landete. Ein Mann und eine Frau beschlossen, dort zu bleiben. Sie pflanzten die mitgeführten Kokosnüsse ein und bauten ein Haus. Die beiden anderen Paare segelten nach Hause zurück. Nach einiger Zeit starb die Frau ohne Nachkommen. Daraufhin baute sich der Mann ein Kanu und segelte nach Nokonunu, wo er eine andere Frau erwählte. Deren Kinder waren die Vorfahren der heutigen Bewohner von Fakaofo.Gordon Macgregor: Ethnology of Tokelau Islands. Bernice Pauahi Bishop Museum Bulletin, Band 146, Honolulu 1937, S. 18

Trotz großer Entfernungen dazwischen haben die Tokelau-Inseln ein gemeinsames kulturelles Erbe und sprechen einen besonderen polynesischen Dialekt.Judith Huntsman: Fiction, Fact, and Imagination: A Tokelau Narrative. In: Oral Tradition, Band 5 (2-3), Harvard University 1990, S. 283 Ausgrabungen auf der benachbarten Insel Atafu legen nahe, dass es während der gesamten Zeit der menschlichen Besiedlung umfangreiche Interaktionen mit weit entfernten polynesischen Inseln gegeben hat. Nahezu allgegenwärtiges Basaltgestein in Form von Werkzeugen oder Kochsteinen konnte der Insel Tutuila in Samoa zugeordnet werdenDavid Addison, Bryon Bass et al.: Archaeology of Atafu, Tokelau: Some Initial Results From 2008. In: Rapa Nui Journal, Band 23 (1) vom Mai 2009 und Keramikscherben aus einer Ausgrabung auf Atafu stammen von den Fidschi-Inseln.Simon Best: Tokelau archaeology: A preliminary report of an initial excavation. In: Indo-Pacific Prehistory Association Bulletin 8, 1988, S. 113 Die Tuvaluische Sprache, die auf Nukunonu gesprochen wird, ist eng verwandt mit der Kapingamarangischen Sprache, die in einigen Polynesischen Exklaven (zum Beispiel Kapingamarangi und Nukuoro) gebräuchlich ist. All dies legt gemeinsame Wurzeln sowie frühe und enge Beziehungen mit anderen, oft weit entfernten Inseln Mikronesiens und Polynesiens nahe.Patrick Vinton Kirch: On the Roads of the Wind, an Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact. University of California Press, Berkeley 2002, ISBN 0-520-23461-8, S. 179

Der mündlichen Überlieferung nach (die Polynesier hatten, mit Ausnahme der Osterinsel, keine eigene Schrift entwickelt) fand um 1650 n. Chr. unter einem Häuptling namens Te Vaka eine von Fakaofo ausgehende Invasion des gesamten Archipels statt. Nukunonu geriet unter die Hegemonie von Fakaofo, das bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Führungsrolle einnahm.Edwin H. Bryan: American Polynesia and the Hawaiian Chain. Tongg Publishing, Honolulu 1942

Europäische Entdeckung Am 24. Juni 1765 entdeckte John Byron während seiner Weltumseglung mit den Schiffen HMS Dolphin und HMS Tamar eine unbewohnte Insel, die er Duke of York’s Island nannte. Ihr heutiger Name ist Atafu. Die südöstlich gelegenen Nachbarinseln Fakaofo und Nukunonu sah er nicht, denn anschließend machte er sich auf die Suche nach den „Santa-Cruz-Inseln“ (Salomonen) von Pedro Fernández de Quirós, die er jedoch verfehlte, da sie auf seinen Karten mit der falschen Position eingezeichnet waren.John Byron: A Voyage Round the World, In His Majesty's Ship the Dolphin […]. J. Newbery, London 1767, S. 133–134

Der erste Europäer, der Nukunonu entdeckte, war der britische Kapitän Edward Edwards, den die Admiralität beauftragt hatte, mit der Fregatte HMS Pandora die Meuterer der Bounty aufzuspüren. Nachdem Edwards im März 1791 einige Beteiligte an der Meuterei auf Tahiti hatte festnehmen können, machte er sich erneut auf die Suche nach der Bounty, deren Aufenthaltsort er nicht kannte und die er irgendwo im westlichen Pazifik vermutete. Am 12. Juni 1791 entdeckte Edwards eine unbekannte Insel. Am Strand des niedrigen, dicht bewaldeten Atolls konnte er mehrere Insulaner ausmachen, die freundlich winkten. Edwards sandte ein Beiboot aus, um mit den Bewohnern in Kontakt zu treten. Wegen der starken Brandung musste das Unternehmen jedoch abgebrochen werden. Am nächsten Tag landeten zwei Offiziere der Pandora mit einer starken Gruppe auf dem nordwestlichen Motu des Atolls. Sie fanden nur eine verlassene Siedlung vor, offensichtlich waren die Bewohner aus Furcht vor den Fremden geflüchtet. Edwards vermutete, es seien keine permanenten Einwohner, sondern zeitweilige Besucher von der Insel Atafu, die Nukunonu zum Fischen und zur Kokosnussernte aufsuchten. Er benannte die Insel „Duke of Clarence's Island“ nach dem Sohn von König Georg III., den späteren König Wilhelm IV.Edward Edwards, George Hamilton: Voyage of H.M.S. Pandora, Despatched to Arrest the Mutineers of the 'Bounty' in the South Seas, 1790–1791. Francis Edwards, London 1915, S. 47–49